finletter 242 – Bonpflicht, Nufin, Libra

Bonpflicht als Entwicklungshilfe

Genau einen Monat gibt es nun schon die Bonpflicht, die immer wieder für heftiges Kopfschütteln sorgt. So ist das Netz voll von satirischen Beiträgen wie den des Bäckers, der einen Bon aus Zuckerguss auf seine Backwaren gezaubert hat. Die Beschwerden über die Bonpflicht wurden mitunter laut und deutlich formuliert. So rechnete der Handelsverband Berlin etwa aus, wie viele Kilometer Bon nun zusätzlich ausgedruckt werden müssten. Das Portal „heise.de“ hat die Bonpflicht-Aufregung zum Anlass genommen, die Vorwürfe einem Faktencheck zu unterziehen und kommt zu einer anderen Einschätzung. Immerhin müsse durch die Neuregelung, die unter anderem die Bonpflicht beinhaltet, nicht zwangsläufig auch nur eine Quittung mehr gedruckt werden – im Gegenteil. Das Portal liefert auch praktische Beispiele, etwa das einer Großbäckerei, die nun auf ein zuvor wenig beachtetes System von E-Bons zurückgegriffen und so binnen weniger Wochen Unmengen von Papier eingespart habe. Ähnlich berichtet „handelsblatt.com“, dass bereits vor Wochen kommentierte, dass der Einzelhandel genug Zeit gehabt habe und sich nun mit der Bonpflicht arrangieren müsse. Das Blatt zitiert ebenfalls einen Bäcker, der sich durch die neue Regelung gezwungen sah, seine Software entsprechend anzupassen. Zusätzlich zum Umweltvorteil amortisiere sich das System bei seinen 14 Filialen binnen eines Jahres. „handelsblatt.com“ sieht daher in der Bonpflicht nicht bloß ein Werkzeug im Kampf gegen Steuerbetrug. Die Bonpflicht sei sogar verantwortlich für einen Innovationsschub. Die Ausgestaltung der modernen Systeme ist nämlich den Einzelhändlern selbst überlassen. Denkbar ist die einfache QR-Lösung, die die gesetzlichen Forderungen erfüllt, den Kunden aber nicht weiter beschäftigen muss. Denkbar ist aber auch die Ausgestaltung einer App mit entsprechenden Kundenbindungs-Boni. Hier ist sicher noch Entwicklungsarbeit gefragt, denn kein Kunde wird es wohl schätzen, wenn er demnächst für jedes Geschäft ein eigenes System nutzen muss. In Frankreich geht man indes den umgekehrten Weg. Nicht die Innovationsförderung steht da im Vordergrund der Analyse, sondern die Umweltbelastung. In Paris scheint man nicht daran zu glauben, dass der Einzelhandel zeitnah auf den Papierbeleg verzichtet und schafft die Bonpflicht deshalb für kleine Beträge ab – zunächst für Einkäufe bis 30 Cent, in zwei Jahren dann bis zur Grenze von 30 Euro.

heise.de, handelsblatt.com, spiegel.de

 


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– Fintech-News Deutschland –

Berliner Fintech Nufin erhält 10 Millionen Euro: Bereits wenige Monate nach Gründung und ohne öffentlichkeitswirksames Auftreten konnten die Berliner die zweistellige Millionensumme einsammeln. Mit dem Launch in wenigen Monaten will Nufin wohl mit einer Firmenkreditkarte starten, später aber auch Dienstleistungen anbieten, wie etwa eine Vereinfachung der Buchhaltung. financefwd.com

Union Investment steigt bei Wirecard ein: Die Fondsgesellschaft Union Investment hat sich über drei Prozent der Aktienanteile des Zahlungsdienstleisters gesichert. Zusammen mit anderen Investments komme man so auf ein Paket von rund einer halben Mrd. Euro. „finanz-szene“ nimmt in dem Artikel auch Bezug auf die deutliche Lagerbildung derer, die an eine gute Wirecard-Zukunft glauben und derer, die mit Pessimismus dem anstehenden Sonderbericht von KMPG entgegen blicken. finanz-szene.de

Ex-Klarna-Chef heuert bei Bluecode an: Jens Lütcke verstärkt künftig das Führungsteam von Bluecode, einem Mobile-Payment-Anbieter.  Lütcke leitete nach der Übernahme seiner “Sofort Überweisung” durch Klarna das deutschsprachige Geschäft der Schweden. In seiner neuen Funktion kümmert sich Lütcke um partnerschaftliche Beziehungen zu Banken. wallstreet-online.de

