finletter 269 – N26, Virtuelle Wertpapiere, Payment-Gleichberechtigung

Verdi vs. N26

Erst in der letzten Woche hatte N26 verkündet, dass es die Gründung eines Betriebsrates zwar nicht für nötig halte, diese aber respektiere. Donnerstags sollte der Wahlvorstand für die N26 Operations GmbH gewählt werden. Nun wurde kurz zuvor sehr deutlich, dass es so einfach nicht läuft bei N26. Mit Hinblick auf ein angeblich mangelhaftes Hygienekonzept hatte das Management der Smartphonebank eine einstweilige Verfügung erwirkt, durch die die Wahlen eines Wahlvorstandes für den Betriebsrat verschoben werden müssten – zumindest, wenn diese von der Belegschaft ausgerichtet würden. Die Gewerkschaft Verdi hat die Hygiene-Argumentation von N26 als Angriff bezeichnet und sprang nun als Gastgeber ein, weswegen die einstweilige Verfügung letztlich doch keinen Einfluss mehr auf das Zustandekommen des Termins hatte, die Versammlung konnten somit stattfinden. Gleichwohl sagte Gewerkschaftssekretär Oliver Hauser im Anschluss gegenüber dem finletter, dass N26 durch das verursachte Chaos dafür gesorgt haben könnte, dass nicht mehr Mitarbeiter erschienen seien. Zunächst kippte N26 nämlich eben den ursprünglich angesetzten Termin, lud dann zur gleichen Zeit alle Mitarbeiter zu einer Alternativ-Veranstaltung, bei der eine andere Form der Mitarbeitervertretung vorgestellt werden sollte. An dieser hätten nach Angaben des Unternehmens dann auch mehr als 50 Mitarbeiter teilgenommen.

N26 bekräftigte zuvor, dass man generell einer Mitarbeitervertretung nicht im Weg stehen werde. Das könnte im Übrigen auch strafbar sein, wie das „IT-Finanzmagazin” betont. Zumindest hat die N26-Führung laut „Finance Forward” in einer internen Mail sehr deutlich gemacht, dass man einen Betriebsrat für altmodisch halte und dieser gar den Werten des Unternehmens zuwiderlaufe. Oliver Hauser konnte im Alternativtermin aber keine strafbare Handlung erkennen, immerhin habe Verdi aufgrund der Verwirrungen erst sehr kurzfristig erneut einladen können, der Alternativtermin von N26 habe davor bereits gestanden. Womöglich aber seien einige Mitarbeiter der Alternativ-Veranstaltung gefolgt, weil es auch bequemer oder sicherer sei, sich online zu beteiligen – die Verdi-Veranstaltung fand in einem Brauhaus statt. Ebenso, wie eine weitere Veranstaltung heute Mittag. Dabei geht es um die Wahl eines Wahlvorstandes für ein weiteres N26-Unternehmen, die N26 GmbH. Auch diese war schon vorab geplant und dann abgesagt worden. Die Einladung durch Verdi ging dann erst gestern Abend gegen 18 Uhr raus. Oliver Hauser konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht einschätzen, wie sehr eine „weitere Stimmungmache“ durch N26 Einfluss auf die Teilnehmerzahl haben würde. Von einer gleichzeitig stattfindenen Veranstaltung der Smartphonebank war Hauser zumindest nichts bekannt.

financefwd.com, it-finanzmagazin.de, gruenderszene.de, financefwd.com

 


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– Fintech-News Deutschland –

Virtuelle Wertpapier-Überraschung: Ein Gesetzentwurf der Bundesministerien für Finanzen und Justiz sorgte in dieser Woche für helle Aufregung und viel Euphorie. Nach dem neuen Gesetz sollte es künftig möglich sein, Wertpapiere zu emittieren, ohne dass diese körperlich hinterlegt sind. Zudem sollen elektronische Wertpapiere künftig als Sachen gelten, somit stünden sie unter dem gleichen Eigentumsschutz wie klassische Wertpapiere. Eine solche Modernisierung könnte den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und für mehr Transparenz sorgen. Relevant ist auch, dass bewusst auf Vorgaben für einzelne Registertechniken für elektronische Wertpapierregister verzichtet wurde. Ohne diese gesetzliche Barriere solle der „Wettstreit zwischen innovativen technischen Lösungen befeuert werden.“ Die Verwahrung von Krypto-Wertpapieren ist demnach auch nicht mehr zwangsläufig Clearstream, dem jetzigen Monopolisten, vorbehalten. handelsblatt.com, faz.net, rsw.beck.de, bmjv.de, it-finanzmagazin.de

