finletter 233 – Apple, Google, Solarisbank

Apple unter Beschuss 

In dieser Woche kam es gleich zweimal knüppeldick für den Konzern aus dem Silicon Valley. Zunächst sorgten Vorwürfe für Wirbel, die Apple Card sei sexistisch. Was der Technologieunternehmer David Heinemeier Hansson mit seinen Vorwürfen über Twitter angestoßen hat, könnte sich in der Tat zu einem handfesten Skandal für Apple entwickeln. Konkret geht es darum, dass die Kreditvergabepraxis diskriminierend ablaufe. Das schloss Hansson daraus, dass Apple ihm ein zwanzigfach höheres Kreditlimit als seiner Frau eingeräumt wurde. Dass dies schlicht an der Kreditwürdigkeit liegen könnte, schloss er selbst zumindest aus. Was zunächst nach Einzelfall klingen mochte, wuchs rasch zu einem brisanten Thema heran. Hansson erfuhr Unterstützung sogar durch Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, der ähnliche Erfahrung gemacht habe, obwohl er und seine Frau keine getrennten Konten hätten. Apple-Partner und Karten-Herausgeber Goldman Sachs hingegen weist den Verdacht von sich. In keinem der Fälle sei eine Kreditentscheidung auf Basis solcher Faktoren wie des Geschlechts gekommen. Dabei muss eine Bevorzugung einzelner nicht mal bewusst stattfinden. Ein Algorithmus des US-Gesundheits-Konzerns UnitedHealth Group wird derzeit auf entwickelte rassistische Tendenzen untersucht, da er weiße Kunden zu bevorzugen scheint. BBC-Analysten zufolge könnte eine solche unbeabsichtigte Programmierung auch hier vorliegen, beispielsweise, weil in den eingespeisten Datensätzen häufig Männer in Beziehungen die Besserverdiener seien. Einer generellen Benachteiligung von Frauen bei Apple Card widerspricht hingegen Alexander Cohen, Mitbegründer der Finanzfirma Birch. In seinem Fall bekam seine Frau einen deutlich höheren Kreditrahmen als er selbst. Die vorgetragenen Anschuldigungen sind aber immerhin so gewichtig, dass nun offiziell ermittelt wird. Das New Yorker Finanzministerium stellt Untersuchungen bei Goldman Sachs an.

Ein wohl noch deutlicherer Schuss vor den Bug kommt für Apple aber aus Deutschland. das „Handelsblatt” spricht gar von einer politischen „Revolte gegen Apple.” In einer Diskussion im Finanzausschuss des deutschen Bundestages wurde offenbar ein Thema wieder aufgegriffen, welches deutsche Banken bereits verloren glaubten: Apples Monopolstellung. Bislang bietet Apple nämlich keinen anderen Zahlungsdienstleistern die Möglichkeiten, ein Bezahlsystem auf einem Apple-Gerät zu nutzen. Damit ist es bald vorbei, wenn es nach den deutschen Politikern geht. Noch ist das Gesetz nicht durch, es könnte sich aber um wenige Tage handeln. Damit solle ein Schritt hin zu einer gerechteren Plattform-Ökonomie gegangen werden. Außerdem argumentieren die Ausschussmitglieder mit der neuen PSD2-Richtlinie, die Banken nun zwingt, sich Drittanbietern zu öffnen, Apple eine solche Öffnung bislang aber umgehe. Als Grund meldet der Konzern Sicherheitsbedenken an, jetzt hat Apple sogar die US-Botschaft eingeschaltet. Wer hier nun den kürzeren ziehen muss, Apple oder die deutschen Politiker – könnte sich also schon sehr zeitnah zeigen.

fintechfutures.com, boerse.ard.de, bbc.com, handelsblatt.com


– Anzeige –
Arkwright Consulting Anzeige

  • e-IDs sind und werden zu einem relevanten Bestandteil unseres Alltags!
  • Was kann und sollte ich schon heute im e-ID Umfeld tun?
  • Jetzt agieren oder später reagieren?

-> Interessiert? Erfahren Sie mehr in unserem White Paper oder sprechen Sie uns an.


– Fintech-News Deutschland –

Solarisbank könnte enormes Funding vorbereiten: Etwas vorsichtig formuliert „finanz-szene“ es noch – doch bereits im ersten Halbjahr des kommenden Jahres könnte bei der Solarisbank eine deutliche Kapitalerhöhung um bis zu 100 Millionen Euro anstehen. Das wäre die größte Finanzierungsrunde der Firmengeschichte. finanz-szene.de

Neobanken setzen sich noch nicht durch: Während in China 93% der Konsumenten ein Konto bei einer Neobank nutzen, ist es in Deutschland umgekehrt. Vier Prozent der Deutschen haben ein Konto bei einer Smartphone-Bank. Das ergab eine Analyse von Business Insider Intelligence und Kantar. Demografische Entwicklung und technologische Weiterentwicklung könnte den Anteil hierzulande bald nach Meinung der Experten aber deutlich erhöhen – dazu sollten die jungen Unternehmen aber aus vergangenen Fehlern lernen. businessinsider.de

