finletter 286 – Durchstarter 2021, Banxware, Stripe

Der Blick nach vorne

Das Ende eines jeden Jahres ist auch immer die Zeit, in der Medienmacherinnen und -Marken auf das vergangene Jahr zurückblicken. Doch in diesem Jahr beherrscht das Coronavirus die Berichterstattung – hatte es doch das Leben der gesamten Menschheit plötzlich komplett verändert. Im Bereich der Fintechs war es der Fall Wirecard, der die Welt auf den Kopf stellte. Ein Fall so unglaublich, dass ihn sich keine Romanautorin hätte ausdenken können – man hätte es als zu absurd erachtet.

Noch immer gibt es beinahe täglich neue Nachrichten: Die zuständigen Beamten werden vor dem Untersuchungsausschuss befragt, wie sie die Betrug übersehen konnten – wenn denn schon die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young nichts erkannten. Eine Beteiligung der bislang als unschuldig geltenden Wirecard-Bank kann einem internen Revisionsbericht zufolge nun auch nicht mehr ausgeschlossen werden. Und die bizarre Welt des vom Interpol gesuchten Ex-Managers Jan Marsalek reicht wohl von zwielichtigen Verbindungen inklusive der obligatorischen Hintermänner in Russland, bis hin zu gemeinsamen Projekten mit Rüstungskonzernen, Firmen in Bürgerkriegsländern und weit hinein in die Porno-und Geldspielbranche.

Doch weil all das ein eigenes Buch benötigen würde, blicken wir lieber nach vorne und schauen, was die deutsche Fintech-Szene im kommenden Jahr an hoffentlich positiven Überraschungen zu bieten hat. Die Kollegen von financefwd haben sich angeschaut, welche Gründerinnen in den Startlöchern stehen und sind dabei auf erste spannende Hinweise gestoßen wie das neue Jahr 2021 in der Fintech-Szene aussehen könnte.

tagesschau.de, spiegel.de, stern.de, financefwd.com


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– Fintech-News Deutschland –

Banxware gewinnt ersten Bankenpartner und bekommt 100 Millionen Euro: Statt Wirecard heißt der erste Bankenpartner des Fintechs nun Vereinigte Volksbank und Raiffeisenbank. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss regionaler Banken aus Franken und Südhessen. Der stellt dem Unternehmen von Miriam Wohlfarth und Jens Röhrborn künftig 100 Millionen Euro für Kredite zur Verfügung. Banxware will durch White-Label-Lösungen Online-Plattformen und Marktplätzen anbieten, Kreditanträge schnell abzuwickeln. financefwd.com

Swiss Re beteiligt sich in neuer Finanzierungsrunde an Getsafe: In einer Series-B-Finanzierung hat das Heidelberger Insurtech 30 Millionen US-Dollar eingesammelt. Neben bestehenden Investoren wie Earlybird und CommerzVentures war die Swiss Re dabei der Leasinvestor. Mit dem Geld will das Unternehmen seine Marktposition weiter stärken und in weitere europäische Länder expandieren. businessinsider.de, horizont.net

Penta bietet als erste Challenger-Bank KfW-Schnellkredit an: Dabei fungiert die Neobank als ein Provider zwischen der südhessischen Vereinigten Volksbank und Raiffeisenbank und der KfW. Zunächst können Kundinnen von Penta aber lediglich die sogenannten Schnellkredite beantragen. Dabei handelt es sich um Corona-Förderkredite für Anschaffungen und laufende Kosten von Unternehmen, bei denen die Risikoprüfung durch die Bank entfällt und die KfW das volle Risiko übernimmt. finanz-szene.de, t3n.de

Vanguard baut deutschen Robo-Adviser auf: Einer der wichtigsten globalen Finanzmarkt-Player will noch im kommenden Jahr die digitalisierte Geldanlage auf dem deutschen Markt anbieten. Für den Aufbau hierzulande hat sich Vanguard mit Andreas Bittner, dem Mitbegründer der Solarisbank und der DAB Bank und Jesper Wahrendorf, dem ehemaligen Chef von Ratepay zwei erfahrene Fintech-Manager geholt. In Deutschland ist das Fintech Scalable Capital bislang Marktführer bei den Robo-Advisern. financefwd.com, handelsblatt.com

Apple Pay nennt erstmals Zahl der Nutzenden: Wie die Apple-Pay-Chefin in einem Interview sagte, hätten die Sparkassen in Deutschland im Dezember mehr als 1,5 Millionen Nutzende. Erst im August hatte die Sparkasse als erste deutsche Bank die Girocard in den Bezahldienst von Apple integriert. Seitdem sollen sich die Benutzerzahlen verdreifacht haben, heißt es. welt.de, heise.de

 