N26 startet stark in den USA: Nach eigenen Angaben hat die Smartphone-Bank es geschafft, in weniger als einem halben Jahr auf einer Viertel Millionen US-Kunden zu kommen. N26 versucht, sich zur Konkurrenz in den USA abzuheben, etwa durch den Verzicht auf Mindestumsätze. t3n.de

Bezahldienstleister Heidelpay könnte im großen Stil einkaufen: CEO Hüllemann sieht derzeit ein Potential von bis zu 40 Unternehmen in Europa, die Heidelpay kaufen könnte. Denkbar seien Akquisitionen von bis zu 500 Millionen Euro. In ein paar Jahren sei auch ein Börsengang eine Option zur Kapitalbeschaffung. Heidelpay gehört seit einem knappen halben Jahr mehrheitlich dem Finanzinvestor KKR. cash.ch

Kreditech sammelt 7,2 Millionen Euro: Das Hamburger Unternehmen möchte nach einem herben geschäftlichen Dämpfer nun, acht Jahre nach Gründung, erneut für positive Schlagzeilen sorgen.  Kreditech hat es offenbar geschafft, nach einem Bewertungs-Abbau um rund 200 Millionen Euro, wieder Vertrauen von Investoren zu gewinnen. financefwd.com

aifinyo übernimmt rechnung.de: Durch die Übernahme der Decimo AG eignet sich die aifinyo AG das Portal rechnung.de an. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen im vergangenen Jahr über 2.000 Freiberufler unterstützt, dabei ging es insgesamt um ein Transaktionsvolumen von über 300 Millionen Euro. asscompact.de

 

– Fintech-News International –

KI-Fintech Neocova sammelt 9,5 Millionen US-Dollar: Mehrere in den USA ansässige Gemeinschaftsbanken sollen dem Vernehmen nach den fast zweistelligen Millionenbetrag in das Fintech investiert haben, dass eine cloudbasierte Plattform für Community-Banken entwickelt hat. croudfundinsider.com

Libra verzichtet angeblich auf Währungskorb: Offenkundig hat Facebook auf den massiven politischen Gegenwind reagiert und will einen zentralen Baustein komplett umplanen. Nach einem Bericht von „financefwd“ soll der Währungskorb demnach aufgeteilt und die Digitalwährung an die jeweilige Landeswährung gebunden werden. Das Magazin bezieht sich auf mehrere nicht genannte Quellen, eine offizielle Bestätigung gibt es derzeit nicht. financefwd.com

US-Fintech Finanstra eröffnet Büro in Israel: Über 330 Mitarbeiter sollen vor den Toren von Tel Aviv die Marke Finastra im Land stärken. Das neue Büro bietet hierfür offenbar bereits Kapazitäten. Finastra ist nach eigenen Angaben das drittgrößte Finanztechnologie-Unternehmen weltweit. prnewswire.com

American Express mit deutlichem Verlust: Trotz weiterhin hoher Konsumausgaben der US-Amerikaner hat der Kreditkartenanbieter American Express einen deutlichen Gewinneinbruch von 16 % vermeldet. Durch hohe Sondererlöse im Vorjahr ist ein Vergleich aber schwierig. handelsblatt.com

Brylianze plant KI-Plattform: Brylianze ist ein in Florida ansässiges Insurtech-Unternehmen, dass im letzten Jahr von Steve Addair gegründet wurde. Nun hat es Pläne für eine KI-Plattform für die Versicherungsbranche vorgestellt. Teil des Plans ist es, zunächst in die Technologien rund um maschinelles Lernen und Deep-Learning zu investieren. Addair selbst glaubt, dass Künstliche Intelligenz wichtig für die gesamte Branche wird, nachdem genug relevante Versicherungsunternehmen wichtige Komponenten installiert hätten. verdict.co.uk

Fremdkarten mit Apple Pay: Das britische Fintech Curve kooperiert künftig mit Apple Pay. Dadurch wird es möglich, dass bestimmte Kreditkarten von Instituten, die selbst nicht mit Apple Pay zusammenarbeiten, dennoch dessen Dienste nutzen können. Relevant könnte das beispielsweise für Kunden der Postbank sein. Diese kooperiert bislang nicht mit Apple. it-finanzmagazin.de

Mastercard errichtet Intelligence and Cyber Center: Mit dem neuen Zentrum will Mastercard nicht nur ein Zeichen in Sachen Cyber-Sicherheit und KI setzen. Mit 510 Millionen US-Dollar Investment sollen außerdem 380 Arbeitsplätze geschaffen werden bzw. erhalten bleiben. Die Finanzierung obliegt scheinbar daher nicht dem Kreditkartenanbieter alleine, auch sein Strategic Innovation Fund, ein Gemeinschaftsprojekt mit der kanadischen Regierung, soll abgerufen werden. crowdfundinsider.com

