finletter 247 – Klarna, Fintech-Job-Boom, Wefox will in USA expandieren

Klarna kooperiert mit Ant Financial

Etwa einen Monat hat Klarna dem Konkurrenten Revolut offenbar gegönnt, seitdem eine gewaltige Finanzspritzte von einer halbe Milliarde Euro dem britischen Mitbewerber diverse Fintech-Superlative einbrachte. Nun könnte mit Klarna die schwedische Konkurrenz wieder das Zepter der Fintech-Branche erobert haben. So zumindest sieht es „faz.net“, nachdem nun Ant Financial eine Minderheitsbeteiligung bei Klarna erworben hat. Es soll um eine Beteiligung von unter einem Prozent gehen, die nicht nur die Bewertung von Klarna entsprechend puschen dürfte. Vor allem gehe es beiden um eine globale Partnerschaft, die dem chinesischen Amazon-Pendant Alibaba wohl die „Pay later“-Funktion von Klarna bescheren dürfte. Die Ant Financial-Tochter Alipay hatte bereits zuvor mit Klarna zusammengearbeitet, diese Kooperation soll nun ebenfalls vertieft werden.

Die Meldung kommt für Klarna zu einer denkbar passenden Zeit, immerhin bescherte die letzte Woche einen Jahresverlust des Fintech-Einhorns in Höhe von 116 Millionen US-Dollar. Seinen Umsatz generiert das schwedische Unternehmen zur Hälfte auf dem deutschen Markt.  „t3n.de“ weißt im Zusammenhang mit dem Deal mit Klarna auf die unglaubliche Marktmacht des chinesischen Giga-Konzerns hin. So konnte Ant Financial im Jahr 2019 mehr Geld einsammeln, als alle europäischen und US-amerikanischen Fintechs zusammen. Dieses Kapital nutze man auch für große Investoren auf dem europäischen Markt, etwa bei der Übernahme des britischen Payment-Unternehmens Worldfirst. Damit sei das Unternehmen aber immer noch weniger aktiv in Europa als das ebenfalls chinesische Tencent, das unter anderem auch in N26 investiert hat.

Laut „handelsblatt.com“ könnte die neue Vereinbarung aber noch weitreichende Folgen haben. Schon länger wird darüber spekuliert, ob die chinesischen Player ihren Markt auch für Kundschaft außerhalb Chinas öffnen. Bislang braucht es einen chinesischen Pass, um Alipay in Europa nutzen zu können. Bereits Ende letzten Jahres öffneten sich die Chinesen für ausländische Kunden in China.

handelsblatt.com, faz.net, cnbc.com, boerse.ard.de, crowdfundinsider.com, t3n.de


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– Fintech-News Deutschland –

Job-Boom in der deutschen Fintech-Branche: Das Portal „finanz-szene.de“ hat eine Fintech-Job-Studie durchgeführt. Diese macht deutlich, dass die Branche Verstärkung sucht. 17 offene Stellen meldeten im Schnitt die 100 größten Fintech-Start-ups des Landes, Spitzenreiter war demnach SumUp mit 170 Jobangeboten. Die Hochrechnungen werden nach entsprechenden Erklärungen auf Grund der Suchmethode sogar als vorsichtig eingestuft. Die Studie liefert darüber hinaus weitere Informationen samt Einordnung durch das Portal. So ist in einer weiteren Artikel-Auskopplung etwa zu lesen, dass die Bankenstadt Frankfurt den Anschluss an die Fintech-Branche des Landes verloren zu haben scheint. finanz-szene.de

Wefox plant US-Expansion: Das deutsche Insurtech hat nach eigenen Angaben eine Vorhut in die USA gesandt, um den Weg für eine Expansion zu bereiten. Ab April soll eine Gruppe von Wefox-Mitarbeitern hierfür auch am German Accelerator in New York teilnehmen, einem Programm, das Start-ups bei neuen Markteintritten unterstützen soll. Bislang ist wefox in fünf Ländern aktiv. Auch für die USA plant das Insurtech den Aufbau eines digitalen Marktplatzes für Versicherungen, der im ersten Schritt im Rahmen einer exklusiven Mitarbeit eines regionalen Maklers aufgebaut werden soll. Dieser sei bereits gefunden, Namen nennt Wefox allerdings noch nicht. handelsblatt.com  

Bafin warnt vor unseriösen Online-Plattformen: Konkret spricht die Finanzdienstleistungsaufsicht zwei Unternehmen aus Großbritannien und Bulgarien an. Diese stünden aber nur stellvertretend für eine Vielzahl unseriöser Unternehmen. Bei den angesprochenen Beispielen ordnete die Aufsicht nun die Einstellung bestimmter Angebote für deutsche Kunden an. cash-online.de

