finletter 275 – Samsung Pay kommt, Grenke-Vorwürfe, EU will Instant Payment

Samsung Pay startet in Deutschland

Unter der Woche war es zunächst nur ein Gerücht und jetzt soll es ganz schnell gehen. Noch im Oktober soll Samsung Pay auch in Deutschland verfügbar sein. Die Nachricht hat Potential, den wachsenden Markt des mobilen Bezahlens kräftig zu durchrütteln. Schließlich mussten Android-Nutzer bislang mit dem Smartphone auf die Google-Alternative ausweichen, da Samsung selbst beispielsweise seine Uhren nicht mit Bezahldienst versah, wie etwa Apple mit seinem Apple Pay.

Samsung Pay hat dafür in Deutschland auch einen anderen Weg gewählt als die beiden Konkurrenten. Während die mit diversen Kreditinstituten zusammenarbeiten, wird Samsung Pay die Kreditwirtschaft außen vorlassen. Als feste Partner wurden Visa und das Berliner Fintech Solarisbank auserkoren. Visa stellt eine virtuelle Kreditkarte, die dann bei der Solarisbank mit einem Konto verknüpft wird.

Das bedeutet, dass die Transaktionskosten der Solarisbank zufließen und nicht den verteilten Banken und Sparkassen. Bei einem Erfolg von Samsung Pay, der mit Blick auf die Verteilung entsprechender mobilen Endgeräte nicht unwahrscheinlich ist, könnte das einen enormen Gewinn für die Solarisbank bedeuten, während „Finanz-Szene“ den Effekt auf andere Kreditinstitute als potentiell disruptiv bezeichnet. Vieles wird in Zukunft also davon abhängen, ob Samsung Pay den beiden Konkurrenten genug Druck machen kann, oder ob die Nutzer in Sachen Mobile Payments eher den Hausbanken die Treue halten. Selbst in diesem Fall aber gibt es Potential dort, wo die Hausbanken bisher gar keine Google Pay-Kooperation bieten.

„Finance Forward“ zitiert Branchenkenner, nach deren Einschätzung zwar nur ein sehr geringer Prozentsatz der Samsung-Kunden auch Samsung Pay nutzen wird. Immerhin würden aber selbst fünf Prozent einer Millionen Kunden entsprechen, womit sich die Zahl der Konten bei der Solarisbank verdoppeln würde – für die Berliner in jedem Fall ein vielversprechender Deal. Wie sich die Zahlen der Solarisbank tatsächlich entwickeln. liegt nun vor allem in koreanischer Hand, nämlich bei der Akzeptanz von Samsung Pay. Für das „IT-Finanzmagazin“ kommt das Angebot vielleicht zu spät. Gut möglich sei es da, dass Samsung Pay im Verhältnis daher weniger Samsung hilft, als der Solarisbank.

finextra.com, mobiflip.com, financefwd.com, finanz-szene.de, it-finanzmagazin.de


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– Fintech-News Deutschland –

Grenke unter Beschuss: Wolfgang Grenke selbst bezeichnete den von ihm gegründeten Finanzdienstleister, der seinen Namen trägt, vor wenigen Jahren als ältestes Fintech Deutschlands. Für viele dürfte es aber erst in dieser Woche richtig an Bekanntheit gewonnen haben, als diverse Medien über Shortseller-Attacken auf das Unternehmen berichteten. Es wurden sogar Vergleiche zu Wirecard gezogen, was in erster Linie nicht nur daran liegen dürfte, dass ausgerechnet die Wirtschaftsprüfer EY und KPMG involviert sind, die beide uneingeschränkte Testate ausstellten. Die Gemeinsamkeiten zum größten Finanzskandal der Nachkriegsgeschichte gehen noch weiter. Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung stehen nach einem Report des Analysehauses Viceroy Research im Raum. Allerdings sind es gerade die Wirecard-Vergleiche, gegen die Grenke sich deutlich zur Wehr setzt, „sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen“ seien unbegründet. Auch die „FAZ” betont, dass es bislang lediglich um Anschuldigungen geht, die Zeitung kritisiert zugleich aber zumindest das zögerliche Kommunikationsverhalten des Konzerns. Aktuell aber hat Grenke reagiert und einen weiteren, unabhängigen Sonderprüfer mit dem Fall betraut. Außerdem veröffentlichte der Konzern nun Kontoauszüge. Auf Nachfrage der „FAZ” bei Viceroy seien diese aber nicht geeignet, den Vorwurf aus der welt zu räumen. Unabhängig davon, ob Vergleiche mit Wirecard angebracht sind, führt dieser Skandal sicherlich dazu, dass die Finanzaufseher diesmal lieber zweimal hinschauen. handelsblatt.com, finanzen.net, finance-magazin.de, faz.net, wiwo.de, faz.net

