finletter 238 – Exporo, Fintech-Hauptstadt Berlin, Digitales Zentralbankgeld

Exporo reagiert auf Vorwürfe im Immobilien-Skandal

Die jüngsten Hiobsbotschaften über Ausfälle bei dem bekannten Proptech sind nicht auf gewöhnliche Insolvenzen zurückzuführen. Vielmehr wurde bereits vor einigen Tagen bekannt, dass Anleger hier wohl Opfer von Kredit-Betrügern wurden, die sich durch sogenanntes Immobilien-Flipping Kredite erschlichen haben sollen. Bei dieser Form des Betruges werden Objekte hin- und her verkauft, um die Buchwerte künstlich in die Höhe zu treiben. Durch die entstandene Überbewertung, so wirft es die Staatsanwaltschaft nun den Angeklagten vor, seien überhöhte Kredite angefordert wurden, auch zum Nachteil der Exporo-Anleger. Wenngleich Exporo hier offenbar selbst zum Opfer wurde, kritisiert die „taz” doch recht deutlich, wie es im hier vorliegenden Fall überhaupt zu einer positiven Bewertung des Crowdlending-Projektes kommen konnte. Eine Prüfung eines Hauptangeklagten hätte laut „finanz-szene.de” durchaus Zweifel an seiner Bonität wecken müssen, Exporo bewertete seine Projekte dennoch recht solide, mit der zweit- und der drittbesten Bonität der wenigen Projekte, die es laut Exporo überhaupt in die Auswahl schaffen. Ein Angeklagter hat bereits eingeräumt, Mietkautionen in Höhe von 200.000 Euro illegal in den flüchtigen Geldkreislauf seines Unternehmens gesteckt zu haben. Nur ein kleiner Teil des Betruges.  Mittlerweile hat Exporo die Inhalte des Artikels gegenüber „finanz-szene.de” bestätigt. In einem Gespräch mit „gruenderszene.de” sagte Exporo-Gründer Simon Brunke nun auch, dass man selbst Opfer sei. Man vertraue auf Banken-Gutachten und hinterfrage diese nicht. Außerdem hafte Exporo nicht für Schäden durch Finanzierungsausfall oder Insolvenz. Aus dem Artikel geht auch hervor, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Proptech die Gewähr für solche Angaben ausschließe,  die die Immobilienunternehmer der Plattform übermitteln würden. Der Artikel auf „gruenderszene.de” hinterfragt allerdings ebenfalls, warum Exporo die Situation gegenüber seinen Anlegern nicht kommuniziert habe, als durch die Inhaftierung eines Hauptangeklagten das Risiko deutlich wurde. Brunke entgegnet, bewusst geschwiegen zu haben, um „eine Restrukturierung nicht zu gefährden und die Projektinvestitionen möglicherweise zu retten.”

taz.de, finanz-szene.de, gruenderszene.de

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses finletters wurde aus dem Artikel von „gruenderszene” zitiert , dass eine Bonitätsprüfung nicht stattfände. Nach Angaben von Exporo ist dies nicht korrekt, daher haben wir das indirekte Zitat gestrichen, um durch eine Wiederholung womöglich falscher Tatsachen einen Irrtum nicht zu bestärken.


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– Fintech-News Deutschland –

Der Fintech-Standort Berlin wird London gefährlich: Für „busindessinsider.de” war die Nachricht, dass Klarna seine Präsenz in Berlin ausbaut, keine Meldung von vielen. Kombiniert mit den ohnehin schon in der Hauptstadt ansässigen Fintechs erkennt das Portal einen Trend, durch den Berlin bald London vom Fintech-Thron stoßen könnte. businessinsider.de

Insurlab Germany arbeitet künftig mit Branchenverband Bitkom: Das Insurlab Germany ist Teil der vom Wirtschaftsministerium initiierten Digital Hub Initiative in Köln und hat mittlerweile 79 Mitglieder. Bitkom vertritt über 2.500 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Ziel der Kooperation soll es demnach sein, die Digitalisierung der Versicherungsbranche voranzutreiben. asscompact.de

Comdirect kooperiert mit OptioPay: Mit „make a deal” hat das auf Open Banking spezialisierte Fintech OptioPay eine Plattform geschaffen, deren Hauptnutzen ein Empfehlungs-Management ist, welches hierfür Kundendaten nutzt. Die Kunden können dabei auch ein Konto bei einer anderen Bank verknüpfen. Eine Zustimmung zur Nutzung der Daten ist erforderlich. finanzwelt.de