Fincompare erhält Finanzspritze: Das Berliner Fintech erhält 12 Millionen Euro durch „internationale Finanz- und Privatinvestoren”. Das 2017 gegründete Unternehmen hat derzeit 75 Mitarbeiter und insgesamt damit 26 Millionen Euro eingesammelt, wobei einige der Investoren nun Wiederholungstäter waren.  deutsche-startups.de

Banking Circle plant Finanzinfrastruktur in Deutschland: Der Finanzdienstleister aus London ist spezialisiert auf grenzüberschreitende Transaktionen und hat nun sowohl die Bankenlizenz erhalten, als auch das Passporting-Verfahren abgeschlossen. Nun planen die Briten, in Deutschland als voll lizenzierte Bank ohne Legacy-Systeme aufzutreten. it-finanzmagazin.de

N26 Preise ändert Gebührenmodell: Nachdem „finanz-szene.de“ über das neue Kostenmodell von N26 berichtete, kommentierte „faz.net“, dass N26 damit in diesem Punkt wenig Innovatives biete und sich im Gegenteil gebärde „wie eine Sparkasse”. Nach den Änderungen verringerte sich beispielsweise die Anzahl kostenloser Bargeldabhebungen für junge Kunden der Smartphone-Bank, wenn N26 nicht als Hauptkonto benutzt wird. finanz-szene.de, faz.net 

Scalable Capital kooperiert mit österreichischer Raiffeisen-Gruppe: Mit 2,8 Millionen Kunden gehört der neue Partner des deutschen Fintechs zu den größten Banken Österreichs und ist gleichzeitig der bislang größte B2B-Kunde für Scalable Capital. Der Fokus des Unternehmens soll dem Bericht nach trotz des Coups aber weiterhin im Endkundengeschäft liegen. finanz-szene.de

German PropTech Initative verstärkt Vorstand: Mit Jannes Fischer und Nikolai Roth kommen zwei Experten an Bord, die hierfür beide ihre Rolle als Sprecher des Bundesverbands Deutsche Start-ups niederlegen und sich nun dem Networking der digitalen Gründerszene in der Immobilienbranche widmen. Derzeit besteht der Verein aus 65 Mitgliedern. asscompact.de

Deutsche Banker fremdeln mit Open Banking: Laut einer Umfrage des API-Plattformanbieter Tink in 17 europäischen Ländern zum Thema Open Banking, seien die Antworten der deutschen Banker teilweise besonders negativ ausgefallen. Demnach überwögen Bedenken über Nachteile den positiven Erwartungen im Hinblick auf Chancen. Insgesamt fiel das Fazit der Länder sehr unterschiedlich aus, auch weil die technischen Voraussetzungen sehr verschieden seien. der-bank-blog.de

Fidor-Panne fror Kundenkonten ein: Angebliche Pfändungen, die offenbar von IT-Problemen ausgelöst worden sind, setzten den Betrag einiger Fidor-Kundenkonten auf null. Auch Lastschriften-Abbuchungen waren nicht mehr möglich, wie zahlreiche Zuschriften an das Portal „finanz-szene.de“ nahelegen. Zwar wurde über das Ausmaß des Fehlers nichts bekannt, das Portal legt aber nahe, dass es umfangreicher war als von Fidor selbst kommuniziert.  finanz-szene.de

 

– Fintech-News International –

US-Fintechs sammelten 2019 knapp 15 Milliarden US-Dollar: Die Zahlen, die sich auf den US-amerikanischen Markt konzentrieren, stammen von einem Bericht von S&P Global Market Intelligence. Nachdem die Autoren den Fintech-Markt in sechs Segmente zerteilt hatten, ging der Bereich der Insurtechs als der hervor, der mit 3,8 Milliarden US-Dollar das meiste Kapital sammeln konnte. crowdfundinsider.com

Paypal-AGB sind legal: Lang und komplex bedeutet nicht gleich ungültig. So lässt sich das Urteil in zweiter Instanz durch das OVG Köln zusammenfassen, dass damit die Beschwerde deutscher Verbraucherschützer ablehnte. Diese hatten geklagt, da die AGB von Paypal mit einer ausgedruckten Länge von etwa 80 Seiten besonders unübersichtlich seien. cash-online.de

Neue Belgische Digitalbank: Die Bank Aion verspricht ihren belgischen Kunden, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Guthaben zu maximieren. Aion ist nur nutzbar mit einem Abo, dass eine monatliche Gebühr in Höhe von 19 Euro kostet. finextra.com

Daten-Verwalter von Paypal sammelt 45 Millionen: mparticle steht in Verbindung mit den Daten vieler namhafter Unternehmen, neben Paypal etwa Spotify und Starbucks. Laut mparticle profitiere das Unternehmen etwa von neuen Datenschutzbestimmungen, die das Datenmanagement der Konzerne komplexer gestalte.  techcrunch.com