Finom kommt schon im Oktober: Im Mai hieß es noch, dass Finom Ende des Jahres nach Deutschland komme, nun soll es schon im Oktober soweit sein. Die neue Neobank hat für ihren Ausbau gerade 10 Millionen Euro erhalten. Die russischen Gründer wollen sich mit ihrem Start-up nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern als Bank für kleine Unternehmen und Selbstständige etablieren.  Mit ähnlichem Konzept hatten die Gründer zuvor die Modulbank in der russischen Heimat groß gemacht, immerhin 255.000 Kunden soll diese dort haben. Mehr als eine Millionen Kunden peilt Finom nun in den nächsten fünf Jahren in Europa an. Kredite möchte Finom im Übrigen vorerst nicht vermitteln, vielmehr ist es der Plan, die Firmenkunden bei Buchhaltung und Steuererklärung zu unterstützen – so, wie es auch einige der schon präsenten Konkurrenten vorleben. handelsblatt.com

Acht Sieger bei Fintech Germany Award: Preisverleihungen sind unter Corona-Bedingungen anders als gewohnt. Das dürfte die Freude bei den acht Gewinnern des Fintech Germany Award aber nur bedingt schmälern. Auf der Homepage der Verleihung sind Gewinner sowie meist zweit- und drittplatzierte Fintechs nach Kategorien gegliedert aufgelistet. finletter war Medienpartner. fintechgermanyaward.de

Optiopay bekommt fünf Millionen von Metro: Genau genommen ist es LeadX Capital Partners, der Investmentableger des Handelskonzerns, der in Optiopay investiert. Außerdem steuert der Softwarekonzern Avaloq einen Teil bei. Damit wagt sich das Unternehmen laut Artikel etwas aus der Deckung, nachdem auf den anfänglichen Hype eine eher stillle Zeit des Fintechs folgte. financefwd.com, deutsche-startups.de

Clark setzt Kurs auf Endkunden: Im B2B-Bereich musste Clark zuletzt immer wieder Federn lassen. Möglicherweise ein Grund für den nun angekündigten Paradigmenwechsel. Clark will sich künftig auf Endkunden konzentrieren. Das Geschäft mit Firmenkunden soll nach und nach gar gänzlich eingestellt werden. Passend dazu veröffentlichte Clark selbst kurz darauf eine Pressemitteilung, laut der mittlerweile über 250.000 Kunden Clark nutzen würden. handelsblatt.com, clark.pr.co

Fintech beteiligt sich an Regtech: Das Münchener Fintech Finconomy erwirbt erhebliche Anteile an Mifid-Recorder, genauer sind es 25,1 Prozent. Mifid-Recorder gilt als führender Player im taping, der rechtssicheren Aufzeichnung von Kundentelefonaten der Finanzberater. Nach Aussage von Finconomy ist dies ein schritt zum Aufbau eines Ökosystem für daten- und technologiegetriebene Geschäftsmodelle. dasinvestment.com

Finleap startet neues Projekt: Weißhaus heißt der neueste Clou der Fintech-Schmiede. Es handelt sich um eine Plattform, die in Kooperation mit den Maklern Engels & Völkers entsteht. Laut „Finance Forward“ soll Kyros Khadjavi als Kopf mit Weißhaus eine ähnlich wohlhabende Zielgruppe ansprechen, wie mit seinem vormaligen Unternehmen Liqid. financefwd.com

Allianz macht Altersvorsorge digital: Gerade das beratungsintensive Thema der privaten Rentenvorsorge galt laut „Procontra“ bislang als Thema der klassischen Versicherungswelt – eines also, bei dem etwa Insurtechs noch am wenigsten Gefahr für die etablierten Player bedeuteten. Gerade so einer will nun aber zeigen, dass das nicht der Fall ist. Die Allianz-Konzerntochter Allvest will sich nun mit dem neuen Produkt an eine „neue, digitale Zielgruppe“ Zielgruppe wenden. Zugleich solle den Beratern aber keine Konkurrenz entstehen. Aus dem Artikel geht allerdings nicht hervor, wieso das neue Produkt nicht im Wettbewerb mit klassischen Vertriebskanälen stehen sollte. procontra-online.de

