finletter 96 – PSD2, Solarisbank, Adyen

PSD2 wird vom Nerd-Kürzel zum Mainstream-Thema

Die Debatte um PSD2 ist endgültig im Mainstream angekommen. Nachdem die Beraterfirma Roland Berger Ende voriger Woche eine Studie veröffentlichte, wonach die neue EU-Richtlinie zum Zahlungsverkehr 40 Prozent der Bankgewinnne gefährde, widmete das „Handelsblatt“ dem Thema diese Woche gleich eine Doppelseite. Tenor: Die „Payment Service Directive 2“ stelle das Geschäftsmodell der klassischen Kreditwirtschaft infrage. Dazu passend veröffentlichte der private Bankenverband BdB ein Positionspapier. Spitzenfunktionär Andreas Krautscheid ließ dabei durchblicken, dass die Richtlinie aus BdB-Sicht die Banken gegenüber den Fintechs benachteilige – jedenfalls nach jetzigem Stand. So sei unverständlich, dass Drittdienste einen gesetzlich definierten Zugang zur Infrastruktur der Banken hätten, der allerdings umgekehrt nicht gelte. Bei der „Handelsblatt“-Privatkundentagung ging die Debatte weiter. Dort stellte André Bajorat, Chef des Hamburger Fintechs Figo, die These auf, dass sich Banking durch PSD2 von den Banken entkoppele. Und: Natürlich sorgt die Payment-Richtlinie, die Anfang 2018 in Kraft treten soll, nicht nur hierzulande für Aufregung. Laut einem Bericht der „International Business Times“ könnten Apple, Facebook, Google und Amazon PSD2 nutzen, um das Geschäftsmodell der Kreditkartenfirmen aufzumischen.

Berger-Studie, Handelsblatt (Paid), BdB-Papier, IT-Finanzmagazin, Twitter, IB Times

 

– Fintech-News Deutschland –

Solarisbank werkelt an Groß-Funding: Zwar hat die Fintech-Bank Berichte über eine 30 Millionen Euro schwere Refinanzierungsrunde dementiert. Fest steht nach finletter-Informationen jedoch: Solaris arbeitet momentan an einem frischen, nicht zu knappen Funding. Finextra, Twitter

Paypal will in Deutschland Kredite vergeben: Der US-Konzern setzt seine Mutation vom Online-Bezahldienst zur „Bank light“ fort. Laut Vorstandschef Dan Schulman will Paypal hierzulande bald Kredite an KMUs vergeben. Übergizmo.de

Prestige-Erfolg für Finreach: Die Deutsche Bank setzt beim Kontowechsel künftig auf die Technologie des Fintechs. Rivale Fino zog laut „Handelsblatt“ bei der Ausschreibung den Kürzeren. Handelsblatt

1,5-Millionen-Finanzierung über Finnest: Die österreichische Crowd-Plattform greift nun auch in Deutschland an. Der Biosäfte-Hersteller Voelkel erlöste über Finnest Mezzanine-Kapital in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Verzinsung: 4 Prozent. Börse-Express, Handelsblatt

Exporo jetzt mit Crowdlending: Die Immobilien-Plattform finanziert nach eigenen Angaben das erste Projekt, bei dem es nicht um Crowdinvesting, sondern um Crowdlending gehe. Hintergrund: Laut Unternehmen soll die Finanzierung „erstrangig besichert“ sein. Cash-Online, Immobilienzeitung

Finleap mit geheimer Promi-Investorin: Zu den ersten Geldgebern des Berliner Fintech-Inkubators gehörte auch Susanne Porsche, Ex-Frau des Autodynasten Wolfgang Porsche. Das hat das Tech-Magazin „t3n“ jetzt herausgefunden. t3n, Süddeutsche

Fintura will Zahl der Anbieter verfünffachen: Die Frankfurter Vergleichsplattform für Firmenkredite setzt sich ehrgeizige Ziele: Bis Jahresende soll die Zahl der Anbieter von 40 auf 200 wachsen. Börsen Zeitung (Paid)

 

– Fintech-News International –

Adyen steigert Transaktionsvolumen um 80 Prozent: Wird der niederländische Zahlungdienstleister tatsächlich zum europäischen Paypal? Das Transaktionsvolumen jedenfalls lag 2016 bereits bei 90 Milliarden Dollar – ein Plus von 80 Prozent. CNBC

Hedge-Fonds wollen Bitcoin-Forderungen aufkaufen: Laut „Financial Times“ könnten sie sich bald über die zusammengebrochene Bitcoin-Börse Mt Gox hermachen. Angeblich überlegen diverse Hedge-Fonds, die Forderungen geschädigter Kunden aufzukaufen. BTC Echo, Financial Times (Paid)