Schweizer Fintech-Sandbox wird erweitert: Die im Herbst vergangenen Jahres angekündigte Sandbox vom Schweizer Fintech-Hub F10 wird um zwei neue Open-API-Projekte erweitert. Bislang schon konnten die hundert angeschlossenen Fintechs in einem ersten Use Case PSD2-Schnittstellen nach neuen Richtlinien testen. fintechnews.ch


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– Treffpunkte –

plentymarkets Online-Händler-Kongress 2020: Mit Infotainment und Networking werben die Veranstalter um das Event, dessen Inhalte sich vor allem um das Thema E-Commerce drehen. Dabei kommen bekannte Speaker zu Wort, etwa Peer Steinbrück oder Ranga Yogeshwar 20. & 21. März, Kassel

Women in FinTech Summit: Das Event in der britischen Hauptstadt soll geeignet sein, die jüngsten Herausforderungen, aber auch Entwicklungen zu erfahren, die unter anderem im Finanzsektor auf weibliche Protagonisten zurückgehen. In Deep Dive Sessions sollen interaktive Diskussionen und Workshops genutzt werden. 31. März, London.

Hamburg Innovation Awards 2020: Bei den Awards werden Preise in drei Kategorien vergeben. Es geht um die Idee mit dem meisten Potenzial, das spannendste Start-up und das innovativste Hamburger Wachstumsunternehmen. Am 5. Mai findet das Finale eines vorhergehenden Auswahlprozesses im Rahmen der Preisverleihung statt. 5. Mai, Hamburg

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Wie Revolut an die europäische Fintechspitze gelangte: Für „faz.net“ ist die Antwort nach dem Erfolgsgeheimnis von Revolut eine Person: Nicolay Storonsky. Nach seinen negativen Erfahrungen als Börsenmakler habe er sein Unternehmen gestartet, um als Alternative gegen “lächerliche Wechselkurse” anzutreten und pushte sein Unternehmen damit binnen fünf Jahren von Null auf fünf Milliarden Dollar. Die eigentliche Bewährungsprobe steht Storonsky laut Artikel aber nun bevor.  faz.net

Status Quo bei PSD2: Nicht zum ersten Mal beschreibt ein Artikel den aktuellen Stand in Sachen PSD2- Umsetzung und skizziert die noch offenen Hausaufgaben der Anbieter. Umso wichtiger sind vielleicht die verschiedenen Sichtweisen auf die Hürden, die es in Zukunft zu meistern gilt. der-bank-blog.de

Targobank-Pay-App im Test: Als erste Bezahl-App einer deutschen Privatbank trat die der Targobank an; diese gründete hierzu gar einen eigenen Mobilfunk-Provider. Blieb man dem Artikel nach zunächst eher stiller Beobachter, folgte vor wenigen Monaten der eher stille Launch der Targobank-Bezahl-App. Die Tester attestieren dieser durchaus Potential, bei vorgeschlagenen Verbesserungen bräuchten die Macher aber Unterstützung von Partnern. it-finanzmagazin.de 

Nachhaltiges Banking im Trend: Das Banking von morgen ist grün, sagt nun auch wieder der Autor des vorliegenden Artikels. Demnach wandelten Finanzdienstleister aber erst seit kurzem auf diesem Pfad. Umso deutlicher stellt der Artikel die Vermutung auf, dass eine grüne Unternehmensphilosophie nicht nur gut fürs Image sein, sondern sowohl von Kundschaft als auch von Aufsichtsbehörden wohlwollend aufgenommen werden würden.  der-bank-blog.de

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war die Ankündigung des dritten Innovation Days des Sparkassen Innovation Hubs, auf dem neue Studien über Fintechs und Open Banking präsentiert werden. eventbrite.de


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Sind Banken und Sparkassen die Dinosaurier der digitalen Transformation?


– Das Beste zum Schluss –

Corona könnte die Digitalisierung von Banken beschleunigen: Das Corona-Virus hat die Berichterstattung landesweit fest im Griff. Neben teilweise fatalen Folgen könnte es nun aber an der Zeit sein, die positiven Affekte ebenfalls nicht außen vor zu lassen. Für „finews.ch“ sind Banken nun im Zugzwang, da ihr originäres Geschäft, die persönliche Kundenberatung, aus Angst vor dem Corona-Virus eingebrochen ist. Das sei auf einer positiven Seite durchaus eine Chance, immerhin gäbe es bereits seit langem digitale Strategien, die bisher aber nicht richtig durchgedrungen seien. Nun könnten die großen Banken diese digitalen Reserven aktivieren. finews.ch

Martin Pieck

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