– Fintech-News International –

EU regelt das mobile Zahlen: Vieles, was die EU-Kommission beschließt, entfaltet seine Wirkung, obwohl Verbraucher dies nicht direkt registrieren. Möglicherweise ist es anders bei der Entscheidung zu der nun verabschiedeten Retail-Payments-Strategie. Dabei geht es um nicht weniger als einen „Fahrplan für die zukünftige Regulierung der europäischen Zahlungsverkehrsbranche“. Instant Payments sollen nach dem Willen der Kommission bis Ablauf des kommendes Jahres der neue Standard werden. Am Ende könnte auch eine Verpflichtung des Einzelhandels stehen, Kartenzahlungen anzubieten. Eine paneuropäische Payment-Lösung soll es hingegen erst bis 2023 geben. „Finanz-Szene hat vor dem Hintergrund eine Liste erstellt, welche Banken hierzulande schon jetzt Instant Payments bieten – eine Recherche mit überraschendem Ergebnis. finanz-szene.de, faz.net

Affirm sammelt eine halbe Milliarde US-Dollar: Sogar noch mehr als Chime, nämlich 500 Millionen US-Dollar, sammelte das „Buy now, pay later”-Unternehmen Affirm. Damit wächst allein die Summe des eingesammelten Kapitals auf 1,3 Milliarden. Erst vor zwei Monaten schloss Afirm einen Exklusivvertrag mit Shopify. Durch die Einführung neuer Produkte, wie einem aktuellen in Kooperation mit Shopify, will das Fintech so allgegenwärtig werden wie Kreditkarten in den USA. finextra.com

Stripe und Salesforce arbeiten zusammen: Gerade erst wurde der US-amerikanische Online-Bezahldienst Stripe im Forrester-Wave-Report für seine strategische Ausrichtung ausgezeichnet. Der ebenfalls aus San Francisco stammende Anbieter von Lösungen für Cloud-Computing möchte durch die Zusammenarbeit seine Conversions-Rate erhöhen. braunschweiger-zeitung.de

Chime ist 14,5 Milliarden wert: 485 Millionen US- Dollar sollen alleine in der aktuellen Finanzierungsrunde hinzugekommen sein. Dadurch soll das US-amerikanische Digital-Banking-Unternehmen im Wert nun fast zum fünfzehnfachen Einhorn geworden sein. Dem Artikel nach seien die Folgen der Corona-Pandemie ein Grund, weshalb Chime sich seit Dezember fast verdoppelt habe. finextra.com

460 Millionen Dollar für Robinhood: Die Nachricht reiht sich nahtlos ein in die internationalen Mega-Deals dieser Woche. Auch für Robinhood gibt es eine Finanzierung, die im Verhältnis soweit nicht entfernt ist von der halbe Milliarde. Am Beispiel von Robinhood und Chime analysiert “Techcrunch” daher auch, wie die beiden Player es geschafft haben, im letzten Jahr über zwei Milliarde US-Dollar eingesammelt zu haben. finextra.com, techcrunch.com

30 Milliarden sind nicht genug: Zumindest nicht, wenn man in den Dimensionen des Alibaba-Ablegers Ant denkt. Für den geplanten Börsengang wurde das Ziel erhöht. Nun soll der IPO ganze 35 Milliarden US-Dollar einspielen. Die angestrebte Unternehmensbewertung läge damit dann den Angaben nach bei 250 Milliarden Dollar. cash.ch

Versicherer wollen Kooperation mit Insurtechs Bigtechs: Das geht aus dem aktuellen World Insurtech Report hervor. Aufgrund der aktuellen Krise sei daher bei den meisten die Notwendigkeit erkannt worden, sich technisch entsprechend aufzustellen. Die Schlussfolgerungen gewinnt der Report aus den Antworten von 175 Führungskräften aus 26 Versicherungsmärkten auf der ganzen Welt. Die Corona-Krise sei dabei aber nur ein Argument, die drohende Konkurrenz der Tech-Riesen schwebe dabei auch über den Verantwortlichen, weshalb Kooperationen zunehmend ins Auge gefasst würden. dasinvestment.com

Google kickt Paytm kurzfristig aus Playstore: Die in Indien besonders beliebte Zahlungs-App hat laut Google gegen Glücksspiel-Richtlinien verstoßen und wurde daher kurzzeitig aus dem Programm genommen. Paytm ist in Indien auch Konkurrent für Google Pay. finextra.com