Zusammenarbeit von Banken und Fintechs soll leichter werden: Wenn Banken Dienstleistungen an externe Partner auslagern, stellt dies die Beteiligten in der Praxis noch vor Probleme, die nicht zwingend notwendig sind. Während ein Onboarding eines Fintechs an ein Kreditinstitut in wenigen Wochen abgeschlossen sein kann, dauere es auf der regulatorischen Seite bis zu anderthalb Jahre. Eine neue Outsourcing-Leitlinie des Bankenverbandes, soll für mehr Transparenz sorgen und Prozesse in Zukunft beschleunigen. der-bank-blog.de

Fintech-Jahresrückblick: „finanz-szene” kündigt in diesem Artikel zwar einen Ausblick an, tatsächlich überwiegt aber ein interessanter Rückblick, der deutlich macht, warum im vergangenen Jahr einigen Kritikern zum Trotz wohl nicht zu viel über N26 berichtet wurde und dass die neue Zahlungsdienstleisterrichtlinie nicht den in der Branche erhofften Erfolg brachte. finanz-szene.de

Deutsche Bank veröffentlicht Leitfaden zu Sofortzahlungen: Da Sofortzahlungen in den letzten Jahren auch für Zahlungen im Business-Bereich an Bedeutung gewonnen haben, will die Deutsche Bank in ihrem Leitfaden erklären, wie die recht neue Zahlungsart in moderne Geschäftsprozesse von Unternehmen integriert werden kann finextra.com

Scalable Capital verwaltet zwei Milliarden Euro: Das Münchener Unternehmen ist der erste kontinental-europäische Robo Advisor, der ein Vermögen in dieser Höhe verwaltet. „finanz-szene” verdeutlicht aber auch, dass die absoluten Zahlen zwar aufhorchen lassen, die Entwicklung des Gesamtvermögens sich aber stark verlangsamt hat, nachdem durch die ING-Zusammenarbeit 2018 ein sehr starkes Wachstum in kurzer Zeit möglich war. finanz-szene.de

Jugendliche sind Finanz-Muffel: Eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat bestätigt, was Wissenschaftler zuvor bereits monierten: Jugendliche in Deutschland interessieren sich in der Regel erst für finanzielle Bildung, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Dadurch, dass die Schulen hier auch häufig nicht aushelfen, sei es nicht gut bestellt um die Finanzbildung der jungen Deutschen. Auf der anderen Seite zeigt die Umfrage auch deutlich, wann man Jugendliche für ein Produkt interessieren kann. Es muss eben ein bestehendes Problem lösen. faz.net

HandEX bearbeitet zum Start 100 Mio. Euro Kreditanfrage: Vor vier Monaten war das Hamburger Fintech gestartet, um kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) Zugang zu Small Tickets zu bieten, also Finanzierungen von Versicherungen oder Exporten von 100.000 Euro bis hin zu fünf Mio. Euro. Der Empfänger der Exporte kann durch die Vermittlung auch zu hiesigen Konditionen Kapital aufnehmen. Ganz so offen wie mit dem Gesamtbetrag ist das Fintech in seiner Pressmitteilung aber nicht mit dem aktuellen Bearbeitungsstand. Lediglich von einer achtstelligen Summe ist die Rede, was die noch offene Summe zur möglichen Finanzierung angeht. Den Auftakt jedenfalls sieht man bei HandEx als gelungen an und so sollen nun neue Branchen erschlossen werden. Bislang operierten Partner meist in den Bereichen Maschinenbau und Erneuerbare Energien. „Pressemitteilung via E-Mail“

 

– Fintech-News International –

EZB verkündet Möglichkeit einer digitalen Zentralbank-Währung: Die Europäische Zentralbank hat in einem Proof of Concept deutlich gemacht, dass eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) durchaus denkbar wäre. Laut „btc-echo” vereint das zweistufige Projekt die Wahrung der Anonymität mit den Anforderungen der Geldwäschebekämpfung und Terrorismusbekämpfung. Anonym seien demnach aber nur Zahlungen niedrigerer Beträge. Bei höheren Überweisungen würden Identitätsnachweise von Sendern und Empfängern notwendig, um die Bekämpfung von Terrorismus und Geldwäsche zu unterstützen. btc-echo.de

