finletter 251 – Fintechs gegen Corona, die neue Girocard, Stipendien-Fintech vermittelt Milliarden

Fintechs bieten Hilfe an

Wenn Unternehmen in Zeiten der Krise helfen, eben diese Krise zu überwinden, dann kann das sowohl gesellschaftliches Engagement sein, als auch geschickte PR. Ist diese Krise derart allumfassend wie die aktuelle Corona-Pandemie, scheinen solche Überlegungen obsolet. Dann nämlich wird jede helfende Hand gebraucht und gerade Unternehmen aus der Fintech-Szene machen derzeit den Eindruck, dass sie Lösungen bieten können, wo Politiker nunmal schnelle und unkomplizierte Hilfe brauchen. So haben die US-Fintechs Square und Venmo, der Mobile-Payment-Service von Paypal, angeboten, die US-Regierung bei der Verteilung der finanziellen Nothilfen zu unterstützen. Da viele US-Bürger kein Bankkonto besitzen, könne sich dieser Prozess als langwierig erweisen, wenn er über Schecks abgewickelt werden würde. In einem Brief an die Regierung argumentierte die Electronic Transactions Association (ETA), die die Fintechs vertritt, dass man mittelfristig lieber auf Prepaid-Karten als auf Schecks setzen solle. In der Zwischenzeit könnten die angebotenen technischen Hilfen es unnötig machen, dass Menschen ohne Bankkonto teure Bargeld-Chequing-Dienste in Anspruch müssten. Ob hier die Fintechs zu Helfern in der Not werden, hängt wohl unter anderem davon ab, ob die Unternehmen Datenschutzbedenken der Regierung ausräumen können.

Auch hierzulande stehen Fintechs im Fokus, wenn es um den Kampf gegen die Folgen der Krise geht. So wollen etwa Wefox, Finleap und Arago mit einer gemeinsamen Umsetzung dafür sorgen, dass eine Corona-Tracking-App schnell genutzt werden kann. Diese wurde zuletzt von vielen Politikern befürwortet, weil sie angeblich durch Aufzeichnung der Kontakte für eine effektivere Abflachung der Ansteckungsrate sorgen könne. Derzeit entwickeln bereits das Heinrich-Hertz- und das Robert-Koch-Institut eine solche App, noch im April soll eine Version hiervon scharf geschaltet werden.

Der Finanzdienstleister Wirecard hat mit „Innovation for Now” eine Plattform ins Leben gerufen, auf der sich Händler über angebotene Hilfen von großen Unternehmen wie SAP oder eben Wirecard informieren können. So wurde es zum Beispiel unkompliziert möglich, Zahlungen via Smartphone entgegenzunehmen – auch ohne eigenen Online-Shop. Wirecard hat auch andere führende Unternehmen aufgerufen, sich zu beteiligen, um in der Krise „pragmatische Lösungen” anzubieten. Der Hilferuf kam an. So bietet die Telekom Unternehmen, die die Krise im Home-Office meistern müssen, kostenfreies Datenvolumen; Microsoft hilft mit einer kostenfreien Nutzung seines Teams-Programms und Google bietet die erweiterte Version seines Hangout-Dienstes. Ministerien nutzen die Plattform außerdem, um auf relevante Krisenhilfen aufmerksam zu machen.

Derzeit sind es also gerade die innovativen Fintechs, die durch unkompliziertes Arbeiten im Stile von Start-ups auf sich aufmerksam machen. Dabei ist alles freilich bloß ein Ansatz, der Erfolg nicht garantiert. So kommt eine Corona-Tracking-App für „faz.net” eindeutig zu spät. Im vernichtenden Schlusswort des Artikels wird gar die Vermutung geäußert, dass  eine solche App jetzt möglicherweise nur dazu diene, eine Lockerung der Kontakt-Einschränkungen politisch zu begründen.

So oder so, es ist vielleicht gerade die Krise, die den eingangs erwähnten doppelten Effekt für Fintechs bringt. So gibt es bereits Hochrechnungen, dass die Krise sich dahingehend auswirkt, dass sich binnen vier Jahren die Zahl mobiler Apps verdoppelt könnte. Schon jetzt geht die Nutzung von Fintechs „durch die Decke”, schreibt „finews.ch”. In hiesigen Medien wurde mit Wirecard eben auch einer der Initiatoren der Innovationsplattform als Profiteur der aktuellen Situation ausgemacht, während andere gerade den „Investoren-Exodus” heraufbeschwören.

