finletter 292 – Wirecard gegen die Medien, Banxware sahnt ab, Holvi-Rückkauf

So aggressiv ging Wirecard gegen Medien vor

Er wurde bedroht, bespitzelt und verleumdet – am Ende deckte er trotzdem alles auf. Um Dan McCrum, Journalist der Financial Times in London, mundtot zu machen, habe Wirecard jahrelang Millionen für Detektive und Kanzleien ausgegeben, wie der NDR nun berichtet. Demnach habe sich der Reporter, der ab 2015 über Unstimmigkeiten in Bilanzen des Finanzdienstleisters berichtete, immens verfolgt gefühlt. So sehr, dass er irgendwann nur noch in einer fensterlosen Kammer in seiner Redaktion geschrieben haben soll.

Die Recherchen legen außerdem die Vermutung nahe, dass eine Detektei im Auftrag von Wirecard Tonaufnahmen erstellt haben soll, um Dan McCrum Manipulationen und Absprachen vorwerfen zu können. Diese Aufnahmen brachten ihn und eine Kollegin schließlich ins Visier der BaFin und führten zu internen Ermittlungen seitens der Financial Times. Die entscheidenden Artikel, die den Skandal schließlich ans Tageslicht beförderten, konnte der Journalist so erst drei Monate später veröffentlichen.

Indes berichtet der Stern, dass die PR-und Lobby-Agentur WMP Eurocom zumindest bis Ende 2019 die Arbeit von Medienschaffenden beobachtet und Wirecard mindestens indirekt beim aggressiven Vorgehen gegen kritische Journalistinnen und Journalisten unterstützt haben soll. Das gehe aus internen Mails hervor, die dem Blatt vorlägen. Demnach habe die Agentur auch eine Kommunikationsstrategie angeboten, um Wirecard „unverwundbar“ zu machen – ihr Name: „Drachenblut“.

ndr.de, stern.de


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– Fintech-News Deutschland –

Banxware sammelt millionenstarke Seed-Finanzierung ein: Insgesamt vier Millionen Euro hat das junge Start-up von der bekannten Gründerin Miriam Wohlfarth in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Neben VR-Ventures führte der britische Wagniskapitalgeber Force over Mass die Runde an. Außerdem investierten der Hightech-Gründerfonds und private Investorinnen und Investoren. Mit dem Geld möchte Banxware sein Team ausbauen und weitere Banking-Produkte anbieten. Bislang vergibt das Start-up Kredite an Marktplatzhändler. techcrunch.com, siliconcanals.com

Scalapay startet in Deutschland: Unterstützt von der Raisin-Bank geht Scalapay mit seinem „Buy-now-pay-later“-Produkt nun hierzulande an den Start. In Italien und Frankreich hat der Payment-Anbieter seinen Service bereits bei mehreren Händlern platziert. Für die Kundinnen und Kunden soll die Kaufabwicklung in drei Raten und ohne Zinsen, Gebühren und Schufa-Bonitätsprüfung erfolgen. faz.net, onlinehaendler-news.de

Lufthansa stellt Payment-App ein: Die Multibanking-App Finance Plus der Lufthansa-Tochter Miles & More wird nach nur eineinhalb Jahren eingestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, werde der Service nach dem 1. März 2021 nicht mehr weitergeführt, weil sich die Rahmenbedingungen verändert hätten. Nutzende von Miles & More konnten in der App ihre Kreditkarten und Bankverbindungen hinterlegen – das Unternehmen wollte so mit Banken konkurrieren. finanz-szene.de, dertreasurer.de

Visa launcht zusammen mit deutschem Fintech eine Edel-Firmen-Kreditkarte: Visa Infinite heißt das Produkt, das der Kreditkarten-Riese zusammen mit Pliant zuerst auf den Markt hierzulande bringen will. Das Produkt richtet sich an KMU und bietet unter anderem ein digitales Kreditkartenmanagement und die Integration von Buchhaltungsservices an. Pliant bietet dafür keine eigenen Girokonten an, sondern fungiert lediglich als Vergeber der Kreditkarten. handelsblatt.com, finextra.com

 

