About Fintech #3: Mein Leben in der Filterblase

Was gab es seit meiner letzten Kolumne nicht wieder alles an aufregenden Nachrichten aus der Fintech-Szene! Um nur einmal die Highlights aufzuzählen: Lidl, Aldi und Rewe bieten kontaktloses Zahlen an. Bitcoin ist erstmals mehr wert als Gold! Die US-Börsenaufsicht SEC verwehrt [Bitcoin] Indexfonds die Zulassung. Und: Spaltungstendenzen bei Bitcoin!

Daneben gab es in schöner Regelmäßigkeit Neuigkeiten zu erfolgreichen Finanzierungsrunden. Irgendwas mit Payment ist auch immer dabei. Auf jeden Fall immer Spekulationen um Applepay: Kommt es jetzt nach Deutschland oder doch nicht? Insbesondere diese Frage wird oftmals mit geradezu missionarischem Eifer geführt.

Je mehr man das alles liest, desto mehr könnte man glauben, das Fintech die Welt auffrisst. Eben so, wie es einige Fintech-Apostel jedem entgegen rufen, ob man es nun hören will oder nicht. Es scheint fast so, als käme man an diesem Thema gar nicht mehr vorbei. Aber ist das wirklich so?

Tobias Baumgarten
Tobias Baumgarten schreibt auf finletter über seine Fintech-Filterblase. Außerdem bloggt er auf aboutfintech.de.

Fintech ist ein Filterblasen-Thema

Schenkt man den letzten Studien und Umfragen zu Thema Glauben, sieht die Wirklichkeit anders aus: Laut Statista haben gerade einmal sechs Prozent der Deutschen von Fintechs gehört und haben eine konkrete Vorstellung davon. Umfragewerte, die man als Fintech-Enthusiast nicht gern zur Kenntnis nimmt.

Unterhält man sich aber mit „ganz normalen Menschen“, bestätigen sich diese Ergebnisse recht schnell: Weder meine Familie noch die Nicht-Banker unter meinen Bekannten können mit N26, Robo Advice oder Blockchain etwas anfangen. Ob es einem gefällt oder nicht: Außerhalb unserer Filterblase interessiert Fintech kaum jemanden.

Aber Moment: Warum machen wir uns dann hier die Mühe, jede Woche News rund um das Thema Fintech aufzubereiten? Warum schreibe ich hier regelmäßig meine Kolumne? Ist Fintech vielleicht doch unwichtig?

Warten auf das Platzen der Filterblase

Die klare Antwort lautet: Nein, Fintech ist nicht unwichtig! Viele wichtige technologische Entwicklungen werden zunächst nur in Expertenkreisen diskutiert. In unserer kleinen, heilen Fintech-Filterblase finden wir dazu alles, was wir brauchen. Innovative Start-ups, klasse Nischenmedien und zahlreiche Tech-Nerds, mit denen wir den ganzen lieben Tag lang diskutieren können.

Und hier bilden sich nach und nach technologiegetriebene Lösungen, die die Finanzbranche gehörig umkrempeln werden. Die einen mehr – zum Beispiel Blockchain oder Machine Learning – und die anderen nur ein wenig. Und von vielen wird außerhalb unserer Filterblase nie ein Normalkunde etwas mitbekommen. Einfach deshalb, weil viele Fintechs lieber mit Banken kooperieren und ihnen White-Label-Produkte anbieten werden anstatt sich direkt an den Endkonsumenten zu wenden.

Aber irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, wird Fintech unsere Filterblase verlassen – und dann geht es erst so richtig los! Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das mal wieder im Rahmen einer Blase und deren Platzen an den Aktienmärkten passiert. Wie schon so oft, zuletzt mit der Dotcom-Blase. Damals sind viele Menschen überhaupt erst auf „dieses Internet“ aufmerksam geworden. Viele Firmen von damals sind längst verschwunden, aber die Technologie ist geblieben.

Mit Fintech könnte es genau so kommen. Denke ich jedenfalls – und tauche damit wieder ab in meine Filterblase. Zurück an den Nerd-Pol, wo Menschen Konten in fremden Ländern eröffnen, nur um auf Umwegen ein Mobile-Payment-Verfahren nutzen zu können, anstatt einfach die Girocard zu nehmen. Ach, wie schön ist es dort :-)

Tobias Baumgarten

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