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finletter 345 – Ukraine und die Fintechs, Klarna reagiert, M-Pesa zelebriert

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Und jetzt Sie:

Fintechs im Krieg

Der russische Angriffskrieg in der zuvor friedlichen Ukraine stellt derzeit, verständlicherweise, alles andere in den Schatten. War Corona über zwei Jahre das dominante Thema, verkommt die Pandemie zwischenzeitlich zur Randnotiz. Zu erdrückend die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine. Auch wenn Finanz-News hier natürlich hintenanstehen, zeigte der letzte finletter bereits, wie viele Verstrickungen es zwischen dem Krieg in der Ukraine und der Finanz-Branche gibt. Im heutigen Editorial wollen wir den Gedanken fortführen und nicht nur auf Verflechtungen hinweisen, sondern auch auf Fintechs und Finanz-Technologien, die eine entscheidende Rolle für die Zukunft der Ukraine spielen könnten.

Master, Visa und Amex ziehen sich aus Russland zurück

Was bei anderen Unternehmen womöglich vor allem Symbolpolitik wäre, die verdeutlicht, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung vereint hinter der Ukraine steht, könnte in diesem Fall durchaus weitreichendere Folgen haben. Immerhin sollen bislang drei viertel aller Kreditkartenzahlungen auf Visa oder Mastercard entfallen, beide kehren Russland nun den Rücken, um auf ihre Art die Ukraine zu unterstützen.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Im russischen Inland sollen Kunden, der dortigen Notenbank zufolge, die Karten von Master und Visa bis zu ihrem jeweiligen Ablaufdatum weiter nutzen können. Russland setzt seine Hoffnungen nun auf Unionpay, das chinesische Kreditkartensystem. Und auf das landeseigene System Mir.
Neben dem Russland-Konflikt spielt hier ein weiterer geopolitischer Konflikt eine große Rolle: der Zwischen China und dem Westen. Und da sich Kreditkartensysteme durch Netzwerkeffekte zu quasi-natürlichen Monopolen entwickeln, ist dieser Rückzug aus Russland eben auch ein wichtiger Punkt im Systemwettstreit der Kreditkartenanbieter.

SWIFT-Bann

Das Ausschließen von Russlands Banken aus dem internationalen SWIFT-System galt zunächst als schärfstes Sanktions-Schwert des Westens. Die Umsetzung war dann für einige Beobachter halbherzig. Sieben russische Banken wurden ausgeschlossen, unter anderem nicht betroffen waren die große Sberbank und die Gazprombank. Schließlich ist Westeuropa, insbesondre Deutschland, vom Import fossiler Brennstoffe aus Russland abhängig – und muss die irgendwie bezahlen. Noch weigert sich die deutsche Regierung, gegen massiven Druck von außen und auch von der Bevölkerung, die Importe zu stoppen.

Russische Bürger und Unternehmen leiden bereits sehr unter der wirtschaftlichen Isolation. Können aber, auch mit SWIFT, kaum noch Gelder außer Landes bringen. Die russische Regierung hat es per Gesetz verboten. Viele internationale Banken müssen ihr Engagement in Russland nun komplett abschreiben. Die Engagements der Banken sind jedoch durchaus unterschiedlich intensiv.

Die Ländergesellschaften von internationalen Unternehmen, auch aus der Finanzwirtschaft, stecken nun in einer Zwickmühle. Erträge an die Muttergesellschaften können nur noch in Rubel abgeführt werden. Der wird nicht zunehmend abgewertet, somit wird auch die russische Wirtschaft gestärkt. Russland zu stärken ist in diesen Zeiten allerdings nicht gut für das Image  internationaler Banken. Ländergesellschaften bankrott gehenzulassen, scheint auch nicht möglich. Als „vorsätzlicher Bankrott“ steht das nach russischen Recht unter Strafe. Zudem wird nun Kriegspropaganda in den Wirtschaftskonflikt übernommen: die russische Regierung hat angeboten, die Anteile an Ländergesellschaften zu übernehmen. Ohne Wertausgleich.
Der Reputationsschaden für die russische Wirtschaft dürfte unermesslich sein.