Indischer Zahlungsdienstleister erhält 660 Millionen US-Dollar: One 97 Communications Ltd erhält das Kapital von mehreren Großinvestoren, unter anderem durch Alipay von Alibaba und Softbank SVF Panther. One 97, die Muttergesellschaft von Paytm, will dem Vernehmen nach ihren Anlegern 2,6 Millionen Aktien zuteilen. crowdfundinsider.com

Finanzstabilitätsrat reagiert auf Stable-Coin-Entwicklung: Das auch als Financial Stabilty Board (FSB) bekannte internationale Gremium will bis Anfang des dritten Quartals einen Plan zur Regulierung von Stable Coins erarbeiten. In diesen Prozess soll über ein Paper auch die Öffentlichkeit einbezogen werden. btc-echo.de

Schwedische Notenbank prüft die E-Krona: Mit Schweden ist der nächste Akteur dabei, laut über digitale Staatswährungen nachzudenken. Die Überlegungen hierzu sind schon gute zwei Jahre alt, nun soll aus einer einjährigen Kooperationsphase mit Accenture eine Testplattform entstehen. Ob und wie schnell die E-Krona kommt, ist aber ungewiss. Bis zu sechs Jahre gibt sich die Notenbank selbst für das Projekt. btc-echo.de

Bitpanda launcht Lernplattform zu Blockchain und Kryptowährungen – Mit der kostenfreien eLearning-Plattform soll jedem eine finanzielle Bildung von zu Hause aus möglich sein. Lerninhalte erstrecken sich von der Geschichte des Geldes bis hin zum Bitcoin-Mining. boerse-express.com

Großer Teil der Krypto-Währungen setzt sich nicht durch: Einer Aufbereitung von „kryptoszene.de” ist zu entnehmen, dass fast die Hälfte der je entwickelten Krypto-Währungen nicht mehr aktiv ist. Zieht man die Karteileichen ab, seien demnach sogar bis zu 87% „faktisch tot”. Die meisten entpuppten sich laut dem Bericht als Parodien oder fielen Scams zum Opfer. Über 700 sollen nicht mehr gelistet sein, da es sich um betrügerische Projekte gehandelt habe. krypto-szene.de

Paypal verklagt US-Aufsichtsbehörde: Konkret klagt Paypal gegen im April erlassene Vorschriften, nach denen Herausgeber digitaler Geldbörsen denselben Verbraucherschutz wie Prepaid-Kreditkarten gewährleisten müssen. Da es sich aber um zwei unterschiedliche Produkte handle, sei Paypal so gezwungen, die eigenen Kunden irre zu führen. fintechfutures.com

Ex-Revolut-Kopf launcht neue Smartphonebank: Sync. wird von Gründer und dem ehemaligem Produkt-Design- und Strategiechef, Ricky Lee, als weltweit erste Smartbank bezeichnet. Mit der Kontoeröffnung sollen Kunden binnen weniger Minuten bereits bestehende Konten und Karten verbinden können. finextra.com

Transferwise und Paydesk kooperieren: Rund 6.000 Freelancer arbeiten derzeit dem Unternehmen nach mit Zahlungslösungen von Paydesk, eine direkte Bankbeziehung ist für diese Freelancer so nicht notwendig. Durch die neue Partnerschaft sollen künftig über Transferwise deutlich mehr Freelancer weltweit die Möglichkeit erhalten, Funktionen wie die Sofort-Versicherung oder schnellere Zahlungsabwicklung nutzen zu können. crowdfundinsider.com


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GOLDILOCKS ist das Magazin für Führungskräfte der Finanzbranche, herausgegeben von finletter und dem Sparkassen Innovation Hub. Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe alles über die Zukunft des Banking für kleine und mittelständische Unternehmen. sparkassen-hub.com/goldilocks.


– Treffpunkte –

Asian Financial Forum: Das englischsprachige Event richtet sich an Entscheider aus der Finanzbranche oder der Politik. Auf dem zweitägigen Event gehört Bundesbankvorstand Burkhard Balz ebenso zu den Speakern wie Janet Yellen, ehemalige Vorsitzender des Federal Reserve Boards. 13. & 14. Januar, Hong Kong

