finletter 104 – Vorschriften für Video-Ident, Paydirekt, Swift

Bafin verschärft Anforderungen an Video-Ident-Verfahren

Die Finanzaufsicht stellt höhere Sicherheitsanforderungen an das Verfahren zur Identifizierung per Video-Chat. Künftig benötigen Nutzer einen Ausweis mit mehreren Sicherheitsmerkmalen – zum Beispiel den Personalausweis im Scheckkartenformat. Auch die Anbieter müssen sich umstellen und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselungstechnik nutzen. Das Gespräch zur Identifizierung muss in Echtzeit geschehen, regelt das entsprechende neue Rundschreiben der Bafin. Ident-Spezialisten sollen mit psychologischen Fragestellungen die Plausibilität der Angaben und die Absicht des Kunden prüfen, um Betrüger zu erkennen. In der Fintech-Szene kommen die Änderungen gut an. Fintech-Experte André Bajorat sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Es ist gut und richtig, dass die Hürden höher gelegt wurden.“ Frank Jorga, Chef vom Video-Ident-Anbieter WebID Solutions, bezeichnete das Bafin-Rundschreiben als „Paukenschlag“ für die Finanzwelt. Der neue Kriterienkatalog, der am 15. Juni in Kraft treten wird, werde die Spreu vom Weizen trennen. Und Michael Sittek, Geschäftsführer von IDnow, sagte: „Das wird den Finanzstandort Deutschland stärken.“ Selten freuen sich Branchenvertreter so sehr über eine strengere Regulierung. Doch dabei spielt auch eine Rolle, dass im Sommer 2016 noch ein Ende des Video-Ident-Verfahrens drohte. Ursprünglich hatte die Bafin in Absprache mit dem Bundesinnenministerium nur noch Banken erlauben wollen, die Video-Legitimation zu verwenden. Außerdem waren Internet-Recherchen und Referenz-Überweisungen zur Überprüfung der Echtheit von Antragsstellern vorgesehen. Diese Pläne hat die Bafin nun verworfen.

Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, IT Finanzmagazin, Bafin (Rundschreiben)


– Fintech-News Deutschland –

Kartellamt gibt grünes Licht für P2P-Payment bei Paydirekt: Das Bundeskartellamt hat keine Einwände gegen die Einführung einer neuen Handy-zu-Handy-Zahlfunktion beim Bezahldienst der deutschen Banken und Sparkassen. N-TV

Feelix startet Robo-Advisor: Das Berliner Fintech hat den beraterunabhängigen Robo-Advisor „Digitaler Finanzplaner“ als White-Label-Lösung veröffentlicht. Cash Online, IT Finanzmagazin

Clark und ING-DiBa kooperieren: Der Versicherungs-Robo-Advisor kann nun von Kunden der Direktbank ING-DiBa genutzt werden. IT Finanzmagazin

GetSafe wird zum Versicherungsanbieter: Das Insurtech aus Heidelberg bietet künftig selbst Versicherungen an. Deutsche Startups

 

– Fintech-News International –

Swift will mit IT verdächtige Transaktionen erkennen: Eine neue Software des Zahlungsnetzwerks soll künftig gegen Hacker-Angriffe schützen und bei ungewöhnlichen Überweisungen Alarm schlagen. Handelsblatt (Paid), Silicon

Facebook erweitert Bezahl-Funktion: In den USA können Nutzer des Facebook Messengers mit der App nun gleichzeitig Geld an mehrere Kontakte überweisen. Bisher war dies nur zwischen zwei Personen möglich. CNET, Pressemitteilung

Banken integrieren Adroid Pay in ihre Apps: Googles Bezahldienst ist künftig in den Mobile Banking Apps mehrerer Banken verfügbar. IT Times, Google

Großbritannien fordert globale Regeln: Die britische Finanzaufsicht FCA verlangt einen internationalen Rechtsrahmen für Finanz-Start-ups, um einen „Wilden Westen“ zu vermeiden.
Finextra

 

– Jobs der Woche –

Junior Level: Sie sind Entdecker, Überzeuger und Brückenbauer und können IT-Infrastrukturen weiterentwickeln? Dann sollten Sie sich vielleicht als DevOps Engineer beim Hamburger Fintech Deposit Solutions bewerben. Mehr erfahren

Die Stellenangebote in dieser Kategorie stammen aus der Fintech-Jobbörse von finletter und werden nach rein redaktionellen Kriterien ausgewählt. Mehr Angebote finden Sie hier.

 

– Treffpunkte –

Düsseldorf Fintech Meetup: Die Speaker sind Sven Laepple von Astratum und Sebastian Hasenack von Investify. finletter ist Medienpartner. 5. Mai, Düsseldorf. Meetup.com

Fintech Stammtisch Berlin: Auf der Tagesordnung steht die Blockchain-Technik. finletter ist Medienpartner. 16. Mai, Berlin. Event-Homepage

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Veranstaltungskalender auf finletter.de.


– Wochenendlektüre –

Studienalarm I: Für Frankfurter Finanzinstitute ist die Investition von Risikokapital die beste Strategie für die Zusammenarbeit mit Fintechs, sagt eine Studie der Anwaltskanzlei Simmons & Simmons. In Asien machen Geldhäuser hingegen mit dem Kauf der Start-ups die besten Erfahrungen. Frankfurter Banken schrecken vor allem wegen den Regulierungsrisiken vor Fintech-Übernahmen zurück. Handelsblatt

Studienalarm II: Austin ist die führende Tech-Metropole der Welt, ergibt eine Studie des britischen Immobiliendienstleister Savills. Berlin landet auf Platz neun der attraktivsten Städte. t3n

Tipps für das Social Trading:Fintech Insider“ analysiert, worauf Händler beim Social Trading achten sollten. Fintech Insider

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Kommentar von Martin Kaelble über die angebliche Überschätzung von Fintechs. Capital

 

– Das Beste zum Schluss –

Großbritannien erteilt erstmals islamkomformem Fintech volle Zulassung: Das Fintech Yielders bietet Kleinanlegern Zugang zum Immobilienmarkt und hält sich dabei laut Bestätigung eines Religionsvertreters an die Scharia-Regeln. Diese schließen unter anderem Zinsgeschäfte aus. Spiegel Online, Finextra

Andreas Maisch

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