finletter 243 – N26, Revolut, Worldline

N26 steigert Umsatz und Verlust

Was da im Bundesanzeiger über N26 zu lesen war, war nicht weniger als ein „Erdbeben” und ein „Schock für jeden Banker” – so zumindest reagierten „finanz-szene.de” und „gruenderszene.de” auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen der Smartphone-Bank aus dem Jahr 2018. Demnach hat sich der Gewinn für N26 im Vergleich zum Vorjahr vervielfacht. Grund hierfür waren die augenscheinlich erfolgreiche Umsetzung von Premium-Modellen, die monatliche Gebühren bringen, sowie eine häufige Nutzung der N26-Debitkarte im Einzelhandel, was Interchange-Gebühren in die Kassen spült. In der Tat dürfte N26 mit den Zahlen eine Begründung geliefert haben, warum Investoren im letzten Jahr noch über 400 Millionen Euro in N26 investierten, obwohl Kritiker behaupteten, dass das Modell von N26 rein auf Wachstum, nicht aber auf Gewinn ausgelegt sei.

Die Kehrseite der Medaille ist dem Anzeiger ebenfalls zu entnehmen. So sind nicht nur die Erträge massiv gewachsen, sondern auch die Ausgaben. „handelsblatt.com” spricht von Geldverbrennung, aber auch davon, dass noch genug Reserven vorhanden seien. Die enorm gestiegenen Ausgaben führt N26 vor allem auf gestiegene Personalkosten, Internationalisierung und Werbung zurück. Mit 27 Millionen Euro war der Kostenfaktor Marketing annähernd so hoch, wie der für das Personal, welches sich im gleichen Zeitraum auf gut 470 verdoppelte. Noch etwas Wasser in den Wein goss dann aber doch „finanz-szene.de” mit einem näheren Blick auf die ausgewiesenen Kundenzahlen, die sich nicht mit den von N26 kolportierten decken würden. Tatsächlich habe N26 Anfang 2019 von 2,3 Millionen Kunden gesprochen, während der Bericht für 2018 davon sprach, dass gerade die Millionen-Marke geknackt worden sei. Wie „handelsblatt.com” mittlerweile erfahren hat, handelt es sich im Bericht von N26 nur um ertragsrelevante Kunden. Die undurchsichtige Kommunikation sei aber nur eine der Herausforderungen, denen N26 sich nun stellen müsse, Eine weitere seien viele vakante, aber wichtige Positionen im Unternehmen.

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– Fintech-News Deutschland –

Volksbank Berlin will 100 Millionen für Fintechs sammeln: Die größte deutsche Volksbank möchte gemeinsam mit anderen Genossenschaftsbanken und der Ideal Lebensversicherung einen Wagniskapitalfonds mit dem Namen VR Ventures auf die Beine stellen. Der Fonds soll sich auf Fintechs, Proptechs und Digital-Lösungen für KMU konzentrieren. Neben dem primär wirtschaftlichen Gedanken will die Berliner Volksbank mögliche Geschäftskontakte in die Welt der Fintechs knüpfen. handelsblatt.com

Commerzbank möchte mBank ins Ausland verkaufen: Mit über 70% hält die Commerzbank derzeit den Löwenanteil an der polnischen mBank.  Für diese Anteile sucht die Commerzbank derzeit einen neuen Eigentümer. Einen Bieter gibt es bereits, nämlich die staatliche Bank Pekao. Vorstandschef Cezary Stypulkowski  sagte jetzt aber, dass der neue Investor nach Möglichkeit nicht aus Polen kommen sollte. handelsblatt.com

Sparkassen streichen das Yomo-Konto: Laut „handelsblatt.com“ sind die Sparkassen an der Entwicklung eines N26-Herausforderers gescheitert -weil sie schlicht zu langsam waren. Die bestehende App hatte im Vergleich zu den Mitbewerbern zu wenige Funktionen. Künftig soll das Projekt neu gedacht werden, nicht mehr als Konto, sondern als Infrastruktur, also als App. handelsblatt.com

