finletter 237 – Kryptowährungen, Einhorn Wefox, Klarna

Wettlauf um das Kryptogeld

Seit Monaten schon wird hier und da über Digitalgeld oder Krypto-Währungen berichtet. Häufig ging es dabei um eine grundsätzliche Aufklärung über Sinn und Ungeld digitaler Währungen. Mittlerweile scheint die Thematik aber ein neues Level erreicht zu haben, was sich alleine in der letzten Woche an zahlreichen Meldungen ablesen ließ. Deutliche Positionierungen gegenüber Facebooks geplanter Libra-Währung seitens europäischer Politiker waren da nur ein Anfang. Nachdem Frankreich im Gegenzug einen eEuro in die öffentliche Diskussion gebracht hat, zog nun China nach. Noch in diesem Jahr will das Land eine eigene digitale Staatswährung testen. Gleichzeitig legalisiert die Ukraine Krypto-Zahlungen, Korea will alle Krypto-Kapitalerträge besteuern und Südafrika entwürft neue Regeln für den Umgang mit Krypto-Geld. Die Bank von Litauen sieht in der Libra-Debatte einen Weckruf, dass man nun europaweit eine Lösung finden müsse. In dem baltischen Staat soll nächstes Jahr als Symbol des Kryptoaufbruchs sogar die erste digitale Sammlermünze herausgegeben werden. Kann man diese Entwicklungen als notwendige Reaktionen und ihre Häufung in den letzten Tagen als Zufall abtun, lässt aber umso mehr eine überraschende Prognose der Deutschen Bank aufhorchen. Nach dieser wird das Vertrauen in Fiatgeld in den nächsten Jahren sinken, die Nutzerzahl von Krypto-Währungen könnte demnach weltweit binnen zehn Jahren auf 300 Millionen ansteigen – vorausgesetzt, gewisse Hürden würden zuvor genommen, etwa entsprechende staatliche Legitimierung. In diesem Fall könne Kryptogeld etwa den Euro in nur wenigen Jahren schon ersetzen. Eine gewagte Prognose. Doch berichtet auch „faz.net“ von der künftigen Bedeutung digitaler Währungen. Das Wissen zumindest sei demnach hierzulande vorhanden, die Politik müsse aber die richtigen Weichen stellen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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– Fintech-News Deutschland –

Deutschland bekommt erstes Insurtech-Einhorn: Wefox gewinnt das Rennen um den ersten Unicorn-Status eines deutschen Insurtechs. In zwei Schüben hat Wefox in diesem Jahr 251 Millionen Euro Eigenkapital von Investoren erhalten. Die Geldgeber bewerten das Insurtech nun scheinbar mit einem Wert über der magischen Milliarden-Grenze. Besonders interessant scheint über diese theoretische Bewertung hinaus aber außerdem einer der neuen Investoren. Mit Samsung ist ein bedeutender Produzent von datengenerierenden Smartphones eingestiegen. Daten sollen künftig immer mehr zur Grundlage des Versicherungsangebots von Wefox werden.  handelsblatt.com, financefwd.com

Klarna eröffnet Büro in Berlin: Mit einem neuen Büro in der Hauptstadt will der schwedische Zahlungsdienstleister sein Geschäft im DACH-Raum vorantreiben. Arbeiteten bisher bereits 250 Klarna-Angestellte in Berlin, verdoppelt sich deren Zahl durch das neue Hub künftig auf 500. Klarna begründet die Konzentration auf den Berliner Standort damit, dass man die Stadt als eines der „spannendsten Technologie- und Gründerzentren” weltweit sehe. tagesspiegel.de

Financial Times mit neuen Vorwürfen gegen Wirecard: In den nun veröffentlichen Vorwürfen geht es um die Bilanz des Jahres 2017. In dieser soll Wirecard auf Treuhandkonten liegende Gelder als Barreserven deklariert haben. Durch die so hervorgerufene Manipulation des Cashflows sollen Anleger bei vorherigen Vorwürfen beruhigt worden sein. Wirecard bestreitet die neuen Vorwürfe.  t3n.de

Commerzbank kann Comdirect vorerst nicht übernehmen: Was lange spekuliert wurde, ist nun gewiss. Im ersten Anlauf gelang eine Übernahme, bei der die Mindestannahmeschwelle bei 90 Prozent der Comdirect-Aktien lag, nicht. Damit könnte es jetzt zu einem Alternativplan kommen, bei dem die Comdirect-Aktionäre kein Cash erhalten, sondern Commerzbank-Aktien. Hierfür ist lediglich eine Dreiviertel-Mehrheit nötig. faz.net