Krypto-Währungen

Auch das Schlupfloch der Krypto-Umleitung wurde zumindest erkannt. Daher werden in den aktuellen Sanktionen „Vorschriften zu Kryptowährungen und zu Exportverboten für bestimmte Technologien“ ergänzt. Ohnehin, erklärt die  „Süddeutsche“, dass ein Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-System dieses mittel- bis langfristig nicht zwingend isolieren würde. So sei zumindest in der Theorie denkbar, dass Russland auf Krypto-Währungen setze. In einem anderen Szenario jedoch könnte es sich auch an den chinesischen e-Yuan, der anlässlich der olympischen Spiele eingeführt wurde, durchsetzen. Immer wieder also scheint vom Verhalten Chinas einiges abzuhängen – mit ungewissem Ausgang. Zwar vermeidet China, Russland für die Zerstörung in der Ukraine zu kritisieren, mit dem sogenannten Westen will man es sich in Peking aber erst recht nicht verscherzen.

Krypto-Währungen spielen aber nicht nur beim Aggressor eine Rolle, auch für die Ukraine gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. So kaufte sich die Armee der Ukraine dem Artikel nach Nachtsichtgeräte mit Krypto-Geld, weil dies „einfacher, unkomplizierter, transparenter und schneller“ gehe als im SWIFT-System. Denkbar wäre nun also, der Ukraine den Zugang zu Krypto-Währungen leichter zu gestalten als Russland. Das allerdings ändert wohl nicht viel an der Tatsache, dass russische Oligarchen ihre Rubel recht unbehelligt in Krypto-Währungen tauschen können und so womöglich von den härtesten Auswirkungen der Sanktionen verschont bleiben könnten. Damit die Ukraine hier Russland gegenüber im Vorteil ist, sperrte die Krypto-Börse Coinbase gleich 25.000 russische Adressen, die nach eigenen Ermittlungen im Zusammenhang mit unerlaubten Tätigkeiten stünden. Weil aber russische Bürger Krypto ebenfalls als  „Rettungsleine” nutzen würden, wäre eine Komplettsperrung russischer Konten ohne Zwang nach Auffassung einiger Börsensprecher nicht machbar. Wie wirksam Maßnahmen hier also mittelfristig sein können, hängt auch vom politischen Willen ab, Krypto-Börsen zu Maßnahmen zu zwingen.

Noch also ist nicht auszumachen, wie die verschiedenen Vorgehensweisen zur Unterstützung der kriegsgebeutelten Ukraine verfangen. Sicher scheint aber, dass Fintechs potentiell eine Game-Changer-Position innehaben können. Unabhängig davon mehren sich aber auch die Nachrichten über Fintechs, die ihr Position nutzen wollen, um auf das Leid in der Ukraine aufmerksam zu machen und den Menschen vor Ort zu helfen. Der Zusammenhang zwischen dem Krieg in der Ukraine und dem Bereich Finance auf jeden Fall wurde erkannt. Jeder fünfte Deutsche verfolge etwa die Börsenkurse wegen der Situation in der Ukraine. Während sich britische Fintechs zusammenschließen, um Spendengelder aufzubringen, organisieren deutsche Fintechs beispielsweise Wohnraum für flüchtende Menschen aus der Ukraine.


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– Fintech-News Deutschland –

Estateguru und Raisin: Künftig bietet die Raisin Bank in ihrer Funktion als Fronting-Bank die Kredit-Infrastruktur für die Investoren der Plattform für alternative Immobilien-Finanzierungen. Das estnische Estateguru bezeichnet Deutschland als seinen Schlüsselmarkt der langfristigen Expansionsstrategie. asscompact.de

Zusätzliche Eigenmittelanforderung bei Solarisbank: Das hat nun die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin entschieden. Die strenge Vorgehensweise resultiert nach Lesart des „Handelsblatt“ noch aus der Feststellung erheblicher Mängel im vorletzten Jahr. Die Bafin selbst spricht in ihrer Mitteilung von zahlreichen organisatorischen Mängeln, die eine nicht ordnungsgemäße Geschäftsorganisation belegen. handelsblatt.com

