About Fintech #4: Der wahre Wert von Fintech-Konferenzen

Am 5. und 6. April war es mal wieder soweit: Die EXEC Fintech (ehemals EXEC IO) hatte ihre Zelte aufgeschlagen. Nach mehreren Jahren in Frankfurt ging es nun erstmals nach Berlin. Und da der finletter zu den diesjährigen Medienpartnern gehörte, durfte ich vor Ort dabei sein.

Nun wäre es für einen Medienpartner üblich, einen spannenden Nachbericht zum Event zu schreiben. Das habe ich die letzten Tage ehrlich versucht – und bin daran gescheitert. Wer einen guten Nachbericht sucht, sollte daher den Artikel von Sven Korschinowski im IT Finanzmagazin lesen.

An dieser Stelle könnte ich abbrechen, aber mindestens genau so spannend wie ein guter Nachbericht ist die Frage, warum ich daran gescheitert bin. Obwohl ich doch so viele Reviews zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen geschrieben habe. Das kann doch also nicht so schwer sein? Und ob! Aber der Reihe nach.

Tobias Baumgarten
Tobias Baumgarten hat auf finletter die aktuellen Fintech-Trends im Blick. Nebenbei bloggt er auf aboutfintech.de.

EXEC Fintech – zwei Tage Vorträge am Stück

Es gab eine ganze Menge zu sehen und zu hören auf der EXEC Fintech. Wenn ich das auf der Agenda richtig gezählt habe, gab es allein 35 Talks, Panels und so weiter. Darunter jede Menge wirklich tolle Speaker. Dazu noch 48 Fintech-Pitches. Dazu muss man doch was schreiben können!

Kann ich aber nicht, weil ich gerade einmal zwei (!) Talks angehört habe. Einen deshalb, weil ich Valentin (Stalf von N26) einmal live sehen wollte. Den anderen, weil ich Mirko (Krauel von Collect AI) aus Hamburg gut kenne. Alle anderen Vorträge habe ich links liegen lassen.

Das lag nicht an meiner Ignoranz oder an Desinteresse, sondern entsprach voll dem Verhalten der großen Mehrheit der Teilnehmer. Bei den meisten Talks war mehr als die Hälfte der Plätze frei. Frustrierend für jeden Speaker, der sich umfassend vorbereitet hat!

Talks als Beiwerk, der wahre Wert liegt ganz woanders…

Und damit kommen wir zu meinem „Problem“: Die vielen Talks, Panels und Pitches sind eigentlich nur nettes Beiwerk. Bei der EXEC Fintech wie bei den meisten anderen Konferenzen dieser Art auch. Denn der eigentliche Wert dieser Veranstaltungen ist das Networking. Und so bin ich innerhalb der ersten Stunde nicht über den Innenhof hinaus gekommen. Denn alle paar Meter wurde entweder ich angesprochen oder aber ich habe jemanden gesichtet, mit dem ich mich schon lange mal im echten Leben unterhalten wollte.

So bin ich vor lauter Networking und Gefachsimpel einfach nicht dazu gekommen, mir die Vorträge anzuhören. Deshalb könnte ich in einem Review nur schreiben, wie sehr es mich gefreut hat, mit Jochen Siegert und Rafael Otero zu quatschen, Marc P. Bernegger live kennengelernt zu haben oder mit Yassin Hankir über den weiteren Weg von Savedroid fachsimpeln zu können. Oder aber darüber, dass die Zeit leider viel zu kurz war, um Katharina Schneider, Florian Graillot oder Robin Buschmann mal persönlich kennenzulernen. Aber wen hätte das interessiert? Richtig: niemanden!

Die Moral von der Geschicht

So bleibt also nicht mehr von der EXEC Fintech übrig, als diese Kolumne. Aber ist das so schlimm? Ich meine: nein! Denn die Moral von der Geschicht entschädigt dafür: Der wahre Wert von Fintech-Veranstaltungen liegt nicht in den gebotenen Vorträgen, sondern in der Qualität der Teilnehmer und des Networking mit ihnen.

Diese Erkenntnis ist leider gerade bei vielen Bankern noch überhaupt nicht angekommen. Wie oft sehe ich zum Beispiel beim Code Rouge oder dem Fintech Meetup Hamburg Banker direkt nach den Pitches auf die Uhr schauen und sagen: Ich werd dann mal nach Hause! Seid ihr verrückt? Dann verpasst ihr den eigentlichen Höhepunkt dieser Treffen! Denn die Pitches dienen eigentlich mehr als Gesprächsaufhänger für das anschließende Netzwerken.

Wenn ihr nur diese Erkenntnis aus meiner Kolumne mitnehmt, dann hat er sich auch für euch gelohnt, mein Besuch auf der EXEC Fintech.

Tobias Baumgarten

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