Apple Pay deutlich präsenter: Gleich mehrere Launch-Meldungen gingen zur Bezahlmöglichkeit mit dem iPhone in dieser Woche über die Ticker. Norisbank, Commerzbank und die Sparkassen vermeldeten den Start von Apple Pay. Allerdings: Kunden der VR-Banken müssen sich noch etwas gedulden. Anders als geplant, wir die Implementierung nicht mehr 2019 vollzogen, da es noch technische Probleme gibt. Dass die Einführung bei vielen Banken erst ein Jahr nach Deutschland-Launch von Apple Pay erfolgt, wurde durchaus auch kritisch hinterfragt. mobiflip.de, finanz-szene.de

Solarisbank lagert erste Kryptowährung ein: Gerade erst wurde ein neues Geldwäschegesetz verabschiedet, welches die Verwahrung von Kryptowährungen rechtssicher regelt, schon geht die Solarisbank als erstes deutsches Kreditinstitut an den Start, um die Einlagerung von Bitcoins anzubieten. Dabei nutzt die Bank nicht einmal die neue gesetzliche Möglichkeit, das neue Geschäft aus dem Kernunternehmen heraus anzubieten, sondern hat eigens eine Tochtereinheit gegründet.  handelsblatt.com

Finanzspritze für Proptech: Insbesondere die Deutsche Bank wird als Investor einer neuen Finanzierungsrunde für das Hamburger Protech Hausgold genannt. Hausgold vermittelt Makler an Immobilienkäufer und profitiert anteilig von der Provision. Insgesamt soll die aktuelle Runde einen mittleren einstelligen Millionenbetrag gebracht haben, dieser inkludiere jedoch einen Kredit von zwei Kreditinstituten. financefwd.com

Erster regulierter Handelsplatz für digitale Assets: Die Digital Exchange der Börse in Stuttgart (BSDEX) steht ab sofort allen Interessenten offen. Derzeit können Nutzer dort Bitcoin gegen Euro handeln, weitere digitale Assets sind aber geplant. Cash-online.de

Banken wollen mit Fintechs auf Neobanken antworten: Um dem Druck von großen Payment-Anbietern zu begegnen, wollen zwei Drittel der Kreditinstitute in den nächsten drei Jahren ein Fintech kaufen oder gleich ein eigenes gründen. Das geht hervor aus der Studie „Branchenkompass Banking 2019“ von Sopra Steria Consulting. Demnach sähen die Banken in Fintechs am ehesten Unternehmen, die im gleichen Boot säßen. it-finanzmagazin.de


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– Fintech-News International –

Blackfin erhält fast eine Milliarde Euro für Fintechs: BlackFin Capital Partners hat als Wachstumsinvestor seinen dritten Buy-out-Fonds aufgelegt. Mit dem letztlichen Wert von 985 Millionen Euro übertrifft er die angestrebten 750 Millionen Euro deutlich. Mit 40 Prozent der Investoren stammen die meisten dabei aus Frankreich, je 30 Prozent aus dem restlichen Europa und den USA. Mit seinem Kapital investiert Blackfin ausschließlich in europäische Finanzdienstleistungsunternehmen. asscompact.de

Goldman Sachs öffnet sich für Kleinsparer: Ab nächstem Jahr soll es auch ohne Millionenbeträge möglich sein, sein Geld bei Goldman Sachs anzulegen. Ab 5000 Euro erhalten US-Kunden dann aber noch keine persönliche Betreuung, die Abwicklung läuft über Robo Advisor. manager-magazin.de

Fintech-Investitionen auf Rekord-Kurs: Das dritte Quartal war weltweit das zweiterfolgreichste der Geschichte, wenn es um die Finanzierung von Fintechs ging. Dabei hebt eine Analyse von CBInsights hervor, dass hierfür keine Finanzierungsrunden über einer halbe Milliarde Euro einfließen würden, was den Rekord-Kurs noch beachtlicher mache. „Der-bank-blog“ geht aber auch auf unterschiedliche Interpretationen solcher Zahlen ein und zitiert besonders hohe Werte sowohl bei Finanzierungen, als auch im M&A-Bereich, der oftmals zu Finanzierungen hinzugezählt und im Artikel erläutert wird. der-bank-blog.de

Visa kooperiert mit afrikanischem Fintech MFS: Das panafrikanische Unternehmen MFS verbindet nach eigenen Angaben bereits jetzt über 180 Millionen mobile Wallets auf dem afrikanischen Kontinent. Diese Kunden können für ihr Konto nun eine virtuelle Visa-Karte generieren und für E-Commerce und Transaktionen verwenden.  crowdfundinsider.com