Xemus sammelt 70 Millionen Dollar: Das Insurtech aus München hat seine Finanzierung damit auf 125 Mio. Dollar mehr als verdoppelt. Eine Bewertung war aus der Preemitteilung jedoch nicht abzuleiten. Aus dieser zitiert „Payment & Banking“, dass über die Plattform bereits jetzt 18.000 Vermittlerinnen und Vermittler mit 60.000 Betrieben verknüpft sind. paymentandbanking.com

Hamburger Fintech und Bremer Sparkasse: Hamburg und Bremen, Sparkasse und Fintech. Beides sind Paare, die einander auf den ersten Blick nicht nur mit Liebe verbunden sind. Das aktuelle Projekt der sparkasse Bremen und des Fintechs Etvas soll nun aber für das perfekte Doppel-Date sorgen. Demnach soll das Fintech das Portfolio der Sparkasse im Online-Bereich erweitern. it-finanzmagazin.de

Fincraft veröffentlicht Whitepaper: 2.500 Befragungen sind Grundlage für das von Fincraft veröffentlichte Papier, welches die Motivation verschiedener Anlegertypen hinterfragt. Dabei kam etwa heraus, dass drei von vier Befragten sich selbst in Sachen Anlageberatung am meisten trauen. Nur jeder zehnte verlässt sich demnach auf professionelle Experten. Das junge Fintech aus Bad Homburg will die Grundlage für das Selbstvertrauen liefern und mit seinem Angebot das Börsengeschehen erklären und einordnen. Whitepaper

Französischer Digitalmakler in Deutschland: +simple ist ein französisches Insurtech, was nach Frankreich und Italien nun auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen will. Es adressiert dabei KMU, denen es bei der Geschwindigkeit und Nutzbarkeit von Versicherungslösungen helfen will. Für den Markteintritt hat das Insurtech 100 Prozent der Geschäftsanteile der Carl Rieck GmbH übernommen. cash-online.de

Shares kommt nach Deutschland: Mit Shares steht noch ein Deutschland-Launch eines französischen Finance-Start-Ups kurz bevor. Mit den Vorschusslorbeeren einer Finanzierung von Valar Ventures und Rocket Internet will Shares sich auch hierzulande auf Social-Trading konzentrieren. Dabei können Kunden sich in Gruppen über ihre Trades austauschen. Aktuell wächst das Fintech stark, für den deutschen Marktstart wird etwa noch ein begleitender Manager gesucht. financefwd.com

 

– Fintech-News International –

Klarna baut BNPL um: Der Hastag #Klarnaschulden war vor nicht allzulanger Zeit auch Thema im finletter. Damit bezeichneten Kritiker des schwedischen Fintechs, dass gerade junge Leute sich von Klarnas BNPL-Ansatz zur Überschuldung verleiten lassen könnten. Scheinbar hat Klarna hierauf nun reagiert. So hat das Fintech beispielsweise angekündigt, revolvierende Kredite abzuschaffen, die sehr hohe Zinsforderungen nach sich ziehen können. Auch die Frist bei Rchnungskäufen soll verlängert werden. Zudem wird es künftig die Option von drei zinslosen Ratenzahlungen geben. Besonders bemerkenswert scheint die neu auferlegte Transparenz, mit der offengelegt werden soll, wo Klarna was verdient und was sich wie auf die SCHUFA-Scores der Kunden auswirkt. faz.net

M-Pesa wird 15: Gerade in der anfangszeit war M-Pesa ein hierzulande viel zitiertes Beispiel für ostafrikanischen Aufschwung im Finace-Bereich. Tatsächlich änderte das Unternehmen das Leben für viele Menschen, etwa in Kenia, radikal. Benötigten mühsam körperlich überbrachte Banküberweisungen zuvor tweilwiese Wochen, bis sie beim Empfänger ankamen, konnten nun auch in den Kiosken der Slums in Nairobi mit dem Handy bezahlt werden, lange bevor dies in Deutschland als verbreitet bezeichnet werden konnte. In diesem Geburtstagsartikel nun geht es um das Erreichte. Mittlerweile verbindet M-Pesa demnach über 50 Millionen Kunden und 465.000 Geschäfte in sieben Ländern. finextra.com (englischsprachig)

Atlantic Money bläst zur Attacke: Das britische Fintech bietet eine App für Auslandsüberweisungen. Dabei will es namhafte Konkurrenz wie Paypal mit günstigeren Preisen ausstechen. Die Gründer entstammen der Robinhood-Blase. Auch ein Auftritt in Deutschland wird erwartet. financefwd.com

