finletter 319 – N26 unter Druck, Coinbase-Kooperation, Krypto-Robinhood

N26 reagiert auf Bafin-Schelte

Seit Erscheinen des letzten finletters war viel zu lesen von der Wirecard. Nicht, weil die Aufregung um den eigentlichen Hauptakteur der Woche, nämlich N26, dem größten Finanzskandal der jüngeren Finanzgeschichte ähneln würde. Vielmehr sehen einige Beobachter das konsequente Vorgehen der Finanz- Dienstleistungsaufsicht im Versagen der Behörde in der Causa Wirecard begründet. Ein solches Bild wolle man nun bei N26 nicht abgeben.

N26 beliebt bei Betrügern

Konkret geht es darum, dass eine große Zahl von N26-Konten von Betrügern eröffnet und missbraucht worden sein sollen. Dabei sei N26 nicht zufällig als beliebtes Vehikel krimineller Machenschaften herangezogen worden. Die Onboarding-Strukturen des Fintechs machen es Betrügern besonders leicht, etwa weil das in einigen Märkten mögliche und umstrittene Photo-Ident-Verfahren zur Identifizierung neuer Kunden genutzt würde.

Nun droht die Bafin N26 mit einer Beschränkung des Neukunden-Geschäftes. Nach Meinung von „Finanz-Szene“ ist das alleine kein Beinbruch. Immerhin würde diese Beschränkung zurückgenommen, sobald N26 die monierten Probleme in den Griff bekommt. Schwerer wiegen würde jedoch, dass sich die Smartphone-Bank derzeit in einer Finanzierungsrunde befände, in welcher sich eine aufsichtsrechtliche Einschränkung wohl kaum förderlich auswirken dürfte. Das „Handelsblatt“ schränkt in einem Podcast allerdings ein, dass eine negative Auswirkung auch davon abhänge, inwiefern das rasche Wachstum überhaupt zu den Haupt- Werbeargumenten von N26 für neuerliche Finanzierungen herangezogen würde. Im selben Zug erklärt das Blatt, wieso gerade N26 so anfällig ist für sogenannte Geisterkonten, die mitunter auf dem Schwarzmarkt im Dark Web beliebt sind.

Personelle Neuverpflichtung

N26 jedenfalls reagierte schnell und kündigte zumindest an, sein Führungsteam „mit der Ernennung von erfahrenen Governance-, Risiko-, Compliance- und Finanzexperten“ zu erweitern.
Nach Einschätzung von „Handelsblatt“-Experten hat man bei N26 schlicht unterschätzt, was für Probleme das rasche Wachstum im hoch regulierten Finanzumfeld mit sich bringen könnten. Auch die „FAZ” sieht zwar N26 selbst mehr als Opfer denn als Täter. Das Problem seien unter anderem unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Ländern – nichtsdestotrotz habe N26 Zeit genug gehabt, sich der Probleme anzunehmen und diese Zeit nicht genutzt.
So seien erste Warnungen vor solchen Sicherheitsproblemen bereits vor zweieinhalb Jahren laut geworden. Da die Bafin der Smartphone- Bank auch bereits einen Sonder-Aufseher ins Haus geschickt habe, bliebe laut „FAZ” nach der Beschränkung des Neukunden-Geschäftes nicht mehr viel an Sanktionspotential übrig, als das „Verbot weiterer Kundengelder, Geldbußen oder sogar eine vorläufige Schließung der Bank”.
Es liegt nun also mehr denn je an N26, solche Horrorszenarien zu verhindern. Daher sollte die Ankündigung von dieser Woche, nun einen Risikovorstand ins Leben zu rufen, zeitnah mit Leben gefüllt werden.

handelsblatt.com, finanz-szene.de, businessinsider.de, it-finanzmagazin.de, handelsblatt.com, faz.net, businessinsider.de


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– Fintech-News Deutschland –

Coinbase und Solarisbank: Die deutsche Tochter des US-Fintechs Coinbase nutzt künftig die Dienstleistungen der Solarisbank, um Neukunden identifizieren zu können. Coinbase geht damit einen weiteren Schritt, der Krypto-Konkurrenz hierzulande ernsthafte Konkurrenz zu machen. Eine entsprechende Lizenz der Bafin ist bereits vorhanden. financefwd.com

Lang & Schwarz mit massivem Einbruch: Nachdem das Geldhaus, dass als Handelspartner Neobroker wie Trade Republic unterstützt, seine Hauptversammlung abgesagt und eine Gewinnwarnung publizierte, brach der Kurs der Aktie deutlich ein. „Finanz-Szene“ meint, zwischen den Zeilen die Worte „Cum-Ex” heraus zu lesen und verweist auch auf Probleme mit dem Fiskus aus dem Jahr 2019. finanz-szene.de

