finletter 244 – N26 verlässt UK, Apple-Schnittstelle, HDI baut auf Fintechs

N26 kehrt Großbritannien den Rücken

In einer einseitigen Pressemitteilung verkündete Deutschlands größte Smartphone-Bank den Rückzug aus Großbritannien. Dabei will N26 bereits in der Überschrift klarstellen, dass der Grund alleine im Brexit liegt und der Rückzug von der Insel nichts am Wachstumskurs in den restlichen Märkten ändern wird. In dem Schreiben wird nachvollziehbar dargelegt, dass es N26 mit der europäischen Vollbanklizenz in Zukunft einfach nicht mehr möglich ist, die Kunden in Großbritannien zu versorgen. Bislang konnte N26 über das sogenannte Passporting mit der eigenen Lizenz auch in Großbritannien frei agieren.

N26 selbst spricht dabei von mehreren Hunderttausend Kunden, die bis zum 15. April ihr Konto nutzen können, um Guthaben zu transferieren oder überzogene Konten auszugleichen. Auf die Meldung von N26 folgten Reaktionen aus der gesamten Medienlandschaft. Der Tenor war meist der, dass die Pressemitteilung von N26 wohl nur die halbe Wahrheit verrate. Immerhin habe der Brexit lange genug als Damoklesschwert über allen Beteiligten geschwebt, dass der Antrag auf eine Lizenz hätte organisiert werden können. In der Tat bestätigte ein Sprecher von N26 später, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden hätte. Da verwundert es, dass gerade die britische Kundschaft zuvor als so wichtig eingestuft wurde. Die direkte Konkurrenz reagierte dann auch, wie es „finews.ch“ ausdrückt, mit „Spott und Häme“ auf das britische Aus für N26. Damit bezieht sich das Schweizer Portal allerdings lediglich auf einen Twitter-Post der konkurrierenden Starling Bank, die ihren Kunden versichert, dass sie ihnen erhalten bleiben werde. Ein wenig Schadenfreude mochte da durchaus mitschwingen. Offenkundig gab N26 immerhin den Konkurrenzkampf gegen heimische Player wie Revolut oder eben Starling endgültig auf. So gesteht das Portal „finanz.szene.de“ N26 zu, dass der Brexit ein gewichtiger Grund für den Rückzug sein mag, es bezweifelt aber stark, dass man die Schuld hierfür alleine den politischen Entscheidungsträgern zuschieben dürfe. Zwar sei der Brexit nicht unbedingt ein vorgeschobenes Argument, da N26 vielleicht auch etwas naiv an die Sache herangegangen sei. Die Pressemitteilung verrate aber scheinbar nur einen Teil. So scheint es noch ungewiss, ob der Rückzug aus Großbritannien keinen Einfluss auf den gesamten Wachstumsprozess von N26 habe, da die britische Präsenz bislang als „essentieller Teil dieser Expansions-Strategie galt”. Die reine Brexit-Argumentation glaubt „financefwd.com” schon deshalb nicht, weil ein harter Schnitt nicht notwendig war. Wäre das Geschäft profitabel gelaufen, hätte N26 mindestens noch die rechtlich zugebilligte Übergangsfrist „mitnehmen” können. Immerhin bestätigt das Portal, dass der Antrag auf eine britische Lizenz tatsächlich sehr aufwendig geworden wäre, da die britische Aufsicht als härter gelte als die Bafin, mit der N26 ja auch schon seine Probleme gehabt habe. So steht unter dem Strich ein konsequentes Aussteigen aus dem britischen Markt – egal, welcher Grund am Ende ausschlaggebend war.

handelsblatt.com, finanz-szene.de, techcrunch, financefwd.com, finews.ch


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– Fintech-News Deutschland –

Deutsche Banken verzichten auf Apple-Schnittstelle: Monatelang hatten Banken und Sparkassen dafür gekämpft, dass Apple seine zuvor abgeschlossene NFC-Schnittstelle auch für deutsche Banken öffnen muss und somit sogar politisch für bilaterale Missstimmung gesorgt. Nachdem zuletzt aber rauskam, dass die Sparkassen die neugewonnene Freiheit gar nicht nutzen wollen, äußerten sich nun auch alle von „financefwd“ befragten Großbanken auf die gleiche Weise. Vielmehr begnüge man sich nun wohl mit dem Produkt, dass Apple selbst frei Haus liefere. Enttäuscht äußerte sich der Linken-Abgeordnete Fabio de Masi, der das Gesetz mit unterstützte. Immerhin sei nun für die Zukunft eine gesetzliche Möglichkeit geschaffen wurden, betont hingegen Bettina Stark-Watzinger (FDP). financefwd.com