USA gegen Krypto-Verbot: Nicht nur Tweets von Elon Musk haben Einfluss auf den Kurs von digitalen Währungen. Nachdem das US-Finanzministerium angeblich versehentlich eine Erklärung zur geplanten Durchsetzungsverordnung für Kryptowährungen veröffentlichte, reagierten Insider mit Erleichterung, hatten einige doch ein Verbot für Krypto-Währungen befürchtet. Nun sollen Cyberdevisen stattdessen scheinbar in das US-Finanzsystem integriert werden. handelsblatt.com

Praller Topf für Kryptos: Ein zaghaftes Herantasten sieht anders aus. Der Finanzinvestor Bain Capital will gleich voll einsteigen in den Krypto-Markt und will hierzu über eine halbe Milliarde US-Dollar investieren. Der Fonds des US-Politikers Mitt Romney hat in den letzten vier Monaten bereits 100 Millionen US-Dollar in Krypto-Unternehmen investiert. Zwar hat Bain Capital bereits früher in Unternehmen wie BlockFi investiert, der neu aufgesetzte Topf ist aber eine andere Dimension der Beteiligung. btc-echo.de

 

– Treffpunkte –

insureNXT: Die Messe in Köln richtet sich ausdrücklich an traditionelle Makler und Versicherer, aber auch an Start-Ups. Dem Selbstverständnis nach ist sie die führende Plattform, wenn es um Innovationen in der Versicherungswirtschaft geht. 18. & 19. Mai, Köln

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Kommentar zum Tempo der C24-Bank: Der Artikel hätte auch in einer Serie mit dem Titel: “Was wurde eigentlich aus…” erscheinen können. Mit viel Aufmerksamkeit der Mitbewerber ging vor über einem Jahr Check24 den vielbeachteten Schritt, mit C24 eine eigene Retail-Bank zu eröffnen. Seither ist zumindest öffentlich nicht viel passiert, findet der Autor des Artikels. Allerdings sieht er auch Anzeichen dafür, dass sich das noch ändern wird. finanz-szene.de

Etherum erläutert: Nachrichten über Krypto-Währungen sind auch aus der allgemeinen Berichterstattung nicht mehr wegzudenken. Gerade dort ist es dann wichtig, die Leser auf dem jeweiligen technischen Kenntnisstand abzuholen. Daher lohnt hin und wieder ein Blick auf generell erklärende Artikel, wie diesen im „Manager-Magazin“. Darin erklärt der Autor die Basics des dezentralen Blockchain-Netzwerks und grenzt es vom Marktführer Bitcoin ab. manager-magazin.de

E-Geld-Agenten: Was klingt, wie der 007 der Finanzwelt, ist eine Person, die beim Vertrieb von Geld eingeschaltet wird, wenn dieses auf digitalen Medien elektronisch gespeichert wird, wie etwa bei Gift Cards. In diesem Podcast geht es um verschiedene Typen von E-Geld-Agenten und mögliche Nachteile dieser Agenten. paymentandbanking.com

 

– Meist gelesen im vergangenen finletter –

… war der Beitrag über fünf neue Fintechs. deutsche-startups.de

 

– Das Beste zum Schluss –

Fintechs brauchen Frauen: An dieser Stelle häufig angesprochen und immer noch erschreckend real. Die Frauenquote bei den progressiven Fintechs ist lächerlich gering. Nach einer aktuellen Studie liegt der Frauenanteil in den Gründungsteams bei mageren 4 Prozent. Erst wenn die Unternehmen sich langsam etablieren, verdreifacht sich die Quote. Klingt nur gut, bis man sich die dann entstehende Zahl 12 vergegenwärtigt. Jede achte Person im C-Level-Management der Fintechs ist weiblich. Hier hat die Branche an sich, aber auch Deutschland im Europavergleich, Nachholbedarf. Ein anderer Bericht im „btc-echo” unterstreicht das. Auf den Krypto-Bereich bezogen, würde eine höhere Frauenquote demnach auch auf Investorinnen-Seite zu einem stabileren Finanz-Ökosystem beitragen. paymentandbanking.com, btc-echo.de

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