Bitkom fordert Gleichberechtigung: Bitkom, der Branchenverband der Informations- und Telekommunikationsbranche, fordert eine Gleichbehandlung verschiedener Bezahlmethoden. So sollten Schilder, die etwa Kartenzahlung in einem Geschäft ausschließen, bald der Vergangenheit angehören. Zumindest eine europaweit nutzbare digitale Lösung sollte laut dem gerade veröffentlichten Thesenpapier angeboten werden. Auch Wertgrenzen zur Nutzung digitaler Bezahlung sollten demnach abgeschafft werden. Der Verband beruft sich auch auf eine in Auftrag gegebene Umfrage, nach der 75 Prozent der Deutschen derzeit Barzahlung nach Möglichkeit vermeiden. marketing-boerse.de

Wirecard muss Dax im August verlassen: Wie viele Marktbeobachter es bereits erwartet hatten, wird der Skandal-Finanzdienstleister früher als eigentlich gedacht aus dem deutschen Leitindex ausgeschlossen. Möglich macht das ein neues Regelwerk, nachdem insolvente Unternehmen binnen zwei Handelstagen aus allen Dax-Indizes ausgeschlossen werden können. Die Regelung tritt am 19. August in Kraft, die Umsetzung demnach am 21. August. Inzwischen sind im Übrigen Indizien aufgetaucht, nach denen der Verlust, den Wirecard bei Banken verursacht habe, deutlich höher sein könnte als gedacht. Die Rede ist von bis zu 800 Millionen Euro zusätzlich. Ermittler gingen derzeit dem Verdacht nach, dass das Geld beiseite geschafft worden sein könnte. Das BKA fahndet mittlerweile öffentlich nach Ex-Vorstand Marsalek. cash-online.de, zeit.de, spiegel.de

Joonko startet Kreditangebot: Mit dem neuen Angebot will das Finleap-Startup unter anderem dem Vergleichs-Platzhirschen Check24 Konkurrenz machen. Der Start lief denkbar schlecht, das Angebot eines KFZ-Versicherungs-Vergleichs kollidierte mit der Zeit der Corona-bedingten Schließung der Autohäuser und Straßenverkehrsämter. Nun soll aber auch ein Kreditvergleich in die Betaphase gehen. Chancen rechnet sich Joonko auf dem hart umkämpften Markt dadurch aus, dass eine Bonitätsprüfung durch Verbindung des eigenen Kontos vorab erfolgt und so individuelle Kreditzinsen angeboten werden können. So sollen die sogenannten Lockangebote vermieden werden. Bei anderen Portalen würden Kunden mit extrem günstigen Zinsen gelockt, um dann aufgrund nicht ausreichender Bonität hochgestuft zu werden. gruenderszene.de

Vergleichsseite für Girokonten startet: Ob Check24 die Joonko-Konkurrenz fürchten muss, bleibt abzuwarten. An anderer Stelle konnte das Portal aber Erfolg vermelden. Vom TÜV Saarland wurde das Portal als erste kostenlose und unabhängige Vergleichsseite für Girokonten zertifiziert. Basis für die Vergleiche bilden 550 Anbieter. Die Abfragen durch die Kunden erfolgen anonym. Check24 profitiert von Provisionen, wenn Verträge durch die Vergleichsseite angebahnt werden, außerdem hofft das Münchener Unternehmen darauf, dass Nutzer des kostenlosen Angebotes auch andere Unternehmensangebote nutzen. Mit dem Portal wird eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2018 umgesetzt. cash-online.de

Knapp drei Millionen für DeFi-Startup: Genau genommen 2,8 Millionen Euro sammelte das Startup 1inch gerade in einer Finanzierungsrunde. Das Fintech bietet Nutzern die Möglichkeit, Kryptowährungen zu tauschen. Dabei verspricht es den jeweils günstigsten Wechselkurs, da die dahinter liegende Software verschiedene dezentrale Krypto-Börsen vergleicht. financefwd.com