Fintech ist eben nicht gleich Fintech, erst recht nicht in der Krise. „financefwd.com” hat deutsche Fintechs um ihre Prognose gebeten. Das Ergebnis lässt sich in zwei Teilen beschreiben. Während die eine Hälfte starke Einbußen befürchtet, ist die andere positiv gestimmt. Das halbvolle und das halbleere Glas liegen derzeit nah beieinander in der Welt der Fintechs.

finextra.com,  bloomberg.com, techcrunch.com, presseportal.de, faz.net, finews.ch, financefwd.com, handelsblatt.com, handelsblatt.com


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– Fintech-News Deutschland –

Sparkassen planen Mix aus Girocard und Mastercard Debit: Für „finanz-szene.de” kommt die Nachricht einem Tabubruch gleich. In der Tat schien bislang undenkbar, was in zunächst einigen Dutzend regionalen Instituten in der zweiten Jahreshälfte ausgerollt werden soll. Dann sollen Sparkassenkunden mit ihrer Girocard auch online zahlen können. Außerdem soll die Akzeptanz der Karten im Ausland deutlich erhöht werden. Sparkassenkunden sollen mit der neuen “Girocard” an rund 45 Millionen Akzeptanzstellen im In- und Ausland, im stationären Handel sowie im E-Commerce bezahlen können.  finanz-szene.de, mobiflip.de, paymentandbanking.de

Pleo erstmals mit Datev-Schnittstelle: Kunden des Kopenhagener Fintechs können nun wie angekündigt auf Knopfdruck ihre Spesenabrechnungen an den Steuerberater übermitteln. Nach Angaben des Unternehmens bietet bislang kein direkter Mitbewerber diese Direktverbindung zur Datev, dem großen deutschen IT-Anbieter für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.  it-finanzmagazin.de

Trade Republic wächst im Rekordtempo: Alleine im März vermeldete der Smartphone-Broker 44.000 Downloads seiner App. Gründer Christian Hecker kann den Ansturm aber nicht der Corona-Krise zuordnen, da das Kundeninteresse schon davor derart gestiegen sei. Wohl aber hat das Unternehmen nun durch die aktuelle Lage Probleme, eine direkte Kundenidentifikation durchzuführen. Es kommt derzeit scheinbar zu virtuellen Schlangen hunderter Kunden, die sich per Video identifizieren wollen.   financefwd.com

on-geo GmbH nutzt Bafin-Sonderweg für Immobilienbewertung per Video: Die derzeit gebotene Kontaktreduzierung hat in einigen Bereichen kreative Lösungen gefordert. Eine davon kam von der Bafin und erlaubt, die Ermittlung des Beleihungswertes einer Immobilie per Video-Besichtigung durchzuführen. Ron Heß, Vertriebschef von on-geo, sieht damit sogar eines der Hauptprobleme der Branche durch die Krise gelöst. asscompact.de

Lidl Pay soll in alle deutschen Filialen kommen: Versuchsweise bot die Discount-Kette das Zahlen mit dem Handy bislang in Spanien an. Nun will man das mobile Zahlen in Deutschland in die Bonusprogramm-App Lidl Plus integrieren. Auch andere Länder sollen von dem Angebot profitieren, einen Termin gibt es allerdings noch nicht. mobiflip.de

Comdirect verkleinert Vorstand: Kurz vor der Verschmelzung mit der Commerzbank streicht die Comdirect einen von bislang zwei Vorstandsposten. Finanz- und IT-Vorstand Dietmar von Blücher ist seit diesem Monat nicht mehr an Bord. Angesichts der bevorstehenden Verschmelzung wird nicht geplant, ein neues Vorstandsmitglied zu bestellen. handelsblatt.com