Crypto Finance Conference: Die CFC ist nach eigenen Angaben die privateste Kryptofinanz- und Blockchain-Konferenz für Investoren. Die Beschreibung lässt erkennen, dass die Konferenz nicht für jeden Interessierten zugänglich ist. In einer Fünf-Sterne-Umgebung sollen solvente Investoren auf führende Branchenvertreter wie Carlo Maria Rossotto, Lead ICT Specialist der World Bank Group. Im vergangenen Jahr kostete die Teilnahme einen Bitcoin, oder 3.700 Euro. 15. – 17. Januar, St. Moritz

Euroforum Tagung Rethinking Corporate Banking: Der steigende Wettbewerb durch neue Marktteilnehmer sowie anhaltende Negativzinsen belasten das Firmenkundengeschäft bereits seit längerem. Nun zeichnet sich auch noch ein Konjunkturabschwung ab. Welche Strategien greifen in dieser Lage? Diskutieren Sie mit Experten aus Banken, Fintechs, Wissenschaft und Beratung. finletter ist Medienpartner. 26.–27. März 2020, Frankfurt.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Das Libra-Veto könnte voreilig sein: Marcel Thum ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums und spricht im Interview im Bezug auf neue Technologien wie Libra über solche mit kreativem Zerstörungspotential. Diese Kreativität solle man lieber nutzen, als Libra jetzt bereits auszubremsen. Regulatorisch einschreiten könne man später immer noch. kryptoszene.de

Wie Banken durch die Blockchain ersetzt werden und doch Fuß fassen könnten: Zwei Partner von Horváth Management Consultants haben im „bank-blog” niedergeschrieben, dass sie das aktuelle Geschäftsmodell mittelfristig zwar für überholt halten. Wenn die Banken sich aber jetzt auf die Situation einstellen würden, könnten sie ihr Terrain durchaus verteidigen. Hierfür müssten sie in die Rolle treuhänderischer Intermediäre wechseln. der-bank-blog-de

Roboter könnten bald das obere Ende der Finanz-Nahrungskette angreifen: Dass Roboter, bzw. Anwendungen mit maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz schon jetzt viele Arbeitsplätze ersetzen (wenngleich sie häufig auch neue kreieren) ist nicht neu. Nun aber behauptet Marcos Lopez de Prado, Professor an der Cornell University gegenüber dem US-amerikanischen House Committee on Financial Services. Interessant ist, dass laut Lopez de Prado die Roboter nicht die Top-Jobs ersetzen würden. Wegfallen würden Sie aber, weil viele Topleute nicht im veränderten Arbeiten mit Algorithmen geschult seien. bloomberg.com

Der Unterschied zwischen klassischem Geldtransfer und der Blockchain: „hollandfintech.com” hat es sich zur Aufgabe gemacht, die oft recht komplex wahrgenommene Philosophie hinter Krypto-Währungen in wenigen Schritten simpel zu verbildlichen. Einen Hauptunterschied kann man dabei festmachen: die Historie des überwiesenen Geldes.  hollandfintech.com

Wie Apple Pay von den Banken umgesetzt wird: Nachdem nun kürzlich einige Banken den Start von Apple Pay vermeldeten hat „finanz-szene” einmal den Moment genutzt, um die verschiedenen Banken in Hinsicht auf Ihr Apple-Angebot zu vergleichen. Besonders gut weg kommt die Umsetzung durch Revolut.  finanz-szene.de

Künstliche Intelligenz an der Schnittstelle Kunde-Bank: Mit zunehmender Digitalisierung dringen KI-unterstützte Automationsverfahren auch in Bankprozesse vor. Das zeigt sich nicht nur im Back Office, sondern auch an der Schnittstelle zum Kunden. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Artikel über die Branchenkompass-Studie, laut der sich Banken von Digital- und Neobanken umzingelt fühlen. it-finanzmagazin.de

 

– Das Beste zum Schluss –

…kommt diese Woche von der finletter-Herausgeberschaft:

Ein weiteres Fintech-Jahr neigt sich gen Ende. Woche für Woche hat unsere Redaktion zuverlässig für Sie die Nachrichten zusammengefasst, damit Sie mit minimalem Zeiteinsatz maximal gut informiert sind über die Entwicklungen in der Branche. Wir möchten uns bei all unseren Leserinnen und Lesern, die uns teilweise schon im fünften Jahr treu sind, herzlich bedanken! Wir sind natürlich auch in 2020 wieder für Sie da – allerdings erst ab dem 10. Januar. Bis dahin macht der finletter Weihnachtspause. Haben Sie eine tolle Zeit und kommen Sie gut ins neue Jahr!

Ihre Caro & Clas Beese