Acatus sammelt 5,5 Millionen Euro: Das Berliner Fintech erhält drei Jahre nach seiner Gründung eine Wachstumsfinanzierung durch namhafte Investoren. Acatus wandelt Kredite um in Wertpapiere. handelsblatt.com

Exporo-Investition in Gefahr: Dass die DEMA AG aus Marburg Insolvenz angemeldet hat, fällt auch auf ein Exporo-Projekt zurück. In diesem hatte Exporo einen Baukredit der DEMA an knapp 900 private Investoren weitergegeben. Insgesamt 1,7 Millionen Euro wurden dabei investiert. Von einer fristgerechten Rückzahlung des Darlehens geht Exporo derzeit nicht aus. cash-online.de

BIZ macht Libra-Kritiker zum Chef der Fintech-Sparte: Benoît Cœuré will “in dieser Zeit des raschen technologischen Wandels in die globale Zentralbankgemeinschaft” einbringen. In seiner neuen Funktion soll er weltweit Zentralbanken helfen, die Möglichkeiten von Innovationen im Finanzbereich auszuloten. btc-echo.de

 

 

– Fintech-News International –

Google steigt ins Banking ein: Google plant ein Girokonto. Zusammen mit einem Kooperationspartner, möglicherweise ist das die Citibank, will der Suchmaschinen-Gigant so Einblicke in das Einkaufsverhalten der Kundschaft gewinnen. Das Produkt läuft unter dem Arbeitstitel Google Cache und soll bereits im nächsten Jahr – zunächst in den USA –realisiert werden. It-finanzmagazin.de

Mastercard launcht Fintech Express: Während des Fintech-Festivals in Singapur kündigte Mastercard an, künftig verstärkt den Blick auf die Fintech-Branche zu richten. Dabei will das Unternehmen gerade jungen Fintech-Unternehmen die Möglichkeit bieten, die umfangreiche Mastercard-Infrastruktur zu nutzen. Damit soll der Markteinstieg reibungsloser gestaltet werden. Zunächst gilt das Angebot im Asiatisch-Pazifischen Raum. finextra.com

Paypal Xoom hat Geldtransfer in den USA eingeführt: Innerhalb weniger Minuten Geld zum Laden senden und dort vor Ort abholen: das ist das Versprechen, welches Paypal mit seinem neuen Dienst Xoom gibt. Walmart und Ria sind als Partner bereits mit an Bord. Insgesamt soll das Abheben an fast 5.000 Standorten möglich sein. mobilepaymentstoday.com

Ausländern wird Bezahlen in China erleichtert: China-Touristen und Geschäftsreisende können künftig mit ihren eigenen Kreditkarten von Visa und Mastercard bezahlen. Möglich wird das durch eine Öffnung von Alipay und Wechat-Pay für diese Formate. Das ist deshalb relevant, da ausländische Kreditkarten bislang bei vielen Händlern in China nur wenig Akzeptanz gefunden haben. Damit erweitern die chinesischen Dienste ihr Payment-Angebot erneut – schon jetzt sind sie vielen westlichen Angeboten voraus. it-finanzmagazin.de

Facebook Pay ist da: Der Pilot startet zwar erst nur in den USA, soll dort aber nun mit allen gängigen Kredit- und Debitkarten sowie Paypal funktionieren. Genutzt werden kann das Verfahren nicht nur über Facebook direkt, sondern auch über die zum Konzern gehörenden Programme Whatsapp und Instagram. Bisher sind die Funktionen aber sehr beschränkt, etwa auf In-App-Käufe oder den Marketplace. Wann und wie es diese Möglichkeiten in Deutschland geben wird, ist noch nicht klar. techcrunch.com

Revolut holt sich Banken-Experten: Die Erfolgsgeschichte von Revolut hat sogar das Unternehmen selbst nach eigenen Angaben teilweise überfordert. Erfahrene Banker sollen nun für eine Glättung dieser wogen sorgen. Eingestellt wurde dafür unter anderem Martin Gilbert, Ex-Chef des Asset Managers aberdeen. Bereits seit einigen Monaten berät er Revolut-Boss Nik Storonsky. finews.ch

Tencent bietet Blockchain-Banking in Hongkong: Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Sina Finance hat das größte chinesische Internet-Unternehmen eine Lizenz erhalten, mit einer virtuellen Bank in die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong zu expandieren. btc-echo.de

E-Commerce-Versicherer sammelt zehn Millionen Dollar: Das australische Insuretec Cover Genius hat das Kapital unter Führung der Risikokapitalfirma King River Capital eingefahren. Mit dem Geld will Cover Genius das Wachstum in Großbritanien, den USA und Asien vorantreiben. Das Unternehmen bedient E-Commerce-Anbieter wie booking.com. fintechfutures.com


