finletter 273 – Monedo am Ende, Deutsche Bank, Klarna will das Doppelte

Das Ende eines Fintech-Pioniers 

Monedo. Manchmal kann ein neuer Name Wunder bewirken. Das gilt besonders bei Unternehmen, deren alter Name vorbelastet ist. Wenn aber dieser neue Name, in dem Fall eben Monedo,  nie genannt wird, ohne, dass der alte erklärend hintergeschoben wird, dann spricht das nicht gerade für den Erfolg der Umbenennung. So berichteten in dieser Woche zahlreiche Unternehmen nicht nur von der aufsehenerregenden Pleite von Monedo. Sie lieferten alle auch stets die Zusatzinformation, dass es sich bei Monedo um den Nachfolger des vermutlich deutlich bekannteren Kreditech handelt, was Monedo zum „prominentesten Pleitefall“ der deutschen Fintech-Branche avancieren lässt. Aufgrund der wechselhaften Vorgeschichte zeigten sich Beobachter teilweise zwar wenig überrascht vom Scheitern des Unternehmens. Immerhin habe das Fintech schon vor der Monedo-Taufe vor zwei Jahren vor dem Aus gestanden. Herausragend sei die News dennoch, schließlich sei Monedo, oder besser Kreditech, eines der ersten deutschen Fintechs gewesen und habe insgesamt eine halbe Milliarde Euro von teilweise namhaften Investoren eingesammelt. Bitter scheint das Ende nun dennoch allein vor dem Hintergrund, dass das früher umstrittene Fintech vor der Corona-Krise unter dem neuen Namen Monedo auf einem guten Weg gewesen zu sein schien. Am Hamburger Hauptstandort sind 100 Mitarbeiter betroffen, weltweit sind es 300 Menschen. Das Geschäft des Fintechs, dass sich ausschließlich auf das Ausland konzentriert, soll laut Insolvenzverwalter allerdings fortgeführt werden. Angeblich gebe es bereits ernsthafte Interessenten.

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– Fintech-News Deutschland –

Deutsche Bank verwirft Wirecard-Deal: Offenbar auf Grund unterschiedlicher Preisvorstellungen hat die Deutsche Bank laut Reuters-Bericht Abstand von einer Übernahme des Wirecard-Konzerns genommen. Demnach fordert der Insolvenzverwalter Mindestgebote von 100 Millionen Euro. Laut Artikel wäre der Wirecard-Deal für die Deutsche Bank ohnehin nur eine von mehrere Optionen, um das Geschäft mit Zahlungsdienstleistern auszubauen. Zumindest Teile des Skandal-Unternehmens sind laut Insolvenzverwalter heiß begehrt. finanznachrichten.de, cash.ch

Corona-Dämpfer für digitalen Fortschritt: Die Meldung mag auf den ersten Blick überraschen, da gerade die Corona-Krise offengelegt hat, dass es hierzulande Bedarf an digitalen Umsetzungen gibt. Dennoch brach die Nachfrage nach entsprechenden Experten im zweiten Quartal um ein Viertel ein. Laut digitalem Jobmonitor des „Handelsblatt” könnte diese Fehlentwicklung weitere acht Monate andauern, da Unternehmen sich derzeit auf ihr Kerngeschäft fokussieren würden, statt benötigte Innovationen voranzutreiben. Das Problem ist allerdings kein exklusiv deutsches. Auch für das Vereinigte Königreich wurden ähnliche Rückgänge durch Corona gemeldet. handelsblatt.com, prnewswire.co.uk

Kredite in zehn Minuten: Innerhalb dieser kurzen Zeitspanne will das Berliner Fintech Kredu abschätzen, ob Kredite bis zu einer Höhe von 3.000 Euro gewährt werden können. Zahlungsziel sind dann jeweils 28 Tage. Durch die Digitalisierung der kompletten Antragsstrecke funktioniert das laut dem Unternehmen rund um die Uhr. it-finanzmagazin.de

IDnow engagiert neue COO: Bettina Pauck übernimmt den Geschäftsbereich Operations bei dem Anbieter für Identify-Verification-as-a-Service-Lösungen. Pauck wird den Standort München genauso leiten wie den in Leipzig, der durch Akquisition von Wirecard Communications neu integriert wurde. Zuletzt hatte die Managerin mit einer eigenen Firma Unternehmen wie N26 beraten. finanznachrichten.de