Kanadisches Fintech erhält starke Finanzierung: Das Fintech Nuvei hat in einer neuen Finanzierungsrunde 270 Millionen US-Dollar erhalten und wird nun mit über zwei Milliarden US-Dollar bewertet. Das frische Kapital stammt in erster Linie von den eigenen Aktionären. Nuvei bietet komplett unterstützte Zahlungslösungen und will mit dem Kapital sein Netzwerk erweitern. crowdfundinsider.com

 

– Treffpunkte –

Payment Exchange – Stranger Payments: Ziel der PEX ist es, die „innovativste Payment-Lösung im Handel und E-Commerce“ zu finden. Aktuelle Themen sollen dafür mit Experten in Panels diskutiert werden. Der Zutritt erfolgt nur auf Einladung. Bewerben können sich Unternehmen, die Lösungen geschaffen haben, die sich positiv auf den Bezahlvorgang auswirken oder sonst einen der beschriebenen Mehrwerte bringen. Bewerbungsfrist ist der Jahreswechsel. 23. & 24. Januar, Berlin.

Handelsblatt Jahrestagung Regionale Banken 2020: Das Zinsdilemma und die andauernde Niedrigzinsphase spalten die Gemüter. Besteht Handlungsbedarf? Wie lassen sich die Regulierungsvorschriften managen und wie können neue Erträge für Wachstum erzielt werden? finletter ist Medienpartner auf dem Event, das Antworten geben will. 13.–14.02.2020, Berlin.

Transactions: Marketing Rockstars, Business-Punks, Blockchain-Versteher oder Bankvorstände. So verstehen die Organisatoren ihr Zielpublikum für die zweite Auflage der Transactions. Die Leitidee ist die, dass die Fintech-Akteure immer vielfältiger werden, alle eine aber die Transaktion. Dieses Video fasst die letztjährige Transactions zusammen. 19. November, Offenbach.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Nerviges Online-Banking: „faz.net“ beklagt, was die Banken aus PSD2 gemacht haben. Eigentlich hätte alles einheitlich und einfacher werden sollen. Da nun aber jedes Institut einen eigenen Weg der Umsetzung verfolge, bleibe manchmal der Kunde auf der Strecke. faz.net

Wie Banken wieder in den Angriffsmodus kommen können: Prof. Dr. Julian Kawohl zeigt am Beispiel der russischen Sberbank, wie Finanzinstitute mit einem digitalen Ökosystem BigTechs wie Amazon, Google, Alibaba oder Tencent Paroli bieten können. der-bank-blog.de

PSD2 ist noch nicht vorbei: Ebenfalls mit der Zahlungsdienstleisterrichtlinie beschäftigte sich „finanz-szene.de. Der Artikel thematisiert nicht nur die bisher aufgetretenen Probleme, sondern thematisiert auch, dass Banken, die für ihre Kunden den vermeintlich leichteren Weg der Umstellung gehen, tatsächlich erst recht Probleme verursachen könnten. finanz-szene.de

Zehn Insurtech-Prognosen: Der nahende Jahreswechsel ist traditionell nicht nur die Gelegenheit für einen Rückblick, er bietet sich auch für einen Blick in die Zukunft an. „Dig-in“ hat für das kommende Jahr den Blick in die Glaskugel gewagt und zehn Vorhersagen für den Insurtech-Markt niedergeschrieben. Dabei geht es um Wachstumsprognosen, aber auch um den Einfluss des Klimawandels auf die Versicherungswelt. dig-in.com

Wie digital ist die EU: Unter anderem die öffentlichen Diskussionen um Libra haben auch die EU zu Stellungnahmen bezüglich Regulierungen von Kryptowährungen gezwungen. „btc-echo“ analysiert die aktuelle Lage und kommt zu dem Schluss, dass bei der EU Eile geboten, was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht. btc-echo.de

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Beitrag über die Spaltung der wirtschaftlichen und der politischen Eliten durch den Facebook-Coin Libra. kryptoszene.de

– Das Beste zum Schluss –

Mobile Payment mit Bier-Bonus: Denkt man an innovative Payment-Lösungen fällt einem vermutlich nicht als erstes das Heimspiel mit Bierbecher und Stadionwurst ein. Dennoch hat das „it-finanzmagazin“ im Stadion des 1.FC Köln scheinbar optimale Testbedingungen für Kommunikation und Integration diverser Payment-Lösungen gefunden. Dass auch eine digital integrierte Funktion wie ein Bonus-Programm gerade am Spieltag auch vom gemeinen Fan angenommen wird, wird besonders deutlich: Nach elf bezahlten Kölsch gibt es das zwölfte umsonst – nur Pfand ist dann noch nicht drin. it-finanzmagazin.de

Martin Pieck