HDI rüstet sich für die Zukunft: Dass die Übernahme des Cyber-Sicherheits-Unternehmens Perseus in der vergangenen Woche kein Einzelfall war, bestätigt nun HDI-Vorstandsmitglied Christoph Wetzel. Bei der HDI sehe man sich dem steigenden Druck von außen gewappnet, in dem man künftig mehr auf Kooperationen mit Insurtechs setzt. Auch technisch habe ein neuer Abschnitt begonnen. So sei die Bearbeitung von 1,5 Millionen Kundensätzen durch Künstliche Intelligenz modernisiert worden. handelsblatt.com, cash-online.de

Insurtech Hub Munich startet Initiative für Kollaboration: Collab Initiative ist der Name des neuen Projektes, dass etablierte Versicherer und Tech-Scale-ups an einen Tisch bringen soll. Tech-Scale-ups seien dabei solche Start-ups, die sich bereits am Markt etabliert hätten. Ziel ist es, dass die Unternehmen gegenseitig von Wissen und Technologie profitieren und diese sogleich in das eigene Geschäftsmodell übernehmen können. munich-startup.de

Comdirect liefert bestes Ergebnis: Die Zahlen, die Comdirect im Monatsbericht für den Januar präsentierte, sind die stärksten der Unternehmensgeschichte. 24.000 Kunden mehr und ein Sprung bei den Trades von über 50 Prozent sind verzeichnet. Auch der Aktienwert kletterte auf den höchsten Stand seit 2000. Das ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass die Comdirect in nicht einmal drei Monaten in die Commerzbank integriert werden könnte, zuvor aber noch über eine Abfindung der restlichen Aktionäre verhandelt werden muss. Die Commerzbank selbst liefert ebenfalls ein ambivalentes Bild. Zwar streicht die Bank weiter Stellen während das Konzernergebnis fällt, andererseits entwickelte sich aber das operative Ergebnis derzeit besser als erwartet.  finanz-szene.de, boerse.ard.de

DFV sucht Verstärkung: Die deutsche Familienversicherung, die sich selbst trotz des missverständlichen Namens als Insurtech bezeichnet, investiert und möchte 50 neue Mitarbeiter in den Bereichen IT-Development, Finanzen und Kundenservice einstellen. Damit bleibe man im jungen Unternehmen sogar unter seinen Möglichkeiten, eine Entwicklung solle aber mit Augenmaß und daher „unterproportional” erfolgen. versicherungswirtschaft-heute.de

Traxpay vollzieht Management-Buyout: Nachdem einige Mitglieder des Frankfurter Fintechs, allen voran Gründer Markus Rupprecht, nun relevante Teile ihres Unternehmens selbst besitzen, sind Investoren wie die Commerzbank nicht mehr beteiligt. „finanz-szene.de“ betont die Seltenheit eines solchen Vorgangs, unterstreicht gleichwohl aber die Sinnhaftigkeit, da die Verteilungsverhältnisse durch viele Finanzierungsrunden wohl nicht mehr sinngemäß waren. finanz-szene.de

Banken verstärken Investments in Fintechs: Alleine in der ersten Jahreshälfte 2019 gab es laut dem zweiten FinTech-Kooperationsradar von PwC 36 direkte Beteiligungen hiesiger Banken in Fintechs. In sieben Monaten entspräche die Zahl in etwa der jeweiligen Gesamtzahlen aus den beiden Vorjahren. Eine ähnliche Entwicklung gelte demnach für Insurtechs. it-finanzmagazin.de

 

– Fintech-News International –

Revolut launcht Open Banking: Zeitgleich mit dem N26-Rückzug aus Großbritannien verkündete mit Revolut nun einer der britischen Platzhirsche das Open Banking. Künftig können Privat- und Geschäftskunden ihre externen Konten mit denen bei Revolut verbinden und so alle Finanzen in einer App überblicken. Hierfür arbeitet Revolut mit der Plattform von TrueLayer. fintechfutures.com

