finletter 227 – KI, Commerzbank, Fördergelder

Kalkül mit Künstlicher Intelligenz – Buzzword oder echte Chance für die Fintech-Branche?

Finastra und NetGuardians arbeiten künftig zusammen an einer Betrugserkennung im Financial Messaging, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) beruht. Diese Meldung von der Sibos-Konferenz in London wäre für sich alleine sicher nicht mehr als eine Randnotiz. Im Rahmen einer Vielzahl weiterer Meldungen der Woche bestätigt sie aber einen Trend, der mehr denn je auch in den Finanz-News widerhallt: KI scheint nun vollends eines der beherrschenden Themen zu sein.

Dabei ist der Einsatz der Technik durchaus vielfältig. Er reicht von oben angedeuteter Betrugserkennung bei Sofortzahlungen und geht bis zur Effektivitätssteigerung für den Kunden. Premium Market Insight, ein kommerzieller Auswerter von Marktforschungsberichten, bezeichnete KI nun als eine „paradigmenwechselnde Technologie, die den Finanzsektor nahtlos verändert”. Dabei liege der Hauptvorteil von KI im Fintech-Bereich in der Verbesserung des Finanz-Dienstleistungs-Erlebnisses.

Dem Münchener Proptech Building Radar hilft KI, die Übersicht zu behalten. Gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase und der dadurch gestiegenen Zahl an Bauprojekten ist das ein wichtiger Teil des Geschäfts. Der Software der Münchener gelingt dies nach eigener Angabe derzeit auf fünf Millionen Baustellen. Ebenso hoch in Euro ist die Summe, die das Proptech gerade erst von Investoren eingesammelt hat, die an den Nutzen der KI glauben. Die Idee dahinter scheint einleuchtend. Gerade in Zeiten, in denen möglichst viele Informationen der Kunden zu umfangreichen Datenbergen anwachsen, verstärkt sich die Gefahr, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und so beispielsweise das Potential von Stammkunden  zu verkennen.

Laut „IT-Finanzmagazin“ steht außer Frage, dass die KI-Technik mittlerweile den Balanceakt meistert von „niedrigen Zinsen über PSD2 bis hin zum Kostendruck”. Konkret benennt das Magazin den Mannheimer IT-Spezialisten Adtelligence als aktuelles Beispiel-Unternehmen, dass eine KI-Lösung gefunden hat.

Obwohl jedoch gerade jetzt der mediale Fokus sehr häufig auf die Künstliche Intelligenz gelegt wird, ist ein reiner Lobgesang zumindest verfrüht. Die Art und Weise der Implementierung scheint noch offen. So konnte auch Kreditech, einstmals eine der großen deutschen Fintech-Hoffnungen, erst vor einigen Monaten in die Krise geraten, weil die KI, die Ausfallrisiken klein halten sollte, offenkundig nicht wirksam arbeitete. Die Ausfälle waren riesig, das Start-up in Erklärungsnot. Doch abgeschrieben ist auch Kreditech nicht, sondern hat in dieser Woche erst neues Kapital von rund 20 Millionen Euro eingesammelt.

KI im Bereich Fintech ist das Thema der Stunde – und doch gibt es noch Ungewissheit, wie genau sie auch zum Thema der Zukunft wird. Erst kürzlich hat daher die IEEE Computer Society einen Beitrags-Aufruf gestartet, in dem sie zur Einreichung von Forschungsergebnissen zum Thema KI und Fintech in den nächsten Monaten auffordert. Im Sommer 2020 ist geplante Publikations-Phase. Vielleicht ist die KI-Fintech-Welt dann ein Stück weit schlauer.

cash-online.de, it-finanzmagazin.de, thecoingossip.com, techcrunch.com, computer.org, gruenderszene.de


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– Fintech-News Deutschland –

Commerzbank wird zur Großbaustelle: Die Commerzbank hat in den vergangenen Tagen ihre Strategie zum Konzernumbau vorgestellt. Demnach sollen in den kommenden Jahren ein Fünftel aller Filialen geschlossen werden und Tausende Arbeitsplätze wegfallen, die Direktbank comdirect soll integriert werden. Besonders bemerkenswert ist, dass auch das geliebte polnische Vorzeigeprojekt mBank abgestoßen wird. finanz-szene.de

Fintech-Start-up erhält öffentliche Förderung: Erklärtes Ziel des Fintechs Centrifuge ist es, die Wirtschaft zu dezentralisieren. Hierfür arbeitet es bereits mit Unternehmen unterschiedlicher Größen in einem Open-Source-Netzwerk zusammen. Nun hat das Fintech bekannt gegeben, dass es vom Land Berlin und der EU unterstützt wird. Centrifuge will sich mit der Förderung von der Ethereum-Blockchain emanzipieren, die nach Aussage des Unternehmens aufgrund der mangelnden Skalierbarkeit nicht zukunftsträchtig genug sei. Nun könne man die Forschung nach Alternativen intensivieren. de.cointelegraph.com

