Kommentar: Habt ihr nix Besseres zu tun, liebe Versicherungsleute?

Mahatma Gandhi soll einst gesagt haben:

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Gandhi hat für soziale Veränderungen in seiner Heimat Indien gekämpft. Und dieses Zitat beschreibt sehr schön, welche Dynamiken diese Veränderungen durchlaufen. Das gilt irgendwie auch für das Verhältnis von Banken und Fintechs. Lange wurden Fintech-Start-ups ignoriert, dann belächelt. Heute, im Jahr 2016, sind wir irgendwo zwischen Bekämpfen und Gewinnen.

Etwas rückständigere Banken kämpfen noch, wie zum Beispiel die CreditBank plus. Die interpretierte kürzlich eine selbst angefertigte Studie so um, dass es danach klang, als wolle angeblich keiner Crowdlending nutzen (finletter berichtete). Andere Banken – wie zum Beispiel die Commerz Bank mit ihren Töchtern – gründen Inkubatoren, kooperieren mit Fintechs und werden selbst innovativ tätig. Klar, dass ich lieber Aktien der Commerz Bank kaufen würde als von der Creditplus.

Auch im Verhältnis zwischen Insuretechs und klassischen Versicherungen brennt gerade der Baum: Der Chef eines Maklerverbandes wirft Start-ups arglistige Täuschung vor, ein anderer denkt laut über rechtliche Schritte nach, ein dritter klagt bereits in mehreren Instanzen.

Photo Credit: Rich Keen / DPRA; Genutzt mit der Lizenz CC BY 2.0
Photo Credit: Rich Keen / DPRA; Genutzt mit der Lizenz CC BY 2.0

Was eine Energieverschwendung!

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein weiterer Vertreter der alten Garde sich öffentlich Gehör verschafft. Offensichtlich haben die Protagonisten der Branche zu viel Zeit, wenn sie sich in ihrem Arbeitsalltag ausführlich und kleinteilig mit den Vertragstexten der Mitbewerber auseinander setzen können. Ich habe Zweifel, ob die Energie da an der richtigen Stelle investiert ist…

Nutzt die Kraft doch lieber, um richtig gute Produkte für eure Kunden zu bauen! Euer Image ist eh ruiniert, egal ob ihr einen Anzugträger in die Wohnzimmer eure Kunden schickt oder ob ihr eine App baut. Versicherungsaktien würde ich gar nicht kaufen, erst recht nicht die Aktien von denen, die sich als Fachidioten gegenseitig bekriegen.

Irgendwie lief das im Fintech-Markt ruhiger ab, als bei Insuretech. Wieso? Ich freue mich über Kommentare dazu!

Um noch eins richtig zustellen: Das Zitat zu Beginn dieses Textes stammt (laut Wikiquote) wohl gar nicht von Gandhi. Bereits 1918 soll der US-Gewerkschafter Nicholas Klein gesagt haben:

Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler.

Was am Wahrheitsgehalt der beschriebenen Dynamik ja nichts ändert.

Clas Beese

2 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel.
    Wir haben genau die Erfahrung gemacht mit Banken, erst sagen alle Nein, dann wollen auf einmal alle mit einem sprechen, aber die Prozesse ziehen sich dann über Monate, der Vorstand sieht die Digitalisierung nicht so eng für 2016, und danach wechseln die Mitarbeiter den Job und können keine Intros machen zu Ihren Nachfolgern oder den richtigen Ansprechpartnern im Unternehmen.

    Bei Corporates mit Innovationabteilung geht es verhältnissmässig schnell und ich denke einige von dennen sind auf einem guten Weg, aber bei vielen hat das Umdenken noch nicht angefangen, und sie ahnen noch nicht wie groß der Eisberg ist auf den sie gerade zusteuern.

    Zwischendurch stellt sich mir die Frage warum Unternehmen, bsp. KFZ-Versicherung mehr Geld haben um jedes Jahr die Kunden neu einzukaufen und nicht das Geld einsetzen um Kunden zu begeistern ?

    1. „Zwischendurch stellt sich mir die Frage warum Unternehmen, bsp. KFZ-Versicherung mehr Geld haben um jedes Jahr die Kunden neu einzukaufen und nicht das Geld einsetzen um Kunden zu begeistern ?“

      Sehr gute Frage!
      Warum geben Banken soviel Geld (für Werbung, Sonderkonditionen, Prämien etc.) aus, um Neukunden zu gewinnen, anstelle mit weitaus weniger Aufwand ihre Bestandskunden zu pflegen? Also statt „1% Zinsen auf Tagesgeld im 1 Jahr, nur für Neukunden“ lieber dasselbe als Loyalitätsprämie nach 10 Jahren. Spart die Akquisekosten, zumal die Neukunden des einen ja sowieso meist die verlorenen Kunden des anderen sind, siehe Demographie. Ich beantworte die Frage mal selbst: Es liegt am Denken bis zum Quartalsende, maximal bis zum Ende des Jahres…

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