Japan befürchtet Bedeutungsverlust des US-Dollars: Der augenscheinliche Vorsprung Chinas in Sachen Digitaler Zentralbank-Währung beunruhigt Japan so sehr, dass es eine 70-köpfige Expertengruppe eingesetzt hat, die einen digitalen Yen als Gegenmodell aufstellen und beim nächsten G7-Treffen entsprechend vorstellen soll. Die Pläne sind dem Bericht nach eigentlich noch unausgereift, werden aber von der Sorge getrieben, dass chinesisches Zentralbankgeld sich gerade über Entwicklungsstaaten weit verbreiten könnte und so die globale Vormachtstellung des US-Dollars gefährden könnte. btc-echo.de

Australien und Schweiz kooperieren bei Fintechs: Die Branchenverbände beider Länder haben eine bilaterale Einigung getroffen, die Zusammenarbeit und Wissensaustausch zwischen den beiden wachsenden Fintech-Märkten verbessern soll. Laut einer Vier-Punkte-Agenda sollen außerdem der Austausch von Branchen-Talenten sowie der Eintritt in den jeweiligen Fintech-Markt erleichtert werden, in dem passende Partnerschaften vorgeschlagen werden sollen. finextra.com

Zwei Milliarden für Insurtechs im letzten Quartal: Die enormen Investitionsvolumen Ende 2019 teilen sich auf 75 Transaktionen auf. So lautet das Ergebnis des InsurTech Briefing Q4/2019 von Willis Tower Watsons. Demnach würden die Investitionen aus dem Jahr 2019 ein Drittel der Gesamtinvestitionen in die Branche seit 2012 ausmachen. it-finanzmagazin.de

Italien will Fintech-Sandkästen fördern: Das italienische Finanzministerium hat Berichten zufolge eine Konsultation zu einem Dekret-Entwurf über die Bewertungskriterien begonnen, die eine Sandkastenumgebung für Fintechs ermöglichen. Ein Ziel des Programms ist demnach die Verbesserung der Gesamteffizienz des italienischen Finanzsystems durch Senkung der Compliance-Kosten. crowdfundinsider.com


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– Treffpunkte –

InsurTech Innovation Programme Kick Off: Das Insurtech Hub München bietet eine Gelegenheit, die ersten 40 Start-ups im Hub kennen zu lernen. In zwei viertelstündigen Sequenzen wird je die Hälfte der Start-ups kurz vorgestellt, im Anschluss soll der Abend dem Netzwerk-Ausbau gewidmet sein. 20. Februar, München.

2. Hackday der Lausitz: Das Event beleuchtet die Situation in der Lausitz nach dem Kohleausstieg und möchte gleichzeitig auf andere Standortvorteile und das vorhandene Innovationspotential hinweisen. In interdisziplinären Teams sollen innerhalb eines Tages Projekt-Pitches mit Bezug zur Region entstehen, die Gewinner werden von einer Jury gekürt und prämiert. 27. Februar, Dresden.

Innovation Day #3: Neben branchenbezogenen Talks stellt etwa der Sparkassen Innovation Hub zwei Studien vor, einmal zur Situation von Fintechs und Tech-Start-ups, zum anderen geht es um fünf Thesen rund um das Open Banking. In diesem Jahr können sich Teilnehmer außerdem für drei Masterclasses anmelden. 05. Mai, Hamburg.

Global InsurTech Roadshow: Die auffälligste Neuerung der Veranstaltung ist zunächst der Ereignisort, in den ersten beiden Jahren fand sie in noch in Frankfurt statt. Das Konzept aber bleibt das gleiche. Das Ökosystem eines bestimmten Insurtech-Hotspots wird komplett analysiert, Experten aus diesem Hotspot auf die Bühne geholt. In diesem Jahr liegt der Fokus auf dem Baltikum und Zentral-Ost-Europa.  26. & 27. Mai, Leipzig.

