Kommentar: Paydirekt und das Henne-Ei-Problem

In dieser Woche gab es eine erste Wasserstandsmeldung von Paydirekt: 450 Käufe verbuche das Bezahlsystem der deutschen Banken pro Woche, meldete das „Handelsblatt“ (Blendle-Link, kostenpflichtiger Artikel). Was folgte, war allerlei Gespött in sozialen Medien:

https://twitter.com/klotzbrocken/status/760765848692858880

Fintech-Blogger Jochen Siegert stellte dann den Paypal-Vergleich an:

Klar, 450 Transaktionen pro Woche sind im Vergleich zum großen Konkurrenten Paypal verdammt wenig. Spott müssen die Initiatoren – Deutschlands Banken, Sparkassen und Volksbanken – deswegen aushalten. Schließlich haben sie sich bewusst als Alternative zum US-Giganten positioniert und merken jetzt, wie schwierig es tatsächlich ist, das Henne-Ei-Problem zu lösen. Denn: Grundsätzlich lebt so ein Payment-System von Netzwerkeffekten. Der Nutzen für Kunden ist besonders hoch, wenn viele Händler dabei sind; der Nutzen für Händler ist groß, wenn möglichst viele Endkunden das System nutzen. Die im „Handelsblatt“ geschilderte Strategie von Paydirekt, jetzt möglichst viele Händler onzuborden, klingt deshalb plausibel.

Völliger Unsinn hingegen ist es, sich auf den deutschen Datenschutz zu berufen. Mit dem Datenschutz made in Germany zu werben, wie es Paydirekt bereits getan ist, ist nur dann ein ausschlaggebender Punkt, wenn alles andere vergleichbar ist – also so gut wie Hauptkonkurrent Paypal ist in Sachen Nutzungsgebühren, aber auch Akzeptanz. Und an der Stelle hinkt Paydirekt einfach noch weit hinterher, weil es wenige Händler gibt und sich bisher so gut wie kein Endkunde registriert hat.

Branchenbeobachter spotten auch deshalb, weil die Banken von vornherein einfach zehn Jahre zu spät dran sind. So viel Verschnarchtheit verdient vielleicht ein bisschen Spott. Und dennoch: Ob sich der Dienst auf dem Markt behaupten kann, wird sich frühstens in zwei, drei Jahren zeigen. Und die Zeit sollte man ihnen aller Selbstgefälligkeit zum Trotz doch bitte geben.

Clas Beese

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