finletter 91 – Mastercard, Insuretech-Exit, Weltsparen

Mastercard will mit Kundendaten Gewicht und Größe erkennen

Ein Patentantrag von Mastercard liest sich wie eine Lizenz zum Spähen: Der Kreditkartenriese will Daten seiner Kunden auswerten, um deren Körpergröße und Gewicht zu berechnen. Was kompliziert klingt, könnte ganz einfach aussehen: Der „Economist“ geht davon aus, dass schlicht die Größe von gekauften Kleidern und Schuhen analysiert wird. Darüber können sich Transport- und Reiseunternehmen freuen, die den Kunden ihre Sitzplätze besser zuweisen können. Korpulente Menschen hätten die Chance auf breitere Sitze. Doch kann die Fluglinie nicht einfach nach der richtigen Sitzgröße fragen? Ja, schreibt Mastercard in seinem 2015 eingereichten Antrag. Doch die Menschen würden ihre Größe wahrscheinlich falsch angeben und ihr Gewicht zum Beispiel unterschätzen. Die Auswertung der Kundendaten sei genauer, glaubt das US-Unternehmen. Klar, dass Mastercard die Informationen an andere Firmen nur gegen Geld weitergeben wird. Besonders gierig nach den Daten könnten Kranken-, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen sein. Doch das wäre für alle Seiten ein Verlust: Die Anbieter bargeldloser Zahlungen würden viel Vertrauen verlieren – und die Bürger den Schutz ihrer Daten.

Economist, Mobile Geeks, DRadio Wissen, Patentantrag


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– DACH News –

Insuretech-Übernahme durch Versicherer: Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) hat 75 Prozent der Anteile an Treefin erworben. Es ist der erste Insuretech-Exit an einen börsennotierten Versicherer. Die W&W-Kunden sollen in wenigen Monaten den digitalen Finanzassistenten nutzen können, den das Start-up entwickelt hat. IT Finanzmagazin, Fonds Professionell

Weltsparen meldet Erfolgszahlen: Der Berliner Festgeldvermittler Weltsparen hat bei seinen Kunden nach eigenen Angaben mehr als zwei Milliarden Euro eingesammelt. Damit scheint erstmals ein deutsches Geldanlage-Fintech den Durchbruch zum Massenmarkt zu schaffen. Capital, Gründerszene

Überweisung per Fingerabdruck bei Lendstar: Die Finanz-App ermöglicht ab sofort bei allen Banken in Deutschland und Österreich Überweisungen durch einen Fingerabdruck oder eigenen Lendstar-Code. Das Münchner Fintech kooperiert bei der Technik mit der SolarisBank. IT Finanzmagazin

Geldsegen für Funding Circle: Die Kreditplattform für kleine und mittlere Unternehmen erhält eine Eigenkapitalfinanzierung in Höhe von mehr als 94 Millionen Euro (100 Millionen US-Dollar). Accel führt die Finanzierungsrunde an. Wirtschaftswoche

Mehr Geld für Advanon: Das Schweizer Fintech-Start-up erhält 13,5 Millionen Franken (rund 10 Millionen Euro) von b-to-v Partners, VI Partners und dem Unternehmer Urs Wietlisbach, Gründer der Partners Group. Deutsche Startups

Whistleblower-System der Bafin ist gefragt: Die Finanzaufsicht hat in 2016 124 Hinweise über ihre Anlaufstelle für Whistleblower erhalten. Mit der Möglichkeit, seit diesem Jahr mutmaßliche Verstöße auch online zu melden, dürfte die Zahl 2017 ansteigen. Tagesspiegel, Pressemitteilung (Hintergrund)

Traxpay und Nord/LB arbeiten zusammen: Das Start-up und die norddeutsche Bank wollen gemeinsam das Firmenkundengeschäft digitalisieren und die Daten miteinander vernetzen. Pressemitteilung

 

– International –

Elektronisch zahlen spart Bares: Griechenland bestraft Bürger, die nur mit Bargeld zahlen. Wer nicht einen bestimmten Teil seiner Käufe elektronisch begleicht, erhält weniger Geld bei der Steuererklärung zurück. Deutsche Wirtschafts-Nachrichten, Ekathimerini

