finletter 236 – EU gegen Libra, Fintech-Index, Wirecard

EU wird Libra vorerst blockieren

Die EU-Finanzminister haben sich auf eine harte Linie gegenüber Digitalwährungen von Unternehmen geeinigt. Kryptowährungen wie zum Beispiel Facebooks Libra sollen in der Europäischen Union nicht erlaubt werden, bis die von ihnen ausgehenden Risiken identifiziert und angegangen sind, teilten die EU-Finanzminister in Brüssel mit. Für die Finanzminister sind EU-Vorschriften zur Regulierung von Stablecoins und anderer Kryptowährungen denkbar. Die EU-Kommission arbeitet laut Finanzkommissar Valdis Dombrovskis bereits an einer Regulierung.

Ein Ziel ist klar: Grenzüberschreitende Zahlungen in der EU sollen günstiger werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) argumentiert, die Ausgabe einer bei ihr angesiedelten Digitalwährung könnte helfen oder sogar notwendig sein, dieses Ziel zu erreichen. Die EU-Finanzminister äußerten sich positiv über die Ideen der EZB.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Handelsverband Deutschland (HDE) einen digitalen Euro gefordert. Der Handel gerate zunehmend in Gefahr, den direkten Kontakt zum Kunden zu verlieren. Eine „staatlich garantierte und überwachte digitale Währung“ sei für Kunden und Händler wichtig, so der Verband. Deshalb solle die EZB die Gestaltungshoheit über eine solche Währung haben.

reuters.com, t3n.de, einzelhandel.de (Handelsverband)


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– Fintech-News Deutschland –

Strafanzeige der Bafin: Die Indizien der Bafin gegen die Journalisten der „Financial Times“ sind dünn, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Die Bafin hatte gegen die Journalisten und gegen Börsenhändler Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation erstattet. Die Bafin hat in ihrer Anzeige eine Reihe von Spekulationsgeschäften mit der Wirecard-Aktie aufgelistet. An manchen Stellen wirken die Mutmaßungen der Bafin über die Arbeit von Zeitungen wie der „Financial Times“ regelrecht lebensfremd, berichtet die „Süddeutsche“. sueddeutsche.de

Seltsame Wirecard-Bilanz: Die „Süddeutsche“ hat außerdem die internen Wirecard-Unterlagen ausgewertet, über welche die „Financial Times“ berichtet hatte. Ein Online-Anbieter für binäre Optionen mit Sitz auf Zypern soll zwar den Betrieb eingestellt haben, aber laut Unterlagen noch viele Monate danach Millionen-Umsätze für Wirecard generiert haben. Laut Wirecard sind die Unterlagen jedoch „nicht authentisch“. Doch auch die wichtige Kooperation zwischen Wirecard und Al Alam Solutions aus Dubai wirft für die Journalisten aus München viele Fragen auf. sueddeutsche.de, deraktionaer.de

Bundesrat beschließt Gesetz für offene Schnittstelle: Das Gesetz für offene Schnittstellen von Bezahlplattformen hat nun auch den Bundesrat passiert. Das Gesetz könnte es Banken erleichtern, auf Apple-Systemen Bezahldienste anzubieten. handelsblatt.com, t3n.de, onlinehaendler-news.de

Taxbutler-Gründer wird nicht angeklagt und hat ein neues Projekt: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat das Ermittlungsverfahren gegen den Taxbutler-Gründer Matthias Raisch eingestellt, schreibt Niklas Wirminghaus. Raisch unterstützt inzwischen ein neues Steuer-App-Projekt „Steuergott“. Das Fintech Billomat hatte Code, Domain und Marke von Taxbutler gekauft, aber kein Wettbewerbsverbot mit Raisch vereinbart. Die Taxbutler-App hatte laut Billomat aber „hinsichtlich der Sicherheit und Performance Mängel“. financefwd.com

Penta erweitert Zielgruppe: Die digitale Plattform will ihr Business Banking nun auch Einzelunternehmen wie Restaurants und Freiberuflern mit Angestellten anbieten. Damit sind nun zum Beispiel auch Ärzte und Rechtsanwälte im Fokus. Bei der Kundenanzahl gibt Penta rund 50.000 Kunden als Ziel für Ende 2020 aus. Außerdem kooperiert das Unternehmen nun mit dem Kartenzahlungsdienstleister Sum Up, um den Kunden ein System zur Akzeptanz von Kartenzahlungen anzubieten. handelsblatt.com

Kapilendo bietet tokenbasierte Anleihe an: Die Banking-Plattform hat mit einem ihrer Kunden eine erste Mittelstandsfinanzierung über ein digitales Wertpapier herausgegeben. Dafür hat Kapilendo ein Emissionsprotokoll auf der Infrastruktur der Stellar Blockchain entwickelt. dgap.de (Pressemitteilung)

Bitkom und Insurtech Hub Munich gehen Kooperation ein: Die Partner wollen in Deutschland den Austausch über die Nutzung digitaler Technologien und neue Geschäftsmodelle intensivieren. (Pressemitteilung per E-Mail)