Quanto sammelt 15 Millionen US-Dollar: Die Open-Banking-Plattform aus Brasilien. Das 2016 gegründete Fintech will nach eigenen Angaben, das Bankensystem „auseinanderbrechen”, um es innovativ und wettbewerbsfähig neu zu errichten. crowdfundinsider.com


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– Treffpunkte –

Business Treff FTL & Vienna Business Agency: Talks, Diskussionen und Networking. So überschreiben die Fintech Ladies ihre kommende Veranstaltung, bei der aktive weibliche Führungskräfte der Finanzindustrie, wie man ein Start-up auch in herausfordernden Zeiten erfolgreich führen kann. Die Teilnahme ist auch online möglich. Der Finletter ist Medienpartner. 30. September, Wien.

Digital Week: Das Schweizer Portal „Cash“ bietet in seiner Digital Week elf Webinare, die sich mit der richtigen Digital-Strategie für Makler und Mittler befassen. Die Übersicht der einzelnen Webinare liefert der Link. 28. September bis 02.Oktober, online

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Ein Jahr PSD2: Die Redaktion von „Payment and Banking“ hat sich mit gemischten Gefühlen zum ersten Jahr mit der neuen Richtlinie geäußert. Dabei kommen verschiedene Teammitglieder mit unterschiedlichen Meinungen zu Wort. Im Fazit steht neben einigem an Schatten aber eben auch Licht. paymentandbanking.com

Untergang der Neobanken: Ob es diesen Untergang geben wird, ist selbstverständlich sehr fraglich. „Finanz-Szene“ hat aber mal analysiert, was dran ist an solchen Verlautbarungen. Dabei kommt das Portal freilich nicht zu einem allgemeingültigen Ergebnis, es fasst aber Meldungen aus der jüngeren Vergangenheit zusammen, die ein Schlaglicht auf die Szene setzen. finanz-szene.de

McKinseys Bank der Zukunft: Vielleicht könnten sich Neobanken auch bei den Beratern von McKinsey noch den ein oder anderen Tipp holen. Immerhin hat man dort nun ein Modell der Bank der Zukunft entworfen. Dabei nennen die Berater acht konkrete Tools, die Künstliche Intelligenz sowohl im Front-, als auch im Backend nutzen. Der Artikel dämpft aber auch gleich, wenn er festhält, dass die Visionen des Unternehmens für sich betrachtet nicht neu sind und außerdem sehr komplex in der Umsetzung. finews.ch

Transformation der Finanzbranche: Digitale Entwicklung im Banking schließt nicht klassische Tugenden aus, findet der Autor dieses Artikels. Bei aller Treue zu solchen Werten sei eine Anpassung der Finanzindustrie aber unabdingbar, um von aktuellen Entwicklungen nicht überrollt zu werden. it-finanzmagazin.de

Was Investoren vom nächsten Fintech erwarten: Die Frage treibt wohl jeden Gründer um, der noch an Feinheiten für seine Geschäftsidee schraubt. „Finextra“ möchte in diesem Artikel herausstellen, dass sich die Interessen von Investoren wohl gerade verlagern. Ein Ende der Fintech-Investments wird nicht gesehen, im Gegenteil. Dennoch sollten sich Gründer dieser Szene demnach auf vermehrte Stresstests gefasst machen. finextra.com

Wie eine Volksbank mit Plattformgeschäft ihre Zukunft sichert: Um neue Ertragsquellen zu erschließen, arbeitet die Volksbank Dortmund Nordwest beim Aufbau des Plattformgeschäfts mit Fintechs zusammen. Ihr Vorstand Armin Schwarze schildert im Bank Blog die Beweggründe und stellt ein aktuelles Projekt vor. der-bank-blog.de [gesponserter Beitrag]

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Beitrag über den Germany Fintech Report 2020. gomedici.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Drogenfreies Sparkassenlob: Wenn einem Artikel zum Status quo bei den Sparkassen vorangestellt wird, dass er ohne Erpressung und Einfluss von Alkohol zu Stande gekommen ist, dann scheint die Botschaft des Artikels eine Überraschung parat zu haben. Möglicherweise könnte man diese Botschaft mit dem Spruch “Totgesagte leben länger” übersetzen. So sei es um die Sparkassen gar nicht so schlecht bestellt, wie viele vielleicht meinen mögen. paymentandbanking.com

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