Kapilendo steigert Finanzierungsvolumen auf über 100 Millionen Euro: Die 100-Millionen-Marke wurde von dem Fintech aus Berlin im ersten Halbjahr dieses Jahres übersprungen. Als besonders treibend stellte sich hierfür der Zugang zum KfW-Schnellkredit im Rahmen der Corona-Hilfsmaßnahmen heraus, alleine 30 Millionen Euro konnten so in nur sechs Wochen vermittelt werden. dgap.de

Deutsche Bank rekrutiert bei neuem Fintech-Partner: Erst im letzten Monat hat die Deutsche Bank eine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Fintech Traxpay gestartet. Nun wechselt dessen CFO Jochen Siegert zum 17. August zum größten deutschen Kreditinstitut, wo er digitale Marktplätze aufbauen soll. faz.net

 

– Fintech-News International –

Facebook plant mehr als Libra: Die Kryptowährung könnte schon in diesem Jahr an den Start gehen, der Mega-Konzern plant dem Artikel nach aber eine ganze Produktlinie für Zahlungs- und E-Commerce-Dienstleistungen. Unter dem Namen Facebook Financial, oder F2, sollen alle künftigen Fintech-Aktivitäten von Facebook zusammengefasst werden. btc-echo.de

Revolut verdreifacht Verluste: Mit der Entwicklung zeigt sich Revolut-Chef Nikolay Storonsky allerdings zufrieden, immerhin seien auch Umsatz und Nutzerzahlen um den Faktor Drei angewachsen, zumindest im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2018. Die Verluste seien demnach auf geplante Investitionen zurückzuführen. In der derzeitigen Corona-Krise stehe das Unternehmen dazu immer noch gut da. t3n.de

BankMobile verkauft: Die reine Onlinebank BankMobile wurde nach jahrelangen Ringen verkauft. Schon 2017 stand ein Deal über 175 Millionen US-Dollar im Raum, damaliger Kaufinteressent war die Flagship Community Bank in Florida. Doch der Deal platzte. Zugeschlagen hat nun Megalith Financial Acquisition – und dabei 35 Millionen Dollar weniger gezahlt, als noch vor drei Jahren aufgerufen waren, nämlich 140 Millionen US-Dollar. fintechfutures.com

Tinkoff bietet Charity-Cashback: Die russische Neobank hat eine Funktion gestartet, mit deren Hilfe die Kunden ihre Cashback-Punkte gemeinnützig einsetzen können. Dadurch sollen Organisationen im Land unterstützt werden, etwa eine Gesellschaft zur Früherkennung von Hirnkrankheiten oder einer Vereinigung, die Krebsleiden lindern will. Kunden können unter 300 Organisationen wählen und monatlich bis zu 9.000 Rubel (rund 100 Euro) spenden. fintechfutures.com

Digitaler Marktplatz von Kroger: Kroger, die größte Lebensmittel-Supermarktkette der USA, plant, in Zusammenarbeit mit dem e-Commerce-Spezialisten Mirakl, einen digitalen Marktplatz für Drittanbieter zu launchen. Neben den Kroger-Lebensmitteln sollen Kunden künftig dann auch Natur- und Bio-Produkte, internationale Lebensmittel, Haushaltswaren und Spielzeuge nach Hause bestellen können. supermarktnews.com

Holvi zieht sich aus Großbritannien zurück: Erst vor wenigen Monaten ist das finnische Geschäftskunden-Fintech in Großbritannien an den Start gegangen, nun ist der Versuch gescheitert. Als Grund nennt das Start-up selbst veränderte Geschäftsbedingungen durch die Corona-Pandemie. Allzu groß scheint der Einschnitt noch nicht. Da man noch keine eigenen Mitarbeiter vor Ort gehabt habe, müssten auch keine Mitarbeiter entlassen werden. financefwd.com


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– Treffpunkte –

Panel discussion: Bridging London and German Fintechs: Häufig ging es in der Vergangenheit in den Medien um die Frage, ob Berlin der englischen Hauptstadt den Rang in Sachen Fintech abgelaufen hat. In dieser Panel-Diskussion soll es im Gegenteil um das Bauen von Brücken gehen. Köpfe aus der Londoner und der deutschen Fintech-Szene sollen zu Wort kommen, um die jeweiligen Märkte untereinander zu vergleichen und über Themen wie Open Banking und Regulation zu diskutieren. Natürlich soll es auch um Herausforderungen und Chancen der aktuellen Krise gehen. An die einstündige Diskussion schließt ein Timeslot an, der dem Networking gewidmet sein wird. 18. August