– Anzeige –

GOLDILOCKS Business as unusualDie neue Ausgabe des Digitalmagazins GOLDILOCKS von finletter und Sparkassen Innovation Hub ist da. Dieses Mal geht es um die Zukunft des Business Banking featuring neue Player wie Kontist, Penta u.v.m. Inklusive spannenden Einblicken aus dem S-Hub. sparkassen-hub.com/goldilocks


– Treffpunkte –

Düsseldorf FinTech Meetup: Zur 14. Auflage gibt es einen Vortrag zur Tokenisierung als Instrument für Unternehmensfinanzierung­en. finletter ist wie immer Medienpartner. 4. Dezember, Düsseldorf.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Neu auf finletter.de –

GOLDILOCKS-Interview mit Jessica Holzbach

Lesen Sie exklusiv unser Interview mit Jessica Holzbach, Co-Founder und CCO des Business-Banking-Startups Penta, aus der aktuellen GOLDILOCKS-Ausgabe direkt auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Mögliche Folge von Libra: Mit Kritik oder Unmutsäußerungen gegenüber Facebooks geplanter Krypto-Währung Libra wurde in den letzten Monaten nicht gegeizt. Warum beispielsweise Politiker Skepsis vor der Digitalwährung anmeldeten, könnte verschiedene Gründe haben. „Cash-online” liefert eine Analyse. cash-online.de

Krypto-Verbreitung: Während ein großer Teil der Verbraucher nach neuestem Umfrage-Ergebnissen mit Skepsis auf Krypto-Währungen blickt, zahlen andere schon ihr Trinkgeld digital. Eine halbe Millionen Trinkgelder wurden demnach bereits im letzten Jahr allein auf Telegram „kryptisch“ gezahlt.  coin-update.de

Was Fintechs für die Banken bedeuten: Ob die Fintech-Branche Fluch oder Segen darstellt für die Banken-Welt, ist umstritten. Eine Betrachtung von beiden Seiten liefert der „Bank Blog” in dieser Woche. der-bank-blog.de

Wie die Haspa „Beyond Banking“ gelangen will: „Wir denken nicht in Produkten, sondern in Bedürfnissen“, erklärt Tobias Lücke, Director of Digital Services and Sales bei der Hamburger Sparkasse, im Interview über die veränderte Herangehensweise bei der Produktentwicklung und beschreibt den Prozess genauer. fintechweek.de [gesponserter Beitrag]

Revolution der Fintech-Branche: Trotz einiger gescheiterter Unternehmen kann man die Zukunft der deutschen Fintech-Branche rosig sehen. Das ist zumindest das Ergebnis der jährlichen Fintech-Studie der Comdirect. Während sich anfangs viele Fintech-Anbieter noch rein auf eine gute User-Erfahrung im App-Design konzentriert hätten, ginge es nun immer mehr um Lösungen der grundlegenden technologischen Infrastruktur. Wie lange der Fintech-Boom anhalten kann, bleibt jedoch offen.  handelsblatt.com

Wirecard wirbt für Zukunft mit weniger Bargeld: Bei einer Veranstaltung am Wirecard-Hauptsitz zeichnete der Zahlungsdienstleister mögliche Zukunftsszenarien. Beispielsweise eines, in dem es möglich ist, Klamotten im Geschäft zu nehmen und einfach kommentarlos heimzugehen. Die Bezahlung erfolgt automatisch per Scan bei Verlassen des Geschäfts. Außerdem ging es um einen Blick in Richtung Plattform-Ausbau. In beiden Fällen habe der asiatische Markt Vorbildcharakter. handelsblatt.com

So haben Unternehmer mehr Zeit fürs Geschäft: Mit den schnellen Finanzierungen von aifinyo bleibt Ihnen mehr Zeit für das Wesentliche. Mehr lesen auf finletter.de. [gesponserter Beitrag]

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Beitrag über die Banking-Ambitionen von Check24. der-bank-blog.de

 

– Das Beste zum Schluss –

Mobiles Bezahlen für die Umwelt: Neujahr tritt ein Gesetz in Kraft, das Bäckereien zwingt, zu jedem Einkauf Quittungen auszustellen. Was für Kunden von Backwaren komisch anmuten mag, hat durchaus seinen Sinn – immerhin geht es um die Verhinderung von Steuerhinterziehung. Das bedeutet Schätzungen zufolge auf der anderen Seite einen enormen Kostenaufwand und einen Müllberg von jährlich rund fünf Milliarden Kassenbons. Nur Jeder 30. Kunde nimmt bislang einen Bon zu den Brötchen. Immerhin: das Gesetz erlaubt durchaus auch papierlose Optionen, eben in Zusammenhang mit bargeldlosem Bezahlen. Hier müssten also alle mitmachen. faz.net

Martin Pieck

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.