– Fintech-News International –

Stripe steigt ins Banking-as-a-Service-Business ein: Mit Treasury erweitert die Payment-Plattform in den USA ihr Geschäftsmodell. Für die Banking-as-a-Service-Lösung kooperiert das Fintech mit den Banken Goldman Sachs, Citibank und Barclays. Außerdem erweitert Stripe seine Produktpalette um „Shopify Balance“, ein Geschäftskonto für Shopbetreiberinnen der E-Commerce-Plattform. techcrunch.com, businessinsider.com

Fintech aus London will gegen Facebook klagen – wegen Kryptowährung: Erst kürzlich wurde bekannt, dass Facebook mit seiner digitalen Währung Libra einen Neustart plant, allerdings unter dem Namen Diem. Nun will ein Londoner Fintech, das unter ebendiesem Namen im Oktober eine App an den Start gebracht hatte, gegen den Konzern klagen. Das Startup wolle seinen Markennamen schützen und sei besorgt, dass die Aktivitäten von Facebook Kundinnen verwirren könnten und so das Wachstum des Unternehmens beeinflusst werden könnte, heiß es. businessinsider.de, btc-echo.de

Postfinance schaltet Samsung Pay frei: Kundinnen, die bei der Postfinance in der Schweiz eine Kreditkarte haben, können die nun auch mit Samsung Pay nutzen. Wer mit Apple Pay oder anderen Diensten zahlen will, muss sich weiterhin gedulden. Zumindest kündigte die Schweizer Tochter der Postbank an, dass 2021 der Bezahldienst Apple Pay freigeschaltet werden soll. watson.ch

Visa und Mastercard prüfen Geschäftsbeziehungen zu Pornhub: Wie die New York Times berichtet, sollen auf dem Portal unter anderem auch Videos, auf denen Kinder oder Vergewaltigungen zu sehen sind, zu finden sein. Sowohl Visa als auch Mastercard überprüfen deshalb ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmen MindGeek. Die Firma betreibt unter anderem YouPorn und Pornhub und weist bislang die Anschuldigungen zurück. Sollten sich die Vorwürfe betätigen, so wolle man sofort reagieren, so beide Kreditkartenunternehmen. nytimes.com

Capital One macht mit Buy-Now-Pay-Later-Dienst Schluss: Die 62 Millionen Kunden der US-Bank können ihre Kreditkarten nicht mehr für derartige Einkäufe nutzen. Capital One begründet diese Entscheidung damit, dass bei Transaktionen dieser Art das finanzielle Risiko zu hoch sei. Damit ist die Bank das erste große Finanzunternehmen, dass gegen das stetig wachsende BNPL-Segment wehrt. Startups wie Afterpay oder Klarna verzeichnen dort ein stetiges Wachstum. reuters.com, businessinsider.com

 

– Neu auf finletter.de –


Gastbeitrag zur Blockchain: Gastautorin Stefanie Herrnberger erklärt, wie Unternehmen Fehler bei der Blockchain Strategie vermeiden können. finletter.de

 

– Treffpunkte –

Fintech Europe Expo 2021: Expertinnen und Experten wie Miriam Wohlfarth oder Alexander Weber werden in Panels und Vorträen den aktuellen Stand der Fintechs und die Zukunft der Branche diskutieren. 27-28. Januar, online

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Wir versuchen, den Kalender in Corona-Zeiten regelmäßig zu updaten, um nicht versehentlich auf eine abgesagte Veranstaltung hinzuweisen. Schicken Sie uns gerne eine E-Mail, falls Sie einen Hinweis haben.

 

– Wochenendlektüre –

Warum Neobanken nicht ohne Web-App auskommen: In diesem Text analysiert der Autor, warum die Kunden von N26 oder Revolut ihre Finanzen nicht komplett über eine Smartphone-App organisieren. financefwd.com

So steht es um die deutschen Top-Fintech-Standorte: Diese Studie zeigt, warum an den vier führenden Fintech-Standorten hierzulande 2020 deutlich weniger Wagniskapital geflossen ist als zuvor. main-incubator.com

Briten stehen Neobanken skeptisch gegenüber: Obwohl sie in den vergangen Jahren Millionen Kundinnen gewonnen haben, haben die Neobanken immer noch mit einem Mangel an Vertrauen unter den Menschen in Großbritannien zu kämpfen. Woran das liegt. sifted.eu

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Text über das Scheitern von Joonko.

 

– Das Beste zum Schluss –

Der Fall Wirecard – Von Sehern, Blendern und Verblendeten: Die Dokumentation zeigt den Skandal aus der Sicht der Shortseller und stellt die Frage, warum Behörden, Wirtschaftsprüfer und Politik das Unternehmen über Jahre gewähren ließen. In der ARD-Mediathek ist der Film noch bis zum 7.12.2021 zu sehen. tagesschau.de

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