Nuri startet Bitcoin-Sparplan: Nach eigenen Angaben bringt Nuri, das ehemalige Bitwala, das erste Bankkonto hierzulande, mittels dessen KundInnen regelmäßig in Bitcoin investieren können. Losgehen soll es laut der eigenen Werbung ab 30 Euro mit einer Handelsgebühr von einem Prozent. Etwas Wasser in den euphorischen Wein gießt derweil „Finanz-Szene”. In deren Artikel heißt es, dass Nuris Angebot nicht wirklich das erste Konto in Deutschland ist, dass den Bitcoin-Plan ermöglicht. paymentandbanking.com, finanz-szene.de

Paysafe vor Übernahme: Paysafe will das deutsche viafintech im Rahmen einer finanzierungsfreien Transaktion übernehmen. viafintech bietet eine Ein- und Auszahlungs-Infrastruktur am Point of Sale via Barcode an und ist auf diesem Spezialgebiet nach eigenen Angaben Marktführer unter den bankenunabhängigen Anbietern. it-finanzmagazin.de

DKB launcht neue App: Erste Tests zur neuen Applikation starteten bereits im Frühjahr, mittlerweile ist sie in den großen App-Stores zu finden. Der Autor des Artikels hält die Neufassung der App für überfällig, weist aber auch darauf hin, dass der Umbauprozess noch nicht abgeschlossen ist. mobiflip.de

Smartbroker mit Rückschritten:
Nach einem starken ersten Quartal, was die Gewinnung von Neukunden angeht, hat sich das Wachstum der Smartbroker-Kundschaft zuletzt extrem eingebremst. Laut dem Fintech ist das durchaus mit den Besonderheiten des ersten Quartals zu begründen. Am Jahresziel von 200.000 Kunden halte man weiter fest. Hierfür wäre allerdings ein deutlicher Wiederanstieg der Neukunden-Zahlen notwendig. finanz-szene.de

 

– Fintech-News International –

Krypto ist dominant bei Robinhood: Erstmals seit dem Sprung an die Börse, veröffentlichte Robinhood nun Zahlen, aus denen man lesen kann, wie wichtig das Krypto-Geschäft für den Neobroker ist. Etwa 41 Prozent der Einnahmen wurden durch Krypto-Handel erzielt, die meisten Transaktionen standen im Zusammenhang mit dem Dogecoin. Demnach sei der Krypto-Bereich um weit über 4000 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. btc-echo.de

Nubank strebt nach Wahnsinnsbewertung: Das berühmteste brasilianische Fintech will nach Reuters-Berichten Ende des Jahres oder Anfang 2022 an die Börse gehen und dabei mit 55 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Das mag überambitioniert klingen, aber immerhin: mittlerweile nutzen dem Bericht nach etwa 40 Millionen Kunden die Nubank-Dienstleistungen. Noch im Sommer lag die Bewertung des Fintechs bei ebenfalls fantastischen 30 Milliarden Dollar. finextra.com

Taxfix-Fründer geht: Nach einem halben Jahrzehnt verlässt Mathis Büchi sein Fintech und macht Platz für Martin Ott, einen neuen Chef mit Vorgeschichte bei Facebook und diversen Start-ups. businessinsider.de

Londoner Proptech sammelt 85 Millionen: Das britische Proptech Plentific hat mit Immobilienfirmen eine recht spitze Zielgruppe. Das Modell, diesen mittels Software die Verwaltung der Immobilien zu vereinfachen, stößt dabei derzeit besonders auf Interesse aus Abu Dabhi. Unter anderem von dort kam die aktuelle Finanzierung, mit deren Hilfe das Unternehmen nun weiter wachsen will. Auf den deutschen Markt hat Plentific es bereits letztes Jahr geschafft. businessinsider.de

Geldsehen für nigerianisches Fintech: 400 Millionen US-Dollar. Soviel Kapital hat OPay nun eingesammelt. OPay gehört als Start-up zu einer der großen nigerianischen Mobil-Finanz-Dienstleister. Zuletzt zog es das Fintech in den Bereich nördlich der Sahara, eine Ausdehnung in den mittleren Osten ist ebenfalls geplant. finextra.com

Schweizer Proptech-Fusion: Seit vier Monaten haben zwei Proptechs aus Bern und Zürich an einer Zusammenlegung gearbeitet. Nun soll eine Fusion die Flatfox AG ins Leben rufen und dabei die Stärken der beiden vormaligen Konkurrenten auf dem Schweizer Wohnungsmarkt bündeln. fintechnews.ch


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Am 26. & 27.10. veranstaltet der Sparkassen Innovation Hub die Innovation Days 04 – #TemptingFuture. Die #ID04 kommen als Hybrid-Event mit Livestream-Programm. Jetzt mitmachen: Unter allen zugesendeten E-Mails mit dem Betreff „ID04“ verlosen wir 10 Streaming-Tickets!


