finletter 267 – Wirecard als Politikum, Zeitgold stellt Produkt ein, TransferWise im Höhenflug

Wirecard: Vom Real-Life-Drama zum Doku-Drama

Der Wirecard-Betrugsfall wird nun sogar verfilmt. Schon im ersten Quartal des kommenden Jahres wird eine 90-minütige Doku beim Streamingdienst TV Now zu sehen sein. Darin sollen die Umstände und die Hintergründe des Skandals beleuchtet werden. Mehrere Wirtschaftsjournalisten, darunter auch Autoren der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sollen das Stück konzipieren. Auf sie dürfte noch ein großer Berg an Recherchearbeit zukommen.

Denn: Das „House of Wirecard“, wie die Financial Times es nennt, ist längst zusammengefallen. Es hat sich zu einem Politikum entwickelt. Nun stehen auch Politiker inmitten der wackeligen Trümmer und versuchen diese möglichst unbeschadet zu verlassen. So mussten sich der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch in einer mehrstündigen Sondersitzung dem Finanzausschuss im Bundestag stellen.

Scheingeschäfte, undurchsichtige Bilanzierungsmethoden, ein Vermögen, welches nur auf dem Papier vorhanden war, das alles vermischt mit dubiosen Machenschaften in Bürgerkriegsländern und Verbindungen zu ausländischen Geheimdiensten. Von all diesen Dingen will man jahrelang nichts gewusst haben. Auch im Finanzausschuss beteuerten beide Minister ihre Unschuld, Fehler habe weder man selbst, noch die Bafin gemacht.

Aufklärerisch und reformwillig hätten sich Scholz und Altmaier gegeben, heißt es nach der Befragung. Kritische Fragen, etwa nach der politischen Verantwortung, hätten sie mit Schweigen beantwortet. Über Reformen, etwa bei der Rolle von Wirtschaftsprüfern oder bei den Instrumenten der Bafin zur Prüfung von börsenorientierten Unternehmen, sei viel gesprochen worden. Konkrete Lösungsvorschläge, wie man das Vertrauen in die Finanzbranche wieder aufbauen könne, habe es jedoch nicht gegeben.

Mit dieser Einigkeit verfolgen beide Minister ein gemeinsames Ziel. Sie wollen ihre Hände weiterhin in Unschuld waschen. Ein möglicher Untersuchungsausschuss wäre zwar der Branche, aber ihrer persönlichen Sache nicht dienlich. Schließlich steht man in Deutschland knapp ein Jahr vor den Wahlen. Und da wird Olaf Scholz gar als nächster Kanzlerkandidat gehandelt. So ist es auch kein Wunder, dass die SPD in die Verteidigungshaltung geht und gleich mehrere Politiker und Politikerinnen den Wirtschaftsminister der CDU auffordern, sich seiner Verantwortung zu stellen. Mit einem Betrugsskandal vor wichtigen Wahlen will schließlich niemand etwas zu tun haben.

reuters.de, ftalphaville.ft.com, rnd.de, rnd.de, finanznachrichten.de


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– Fintech-News Deutschland –

Zeitgold entlässt 75 Mitarbeitende und stellt Produkt ein: Das Berliner Fintech ist mit seinem Vorhaben, Unternehmen vom Papierkram bei der Buchhaltung zu befreien, gescheitert. Im September soll das Produkt eingestellt werden, ein Großteil des Teams wird entlassen. Noch kurz zuvor hatte Zeitgold in einem Ranking der zufriedensten Mitarbeitenden den ersten Platz belegt (siehe auch Wochenendlektüre). Mit den verbleibenden Mitarbeitenden will man an einem neuen Softwareprodukt mit dem Namen Sorted arbeiten. Das soll Selbstständigen bei der Steuererklärung helfen. gruenderszene.de

Die größten Fintech-Deals 2020 in Europa – Wie deutsche Unternehmen abschneiden: Eine Auswertung der 30 größten europäischen Fintech-Deals aus den ersten sechs Monaten dieses Jahres zeigt, dass die Branche im Vergleich zu anderen besser durch die Corona-Krise kommt. Doch die Auswertung belegt auch, dass besonders deutsche Fintechs weniger Geld bekamen als noch 2019. In Summe ging das Volumen um 55 Prozent zurück. financefwd.de

N26 lässt Bankkarte überflüssig werden: Die Bank N26 hat ein Update gelauncht, das in Zukunft die physische Bankkarte beim Shopping ersetzt. Nach einer Verifizierung können Nutzende nun alle wichtigen Kartendetails direkt in der App abrufen. eigene Recherche, mobiflip.de

Traxpay gewinnt Deutsche Bank als Investor: Die Bank will so ihr Angebot für Lieferanten-Finanzierungen erweitern. Dafür will sie künftig die Plattformtechnologie des Fintechs, das auf Supply Chain Finance spezialisiert ist, nutzen. it-finanzmagazin.de, finextra.com