Handelsblatt Banking Summit 2020: Laut den Organisatoren haben BigTechs und der Klimawandel eines gemeinsam: sie werden den Bankensektor grundlegend verändern. Vom Bafin-Präsident bis zum Bundesfinanzminister bringt der Banking Summit relevante Personen zusammen, um unter anderem über die beiden Themen zu diskutieren. Ehrgeiziges Ziel ist das Besprechen des richtigen Weges zu globaler finanzieller Stabilität und Rentabilität. 02.-03. September, Frankfurt.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Überzeugende Banking-Apps: Dass Nutzerfreundlichkeit im mobilen Banking immer mehr zu einem Hauptkriterium für Akzeptanz geworden ist, ist kein Geheimnis. Was sonst aber häufig persönlicher Geschmack ist, wurde nun von Analysten bewertet, die die jeweils fünf größten Filial- und Direktbanken sowie relevante Sparkassen, Volksbanken und Fintechs mit Bankenlizenz verglichen haben. Dabei war Nutzerfreundlichkeit ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor. Konnte nämlich N26 diese Kategorie für sich entscheiden, ging die Deutsche Bank als Gesamtsieger hervor. handelsblatt.com

Die Fintechs der deutschen Banken: Hin und wieder weiß man gar nicht recht, ob man es mit einem Fintech-Start-up zu tun hat oder mit dem Versuch einer etablierten Bank, mit einem neuen Produkt auf die Fintech-Welle aufzuspringen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. „finanz-szene.de” hat dabei die Übersicht behalten und stellt 13 deutsche Banken-Fintechs vor, liefert Hintergründe zu den einzelnen Beispielen und zeigt, wie gut sie ankamen. finanz-szene.de

Die Bank der Zukunft: Digitalisierung und mehr Kundennähe schließen sich nicht aus. Zumindest sieht „der-bank-blog.de” hier keinen Gegensatz. Im Gegenteil, könnten demnach sogar mehr Filialen das Rezept einer erfolgreichen Banken-Zukunft sein. Der Autor scheint dabei einen überwundenen Hype des reinen Fokus auf das Smartphone-Banking auszumachen. der-bank-blog.de

Fintech-Kurse: Eine Vielzahl von Online-Kursen versucht seit einiger Zeit, die teilweise recht komplexen Zusammenhänge der Branche zu vermitteln. „fintechnews.ch” hat in diesem Artikel eine Aufstellung aktueller Kurse zusammengetragen. Thematisch reichen diese von der Erläuterung der Blockchain, über Fintech-Sicherheit und Regulierung bis hin zu ethischen Fragen der Fintech-Branche. fintechnews.ch

KI kann eine Billionen US-Dollar in drei Jahren einsparen: Dass Künstliche Intelligenz einen wachsenden Einfluss haben wird, ist schon lange eine Binse. „fintechfutures.com” wird in diesem Artikel konkreter und beruft sich dabei auf Schätzungen eines Berichts von Autonomous Next, nachdem allein in der Finanzbranche innerhalb von nur drei Jahren fast eine Billionen US-Dollar eingespart werden können. Im Banking-Bereich relevant sei hier vor allem das maschinelle Lernen im Umgang mit Kundendaten. fintechfutures.com

Banken interessieren sich für Kryptowährungen: 40 Banken haben sich nach Angaben der Bafin bislang um die Erlaubnis bemüht, Kyptoverwahrung in ihr Portfolio aufzunehmen. Die Möglichkeit besteht, seit die Regierung mit dem neuen Geldwäschegesetz das Geschäft mit Kryptowährungen reguliert. Für die Regierung ist die rege Nachfrage ein Hinweis darauf, dass die neuen Regulierungs-Bedingungen auch ein Argument für den Standort Deutschland seien. handelsblatt.com

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Artikel über die realen Fintech-Vorbilder einer TV-Serie. financefwd.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Happy Birthday PSD2: Die Zahlungsdienstleisterrichtlinie ist zwei Jahre alt geworden. Julie Muhn von Finovate nutzt das für eine Bestandsaufnahme und findet sowohl Beispiele dafür, dass PSD2 einen positiven Effekt hatte, als auch solche, wo sie am Ziel vorbeigelaufen ist. Besonders ärgerlich mag sein, dass viele Kunden überhaupt nicht merken, wie sie von den neuen Regeln profitieren. fintechfutures.com

Martin Pieck