Allianz X investiert in weiteres Fintech: 180 Millionen Dollar sammelt das US-Fintech Fundbox, das ein  Zahlungs- und Kreditnetzwerk für den B2B-Bereich entwickelt. Unter den Geldgebern befindet sich auch Allianz X, der Investmentarm der Allianz-Versicherung. Für  Allianz X ist es nach eigenen Angaben die fünfte Fintech-Beteiligung. vc-magazin.de

Scalable Capital und Raisin kooperieren: Scalable Capital ist der Marktführer für digitale Vermögensverwaltung auf dem europäischen Festland. Bisher zählen die Robo-Advisor-Dienste der Münchener bereits zu jenen mit dem größten verwalteten Vermögen. Nun sollen grenzüberschreitende Tages- und Festgeldkonten das Angebot erweitern. Hierfür kooperiert Scalable nun mit dem europäischen Marktführer auf diesem Gebiet, dem Frankfurter Unternehmen Raisin. it-finanzmagazin.de

Millionenstrafe für Wirecard: Weil der Zahlungsdienstleister der Öffentlichkeit einen Bericht aus dem Jahr 2018 nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt hat, hat die Bafin eine deutliche Strafe in Höhe von 1,5 Mio. Euro verhangen. In den diesjährigen Zahlen soll es laut dem Unternehmen nicht zu ähnlichen Verzögerungen kommen. handelsblatt.com

Deutsche Schüler bemängeln eigenes Finanzwissen: 3,3 ist die Note, die sich Schüler hierzulande selbst geben würden, wenn es das Fach Finanzen denn gäbe. Ein Fünftel der Befragten schätzt sein eigenes Wissen in dem Bereich als bestenfalls mangelhaft ein. Den Schüler ist aber nicht nur das eigene Defizit bewusst, sondern auch die Bedeutung des Themas. Über 90 Prozent würden daher die Einführung eines entsprechenden Schulfachs begrüßen. ostsee-zeitung.de

 

– Fintech-News International –

Numbrs mit Führungswechseln: Nach fünf Jahren der Entwicklung möchte sich das Schweizer Fintech nach eigenen Aussagen nun auf Wachstum konzentrieren und hat zu diesem Zweck Umstellungen in der Führung vollzogen. Numbrs bietet eine Multibanking-App und hat im vergangenen Monat verkündet, als zweites Fintech im deutschsprachigen Raum die Schwelle zum Einhorn überschritten zu haben. finews.ch

Stripe steigt zu den Top3-Start-ups der USA auf: Die Erfolgsgeschichte des US-Zahlungsdienstleisters, gegründet von zwei irischen Brüdern, wurde in den letzten Jahren immer wieder erzählt. Auch, weil es einen der Gründer zum jüngsten Selfmade-Milliardär des Landes machte. Nach einer aktuellen 250-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde kann das Fintech nun einen weiteren Coup vermelden. Mit einer aktuellen Bewertung von 35 Milliarden Euro gibt es überhaupt nur noch zwei Start-ups in den USA, die wertvoller eingestuft werden. t3n.de

Simplesurance expandiert nach Japan: In Kooperation mit einer japanischen Fluggesellschaft und einem japanischen Versicherer will das Berliner Fintech eine Reiserücktrittsversicherung für den dortigen Markt anbieten. Nach Aussagen der Berliner handelt es sich dabei um die erste Police, bei der ein Reiserücktritt auch wegen zu erwartender Unwetterlagen möglich sei. In Japan herrscht mehrmals im Jahr Taifun-Gefahr. versicherungswirtschaft-heute.de

Libra-Währungskorb nicht fix: Die Libra Association dementierte einen Bericht des „Spiegels“, der genaue Aussgen über die angebliche Zusammensetzung des Währungskorbs des neuen Facebook-Kryptogelds geleakt hatte. Dem Bericht nach sollten beispielsweise keine chinesischen Yuan im Korb repräsentiert werden. Tatsächlich gäbe es nach aktuellen Ausgaben aber noch nicht die Möglichkeit, genaue Zahlen festzulegen. Der Launch der Krypto-Währung ist für die zweite Jahreshälfte in 2020 vorgesehen. faz.net

Rumänische Nationalbank setzt auf Fintech: Mit einem Innovation Hub will sich die rumänische Nationalbank darauf konzentrieren, Innovationen bei Zahlungen und Zahlungsinstrumenten zu fördern und zu unterstützen. Durch den Hub soll dies kontrolliert und mit gleichzeitiger Ermittlung möglicher Risiken geschehen. finextra.com

Proptech sammelt über Crowdfunding: Ideal Flatmate hat es sich zum Ziel gemacht, kompatible Mieter zusammen zu bringen. In einer aktuellen Seedr-Finanzierungsrunde will das Proptech nun 1,3 Millionen britische Pfund einsammeln. Laut Ideal Flatmate entspricht die aufgerufene Summe einem Gegenwert von knapp 17 Prozent des Proptchs.  seedrs.com


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Am 19. November 2019 startet Payment & Banking mit der Transactions 19 ein völlig neues Konferenzformat. Es werden nationale & internationale Größen der Payment & Banking-Branche präsentiert: zB. Sascha Lobo, Gunther Dueck, Christoph Bornschein, uvm. transactions.io


– Treffpunkte –

Betapitch Hamburg: Fintech-Start-ups können sich absofort für den Betapitch bewerben, der erstmals im Rahmen der Fintech Week stattfindet. Es winken 5.000 Euro und eine Reise ins Silicon Valley. 6. November, Hamburg.