Santander führt „Pay as you Speak“ ein: Die Fintech-affine spanische Großbank präsentiert ihr nächstes Gadget. Kunden der UK-Tochter können den vor einem Jahr eingeführten Voice-Assistenten der Banking-App nun auch nutzen, um Geld zu überweisen. Telegraph

Ant Financial plant Milliarden-Expansion: Der Payment-Arm des chinesischen Internetriesen Alibaba will laut einem Medienbericht mit einer Drei-Milliarden-Dollar-Finanzierung die globale Expansion vorantreiben. Fintech Collective, The Information (Paid)

 

– Jobs der Woche –

Fintech Jobbörse von finletterBeginner Level: Wer mindestens Mittlere Reife und gute Noten in Mathe, Deutsch und Englisch mitbringt, der hat Chancen, beim Onlinebroker Comdirect eine 2,5- bis 3-jährige Ausbildung zum Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration zu starten. Mehr erfahren

Junior Level: Spaß an der Akquisition neuer Vertriebspartner? Dann könnte dieser Job der richtige sein: Inside Sales Manager beim Berlinern Fintech Raisin, das hinter dem Festgeld-Vermittler Weltsparen.de steht. Mehr erfahren

Senior Level: Die Berliner Crowd-Plattform Kapilendo sucht einen Kampagnen-Manager. Eine der Vorausstzungen: „Du kannst selbst die innovativsten Konzepte auch Deiner Oma verständlich erklären.“ Mehr erfahren

Die Stellenangebote in dieser Kategorie stammen aus der Fintech-Jobbörse von finletter und werden nach rein redaktionellen Kriterien ausgewählt. Mehr Angebote finden Sie hier.

 

– Treffpunkte –

Euro Finance Tech IV: Bei der vierten Auflage der Fintech-Messe geht es um Virtual Reality im Banking, um Artificial & Augmented Reality und um die diversen Initativen der Frankfurter Fintech-Szene. 16. Mai, Frankfurt. Event-Homepage

Blockchain Unchained 2017: Was kann die Kette wirklich? Im Rahmen der Blockchain Unchained 2017 stellen Experten Praxisbeispiele vor und diskutieren über Potenziale und Risiken. 17. Mai, Frankfurt. Event-Homepage

Postbank Startup Counting: Im Rahmen der Cebit suchen „Entscheidungsträger“ der Postbank am 22. und 23. März den Austausch mit Finanz-Start-ups und deren Ideen. Wer sich für eines der „One-on-One“-Meetings bewerben will, tut das hier: Postbank

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Veranstaltungskalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Influencer in der Insurtech-Branche: Moritz Finkelnburg beschreibt in einem Beitrag auf finletter die Rolle der „Connecter im Hintergrund“ für die Szene. finletter

Lette Macchiato? Este Sahne! In einem Gastbeitrag für „Fondsprofessionell“ erklärt Rein Ojavere, Finanzchef der P2P-Lendingplattform Bondora, warum so viele erfolgreiche Fintechs aus den Baltenstaaten kommen. Fondsprofessionell

Studienalarm I: Cyber-Kriminalität gilt als eines der Felder, auf denen Insurtechs bald etablierte Versicherer angreifen könnten. KPMG hat sich nun in einer Studie mit dem Marktpotenzial befasst. Ergebnis: 15 Milliarden Euro bis 2036. Procontra

Studienalarm II: Die Zielgruppe, die jeder haben will, ist auch die, die kaum einer (so richtig zu fassen) kriegt. Eine neue Studie erläutert nun, was die Generation Y von ihrem digitalen Finanzdienstleister erwartet. Der Bank Blog

Der Name ist Bond, Bitbond: Das Berliner Startup will Bitcoin-Kredite an Mittelständler vergeben. Wie das funktionieren soll, erklärt Gründer Radoslav Albrecht. Deutsche Startups

Wer PSD2 noch immer nicht ganz verstanden hat, … den weisen wir auf den 49-Seiten-Schmöker „Implementation of the revised EU Payment Service Directive II“ des britischen Finanzministeriums hin. HM Treasury

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Artikel über den frisch gestarteten neuen Robo Advisor truevest. Finanzen.net

 

– Das Beste zum Schluss –

Was kommt nach den Banken? Nein, nicht die Fintechs, jedenfalls nicht in Berlin. Sondern: die Künstler. Mehr als 100 von ihnen haben jetzt ein ehemaliges Gebäude der Berliner Volksbank inmitten der Hautstadt in Beschlag genommen. Occupy Kudamm, wenn man so will. Nun soll der Ort, an dem – O-Ton „Berliner Morgenpost“ – „einst alltägliche Büroeinöde herrschte“, für mehrere Monate zur Heimstätte schräger Kunst werden. Los geht’s im April, enden wird das „The Haus“ genannte Projekt im Juni. Dann folgt der Abriss. Morgenpost

Heinz-Roger Dohms

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