finletter 311 – Neobanken und die Nischen, Nuri und das Funding, Africrypt und das Verschwinden

Die Nische ernst nehmen

Vertikal Banking mausert sich zum absoluten Schlagwort des Jahres in der Fintech-Branche. So gab es auf der „Banking Exchange“ kürzlich ein eigenes Panel zum Thema und Branchenmedien können ohne Texte dazu kaum auskommen. Dabei ist die Spezialisierung, die gerade in der Fintech-Branche passiert, ein natürlicher digitaler Prozess. Etwas philosophischer könnte man sagen: Wer in die Zukunft der Neobanken blicken möchte, der muss in die Vergangenheit der sozialen Netzwerke schauen.

Denn dort gibt es die hochgradig personalisierten Erlebnisse und die Spezialisierung schon einige Zeit – Millennials und GenZ lassen sich anders auch gar nicht mehr erreichen. Gab es einst hauptsächlich Facebook, nutzen wir längst Whatsapp oder ähnliche Dienste für Nachrichten, Instagram für Storys und Tiktok oder Youtube für Videos. Auf Facebook sind inzwischen Eltern- und häufig sogar Großeltern unterwegs – es handelt sich um Produkte für völlig andere Zielgruppen mit anderen Ansprüchen und Bedürfnissen.

Auch wenn der Vergleich etwas hinken mag, so lässt er sich im Kern auf Neobanken übertragen. Wer im Jahr 2021 junge Menschen für seine Neobank begeistern will, der darf nicht mehr nur N26, Revolut oder Monzo sein. Eine App zu haben, reicht nicht aus, um den Bedürfnissen der digital-affinen Zielgruppe gerecht zu werden. Wer GenZ und Millennials wirklich ernst nimmt, für den ist Vertikalisierung längst kein zu belächelndes Nischenthema mehr, sondern ein ernst zu nehmender Wachstumsmarkt mit vielen extrem spannenden Lücken.

fanz.net, paymentandbanking.com, finextra.com, finnews.ch, altfi.com



– Fintech-News Deutschland –

Neue Schlagzeilen für Nuri: Das Berliner Fintech hat neun Millionen Euro frisches Kapital bekommen. Das Geld kommt von Bestandsinvestoren wie der VC-Fonds Coparion und neuen Geldgebern wie DIP Capital. Erst kürzlich hatte die Challenger Bank ihren Namen geändert – vorher hieß sie Bitwala – sowie ein frisches Design und eine andere Strategie vorgestellt. financefwd.de

Zweidrittelmehrheit: Die hat sich die Deutsche Börse nun am Schweizer Unternehmen gesichert und dafür laut Pressemitteilung einen „moderaten dreistelligen Schweizer-Franken-Betrag“ bezahlt. Das Fintech bietet Handel, Verwaltung und Verwahrung von Kryptowährungen und digitalen Vermögenswerten an. deutsche-boerse.com

Startschuss: Coindex nimmt sich ETFs zum Vorbild und startet mit einer indexbasierten und auf individuelle Sparpläne ausgerichteten Krypto-Anlageplattform. Partner des Bielefelder Fintechs ist die Hamburger Sutor Bank. sutorbank.de, fiancefwd.com

Shoppingtour: Das Münchner Ident-Start-up Idnow wächst durch den Kauf des französischen Wettbewerbers Ariadnext in Europa weiter. Für den Anbieter von Video-Identifizierung vor allem in Bereich Banken ist das die dritte Übernahme in diesem Jahr. techcrunch.com, financefwd.com

Zukunftsbank?: Um die digitale Transformation voranzutreiben, schafft die Hypo Vereinsbank ein neues Kompetenzzentrum. Der erste Head of Digital Banking im Commercial Banking ist Michael Laubusch, der zuvor als Head of Online & Mobile Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet hat. lifepr.de

 

– Fintech-News International –

Hack oder Scam?: Mit der Causa Africrypt hat die Finanzbranche einen neuen Skandal. Den Gründern der Plattform, den Brüdern Ameer und Raees Cajee wird vorgeworfen, die Anlegerinnen um 69.000 Bitcoin im Wert von etwa drei Milliarden Euro geprellt zu haben. In einem BBC-Interview inszenieren sich die beiden selbst als Opfer eines Hackerangriffs. bbc.com, manager-magazin.de

20 Millionen US-Dollar: Also rund 16,87 Millionen Euro bekommt das indische Start-Up Slice in einer Finanzierungsrunde von zwei Bestandsinvestoren. Das Fintech, dass sich auf Millenials und die GenZ konzentriert gibt an, jeden Monat 25 Prozent mehr Nutzerinnen zu gewinnen. inc42.com

Heimlich, still und leise: Beinahe unbemerkt steigt der schwedische Investor Creandum beim amerikanischen Funding- und Hype-Start-up Pipe ein. Nun stehen alle Zeichen auf Europa-Expansion. financefwd.com

Eine Sache von Stunden: Innerhalb kürzester Zeit hat das Züricher Fintech sein Ziel von 1,5 Millionen Schweizer Franken via Crowdfunding erreicht. Nach einer Zielerhöhung wurden schließlich fünf Millionen Franken (rund 4,56 Millionen Euro) gesammelt. moneytoday.ch

Einstieg: JPMorgan steigt für eine unbekannte Summe mit 40 Prozent bei der brasilianischen Digitalbank C6 ein. Eigenen Angaben zufolge hat die sieben Millionen Kundinnen und wurde zuletzt mit zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,69 Milliarden Euro) bewertet. altfi.com

 

– Treffpunkte –

„Finsurtech Fantasy“: Bei der Veranstaltung wird es vor allem um die Zukunft der Finanzdienstleistungsindustrie gehen. Schwerpunkte sind dabei die Bereiche Digitale Identität und Nachhaltigkeit. 14. Juli 21, Nürnberg

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

„Die Finanzbranche hasst Jugendliche“: Ausgehend von dieser These blickt der Autor auf den längst entbrannten Kampf von Fintechs und Neobanken um die weltweit größte Bevölkerungsgruppe, die GenZ. fintechfutures.com

Reifeprüfung: Die Unternehmensberatung Finnoconsult hat untersucht, wie weit die Digitalisierung in deuschen Banken ist – und ein Ranking der Top Ten erstellt. der-bank-blog.de

Kalküle und Fallstricke: Die beiden Autoren untersuchen Gründe und mögliche Probleme bei der Fusion von Deposit Solutions und Raisin. finanz-szene.de

Wie das IoT die Entstehung neuer Finanzprodukte ermöglich: Das Internet der Dinge spielt in den Zukunftsüberlegungen der meisten Finanzdienstleister heute noch keine besondere Rolle. Dabei bietet es interessante Möglichkeiten, nicht nur für Optimierungen, sondern für neue Finanzprodukte und Differenzierung. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Meist gelesen im vergangenen finletter –

… war der Text über den Wettbewerb zwischen Retail- und Neobanken.

 

– Das Beste zum Schluss –

Auf einen Blick: Im russischen St. Petersburg testen Visa und die VTB Bank an speziellen Terminals in Feinkostläden die Freigabe von Zahlungen via Gesichtserkennung. fintechf.com

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