 

– Fintech-News International –

Dänische Bitcoin-Börse Crypto Bridge schließt: Kunden müssen wegen der Schließung der dezentralen Krypto-Börse ihre Mittel bis 15. Dezember abziehen. Gründe für die Schließung seien schwierige Marktbedingungen und zunehmende Vorschriften. btc-echo.de

Monese bietet grenzüberschreitendes Gemeinschaftskonto an: Der mobile Banking Service Monese ermöglicht Personen im Europäischen Wirtschaftsraum, die nicht im selben Staat ihren Wohnsitz haben, ein gemeinsames Konto zu führen. finextra.com

Finanzspritze für Cora aus Brasilien: Das Fintech erhält von Investoren zehn Millionen US-Dollar und will in Brasilien kleinen und mittleren Unternehmen mit Finanzdiensten helfen. techcrunch.com


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– Treffpunkte –

Blockchain Monday: Fast jeden Montag veranstaltet das Blockchain Institute im Coworking Space finhaven einen kostenfreien Workshop zu den Potentialen der Blockchain. Dieses Mal geht es um Business Blockchains und ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt über Daten von Produktkreisläufen. 9. Dezember, Hamburg.

Robotic Process Automation in Banken & Versicherungen: Robotic Process Automation soll den Teilnehmern dieses Praxisseminars künftig helfen, Arbeitsprozesse zu automatisieren. Zuerst werden Prozesse identifiziert, die sich für Robotic Process Automation eignen, dann folgen Use Cases. 27. Februar 2020, Frankfurt.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

– Wochenendlektüre –

Emotionen machen den Unterschied – auch im Banking: Die Liechtensteinische Landesbank AG (LLB) möchte, dass Bankkunden Banking „mit allen Sinnen erleben“ können. Armin Heidegger beschreibt, wie dies in den neugestalteten Bankfilialen funktioniert. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

Ranking-Alarm: Das Unternehmen Findexable hat einen Fintech-Index für die wichtigsten Städte und Staaten der Fintech-Branche veröffentlicht. Berlin ist demnach das größte Fintech-Zentrum Deutschlands und landet weltweit auf Platz 9. Frankfurt erreicht Rang 39, Hamburg 43. Auch München schafft es mit Platz 49 noch in die Top 50. San Francisco Bay, London und New York sind auf den ersten drei Plätzen. Findexable gibt an, Echtzeit-Daten und einen Algorithmus für sein globales Ranking zu nutzen. findexable.com (Studie), itweb.co.za

Negativgebühr lockt ETF-Anleger nicht: Der erste US-Indexfonds mit Negativgebühr hat nach einem halben Jahr bei Anlegern nur neun Millionen Dollar einsammeln können. Der ETF bietet eine Jahresgebühr von minus 0,05 Prozent für die ersten 100 Millionen Dollar Anlegergelder an. handelsblatt.com

Skepsis vor dem Krypto-Geschäft: Hartmut Giesen analysiert, weshalb die Banken bisher vor dem Krypto-Handel und der -Verwahrung zurückgeschreckt haben – obwohl sie schon länger den Handel anbieten dürfen. paymentandbanking.com

Studienalarm: Wagniskapital für Fintechs konzentriert sich in Deutschland bei einer kleinen Gruppe von Fintechs, sagt eine Erhebung von Comdirect und Barkow Consulting. Von insgesamt 4,7 Milliarden Euro, die seit 2012 von Wagniskapitalgebern in Fintechs investiert wurden, gingen mit 2,3 Milliarden Euro fast die Hälfte an nur 20 Unternehmen. presseportal.de (Pressemitteilung), comdirect.de (Studie, PDF), financefwd.com

Der Wandel bei Kreditech: Heinz-Roger Dohms meint, das einstige „Revoluzzer-Fintech“ Kreditech sei zu einer „fast schon banalen Targobank 2.0 mutiert“. Der Schwerpunkt der Geschäfte liegt inzwischen nämlich nicht mehr bei Mikrokrediten, sondern bei Raten- und „Point-of-Sale“-Krediten. finanz-szene.de

CAP Inside im Porträt: Philipp Schröder, Gründer von CAP Inside, berichtet, wie er Tesla-Manager wurde und welche Pläne er mit dem ersten europäischen Security Token für Private Equity- und Infrastruktur-Investments hat. hamburg-startups.net

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Bericht über das neue Geldwäschegesetz und seine Regelungen zu Kryptowährungen. handelsblatt.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Infografik zu Libra: „Kryptoszene“ listet in einer Infografik Argumente für und gegen Facebooks Währung Libra auf. Einige der Argumente werden auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Bei der Grafik für Angela Merkel waren Künstler zu Werke: Die Merkel-Raute ist zwar zu erkennen, nicht aber das Gesicht von Merkel. Der Betrachter sieht statt eines Gesichts nur zwei leuchtende Augen. kryptoszene.de

Andreas Maisch