finletter 309 – Pride-Month, Klarna, Wirecard

Fintechs und der Pride-Month

Im Pride-Month sollen die Belange der LGBTQI*-Community besondere Aufmerksamkeit bekommen. Juni deshalb, weil sich bei den „Stonewall Protesten“ vom 28. Juni bis 3. Juli 1969 vor allem homo- und transsexuelle Menschen Polizeigewalt widersetzt hatten. Anlass war eine Razzia in der New Yorker Schwulenbar „Stonewall“ in der Christopher Street. Die Proteste sind ein Wendepunkt in der LGBTQI*-Bewegung und die Geburtsstunde des „Christopher Street Days“, der hierzulande seither am 28. Juni gefeiert wird.

Der Pride-Month ist omnipräsent und das nicht nur in Läden und Online-Shops, sondern auch bei Fintechs. Revolut launcht beispielsweise eine limitierte Regenbogenkarte und startet den #PayWithPride, N26 taucht das Social-Media-Logo in Regenbogenfarben und wirbt mit dem Slogan „Don’t hide your Pride“.

Die Grenze zwischen geschicktem Marketing und nachhaltigen Engagement ist auch bei Fintechs fließend. So spendet Revolut einen Euro des Erlöses der Regenbogenkarte an einen Verein, der sich für die Rechte der LGBTQI*-Community einsetzt. Hinzu kommt, dass derartige Aktionen die Sichtbarkeit der Menschen erhöhen.

Einigen Unternehmen wird in diesem Zusammenhang auch Pinkwashing vorgeworfen. Dabei handelt es sich um eine Verkaufsstrategie, die durch ein vermeintliches Identifizieren mit der LGBTQI*-Community auf steigenden Profit aus ist. Transparenzhinweise auf Unternehmensseiten wie etwas im Falle von Revolut, zeigen Verbraucherinnen und Kundinnen oft schnell, ob eine Aktion tatsächlich ein politisches Statement ist. Wird hingegen nur eine Regenbogenflagge im Profilbild gezeigt, liegt eine reine PR-Strategie nahe.

Hinzu kommt: Einzelmaßnahmen sind im Jahr 2021 längst nicht mehr ausreichend. Queere Menschen müssen mehr als einmal im Jahr sichtbar sein, ihnen muss das gesamte Jahr zugehört werden, sie müssen ganzjährig unterstützt werden. Solidarität mit der LGBTQI*-Community darf nicht beim vermarktbaren Trend enden – schon gar nicht in so zukunftsgerichteten Unternehmen wie Fintechs.

swr.de, blog.revolut.com, twitter.com, fintechfutures.com, horizont.at


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– Fintech-News Deutschland –

22 Millionen Euro für Finleap Connect: Das Berliner B2B-Fintech erhält das Geld in einer Finanzierungsrunde von SBI Investments und Vuillermoz Capital. Die Bewertung des Open-Banking-Start-Ups soll damit bei mehr als 100 Millionen Euro liegen. Mit dem Kapital plane Finleap Connect ins Ausland zu expandieren und nicht näher bezeichnete Services anbieten. finanz-szene.de, paymentandbanking.com

Billie und ETL-Gruppe kooperieren bei der Vorfinanzierung von Rechnungen: Durch die Zusammenarbeit können Mandantinnen der Steuerberatungsgesellschaft ihre Rechnungen gegenüber Geschäftskunden vorfinanzieren. Das Fintech erwirbt dabei die Forderungen und übernimmt Mahnungen sowie den Kontakt zum Debitor. presseportal.de

Solarisbank migriert Kundinnen auf eigenes Kernbankensystem: 2017 begann die Banking-as-a-Service-Plattform mit der Entwicklung des Systems, nun konnte die Migration abgeschlossen werden. Nun sollen Kernprozesse wie etwa Kontoeröffnungen oder SEPA-Überweisungen wesentlich schneller und kosteneffizienter möglich sein. finextra.com, lifepr.de

Yokoy kommt nach Deutschland: Das Schweizer Fintech eröffnet ein Büro in München und will von dort aus den Markt hierzulande erreichen. Das Start-up hat eine Software für das Ausgaben- und Spesenmanagement von Unternehmen, zu den Kunden gehört beispielsweise der Logistikdienstleister DPD. finews.com, financefwd.com
 

– Fintech-News International –

Banking-as-a-Service-Anbieter Unit sammelt 51 Millionen US-Dollar ein: Mit dem Series-B-Funding will das US-Fintech sein Ziel vorantreiben und Bankprodukte „in Minutenschnelle“ erstellen. Mit Unit können Unternehmen Finanzprodukte direkt in die eigene Software integrieren, Kunden sind u.a. Lance, Moves oder Tribevest. techcrunch.com