From Idea to Product – Penta Fintech Meetup @ Penta:
Monatlich veranstaltet Penta ein Meetup, bei dem rund 70 bis 100 Teilnehmer relevante Themen der Fintech-Branche diskutieren. Diesmal geht es darum, wie man erfolgreich ein Fintech gründet und aufbaut. Unter anderem Georgie Smallwood, Chief Product Officer von N26 und Rohan Garg von Kununu Engage, sprechen über die drei Phasen Idee, Produkt und Markt. Jessica Holzbach, die Gründerin von Penta, wird das Event moderieren. Noch nicht fest, aber sehr wahrscheinlich wird die Veranstaltung via Zoom erreichbar sein, eine strikte Agenda wird es nicht geben, vielmehr ist eine Art Bar-Atmosphäre gewünscht. 27. August

 

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Wir versuchen, den Kalender in Corona-Zeiten regelmäßig zu updaten, um nicht versehentlich auf eine abgesagte Veranstaltung hinzuweisen. Schicken Sie uns gerne eine E-Mail, falls Sie einen Hinweis haben.

 

– Wochenendlektüre –

Embedded Finance als Next Big Thing: Schon im letzten finletter prägten Nicht-Banken, die sich im Finanzbereich breit machen, das Editorial. Diese Art von Integration von Finanzdienstleistungen in andere Anwendungen werden als Embedded Banking bezeichnet. Vor allem Anbieter von Banking-as-a-Service-Lösungen (BaaS) bereiten für den Autor den Boden dafür, dass der Trend auch in Zukunft immer wichtiger werden wird. finextra.com

KI in Finanzbranche: Eine Studie der Economist Intelligence Unit (EIU) hat herausgearbeitet, dass Künstliche Intelligenz (KI) prägend sein wird für die Banken und Versicherungen der Zukunft. Die Autoren berufen sich dabei auf eine Umfrage unter 200 Geschäftsführern und C-Suite-Managern. Besonders interessant ist, dass zwar erst 15 Prozent die Technologie umfassend nutzen würden, aber generell Einigkeit herrscht, dass KI das Geschäft in nur fünf Jahren grundlegend ändern werde. der-bank-blog.de

Die neuen Deutschbänker melden sich zu Wort: In dieser Woche witzelte man bei „Payment & Banking“, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Deutsche Bank ihren Plan offenbare, durch eine friedliche Übernahme des Portals ins Blogging-Geschäft einzusteigen. In der Tat hatte die Deutsche Bank zuletzt wichtige Köpfe des Portals für sich gewinnen können. André Bajorat und Rafael Otero sind sich dabei des Interesses der Fintech-Szene bewusst und haben auf ihrem Portal aufgeschrieben, was für Lehren sie aus den ersten Monaten beim neuen Arbeitgeber gezogen haben. paymentandbanking.com

Was es kostet, einen Fintech-Player zu kreieren [Paywall]: Die Überschrift ist vermutlich kein überraschender Spoiler. „Very expensive“ sei es, einen Fintech-Giganten zu bauen. So weit, so vorhersehbar. In dem Artikel stellt „Techcrunch“ aber Zahlen vor, die das abstrakte Wissen etwas konkreter machen. Zwar betont der Autor, dass seine Zahlen nicht ganz aktuell sind, immerhin aber seien es die zuletzt veröffentlichten der vorgestellten Player. Das ändere aber nichts an seinem Anliegen, konkret darzulegen, was es kostet, einen Fintech-Giganten auf die Schienen zu setzen. techcrunch.com

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Beitrag über die KI-Revolution in der Finanzwelt. finance-it-blog.de

 

– Das Beste zum Schluss –

Check von Fintech-Prognosen: Häufig werden in einschlägigen Medien –und somit auch im finletter – Prognosen und Studien erwähnt, die auf die nahe oder mittelfristige Zukunft der Fintech-Branche ausgerichtet sind. Seltener werden diese im Nachgang hinterfragt. Genau das macht das ifo-Institut in einer neuen Veröffentlichung. In dieser wird nicht nur der aktuelle Status Quo der Branche festgehalten. Es werden eben auch Prognosen aus der jüngeren Vergangenheit unter die Lupe genommen. In einigen Bereichen wurden die realistischen Einschätzungen der Experten damals deutlich übertroffen, in anderen Bereichen hinkt die Branche den damaligen Erwartungen hinterher. ifo.de