Teen-Banking ist „in“

Die Generationen Z (1997 – 2012) und Alpha (2010 – 2025) umfassen in Deutschland rund 20 Mio. Menschen. Beide Generationen sind in hohem Maße digital-affin, mit dem Smartphone als ständigem Begleiter. Doch mehr als ein kostenloses Girokonto ist hierzulande nicht drin. Deutsche Finanzinstitute lassen diesen großen, zukunftsgerichteten Markt weitgehend links liegen. Innovative digitale Angebote sucht man vergebens.
International hingegen sehen viele Fintechs und Neobanken – und deren Investoren – in dem Segment großes Potential. Dort sind in letzter Zeit eine ganze Reihe von Anbietern mit vielen sehr speziellen digitalen Angeboten für junge Kunden an den Markt gegangen.
Aber auch etablierte Institute versuchen weltweit mit Jugendlichen ins Geschäft zu kommen. ING, NatWest, Caixa, Société Générale, HSBC und JP Morgan Chase haben in den letzten Monaten entsprechende Lösungen auf den Markt gebracht – teils alleine, teils in Kooperation mit Fintechs.

Vielversprechende Geschäftsmodelle

Die meisten Wettbewerber verfolgen ähnliche Strategie: Sie wollen das erste Bankkonto von mobile-first-sozialisierten Jugendlichen akquirieren und Vertrauen durch gute Customer Experience aufbauen, um eines Tages attraktive digitale Bankkunden mit hohem Ergebnispotential zu haben.
Statt kostenlosem Ausbildungskonto setzen sie auf ein Abo-Modell (Mitgliedschaft) und generieren von Beginn an Erträge. Die monatlichen Gebühren für Apps oder zugehörige Karten liegen zwischen 2 und 10 US-Dollar. Eltern zahlen zusätzlich für Funktionen wie sofortige Geldtransfers und Bildungsinhalte.
Richtig „geerntet“ wird, wenn der erste Job ansteht, der erste Kredit aufgenommen wird oder Geld zur Anlage vorhanden ist. Wenn man es schafft, das richtige Wertversprechen rüberzubringen, besteht zudem die Chance, die Eltern, Großeltern und den Rest der Familie als Kunden zu gewinnen.

Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring auf finletter.de

Mobile App plus Debitkarte für das Taschengeldmanagement

Basis ist meist eine Debitkarte in Kombination mit einer speziellen App. Die Kinder und Jugendlichen können so auf ihrem Smartphone Taschengeld verwalten, Sparziele setzen und sich bei Geldeingängen per Push-Nachricht informieren lassen. Zudem können „Cash-Anforderungen“ an die Eltern versendet werden.
Durch eine „Elternfunktion“ wird sichergestellt, dass die Kids nicht zu viel ausgeben können, und die Erziehungsberechtigten die volle Kontrolle über die Ausgabenkategorien wie Geschäfte, Restaurants oder Websites haben.

Ein Markt mit Zukunft

Beim Banking für die Jugend geht es nicht nur um das Konto sondern auch darum, ein Modell für die Erwachsenen der nächsten Generation zu schaffen, das Vertrauen und Werte in Bezug auf Geld und Anlagegewohnheiten aufbaut.
Moderne Finanzlösungen für Kinder und Jugendliche betonen Mobilität, elterliche Aufsicht, bargeldlose Transaktionen, Sparanreize und spontane Bildung in Bezug auf Finanzkompetenz.
Fintechs und Neobanken weisen den etablierten Banken einmal mehr den Weg. Banken und Sparkassen müssen ihre Kinder- und Jugend-Banking-Konzepte von gestern schnellstens neu adjustieren, sonst laufen sie Gefahr, zwei wichtige Generationen zu verlieren.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Bank Blog im Beitrag „Neobanken auf der Jagd nach Kindern und Jugendlichen“.

Mehr zum Thema Teen-Banking und Generation Z finden Sie außerdem in der aktuellen GOLDILOCKS-Ausgabe.


Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern und berichtet als Herausgeber des Bank Blogs (https://www.der-bank-blog.de) über aktuelle und grundsätzliche Entwicklungen der Finanzbranche. Er ist außerdem gefragter Redner und Moderator im In- und Ausland.

 

 

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