finletter 299 – CBDC braucht Zeit, neuer Bafin-Boss, Robinhood plant IPO

CBDC in der Warteschleife

Digitales Zentralbankgeld, wegen seiner englischen Übersetzung auch CBDC, steht seit einiger Zeit auf der Agenda der großen Zentralbanken. Im Euro-Raum und in den USA bekamen die CBDC-Hoffnungen der Fürsprecher aber nun einen Dämpfer- zumindest zeitlich. Es könne noch fünf Jahre dauern, bis der digitale Euro eingeführt werden könne, sagte etwa EZB-Direktor Fabio Panetta nun auf einer Konferenz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Ob man die hierfür notwendigen Vorbereitungen überhaupt treffe, entscheide sich etwa zur Jahresmitte. Der „Bank-Blog“ zitiert eine Studie, nach der eine Einführung eher 2030 zu erwarten sein könne. Damit steht die EZB unter den westlichen Zentralbanken mit ihrer CBDC-Politik nicht allein. Auch US-Notenbankchef Jerome Powell machte in dieser Woche deutlich, dass er es nicht eilig habe mit der Einführung eines elektronischen Dollars. Es gäbe keinerlei Notwendigkeit, in dieser Sache die erste Zentralbank zu sein.

Dieser Zug wäre freilich ohnehin bereits abgefahren. Dabei fällt der „Sand Dollar“ der Bahamas sicher weniger ins Gewicht als der digitale Yuan, den China bereits in mehreren Metropolen aktiv testet. Aber auch die Privatwirtschaft könnte hier Treiber werden, zwar nicht für CBDC, aber dennoch für Kryptowährungen – in verschiedenen Ansätzen könnte man hier Facebooks Diem ebenso nennen wie den Bitcoin. Den CBDC-Verantwortlichen macht solche Konkurrenz angeblich aber keinen Druck, wie Powell betont. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann stellte in dieser Woche klar, dass man von der Privatwirtschaft lernen könne, sich aber nicht von ihr treiben lassen müsse. Immerhin werde der Bitcoin als Zahlungsmittel kaum genutzt.

Dass es bis zur möglichen Einführung von CBDC auf den großen Märkten hier und in den USA noch einige Jahre dauern würde, liegt allerdings nicht nur an trägen Systemen. Powell und Weidmann malten beide Risiken an die Wand, die CBDC mit sich bringen. So könne eine Einführung in Finanzkrisen die Flucht von Bankkunden aus Einlagen bei Geschäftsbanken beschleunigen. Da der US-Dollar die internationale Leitwährung sei, müsse man bei CBDC nicht nur das Potential sehen, sondern auch die Konsequenzen auf die Weltwirtschaft bedenken.

handelsblatt.com, cash.ch, paymentandbanking.com, der-bank-blog.de, faz.net


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– Fintech-News Deutschland –

Neuer Bafin-Chef: Nachdem die Finanzdienstleistungsaufsicht vor allem im Wirecard-Skandal nicht nur positive Schlagzeilen generierte, traf diese unerwartete News auf breites Wohlwollen. Nachfolger des zuvor angezählten Bafin-Chefs wird das vormalige Finma-Gegenstück, der Schweizer Mark Branson. Von ihm werden nach dem endgültigen Wechsel zur Jahresmitte neue Impulse erwartet – so wird ihm beispielsweise von „btc-echo“ eine recht krypto-freundliche Politik zugeschrieben. Dass Branson aber auch seinen Kontrollauftrag ernst nimmt, wird deutlich im Artikel der „Wirtschaftswoche“. Demnach gilt der Noch-Chef der Finma in der Schweiz als „hart, kompetent und kompromisslos.“ finanz-szene.de, wiwo.de, btc-echo.de, procontra-online.de,

Ex-Joonko-Chefin übernimmt Daimler-Insurtech: Carolin Gabor wird Geschäftsführerin bei Movinx, einem Insurtech von Daimler und der Swiss Re. Das Start-up wurde erst vor einem knappen halben Jahr gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, den Abschluss digitaler Versicherung gleich in den Fahrzeugkauf zu integrieren. financefwd.com

Bafin warnt vor Kryptos: Die Finanzdienstleistungsaufsicht richtet wiederholt den Fokus auf Gefahren von Krypto-Anlagen. Dabei schließt sie sich einer aktuellen Warnung der europäischen Aufsichtsbehörden vorbehaltlos an. Dabei sehen sowohl die europäischen Aufsichtsbehörden als auch die Bafin im aktuellen Hype rund um Krypto-Werte die besondere Gefahr, dass Privatanleger das Risiko eines Totalverlustes ausblenden könnten. bafin.de

Freetrade kommt nach Deutschland: Nun will auch der britische Neobroker ein Stück vom Hype-Kuchen hierzulande abhaben. In einer Finanzierungsrunde erhielt Freetrade knapp 70 Millionen Dollar. Das Geld soll unter anderem auch in den Deutschland-Start investiert werden. Um das Ziel zu erreichen, dehlt den Briten allerdings noch eine europäische Lizenz, diese ist in Schweden aber bereits beantragt. financefwd.com

25 Millionen für Kontist: Der neuerliche Geldsegen stammt von zwei bereits aktiven Kontist-Investoren. Das Kapital soll dazu beitragen, dass Kontist seinen Geschäftskunden in erster Linie die Steuererklärung erleichtern kann. Das ist nicht nur ein positives Signal für das Unternehmen, sondern für die gesamte Branche. In dem Artikel wird ein Experte zitiert, laut welchem inmitten der Corona-Krise eines der besten Quartale für Fintechs anstehen könnte.  Handelsblatt.com

Insurtech-DACH-Mappe: Laut Initiatoren handelt es sich bei diesem neuen Projekt um die erste interaktive Insurtech-Karte für den gesamten deutschsprachigen Raum. 140 Unternehmen sind insgesamt umfasst. Ziel der Karte ist es, die Branche besser zu vernetzten und die Sichtbarkeit der einzelnen Bestandteile zu erhöhen. Investoren und interessierte Partner soll so auch das Knüpfen von Geschäftskontakten erleichtert werden.