– Fintech-News International –

Gründer kauft Holvi von BBVA zurück: Mitgründer Tuomas Toivonen hat sich über seine Investmentfirma sämtliche Anteile am finnischen Fintech von der spanischen Großbank zurückgekauft. Durch den Rückkauf ist Toivonen nun der alleinige Eigentümer von Holvi, außerdem übernimmt er die Geschäftsführung der Business-Bank. Die BBVA hatte das Fintech im Jahr 2016 erworben. financefwd.com, finanz-szene.de

Robinhood braucht Geld: Der Broker hat sich im Zuge des Gamestop-Hypes mit rund 3,4 Milliarde US-Dollar an frischem Kapital von bestehenden Investoren und kreditgebenden Banken eingedeckt. Dennoch sollen Robinhood noch Mittel in Höhe von einer Milliarde US-Dollar fehlen. Dieser Kapitalbedarf war entstanden, weil der Broker mehr Geld bei seiner Clearingstelle DTCC hatte hinterlegen müssen, um die Order abzusichern. Wenn die Kurse volatil sind, verlangen die Clearingstellen entsprechend mehr Geld. nytimes.com, reuters.com

Ant wird wohl zur Finanzholding: Die Fintech-Tochter von Alibaba gibt offenbar dem Druck von chinesischen Behörden nach und soll sein Unternehmen umwandeln, wie Bloomberg unter Berufung auf einen Insider berichtet. Dadurch würden die Regulatoren im Land mehr Kontrolle über das Fintech bekommen. Erst im Herbst war der milliardenschwere Börsengang von Ant geplatzt. bloomberg.com, manager-magazin.de

Monkee erhält sechsstelliges Investment: Das österreichische Fintech hat in einer Investment-Runde Geld vom Luxemburger Fonds des European Super Angels Club und von Bestandsinvestoren eingesammelt. Monkee ist eine Kombination aus Spar- und Cashback-App und will den Nutzenden dabei helfen, die individuelle Sparziele zu erreichen und arbeitet dafür beispielsweise mit Nudges, also in der App integrierten digitalen Anreizen. computerwelt.at, tirol.wirtschaftszeit.at

– Treffpunkte –

Pitch & Pinot – Get a taste of investment: Hier werden Remote-Pitches vor zehn Investoren mit einer Weinverkostung kombiniert. Bewerben können sich Start-ups aus dem Bereich Fintech oder Blockchain. 25. Februar, 18.30 Uhr, online

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Wie Trading-Apps durch den Gamestop-Effekt einen Rekordmonat erleben: Eine Zahlenübersicht zeigt, wie aufgeheizt der Markt ist. financefwd.com

Fintechs mit neuen Ideen: Paymentandbanking stellt in einer neuen Reihe deutsche Start-ups vor, die mit innovativen Geschäftsmodellen überraschen – dieses Mal sind etwa Financery oder Fina dabei.paymentanbanking.com

Drei Fintech-Trends für 2021: Die Autorin erklärt unter anderem, warum Vermögensverwaltung nun auch für die GenZ sexy ist und wirft einen Blick auf weitere Hypes der Branche. fintechfutures.com

Trade Republic und die Causa Gamestop: Wie der Broker seine Kundinnen und Kunden gleich zweimal verärgerte und warum sich die Generation Z nun von Trade Republic entfremden könnte. aboutfintech.de

Verliert Deutschland den Anschluss bei den Fintech-Deals? Im vergangenen Jahr befanden sich nur zwei deutsche Start-ups unter den Top-20-Deals, wie eine neue Auswertung zeigt. Was der Fintech-Markt hierzulande noch hergibt. financefwd.com

Zukunft der Bankbranche – Kunden und Tech rücken in den Mittelpunkt: In der Corona-Krise sortieren Banken und Sparkassen ihre Prioritäten neu: Ein klarer Kundenfokus und die Digitalisierung haben die höchste Relevanz für die Zukunft der Institute. Die Branche muss nun die richtigen Schlüsse ziehen, meint Sven-Olaf Leitz, Vorstand bei KPMG. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Text über die Wünsche von Bankkunden und Bankkundinnen.

 

– Das Beste zum Schluss –

Millennials sind in der digitalen Finanzwelt anspruchslos: Eine europäische Umfrage kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Generation Y nur wenig Interesse an Neobanken hat und Mobile Banking auch sehr klassisch nutzt. finews.ch

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