Drei Milliarden für deutsche Fintechs: Nach Rechnung von Barkow Consulting, einer Unternehmensberatung, haben sich im vergangenen Jahr die Investments in Fintechs nahezu verdoppelt. Durch ein durchschnittliches Deal-Volumen von nunmehr 16,5 Millionen Euro wurde so erstmals die Drei-Milliarden-Marke geknackt. munich-startup.de

Check 24 verliert vor Gericht: Das Vergleichsportal hat vor dem Landgericht München eine Niederlage einstecken müssen. Es darf nun nicht mehr mit Mitteln werben wie den „Versicherung Jubiläums Deals“. Das Landgericht gab damit dem Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) recht, der Check 24 vorwarf,  mit Jubiläumsrabatten für den Abschluss von Versicherungsverträgen gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoßen zu haben. Noch in diesem Monat wartet auf das Portal der nächste Gerichtstermin diesmal in Köln und der Gegner ist die Huk-Coburg. handelsblatt.com

Receeve erhält vier Millionen aus Seed-Finanzierung: Das Fintech aus Hamburg, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Schuldendienst-Branche digital neu zu gestalten, erhält die Finanzierung von Mangrove Capital Partners und Speedinvest. Eine Pre-Seed-Runde brachte zuvor eine Millionen Euro ein. hamburg-startups.net

Auto1 verliert Führungskraft: Erst im letzten Jahr hatte Auto1 Fintech für die Posten des CEO und des Finanzchefs zwei ehemalige Tesla-Manager an Bord geholt. Mittlerweile haben beide das Unternehmen, das den Autokauf von Fahrzeughändlern finanzieren soll, wieder verlassen. Wenngleich Auto 1 Fintech die Personalien nicht kommentieren will, spricht ein im Handelsregister veröffentlichter Brief  dafür, dass die Trennung zumindest in einem Fall nicht einvernehmlich erfolgte. financefwd.com

Wirecard-Probleme in Singapur: Grund für einen erneuten Kursrutsch der Wirecard-Aktie war ein Bericht der „Wirtschaftswoche”, nachdem Wirecard in Singapur noch eine Lizenz fehle. Mittlerweile ist klar, dass diese zwar in der Tat noch nicht vorliegt, der Finanzdienstleister sich damit aber im Rahmen einer Übergangsfrist bewegt. wiwo.de, handelsblatt.com

Finanzchef24 mit zweitem Chef: Tobias Wenhart verstärkt künftig die Geschäftsführung und tritt damit an die Seite von Benjamin Papo. Wenhart wechselt vom Spezialversicherer Hiscox, um Finanzchef24 dabei zu unterstützen, den. cash-online.de 

 

– Fintech-News International –

Revolut sammelt 500 Millionen: Der N26-Mitbewerber ist nun wohl Europas teuerstes Fintech und gewinnt mit einer Bewertung von nunmehr 5,5 Milliarden US-Dollar vorerst an Boden gegenüber dem der Konkurrenz. Bei der letzten Finanzierungsrunde vor knapp zwei Jahren lag die Bewertung noch bei 1,7 Milliarden US-Dollar. handelsblatt.com

Worldline wird viertgrößter Zahlungsdienstleister der Welt: 7,8 Milliarden Euro ließ sich Worldline den Aufkauf des Konkurrenten Ingenico kosten. Ziel des Mega-Deals ist laut Worldline-Chef Gilles Grapinet die Schaffung eines europäischen Weltklasse-Marktführers. Aufgrund der Gebührendeckelung scheint besonders in Europa die Entwicklung schierer Größe unabdingbar für den angestrebten wirtschaftlichen Erfolg. handelsblatt.com , finanz-szene.de, finanz-szene.de

Klarna launcht in Australien: Klarna startet seine Shopping-App Down Under. Die App, die laut Klarna bereits zwölf Millionen Mal geladen wurde, ermöglicht es den Nutzern beispielsweise, bei Online-Einzelhändlern in vier gleich großen Raten zu zahlen, ohne Zinsaufschläge entrichten zu müssen.  finanzen.net