Risk Assessment of the Future: Wie können Händler online mit den Fortschritten von Betrügern mithalten? Die neuesten Erkenntnisse im Risk Management teilen mehrere Expertinnen und Experten bei einer Panel-Diskussion. 7. November, Hamburg.

Fintech Safari: Die Fintech Week lädt erneut zum Stelldichein bei Hamburger Fintechs. Das Event richtet sich an alle, die Hamburgs Fintech-Szene – unter anderem mit Finanzcheck und Tomorrow – kennenlernen und von den Unternehmen lernen will. 8. November, Hamburg.

Kümmert euch um eure Finanzen! Die Rente ist nicht sicher! Im Rahmen der vierten Fintech Week richtet das Netzwerk Digital Media Women gemeinsam mit der Warburg Bank einen Infonachmittag aus. Verschiedene Bankerinnen und Finanzbloggerinnen stellen Möglichkeiten der digitalen Altersvorsorge vor. 8. November, Hamburg.

Fintechmatters: Der Summit will Institutionen mit Investoren ebenso zusammenbringen, wie mit Multiplikatoren des europäischen Fintech-Ökosystems. Neben Main Stage und Exhibition Area wird es einen Matchmaking-Bereich mit Diskussions-Tischen und Meetings geben. finletter ist Medienpartner. Mit dem Code finletter10 gibt es 10 Prozent Rabatt. 19. November, Wien.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.


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Kennen Sie schon die Fintech Week in Hamburg? Deutschlands größte Fintech-Veranstaltung bietet vom 4. bis 9. November wieder ein umfassendes Programm zur Zukunft der Finanzbranche. Sie können bei allen Events dabei sein – mit einem unserer streng limitierten „Access All Areas“-Ticket. Mehr erfahren auf fintechweek.de!


– Wochenendlektüre –

Proptech-Hackathon mit spannenden Einblicken: Neue Lösungen für die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft – unter dem Motto fand in Köln der erste Proptech-Hackathon statt. Unter Zeitdruck sollten kreative Teams Prototypen für Hard- und Softwarelösungen entwickeln. Ergebnis war neben spannenden Ideen nach Jury-Aussagen die Erkenntnis, dass große Unternehmen augenscheinlich von flexiblen Start-up-Lösungen profitieren können. konii.de

Brexit als Chance für Berlin: London gilt bislang nicht nur als Finanz-, sondern auch als Fintech-Metropole Europas. Der Brexit könnte das ändern und schon stehen diverse Ablöse-Kandidaten in den Startlöchern, etwa aus Deutschland, Frankreich oder Estland. Die „FAZ“ räumt hierbei Berlin gute Chancen ein. In der deutschen Hauptstadt würden günstige Mieten auf eine starke Gründer-Kultur treffen. Der Artikel macht aber auch deutlich, dass das Rennen zur Fintech-Hauptstadt noch lange nicht entschieden ist. faz.net

15 wichtige Fragen für eine erfolgreiche Strategie: Erfolgreiches Strategisches Management bedeutet, die richtigen Antworten für die Herausforderungen von morgen zu finden. Damit dies gelingen kann, muss man heute die richtigen Fragen stellen. Das gilt für Banken wie für Fintechs gleichermaßen. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

Konsolidierung der Robo Advisor: „Cash.ch“ beschreibt eine anstehende Konsolidierung und macht dies fest am Robo Advisor-Rückzug der ersten Anbieterin in der Schweiz. Genannte Zahlen wirken teilweise in der Tat ernüchternd, der Autor glaubt aber auch, logische Gründe dafür ausgemacht zu haben, warum Robo Advisor noch nicht durchzünden und findet, dass man sie dennoch noch nicht abschreiben darf. cash.ch

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Text über den Mythos rund um die Notwendigkeit eines 24/7-Bankings. der-bank-blog.de

 

– Das Beste zum Schluss –

mTan umstritten: Die TAN-Liste war eines der für den Otto-Normal-Verbraucher plakativen Opfer der PSD2-Umstellung Mitte September. Dass es das mobile TAN-Verfahren weiterhin geben wird, dürfte bei dem einen Erleichterung, bei dem anderen Verwunderung hervorgerufen haben. „Der Bank Blog“ hat sich das Verfahren genauer angeschaut und wundert sich danach über auffällige Widersprüche in der Behandlung des mobilen TAN-Verfahrens im Rahmen der neuen Richtlinie. So dient diese als Begründung der einen Bank, mTAN zu nutzen, während die andere mTAN mit eben jener Begründung abgeschafft hat. der-bank-blog.de

Martin Pieck

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