New York kämpft um das Bargeld: Der Rat der Stadt New York hat ein Verbot für bargeldlose Einzelhandels- und Lebensmittelgeschäfte ausgesprochen. Demnach muss Bargeld nicht nur akzeptiert werden, es darf auch nicht diskriminiert werden; Aufschläge für Barzahlungen sind somit nicht mehr erlaubt. Einschränkungen gibt es aber. So kann kein Shop verpflichtet werden, Scheine anzunehmen, die mehr Wert sind als 20 US-Dollar. retaildive.com


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– Treffpunkte –

finfinity #17: Angesprochen ist beim finfinity-Treffen vor allem die Kölner Fintech-Szene. Dieses mal geht es um „fintech and mobility”. Nach Vorträgen von Experten aus der Finanz-, eMobilitäts- und Automobilindustrie besteht Möglichkeit zum Austausch. 11. Februar, Köln.

Euroforum: Ein offener Austausch steht nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich auf der Agenda der zweiten Euroforum-Jahrestagung Open Banking. Im Mittelpunkt stehen neben Open Banking die Themen Kooperationen, Ökosysteme und Plattformen.  06 & 07. Mai, Frankfurt am Main.

Engineering Innovation in FinTech:  Die Veranstaltung bezeichnet sich selbst als erste deutsche Konferenz, die sich um Engineering und Produktinnovation im Bereich Fintech kümmert. Auf der Seite können sich Interessierte um Product-Pitch-Plätze bewerben. 17. April, Berlin.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Banken gegen Fintechs: Kaum eine Woche vergeht ohne Kommentar darüber, ob es zwischen Banken und Fintechs wohl eher erbitterte Konkurrenz gibt oder heilsame Synergien. „der-bank-blog“ hat die aktuellsten Entwicklungen und Argumente aus seiner Sicht aufbereitet.  der-bank-blog.de

Die Sicherheit von Payment: So komfortabel innovative Lösungen im Bereich Payment auch sein mögen, ihre Akzeptanz stehen und fallen häufig mit der Sicherheit der Daten. Auch 2019 haben Tech-Giganten wie Amazon und Facebook bewiesen, dass dies nicht das exklusive Problem kleinerer Unternehmen ist. Dieser Artikel macht deutlich, dass vollständige Sicherheit kaum möglich, das Einhalten gewisser Regeln für das Schaffen von Mindeststandards aber unbedingt notwendig ist. fintechfutures.com

Hessens Digitalministerin über das Fintech-Potential des Landes: Dass eine hessische Ministerin den Standort Frankfurt im Finanzbereich hervorhebt, ist nicht überraschend. Im Interview gibt Kristina Sinemus (CDU) aber auch einen Einblick in andere Bereiche – so kann auch Frankfurt vom Brexit profitieren. Als Konkurrenz nennt sie aber nicht etwa Berlin, sondern Paris. Um Berlin geht es aber doch auch, nämlich bei der Frage der politischen Priorisierung digitaler Themen. it-finanzmagazin.de

Sind die Banken fit für die Zukunft? Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass der Blick vieler Banken immer noch zu stark nach Innen gerichtet ist. Statt neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, befassen sich die Institute lieber mit Regulierungsthemen oder der Optimierung von Prozessen. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

Die deutsche Fintech-Karte: In einer fünfteiligen Serie hat „der-bank-blog“ eine aktuelle Übersicht geschaffen, in welchen Hubs sich Fintechs in Deutschland sammeln. Dabei bestätigte die Artikelserie aber nicht nur die vier Hauptstandorte und brachte diese in ein Ranking. Ein weiteres Ergebnis war nämlich, dass es offenbar auch noch andere attraktive Standorte gibt, etwa das Rheinland. der-bank-blog.de

Trends der Finanzwelt: Wie die Stimmung angesichts der technologischen Entwicklung in der Branche ist, fragte das Schweizer Fintech Avaloq in einer aktuellen Branchenstudie ab. Demnach scheinen vor allem drei Komplexe von der fortschreitenden Digitalisierung zu profitieren: Compliance, Cyber-Sicherheit und Kundenzufriedenheit. cash-online.de

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Beitrag über die Gründe, warum die Finovate nach Deutschland kommt. globenewswire.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht: Vorurteile tragen viele von uns mit sich herum. Den ein oder anderen könnte überraschen, wen der Autor dieses Artikels entgegen so mancher Vorurteile als besonders innovativ herausstellt. So würde etwa das pay-per-use-Modell gerade in der Landwirtschaft sinnvoll und effizient eingesetzt. Was der moderne Bauer gerade nicht nutzt, bezahlt er nicht – vielleicht wäre das eine realistischere Weisheit. bankstil.de

Martin Pieck

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