Bitwala wirbt Experten ab: Neben der Smartphonebank N26 war Kristina Walcker-Mayer zuvor bei Zalando tätig. Bei Bitwala übernimmt sie nun den CPO-Posten. Torsten Lüttich, die neue Verstärkung in Sachen Risikomanagement, Compliance und Regulatorik war zuvor bei der Wüstenrot Bank und der KT Bank tätig. Die Smartphonebank Bitwala wirbt derzeit offensiv mit ertrags- und risikoreichen Krypto-Investitionen. it-finanzmagazin.de

Verify-u stellt KYC-Plattform zur Verfügung: Mit der Know-your-customer-Plattform sollen Unternehmen ihre Kunden automatisch und sehr schnell identifizieren können. Die technische Implementierung der Plattform sei simpel und die Grundnutzung kostenlos. Nach eigener Aussage sei die Plattform für alle Unternehmen geeignet, hervorgehoben werden aber Unternehmen der Krypto-Industrie und Fintechs. Die Identifizierung soll binnen zwei Minuten möglich sein. openpr.de

Versicherer haben Sorge wegen Digitalisierung: Laut Umfrage des Marktforschungs-Hauses ISG ist im Grunde allen Entscheidern in Versicherungen die Bedeutung der Digitalisierung bewusst. Dennoch ist die Sorge vor Konkurrenz von Insurtechs oder auch aus dem IT-Bereich enorm. Demnach gehen fast zwei Drittel der Befragten davon aus, dass auch im Zuge der Corona-Krise alte Player von neuen verdrängt werden. it-finanzmagazin.de

Postbank und Bankverlag kooperieren: Onlinebanking-Kunden der Postbank können künftig digital Kredite beantragen, ohne sich durch Video-Identverfahren erneut identifizieren zu müssen. Möglich macht das eine Zusammenarbeit mit der Kölner Bank-Verlag GmbH. Die ermöglicht eine technische Integrierung von beispielsweise Kunden-Smartphones über deren Fingerabdruck-Scan eine Identifizierung möglich sein wird. lifepr.de

 

– Fintech-News International –

Klarna plant Verdopplung und startet Shopping-App im UK: Das schwedische Fintech will in einer Finanzierungsrunde eine halbe Milliarde US-Dollar einsammeln und seinen Wert so auf etwa zehn Milliarden US-Dollar fast verdoppeln. Derzeit scheinen die positiven Signale rund um die mit 5,5 Milliarden US-Dollar bewerteten Schweden nicht abzureißen. Außerdem verkündete Klarna den Start seiner Shopping App im Vereinigten Königreich. finextra.com, handelsblatt.com

Numbrs stemmt sich gegen Rückschläge: Das Schweizer Fintech hat trotz schwieriger Zeiten für das Unternehmen neues Geld aufgenommen. Allerdings stammen zwei Drittel der frischen 17 Millionen Franken nicht von externen Geldgebern, sondern von CEO Martin Saidler selbst. Erst im Mai war eine lukrativere Finanzierungsrunde aufgrund der aktuellen Corona-Krise geplatzt. finews.ch

Brasilianische Fintechs im Geldregen: Das brasilianische Fintech Neon Pagamentos hat in der letzten Finanzierungsrunde 300 Millionen US-Dollar eingesammelt. Damit schraubt es die Einnahmen durch Finanzierungen auf 420 Millionen US-Dollar in fünf Finanzierungsrunden. Die ebenfalls brasilianische Nubank hatte bereits Anfang September ebenfalls 300 Millionen US-Dollar sammeln können. fintechfutures.com

Brasilianische Digitalwährung: Die Pläne um die Einführung einer digitalen brasilianischen Zentralbankwährung werden konkreter. Der Präsident der Zentralbank sprach nun von einem möglichen Start im Jahr 2022. Das Programm soll die finanzielle Demokratisierung des Landes fördern. btc-echo.de

 

– Treffpunkte –

ARTIFICIAL INTELLIGENCE in the Financial Industry – The better normal? In dem Webinar sollen nicht nur die bisherigen Entwicklungen rund um KI in der Finanzbranche diskutiert werden, sondern auch, wie man sich auf künftige Entwicklungen einstellen kann. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob ethische und verantwortungsvolle KI bloß Buzzwords oder sinnvolle Trends sind. 17. September, 06:00 Uhr, online

Webinar – The Art and Science of Customer Relationships: Wenngleich die genaue Quantifizierung von User-Experience sehr sinnvoll ist, fehlt es laut den Veranstaltern des Webinars an einer klaren Methode, diese zu messen. Der richtige Ansatz könne daher ein ehe künstlerischer als wissenschaftlicher sein. Mögliche Beispiele sollen in diesem Webinar vorgestellt werden 15. Oktober, 16:00 Uhr, online

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Wir versuchen, den Kalender in Corona-Zeiten regelmäßig zu updaten, um nicht versehentlich auf eine abgesagte Veranstaltung hinzuweisen. Schicken Sie uns gerne eine E-Mail, falls Sie einen Hinweis haben.