Überwältigender Teil der Fincompare-Kunden braucht nun Hilfe: Das auf KMU-Finanzierungen spezialisierte Berliner Fintech hat im Rahmen der aktuellen Krise eine Blitzumfrage unter seinen 25.000 registrierten Nutzern gestartet. Abgefragt wurde unter anderem, ob die KMU wegen Corona Hilfsgelder benötigen würden. Fast 90 % der über 500 Kunden, die antworteten, sind sich sicher, dass sie Hilfen werden in Anspruch nehmen müssen. Zu großen Teilen brauche man das Geld zur Deckung laufender Kosten und zur Sicherung von Arbeitsplätzen. it-finanzmgazin.de

 

– Fintech-News International –

US-Fintech Frank ermöglicht Studenten Milliarden-Förderungen: In den USA läuft die Hochschulbildung zu großen Teilen über Stipendien. Laut US-Fintech Frank nutzt die Hälfte der möglichen Studenten diese Möglichkeit nicht, weil die Beantragung undurchsichtig und kompliziert sei. Frank sagt, dass aber fast jeder in irgendeiner Form förderberechtigt ist. Nach eigenen Angaben kann das Fintech für jeden binnen Minuten mögliche Geldquellen zuordnen. So habe es nun binnen vier Jahren rund 400.000 Studenten zu insgesamt 12 Milliarden US-Dollar Förderung verholfen. crowdfundinsider.com

Japanisches Fintech sammelt 45 Millionen US-Dollar: Das Finanz-Start-up Kyash aus Tokyo wurde 2015 gegründet und wurde seither unter anderem von allen großen japanischen Banken mit insgesamt gut 70 Millionen US-Dollar unterstützt. Derzeit bietet Kyash eine Wallet-App, mittels der Kunden Zahlungen bei Visa-Händlern und P2P-Überweisungen tätigen können. finextra.com

Bulgarische Fintechs sichern sich Kapital: Mit Paynetics und Phyre haben gleich zwei bulgarische Fintechs Finanzierungsrunden abgeschlossen. Die beiden Unternehmen, die jeweils vom bulgarischen Finanzdienstleister Ivo Gueorguiev und dem Serienunternehmer Valeri Valtchev gegründet wurden, sammelten in Summe gut vier Millionen Euro ein. crowdfundinsider.com

Softbank wehrt sich gegen Moody´s-Downgrade und lässt WeWork fallen: Um ganze zwei Stufen hatte die Rating-Agentur den japanischen Konzern abgewertet. Das geschah kurz nachdem Softbank mitteilte, über 40 Mrd. US-Dollar seines Vermögens zu verkaufen, um Schulden zu tilgen. Der Aktienwert des Unternehmens war daraufhin massiv gestiegen. Anschließend verkündete der japanische Konzern, dass er die Vereinbarung, WeWork-Aktien im Wert von drei Milliarden US-Dollar zu erwerben, nicht erfüllen wird. boerse.ard.de, fintechfutures.com

Versicherer bieten Erleichterung in der Krise: Der Verzicht auf Provisionsrückforderungen, Stundungen oder befristete Beitragsfreistellungen. Derzeit sollen solche und ähnliche Maßnahmen der Versicherungen die Schäden bei ihren Kunden reduzieren. „asscompact.de” hat eine Liste mit  Maßnahmen einzelner Unternehmen zusammengestellt.  asscompact.de

Tink übernimmt Eurobits: Als Open-Banking-Plattform unterstützt Tink bereits führende Fintechs, wie Paypal und Klarna. Durch die Übernahme von Eurobits, einem Anbieter von Kontenaggregationsdiensten, deckt Tink nun 17 verschiedene Märkte ab. Die über 50 Mitarbeiter von Eurobits sollen in das Unternehmen integriert werden. crowdfundinsider.com

Indische Kunden können nun WhatsApp-Banking nutzen: Die indische Icici-Bank hat der der hohen Social-Media-Affinität der Bürger Rechnung getragen, indem sie Basis-Banking-Funktionen in den Social-Media-Dienst WhatsApp integriert hat. So können Privatkunden nun etwa ihren Kontostand oder die letzten drei Transaktionen über die App checken. Außerdem können Kunden sich die nächsten drei Automaten der Bank in der Nähe und Details zu genehmigten Sofortdarlehen anzeigen lassen. Indien ist mit mehr als 400 Millionen Nutzern der größte WhatsApp-Markt. finextra.com, fintechfutures.com