Bundesgerichtshof gestattet „Paypal“-Gebühr: Bei Onlinezahlungen, die via Paypal oder anderen vergleichbaren Anbietern getätigt werden, könnten künftig weitere Gebühren auf den Endkunden zukommen. In einem von der Wettbewerbszenntrale initiierten Musterverfahren stellte der BGH nun klar, dass Händler die Gebühren, die sie etwa an Paypal entrichten, an die Kunden weitergeben dürfen. Paypal hatte versucht, dies in den AGB auszuschließen. faz.net

 

– Fintech-News International –

Robin Hood vor Börsengang: Zuletzt machte der Neobroker häufig mit negativen Schlagzeilen von sich reden. Nun will Robinhood selbst für gute Stimmung sorgen und den IPO wagen. Nachdem das Unternehmen einen Antrag für eine Erstnotiz bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht eingereicht hat, gehen Beobachter davon aus, dass ein Börsengang noch vor Juli durchgezogen werden könnte. faz.net

Revolut will alles aus einer Hand anbieten: Bislang war die britische N26-Konkurrenz in den USA auf einen Partner, die Metropolitian Commercial Bank, angewiesen. Diesen will sie nun überflüssig machen und beantragte dazu eine US-Bankenlizenz. Der Vormarsch in den USA geht einher mit einem Rückschritt auf dem kanadischen Markt. finews.ch, fintechfutures.com

US-Börsenaufsicht prüft Spacs: Der aktuelle Spac-Boom hat gerade erst Deutschland erreicht, in den USA sind Spacs allerdings schon deutlich relevanter. Grund genug für die Börsenaufsicht SEC, das Modell genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Untersuchung ist informell und eine Mitwirkung freiwillig. Dennoch könnte der Schritt ein Zeichen dafür sein, dass der Kontrolldruck auf Spacs in den USA nun steigen wird. manager-magazin.de

Meniga erhält zehn Millionen Euro: Das Londoner Fintech will das neue Kapital nutzen, um in Forschung und Entwicklung zu investieren, vorallem in Bezug auf grüne Produkte. Meniga bietet führenden Branchenvertretern seine Digital-Banken-Technologie zur Nutzung an. techcrunch.com


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– Neu auf finletter.de –

Gastbeitrag von Dr. Hansjörg Leichsenring auf finletter.de
Teen-Banking ist „in“: Beim Banking für die Jugend geht es nicht nur um das Konto sondern auch darum, ein Modell für die Erwachsenen der nächsten Generation zu schaffen, das Vertrauen und Werte in Bezug auf Geld und Anlagegewohnheiten aufbaut. Moderne Finanzlösungen für Kinder und Jugendliche betonen Mobilität, elterliche Aufsicht, bargeldlose Transaktionen, Sparanreize und spontane Bildung in Bezug auf Finanzkompetenz. finletter.de

 

– Treffpunkte –

The Future of Fintech: Nachdem die dreitägige Konferenz im letzten Jahr sehr gut angenommen wurde, wird sie in diesem Jahr als Onlineformat wieder 1.500 Führungspersönlichkeiten aus dem gesamten Spektrum der Finanzbranche zusammenbringen. 16. – 18. November, online.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Phygital als Bankenzukunft: Nicht immer ist die pure Digitalisierung der Königsweg – auch der persönliche Kundenkontakt kann Gold wert sein. Das  versuchen einzelne klassische Kreditinstitute bereits zaghaft, in ihren Strategien mitzudenken. Eine Verschmelzung beider Welten läuft hier unter der Bezeichnung Phygital und der Autor ist sicher, dass dieser Trend die Bankenwelt auf den Kopf stellen wird.  der-bank-blog.de

Finleap-Gründer im Interview: Wieder zum Hören ist dieses Interview von „Finance Forward“ mit dem Berliner Fintech-Experten und Finleap-Mitgründer Jan Beckers. Dabei spricht er über lukrative Exits und die Zukunftsaussichten einzelner Finleap-Start-ups. financefwd.com

Die großen Pläne von Lemon Markets: Wie bei einem Reiseführer ist fraglich, ob ein Geheimtipp noch ein Geheimtipp ist, wenn man ihn als solchen der breiten Öffentlichkeit vorstellt. Glaubt man aber dem Insiderwissen des Autors, dürfte sich das mit der Heimlichkeit beim Trading-Start-up Lemon Markets recht bald erledigt haben. financefwd.com

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

… war der Beitrag über drei Fehler, die Fintechs beim Kundensupport machen.  finextra.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Wirecard-Dealer: Eigentlich schien alles gesagt über Wirecard und den Skandal, den das einstige Dax-Vorzeige-Unternehmen der deutschen Finanzwelt beschert hat. Irgendwann wurden die Nachrichten zum Thema teils kleinteilig, teils boulevardesk. Doch immer wenn man meinen könnte, dass das Thema nun zu Genüge Stoff für den in Planung befindlichen Film zum Skandal geliefert hat, setzt jemand noch einen oben drauf. Nun kam raus, dass Wirecard sich an illegalen Drogengeschäften bereicherte. Direkt beteiligt gewesen sei dabei kein Geringerer als der flüchtige Ex-Boss Marsalek.  finews.ch