Master-Studiengang zu Fintech: Die schottische Universität Strathclyde hat einen Fintech-Master gestartet. Das einjährige Programm soll Studenten das analytische, finanzielle und technische Wissen vermitteln, um den digitalen Wandel von Unternehmen zu meistern. Nach Angaben der Universität handelt es sich um den ersten Master-Studiengang dieser Art in Großbritannien. Finextra

Kontrollen in China: Die chinesische Zentralbank hat in einem Schreiben die Inspektion von Bitcoin-Unternehmen angekündigt. Die Lizenzen der Firmen sollen geprüft werden. Coin Telegraph

 

– Jobs der Woche –

Beginner Level: Wer Daten erfassen will und gut mit Zahlen umgeht, kann in Frankfurt Werkstudent beim Start-up Compraga werden. Mehr erfahren

Junior Level: Was macht ein Crowd-Kampagnenmanager? Wenn Sie das wissen, ist diese Stelle bei Kapilendo vielleicht etwas für Sie. Mehr erfahren

Die Stellenangebote in dieser neuen Kategorie stammen aus der Fintech-Jobbörse von finletter und werden nach rein redaktionellen Kriterien ausgewählt. Mehr Angebote finden Sie hier.

 

– Treffpunkte –

12min.me Code Rouge: Unter anderem Volker Ernst von der Ernst Factoring GmbH hat für seinen Pitch zwölf Minuten. finletter ist Medienpartner. 18. Januar, Hamburg. Meetup.com

Fintech-Stammtisch Berlin zum Thema Scheitern: finletter-Gründer Clas Beese berichtet am Beispiel seines gescheiterten Start-ups finmar vom Lernen aus Fehlern. 31. Januar, Berlin. Event-Homepage

Fintech Week Hamburg: Nach dem großen Erfolg 2016 geht die Event-Woche in die zweite Runde. Potenzielle Sponsoren oder Veranstalter können sich beim Veranstalter melden. 6.-10. November, Hamburg. fintechweek.de

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Veranstaltungskalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Thesen für 2017: Comdirect-Vorstandsmitglied Martina Palte rechnet damit, dass Berlin als Fintech-Standort an Dominanz verlieren wird. Sie empfiehlt Fintechs in ihrer finletter-Kolumne, stärker auf das B2B-Geschäft zu setzen, und erwartet eine Konsolidierung des Markts. finletter.de

Langsamer Kundenservice: Viele Nutzer von N26 ärgern sich über lange Warteschleifen und ständige Besetztzeichen der Kundenhotline. Handelsblatt

Interview mit Vincent Haupert: Der IT-Sicherheitsexperte bewertet Überweisungsverfahren, die nur auf ein einziges Gerät setzen, als besonders gefährdet. Haupert, der Sicherheitslücken der N26-App aufgedeckt hatte, empfiehlt der Bafin, bei ihren Prüfungen mehr auf die technische Infrastruktur zu achten. IT Finanzmagazin

Partnerschaft mit etablierten Banken: Figo-CEO André M. Bajorat empfiehlt Fintechs, auf die richtigen Partner zu achten. Die Banken gingen mit offenen Armen auf die neuen Player zu, doch nicht jede Kooperation werde erfolgreich sein. Der Bank Blog

Aufsicht statt Wirtschaftsförderung: Bafin-Präsident Felix Hufeld lehnt Wirtschaftsförderung als Ziel seiner Aufsichtsbehörde ab. In seiner Neujahrsrede sagte er, die Bafin wolle ihre Regeln angemessen auf Fintechs anwenden – wieder mal eine Absage an das sogenannte Sandkastenmodell für Fintechs. Rede

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war in Wirklichkeit „meist geguckt“, nämlich das Video von der Vorstellung des N26-Hacks beim Chaos Computer Club Congress. Youtube

 

– Das Beste zum Schluss –

Wagniskapital und Fintech: 2016 ist vorbei – und Peter Barkow hat wie gewohnt die neuesten Daten zum globalen Venture Capital ausgewertet. Die sehen gut aus! Barkow Consulting

Andreas Maisch

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