Fintech-Online-Kurs: Die Dublin City University Business School hat einen Kurs entwickelt, der den Nutzer in die Lage versetzen soll, mit der rasanten Entwicklung in der Fintech-Branche Schritt halten zu können. Nach Angaben der Verantwortlichen ist er sowohl für Fachleute geeignet, als auch für Arbeitnehmer, die sich für einen Wechsel in ein Fintech-Unternehmen fit machen wollen. Der Kurs ist bewertet mit fünf Credit Points und kostet den Nutzer knapp 1.500 Euro Gebühren.  finextra.com

Schweizer Fintechs sammelten letztes Jahr 336 Millionen Euro ein: In insgesamt 39 Finanzierungsrunden wurde der Betrag, hier angegeben mit 360 Millionen Schweizer Franken, gesammelt. Damit haben sich laut Swiss Venture Capital Report 2020 die Investitionen in die Schweizer Fintech-Branche fast verdoppelt, während die Zahl der dienst nochmal um die Hälfte zulegen konnte. fintechnews.ch

Mastercard und Pleo bringen Firmenkreditkarte: Betriebsausgaben scheinen in den Fokus der Fintechs zu rücken. Zum Beispiel habe Nufin bereits bekannt, demnächst eine Kreditkarte für Firmenkunden launchen zu wollen. Die Zusammenarbeit von Mastercard und Pleo soll Buchhaltungs- und Zahlungssysteme kombinieren- Pleo ist auf Expansionskurs, will Ende des Jahres 350 Menschen beschäftigen. In Deutschland arbeiten derzeit acht Mitarbeiter. gruender.wiwo.de

Digitales Finanzmanagement boomt in Asien: Zwei von drei indischen Fintech-Nutzern haben im vergangenen Jahr einen Online-Kredit beantragt und digital gezahlt. Das zumindest habe eine Befragung durch die Robocash Group ergeben. Teilgenommen hatten demnach Fintech-Kunden aus Indien, den Philippinen, Vietnam und Indonesien. crowdfundinsider.com

US-Online-Versicherungs-Marktplatz erhält 100 Millionen US-Dollar: Policygenius wurde 2014 gegründet und berät Verbraucher bei der Auswahl von Versicherungen. Nach eigenen Angaben hat die Plattform bereits 30 Millionen Kunden beraten. Die Finanzierungsrunde wurde angeführt von KKR. Die Beteiligungsgesellschaft ist unter anderem Mehrheitseigner beim deutschen Finanzinvestor Heidelpay. crowdfundinsider.com

 

– Neu auf finletter.de –

Friedrich-W. Kersting über Stallgeruch und Innovationsinfusionen von außen
Transformations-Kolumne: In einer neuen Folge kommentiert Friedrich-W. Kersting den Wechsel von André Bajorat und anderen Fintech-Urgesteinen vor ihm in die traditionelle Bankenwelt. Sind das Personal-Coups oder nur schnöde PR? finletter.de

 

– Treffpunkte –

F10 Fintech Hackathon: Innerhalb von 48 Stunden sollen die Teilnehmer des Hackathons Ideen und Konzepte im Bereich Fintech entwickeln. Coaches helfen den Teams bei der tatsächlichen Umsetzung, da auch eigene Prototypen programmiert werden. Die Anmeldefrist endet am 08. Februar. 28. Februar bis 01. März, Zürich.

Payment Experts Day: Das organisierende Kartenforum selbst nennt das Event das „Klassentreffen“ der Zahlungsverkehrs-Branche. Es kommen zuvor ausgewählte Verbraucher zu Wort, aber auch IT-Experten, die über den Status Quo der Sicherheit der Branchen-Produkte reden. Über ein Event-Tool können Teilnehmer während der Veranstaltung Fragen an vortragende Experten richten.  25. März, Frankfurt

Zwei Jahre neues ZAG: BaFin-Konferenz: Die Finanzdienstleistungsaufsicht lädt zu der Konferenz, bei der es um den Status Quo und die Zukunft der Aufsicht im Zahlungsverkehr gehen wird. Fintechs sind ausdrücklich angesprochener Teil der Zielgruppe, die Teilnahme ist kostenlos. 31. März, Frankfurt.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.


