Blockchain-Kolumne #13: Zwei Fragen – zwei Experten

Wir Menschen sind ungeduldig. Nicht nur in der Fintech-Welt sind wir immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding, reiten mit auf der Themenwelle und möchten dabei aber auch nicht den Punkt verpassen, an dem wir ein Thema oder Technologie als Hype abtun können. Dabei wissen wir, dass wir die Zeit des Durchsetzens einer Technologie zumeist überschätzen, deren Wirkung jedoch unterschätzen.

Allerdings ändert sich auch hier die Welt, denn eigentlich sind wir gar nicht mehr in der Lage, irgendetwas richtig einzuschätzen. Da hilft es immer noch, wenn man sich mit Experten austauscht, um insgesamt ein besseres Bild zu bekommen. Ich habe das in den letzten Wochen intensiv gemacht und hier geben zwei Menschen, die tief in die Blockchain-Welt involviert sind, ihre Antworten auf dringende Fragen.

Ich fragte Axel Apfelbacher:

Ist die Blockchain eher eine technologische oder eine ökonomische Innovation?

Die Antwort hängt stark vom Einsatzbereich ab, für den man Blockchain-Technologie verwenden möchte. Sofern man „nur“ ein effizienteres Transaktionssystem für Vermögensgegenstände im Sinn hat, ist Blockchain sicherlich eher eine technologische Innovation, die zudem bereits in ihren Grundlagen seit mindestens 20 Jahren existiert. Der ökonomische Effekt würde m.E. erst in dem Moment zum Tragen kommen, in dem wir Blockchain-basierte Währungen etablieren, die von einer breiten Community von Nutzern als Währung akzeptiert werden. Je nach Ausgestaltung solch einer monetären Revolution wäre die Grundlagentechnologie Blockchain weiterhin „nur“ die Technologie-Basis, diese hätte dann aber ein vollkommen verändertes Verständnis von Geld und Währung zur Folge und wäre somit eher eine ökonomische Innovation.

Über die Folgen einer derartigen Veränderung des Geld-Systems zu spekulieren, ist müßig, da wir darauf aktuell keinerlei sinnvolle Antworten geben können. Ich gehe daher auch davon aus, dass die ersten sinnhaften Anwendungen eher in den Bereichen Transaktions-Maschine und weniger im Bereich einer Revolution des Geldsystems liegen. Aber Vertreter der Bitcoin-Szene, die deutlich mehr missionarischen Eifer an den Tag legen, würden mir hier sicherlich widersprechen.

Axel Apfelbacher ist selbstständiger Berater für Digitalisierung und Fintech. LinkedIn

Und ich fragte Sven Laepple:

Ist Blockchain nicht eher eine Technologie für eine soziale Innovation, wenn nicht sogar Revolution. Der einzelne wird zum Steuermann und Kontrolleur seines Lebens, er benötigt keine Intermediäre oder Gatekeeper mehr?

Richtig. Blockchain auch eine soziale Innovation. Deshalb sprechen auch Alex und Don Tapscott in ihrem Buch von der „Blockchain Revolution”. Neue Eco-Systeme bilden sich um die verschiedenen Blockchains. Wer das Thema als Bank nicht ernst nimmt, verpasst die gestalterischen Möglichkeiten und wird sich in den neu entstehenden Ökosystemen schwer tun, eine attraktive Position einzunehmen. Dies ist umso riskanter, da viele Dienstleistungen der Banken heute im Zeitalter von Google, Facebook, Apple und Amazon nur einen Klick von digitalen Wettbewerbern entfernt sind. Klassische Bankprodukte werden zu einem Software-Feature.

Zwar braucht es in der Theorie dann keine Intermediäre oder Gatekeeper mehr. Die Realität wird wohl eine Mischung traditioneller Kundepräferenzen in Verbindung mit den neuen dezentralen Geschäftsmodellen sein. Am Besten wird das bei den dezentralen Marktplätzen sichtbar, wo kein zentraler Betreiber mehr die verschiedenen Aspekte eines sicheren Handelns übernimmt. Jedoch werden viele vormals zentral angeboten Services weiterhin benötigt, wenn auch in anderer Form. Dies ermöglicht bisherigen Anbietern, sich durch eine Neupositionierung im jeweiligen Segment den neuen Anforderungen anzupassen und auch zukünftig eine Rolle zu spielen.

Sven Laepple ist Blockchain-Angel und Gründer von Astratum. LinkedIn & Twitter.


Die ausführlichen „Blockchain-Finterviews“ wird es ab sofort regelmäßig in Boris Janeks Financezweinull Blog geben.

Boris Janek

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