– Treffpunkte –

Fintech Ladies Berlin: In der Event-Beschreibung wird der Weg und die Evolution des Fintechs Barzahlen umrissen: vom deutschen Bargeld-Liebhaber zur europäischen Transaktionsplattform. In der zweistündigen Veranstaltung auf der Dachterasse wollen die Veranstalter aufzeigen, wie ein solcher Wandel vollzogen werden kann und was es hierzu braucht. finletter ist Partner. 9. September, Berlin

Mobile Financial Super Apps – What’s Your Strategy and What are You Waiting For? Der Veranstaltung liegt die These zugrunde, dass Covid 19 lediglich ein Wachstumsbeschleuniger für den weltweiten Trend unter Bankkunden war, alles über mobile Apps zu regeln. Das Webinar will Lösungen bieten, wie Anbieter im Rennen um die beste App die Nase vorn haben können. 16. September, online

Fintech Germany Award: Die Awards gehören zu den prominentesten Gradmesser der hiesigen Fintech-Szene. Nachdem der 2016 eingeführte Preis zunächst vor allem den Finanzstandort Frankfurt repräsentierte, soll nun die nationale Bedeutung mit einem Tapetenwechsel unterstrichen werden. 29. September, Stuttgart

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Soundmoney: Im Podcast-Format „5-Minute-Friday” wird es diesmal musikalisch – zumindest auf den ersten Blick. Beantwortet werden soll die Hörerfrage, worum es sich bei Sound Money handelt. Obwohl die Antwort im Grunde Jahrhunderte zurückreicht, ist sie demnach nicht eindeutig. paymentandbanking.com

Banking Trends: Dass es sich bei den Bereichen Digitalisierung, Open Banking und Daten um aktuelle Themen der Finanzbranche handelt, dürfte wenig überraschen und begründet daher auch nicht den News-Wert dieses Artikels. Dafür unterfüttert der „Bank-Blog” die Buzzwords wieder mit aktuellen Medienberichten zum Status Quo. Die Reichweite geht dabei von Datenethik bis zur Frage der Banken-Relevanz in naher Zukunft. der-bank-blog.de

Neo-Insurer: Während derzeit vor allem Neo-Broker in aller Munde sind, widmet sich dieser Artikel mit dem neuen Aufkommen digitaler Versicherer und Assekuradeure. Demnach werden die neuen Player nicht nur auf Grund der innovativen Art relevanter, sondern auch als Partner für das klassische Makler-Geschäft. Der Beitrag von „Pro Contra” wirbt aktiv für diese Art der Kooperation und stellt drei Beispiele heraus, anhand derer gezeigt werden soll, wo die Vorteile der Partnerschaften liegen können procontra-online.de

Kryptowährungen sicher aufbewahren: „Not your keys – not our coin“. Mit dieser Krypto-Weisheit im Hinterkopf, erklärt der Artikel, wie AnlergerInnen Kryptowerte sicher aufbewahren können – ohne mit der Sorge leben zu müssen, dass der Anbieter gehackt wird und alles verloren ist. handelsblatt.com

Bargeld-Verdrängung: Eine aktuelle Erhebung der Unternehmensberatung PwC stellt erneut heraus, dass sich bargeldlose Verfahren zunehmend etablieren werden. Die Pandemie habe diesen ohnehin laufenden Prozess um einige Jahre beschleunigt. Besonders gelte das für den asiatischen Raum, in dem PwC in den nächsten drei Jahren eine Verdopplung der bargeldlosen Transaktionen prognostiziert, für Afrika spricht die Erhebung im gleichen Zeitraum von rund 80 Prozent Zuwachs. Auch in Europa sei der Trend zu sehen – wenngleich Bargeld-Nationen wie Deutschland die Entwicklungszahlen nach unten drückten. der-bank-blog.de, cash.ch

Vontobel FinTech Index: Finanzinnovationen für eine gerechtere Investmentwelt. Das Partizipationszertifikat auf den Vontobel Fintech Index, Ihr Zugang zur Demokratisierung von Finanzdienstleistungen. Mehr Informationen auf zertifikate.vontobel.com. [gesponsert]

 

– Meist gelesen im vergangenen finletter –

… war der Beitrag über das rasante Wachstum von Bitpanda. Financefwd.com

 

– Das Beste zum Schluss –

Pornografie-Verbot könnte die Krypto-Branche beflügeln: Die Plattform „Only Fans” bietet seinen 130 Millionen Nutzern weltweit Paid-Content-Zugänge, etwa zu Live-Streams prominenter Persönlichkeiten. Bekannt wurde die Plattform aber in erster Linie durch das Angebot erotischer bis pornografischer Inhalte. Damit soll ab dem 1. Oktober Schluss sein. Das verkündeten nun die Betreiber und verweisen auf strengere Vorgaben der hinter der Plattform stehenden Zahlungsanbieter. Was die einen als moralisch richtig begrüßen, kritisieren andere als die Unterdrückung sicherer Arbeit, etwa für Sex-Arbeiterinnen – und ein Ausspielen der Macht durch Zahlungsdienstleister. „Techcrunch” sieht einen möglichen Umgang mit der Situation in der Implementierung neuer Angebote, die nicht über klassische Bezahlmodelle, sondern über Krypto-Technik arbeiten. So wäre eine dritte Entscheidungsinstanz beseitigt, dies könne eine einmalige Chance sein für den Krypto-Sektor. techcrunch.com

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