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Fintech Germany Award 2020Mit dem FTGA werden seit 2016 jährlich herausragende Jung- und Wachstumsunternehmen von einer hochkarätig besetzten Jury ausgezeichnet. Neben Preisen in verschiedenen Kategorien werden Sonderpreise in bedeutenden Industriesektoren verliehen. fintechgermanyaward.de


– Wochenendlektüre –

Brachliegendes Potenzial der Banken: Kaum eine Woche vergeht ohne Kommentar zur Entwicklung der Beziehung zwischen Banken und Fintechs. Nun stellt „der-bank-blog“ mit Blick auf eine Studie von Roland Berger fest, dass Banken das Potential von PSD2 nicht ausschöpfen würden und dass diese Tatsache den Tech-Unternehmen einen großen Vorteil bringen würde. der-bank-blog.de

Fintechs nach dem Brexit: Jahrelang haben das Vereinigte Königreich und die EU um einen Deal für den Brexit gerungen, nun ist er vollzogen. „fintechfutures.com“ hat Aussagen von Fintech-Gründern gesammelt und sie nach den erwarteten Auswirkungen des britischen EU-Austritts auf die Fintech-Branche gebeten. fintechfutures.com

Finanzielle Nachhaltigkeit: Der Finanzsektor profitiert von einer strengeren Umweltpolitik. So sieht es der wirtschafts- und finanzpolitischen Sprecher der Grünen im Europaparlament Sven Giegold. In einem Interview mit „der-bank-blog” spricht er über Sustainable Finance und wie die Finanzwirtschaft einen Beitrag für eine sauberere Welt leisten kann.  der-bank-blog.de

Warten auf den digitalen Euro: Geht es nach diesem Beitrag auf „faz.net“, sollten sich die europäischen Währungshüter eine Scheibe von den Kollegen in der Karibik abschneiden. Schließlich will Barbados mit acht weiteren Inseln einen digitalen Barbados-Dollar einführen – nach eigenen Angaben als erste Notenbank der Welt. Unabhängig von dem leicht hinkenden Vergleich der beiden Wirtschaftsräume, beleuchtet der Autor des Artikels, wer überhaupt den elektronische Euro braucht und was das für das Bargeld bedeutet. faz.net

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Beitrag über die Karte der deutschen Fintech-Standorte. der-bank-blog.de

 

– Das Beste zum Schluss –

TV-Serie im Realitäts-Check: Fernsehserien leben von Spannung und Überspitzung. Gleiches gilt wohl auch für das ZDF-Format „Bad Banks“, welches mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde und nun in die zweite Runde geht. Dabei wird kaum ein aktuelles Thema ausgelassen: Robo-Advisor, Nachhaltiges Banking, Greenwallets und die Konkurrenz zwischen Banken und Fintechs. Selbst der Name des Hauptakteurs, fin21, dürfte Vergleiche zur realen Welt aufkommen lassen. Das Portal „financefwd.com“ hat daher einmal gecheckt, inwiefern reale Fintech-Vorbilder Modell gestanden haben könnten und gibt zum Abschluss noch den Tipp an die etablierte Banken-Welt, endlich einen „geilen Inkubator” zu platzieren (Achtung: Spoiler).  financefwd.com


Bitte beachten Sie, dass wir zum 3. Februar 2020 unsere Datenschutzerklärung ergänzt haben. Unter 4. Newsletter finden Sie jetzt Hinweise zur Speicherdauer; außerdem haben wir der Erklärung eine Änderungsklausel hinzugefügt.

Martin Pieck

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