 

– Wochenendlektüre –

Digital-Konten im Test: Die „FAZ“ vergleicht nach einem einleitenden Artikel zur Konkurrenzsituation zwischen klassischen Kreditinstituten und Neobanken die Kontolösungen von fünf dieser Fintechs. Dabei stellt der Autor fest, dass auch bei den neuen Wettbewerbern nicht alles so günstig ist, wie es zunächst scheinen mag. Weiter liefert der Artikel eine übersichtliche Gegenüberstellung der fünf herausgegriffenen Beispiele und geht auf herausragende Merkmale ein. faz.net

Neobanken können sich nur selber stoppen: Auch der Artikel auf „cach.ch“ widmet sich den Neobanken. Demnach seien diese auf den ersten Blick auf einem beispiellosen Vormarsch. Stolpersteine gebe es aber dennoch. So sieht es zumindest die vermutlich nicht unvoreingenommene Schweizer Rothschild-Bank, die vor allem in Frage stellt, ob die Neobanken, aus den Erfolgsmeldungen auch Gewine generieren werden können. finews.ch

PSD2- Ausnahmen: Ab nächstem Jahr besteht eigentlich die Pflicht der besonders sicheren starken Kundenauthentifizierung. Das „IT-Finanzmagazin” weist nun aber darauf hin, dass unter Umständen auf Antrag Ausnahmen möglich sind, durch die Kaufabbrüche im Rahmen gehalten werden könnten. Welche Ausnahmen hier in Frage kommen, listet der Artikel auf, unter anderem geht es dabei um Zahlungen mit geringem Wert oder Risiko oder um Abos. it-finanzmagazin.de

Unbekannter Fintech-Riese: 360T dürfte vielen Otto-Normal-Bürgern kein Begriff sein. Dabei sorgte das Unternehmen für den größten Fintech-Exit der deutschen Finanzgeschichte. Für 725 Millionen Euro ging das Frankfurter Unternehmen vor fünf Jahren an die Deutsche Börse über. Im Podcast spricht der damalige und immer noch amtierende Chef Carlo Kölzer über den Mega-Deal und seine Motivation, weiter am Ruder zu bleiben. financefwd.com

Start-Up-Magnet Berlin: Häufiger schon wurde an dieser Stelle darüber berichtet, dass Berlin für einige Beobachter der britischen Hauptstadt London den Rang als europäische Fintech-Hauptstadt abläuft. „Finance Forward“ analysiert in diesem Artikel, warum sogar Fintechs nach Berlin kommen, die es gar nicht auf deutsche Kunden abgesehen haben. financefwd.com

Libra als Starthilfe: Wenn es um digitale Zentralbank-Währungen geht, wird fast reflexartig die Konkurrenz-Stellung zu privaten Initiativen wie Libra ins Feld geführt. Der Artikel betont diese Wettbewerbssituation und berichtet davon, wie die Libra-Ankündigung der Entwicklung der digitalen Währungen weltweit auf die Sprünge geholfen hat. finews.ch

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Artikel über die letzten Monate vor dem Wirecard-skandal. capital.de

– Das Beste zum Schluss –

Smartphonebanken sind nicht die Smartphones unter den Banken: Zu diesem zunächst verwirrenden Fazit kommt der Text von „Payment and banking”. In diesem analysiert der Autor die Vorteile von N26 und Co gegenüber klassischen Banken und stellt fest, dass keiner davon ein Gamechanger ist, wie einst das iPhone in der Mobilfunkwelt. Vielmehr seien die Neobanken vergleichbar mit Nokia in den 90ern. Für den Moment ein Hype, aber schnell obsolet, wenn die wirkliche Revolution ins Haus steht. Immerhin gehen wärmere Worte an Spezialisten, wie Kontist und Penta. Die seien zu sehr in der Nische, um Konkurrenz von Bigtechs fürchten zu müssen. paymentandbanking.com

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