Plastiq sammelt 75 Millionen Dollar: Das US-Fintech ermöglicht es KMUs, auch dort mit Kreditkarten zu zahlen, wo diese eigentlich nicht akzeptiert werden, selbst wenn es um die Begleichung der Steuerschuld geht. Damit sollen Zahlungen erleichtert und das Betriebskapital maximiert werden. finsmes.com

 


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– Treffpunkte –

Digital finance outreach 2020: Die EU-Kommission hat ihre Event-Reihe zu Online-Veranstaltungen erklärt. Ziel ist, lokale Fintech-Ökosysteme kennenzulernen in Vorbereitung der neuen digitalen Finanzstrategie der EU. 4. und 5. Mai (und 25. Juni)

Webinar – Prime Time for Real-Time Report: Finextra, ACI Worldwide und Lipis Advisors versprechen einen tiefen Blick in die neue Hochphase der Real-Time-Payments. Die Teilnehmer sollen Schlüsselindikatoren für Erfolg ebenso kennenlernen wie die wichtigsten Umsatztreiber. 19. Mai, 16:30 Uhr

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Home-Office-Lektüre –

Trotz Staatshaftung scheuen manche Banken Kreditrisiko: Obwohl in der jetzigen Situation die Politik einen großen Teil der Kreditrisiken auffangen will, kann sich die Suche nach einem Firmenkredit als sehr schwierig herausstellen.  „tagesspiegel.de” hat stellvertretend einen ratlosen Unternehmer begleitet. tagesspiegel.de

Weibliche Vorbilder: Lange vor dem Ausbruch der aktuellen Krise hat finletter-Gründerin Caro Beese dem Startfinanz-Blog ein Interview gegeben. Thema war daher nicht der Umgang mit der aktuellen Situation, sondern ein anderes wichtiges Anliegen, welches hoffentlich bald wieder mehr Raum in der Berichterstattung finden kann: es ging um Frauen in der Fintech-Szene. blog.starfinanz.de

Ein positives Signal: Gerade in komplizierten Zeiten fällt es schwer, die Zukunft vorauszusagen. Dennoch wird die Zeit nach der Krise kommen und auch dem eigenen Gemüt kann es gut tun, einen vorsichtigen Blick nach vorne zu werden. So wie „fintechnews.ch”. Das Portal hat acht hoffnungsvolle Fintechs aus den USA herausgearbeitet, von denen es in Zukunft einiges erwartet. Eines haben alle gemeinsam: erste US-Aufmerksamkeit in Form von erfolgreichen Finanzierungsrunden. fintechnews.ch

Fintech-E-Books: Nicht nur wer in der aktuellen Phase mehr Zeit hat, als gewohnt, könnte sich für die Zusammenstellung von acht E-Books interessieren, die sich alle mit Fintechs und zeitgemäßen Finanzdienstleistungen befassen. fintechnews.ch

Fintech-Podcasts: Ein ähnliches Ziel verfolgt „fintechnews.ch”, dass sich aber auf die audiophilen Nutzer konzentriert. Auch an der Fintech-Branche ist nämlich der Podcast-Trend nicht vorbeigegangen. Im Holland FinTech Lockdown Digest stellt das Portal ausgewählte Projekte vor. hollandfintech.com

Corona-Cyber-Crime: Immer dann, wenn Menschen unsicher sind, haben Betrüger leichtes Spiel. So versuchen gerade natürlich nicht alle, der Krise mit Solidarität zu begegnen. Der Artikel zeigt auf, wie derzeit Betrüger die Lage ausnutzen. t-online.de

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Beitrag darüber, wie sich durch das Corona-Virus unser Konsum ändert. insights.finanzguru.de

 

– Das Beste zum Schluss –

Corona-Hilfe für lokale Unternehmen: Nur zehn Tage, nachdem auf Aufforderung der Bundesregierung 42.000 Teilnehmer unter dem Motto #WirVsVirus einen gigantischen Zweitages-Hackathon durchgezogen haben, geht nun eine Idee des Sparkassen Innovation Hub live. Davon können nun besonders betroffene Lokalunternehmer profitieren. So können sich etwa Friseure oder Café-Besitzer auf www.gemeinsamdadurch.de anmelden, um Gutscheine für die Zeit nach der Krise anzubieten. it-finanzmagazin.de

Martin Pieck

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