Bunq steigt in die Immobilienfinanzierung ein: Mit Hilfe eines Drittanbieters können Kreditkunden ihre Immobilien finanzieren. Das Besondere: Die Anlagekunden der niederländischen Challenger-Bank können in den Einstellungen auswählen, ob ihr Guthaben zur Immobilienfinanzierung eingesetzt wird oder nicht. bunq.com

 

– Fintech-News International –

TransferWise ist jetzt fünf Milliarden Dollar wert: Das britische Fintech ist damit eines der wertvollsten Startups in ganz Europa. Innerhalb eines Jahres konnte das Unternehmen, das auf Zahlungen aus dem Ausland spezialisiert ist, seinen Wert um rund zwei Milliarden Dollar steigern. Das Besondere: Das Geld fließt nicht in das Unternehmen. Vielmehr haben Mitarbeitende und bestehende Altinvestoren ihre Anteile an die Investoren veräußert. faz.net, financefwd.de

ComplyAdvantge bekommt 50 Millionen Dollar für KI-Plattform zur Bekämpfung von Finanzkriminalität: Das in London ansässige Unternehmen setzt künstliche Intelligenz ein, um Banken und Fintechs dabei zu helfen, das Risiko von Finanzkriminalität zu berechnen und sie so im Vorfeld zu verhindern. complyadvantge.com

Network International kauft Fintech DPO: Für rund 288 Millionen Dollar soll Network International 100 Prozent der in 19 afrikanischen Ländern führenden Online-Handelsplattform DPO erwerben. appsafrica.com

True Link sammelt 35 Millionen Dollar: Das US-Unternehmen richtet sich mit seinen Produkten an Menschen, die von traditionellen Finanzdienstleistern in der Regel unterversorgt werden. So bietet True Link beispielsweise eine Bankkarte an, die ältere Menschen vor Betrug schützen soll. techcrunch.com, finextra.com

– Neu auf finletter.de –

Transformationskolumne von Friedrich-W. Kersting
Transformations-Kolumne: Die Wechselbereitschaft von immer mehr Bankkunden steigt. Davon profitieren können jedoch nur die Banken, die mit mehr locken als nur Cash-Prämie, Akkuschrauber oder Toaster. Lesen Sie hier, was unser Kolumnist Friedrich-W. Kersting als perfekten Anreiz vorschlägt. finletter.de

 

– Treffpunkte –

Fintech 2020 – Data Driven Finance: Im Forum werden konkrete Business Cases, Anwendungen und Learnings aus dem Schweizer und dem internationalen Finanzsektor präsentiert.
31. August 2020, Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon, Schweiz, fuw-forum.ch

Webinar zum Thema: „Vereinfachung der digitalen Entwicklung bei Finanzdienstleistungen“: 19. August 2020, 14 Uhr, online, fintechfutures.com

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Wir versuchen, den Kalender in Corona-Zeiten regelmäßig zu updaten, um nicht versehentlich auf eine abgesagte Veranstaltung hinzuweisen. Schicken Sie uns gerne eine E-Mail, falls Sie einen Hinweis haben.

 

– Wochenendlektüre –

In diesen Fintechs arbeiten die zufriedensten Mitarbeiter: Die Berlin School of Business hat herausgefunden, in welchen deutschen Fintechs sich die Mitarbeitenden am wohlsten fühlen. it-finanzmagazin.de, berlinsbi.com

Studie: Europäische Finanzdienstleister nutzen KI nicht: Eine Umfrage offenbart, dass europäische Finanzdienstleister im weltweiten Vergleich um rund 20 Prozent schlechter abschneiden. Doch die Befragung zeigt auch die Gründe dafür auf. der-bank-blog.de

Taxfix-Gründer über eine mögliche USA-Expansion: Im Podcast-Interview spricht Mathis Büchi, der Gründer der Steuer-App, über seine Expansionspläne. financefwd.com

Wer in Deutschland Bargeld bunkert: Aktuelle Zahlen der Bundesbank beweisen einmal mehr, dass die Deutschen ihr Bargeld lieben. Dabei überrascht: Es sind nicht die Ältesten, die am liebsten bunkern. welt.de

Quo vadis Filialstruktur?: Die Schließung von Filialen während des Corona-Lockdowns hat das Geschäft der Banken nicht wirklich behindert. Viele Institute überlegen daher, wie viele Filialen künftig notwendig sind. Damit einher geht eine Neuausrichtung des Vertriebs. Diese sollte in fünf Schritten erfolgen. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Text über Games statt Technik als ein mögliches Zukunfts-Modell in der Fintech-Branche.

– Das Beste zum Schluss –

Hier haben deutsche Super-Gründer studiert: Wer in der deutschen Startup-Landschaft erfolgreich sein will, der studiert an der WHU, der Otto-Beisheim-School of Management in Vallendar. Dass das nicht immer so sein muss, zeigt ein Blick auf die Gründer der erfolgreichsten deutschen Start-ups. businessinsider.de

Helena Düll

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