Neobank Novo sammelt rund 41 Millionen US-Dollar ein: Im Rahmen einer Series-A-Finanzierung, angeführt von Valar Ventures, hat das US-amerikanische Fintech das Geld eingesammelt. Mit dem Geld soll eigenen Angaben zufolge die Plattform ausgbaut werden. Via Novo können KMUs Rechnungen generieren, Zahlungen abgleichen und sich mit anderen Diensten wie Stripe oder Shopify verbinden. techcrunch.com, finextra.com

Robinhood könnte schon im Juli an die Börse gehen: Bloomberg berichtet von einem möglichen IPO am 4. Juli, also dem Unabhängigkeitstag und bezieht sich dabei auf gut unterrichtete Kreise. Demnach soll der Neobroker kein reines Listing anstreben, sondern auch Kleinanlegerinnen die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. bloomberg.com

Immer wieder Klarna: Das neue Feature „Comparison Shopping Service“ (CSS) ist in 21 Märkten, darunter auch in Deutschland, verfügbar. Händler sollen damit ihre Werbeausgaben im Rahmen von Product-Listing-Ads bei Google optimieren können. So sollen die Kosten sinken. Klarna sorgt immer wieder für Schlagzeilen, in der vergangenen Woche beispielsweise mit einem Funding vom 640 Millionen US-Dollar (rund 536 Mio. Euro). finextra.com, paymentandbanking.com

Neues französisches Einhorn: Das Start-up Ledger sammelt in einer Series-C-Runde 380 Millionen US-Dollar (rund 318 Mio. Euro) ein und erreicht mit einer Bewertung von 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,26 Mrd. Euro) den Status des Unicorns. Eigenen Angaben zufolge laufen 15 Prozent aller Krypto-Assets inzwischen über den Krypto-Spezialisten. btc-echo.de, finextra.com


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– Neu auf finletter.de –

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– Treffpunkte –

Fintech 2021: The Future of Embedded Finance?: Bei der diesjährigen Ausgabe des Fintech Forums wird diskutiert, welche Geschäftsmodelle und Strategien für Finanzdienstleisterinnen zukunftsfähig sind. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Embedded Finance. 6. Juli, Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon, Schweiz

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Ein Jahr Wirecard: Heute jährt sich der Wirecard-Bilanzskandal zum ersten Mal. Hier können Sie nachlesen, wie unsere Redaktion damals berichtete. Außerdem hat das Handelsblatt die letzten Stunden vor dem Untergang des Unternehmens rekonstruiert. handelsblatt.com

Newcomer vor dem Durchbruch: Die nigerianische Neobank Kuda ist noch recht frisch auf dem Markt, gehört aber schon jetzt zu den neuen globalen Fintech-Aufsteigern – auch Peter Thiel ist investiert. finacefwd.com

Rekord-Investitionen: Noch nie wurde in Europa so viel in Fintechs investiert wie in der ersten Jahreshälfte 2021 – das hat mehrere Ursachen. sifted.eu

Wind of change: Der Autor analysiert die Rolle von Fintechs und Bigtechs beim Banking der Zukunft. der-bank-blog.de

Siegeszug: Ein Riesen-Funding jagt das nächste, das Geschäft boomt – zehn Gründe für den immensen Erfolg von Klarna. financefwd.com

Kein Comeback fürs Office: Einer Umfrage des Cloud-Lösungsanbieters Okta zufolge würden 85 Prozent der Angestellten in der Finanzbranche eine Gesetzesänderung begrüßen, die einen Zwang zur Anwesenheit im Büro verbieten würde. Für die Unternehmen sind dynamische Arbeitslösungen jedoch mit hohen Kosten verbunden. it-finanzmagazin.de

Finanzheldin: Im Podcast spricht Manuela Rabener, Mitgründerin von Scalable Capital über Design, Filme und die Verbindung dieser Leidenschaften zur Finanzbranche. paymentandanking.com

 

– Meist gelesen im vergangenen finletter –

… war der Text über die Streichung von Giro-und Kreditkarte bei der DKB.

 

– Das Beste zum Schluss –

Die Blockchain ist rund: Zuschaunden der Fußball-EM mag AntChain schon als Sponsor aufgefallen sein. Die Blockchain-Abteilung der AntGroup ist nicht nur der erste globale Blockchain-Partner der Uefa, sondern wird auch die Trophäe an den diesjährigen Torschützenkönig verleihen. de.uefa.com

1 Kommentare

  1. Gott, Wirecard ist schon wieder ein Jahr her! Bin ich der einzige, dem es so vorkommt, als wäre seitdem genau 0 geschehen? Bisher hat doch noch kein Geschädigter Geld bekommen und die Strafprozesse sind noch nicht mal terminiert. Und beim U-Ausschuss ist außer den zu erwartenden gegenseitigen Schuldzuweisungen (als Futter für den Wahlkampf) auch nix greifbares rausgekommen.

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