Kommentar: Wie Paypal um die Ecke denkt

Bei der Themen-Kuration für den aktuellen finletter landete heute diese Meldung in meinem Posteingang:

Paypal startet kostenlosen Retouren-Service

Im ersten Moment klingt das nach einer gewöhnlichen Meldung zum Thema Ecommerce, für den finletter also höchstens wegen des Bezugs zu Paypal relevant. Aber Retouren haben ja nichts mit Fintech zu tu. Also E-Mail schnell zu Ende lesen und löschen, dachte ich.

Doch – stopp! Wenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, dann sagt diese Meldung mehr über die Finanzbranche, ihre Revolutionen und ihre Rückständigkeit aus, als man denken würde.

Die Meldung kurz gefasst: Wer mit Paypal eine Bestellung bezahlt und sich vorher für das Retouren-Programm registriert, dem erstattet das US-Unternehmen die Rücksendekosten, sofern der Shop nicht sowieso eine kostenlose Retoure anbietet. Klingt ganz fair. Allerdings ist das in Deutschland neue Angebot auf ein paar Monate beschränkt, Kunden müssen erst einmal Formulare ausfüllen und auf Genehmigung hoffen.

Ein Markttest mit Potential

Für mich klingt das stark nach einem Markttest von Paypal. Meine Wette: Der Test wird erfolgreich! Denn zum einen sind die Deutschen bekanntlich ein ängstliches Volk, wenn es um Ecommerce und digitale Zahlungsmethoden geht. Wenn sie sich also dauerhaft absichern können gegen die Gefahr, ihr Porto von 3,90 Euro oder mehr zu verlieren, überspringen sie dafür vermutlich sogar die Registrierhürde. Für die Händler – sofern sie nicht eh längst den Wert einer kostenlosen Retoure erkannt haben – bedeutet dies einen Abbruch weniger in ihren Büchern.

Am Ende gewinnt Paypal, denn sowohl für die Kunden als auch die Händler entsteht durch dieses Angebot bloß ein weiterer Grund, das Angebot des Platzhirschen zu nutzen und dafür Gebühren zu zahlen.

Und jetzt stellen Sie sich das mal bei Paydirekt vor…

Für einen selbstbewussten Payment-Dienstleister wie Paypal ist die Retoure eine attraktive Zusatzdienstleistung, um sich im Ecommerce noch attraktiver zu machen. So gar nicht vorstellen kann ich mir einen solchen Service von einer Bank. Ich denke da an Paydirekt, das von deutschen Banken bewusst als Konkurrenz zu Paypal in Stellung gebracht. Ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, wie Banker darüber diskutieren, sich derart weit aus der Banken-Komfortzone herauszubegeben.

Dort würde ich jetzt gerne einmal Mäuschen spielen!

Clas Beese

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