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finletter 358 – der Celsius-Absturz, Amazon Pay, Kate Coin

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    Thomas Wunder ist freier Journalist mit Fokus auf Finanz- und Wirtschaftsthemen.

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Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Ist die Krypto-Party vorbei?

Entlassungen, Auszahlungsstopps, Kursverluste – die große Krypto-Party scheint vorerst vorbei zu sein. Coinbase will 18 Prozent seiner Belegschaft entlassen, BlockFi 20 Prozent. Auch bei Crypto.com und Gemini sind Entlassungen geplant. Zudem hat nach dem Terra-Absturz ein weiterer Stablecoin (der erst seit etwa einem Monat verfügbare USDD aus dem Tron-Ökosystem) seine Dollar-Bindung verloren. Bei den „Leitwährungen“ läuft es ebenfalls nicht rund: Bitcoin und Ether notieren inzwischen auf einem 18-Monatstief – und fallen weiter. Erste Unternehmen aus der Kryptosphäre kommen ins Straucheln: Die amerikanische Lending-Plattform Celsius, bei der Kryptowährungen gegen Zinsen angelegt werden können, reagiert mit einem Auszahlungsstopp auf die veränderte Marktlage. Auch Swaps, also Wechselgeschäfte zwischen Konten des Dienstes, sind eingefroren. Die Berliner Neobank Nuri ist davon direkt betroffen, sie übermittelt Coins, die in den „Bitcoin-Ertragskonten“ angelegt werden, an Celsius. Bei der Krypto-Börse Binance waren am Mittwoch für drei Stunden ebenfalls keine Bitcoin-Abhebungen mehr möglich.

Für den Krypto-Crash gibt es verschiedene Gründe: Externe Faktoren wie die Inflation und der Ukrainekrieg belasten die Gesamtwirtschaft. Auf den Anstieg der Konsumentenpreise reagieren Zentralbanken mit Zinsanhebungen, allen voran die Fed. Das bremst das globale Wirtschaftswachstum zusätzlich, hochspekulative Assets – wie Tech-Aktien, aber auch Kryptowährungen – werden dadurch weniger attraktiv. Geraten Anbieter wie Celsius unter Druck, verschärft sich die Situation weiter. Das Unternehmen selbst sprach in einem Blogeintrag davon, Kunden vor extremen Marktbedingungen schützen zu wollen. Vermutlich war man einfach nicht mehr in der Lage, Liquidierungswünsche zu bedienen. Um wieder Geld auszahlen zu können, muss Celsius jetzt selbst im großen Stil Kryptos abstoßen, der Marktpreis sinkt weiter.

Für die Krypto-Branche dürften die fetten Jahre damit erst mal vorbei sein. Start-ups, die in den letzten Jahren mit Finanzierungen überschüttet wurden, müssen profitable und zumindest einigermaßen krisensichere Geschäftsmodelle etablieren, um nicht von Geldgebern abhängig zu sein und schwächere Marktphasen aus eigener Kraft zu überstehen. Wer das nicht kann, wird pleite gehen, oder zum Übernahmekandidaten. Medienberichten zufolge arbeitet Nexo bereits an einem Übernahmeangebot für Celsius. Auch die Probleme bei Nuri beobachtet die Konkurrenz wahrscheinlich aufmerksam. Für Krypto-to-the-moon-Plattformen und Investoren, die auf der Jagd nach dem schnellen Euro waren, verheißen Bärenmarkt und Konsolidierung nichts Gutes.

Als Gewinner werden die Unternehmen hervorgehen, die Blockchain und Krypto sinnvoll in eine Gesamtstrategie eingebunden haben. Das Interesse der Investor:innen wird hier weiterhin groß sein. Der Krypto-Sektor insgesamt hat damit die Chance, seriöser und nachhaltiger zu werden. Man darf nicht vergessen, dass Kryptos mehr sind als ein Spekulationsobjekt. Die zugrundeliegende Technologie ist ein wichtiger Baustein für die Finanzwelt der Zukunft.

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– Fintech-News Deutschland –

DZ Bank führt Pay-per-use-Modell ein: Gemeinsam mit dem Start-up PayperChain führt die DZ Bank ein neues, nutzungsabhängiges Abrechnungsmodell ein. Das System basiert auf der Blockchain-Technologie. Auch die R+V Versicherung wird das System nutzen, um flexible Versicherungsmodelle zu erstellen. lto.de

Amazon startet BNPL-Dienst: Ein weiterer Gigant betritt die BNPL-Bühne. Barclays und Amazon bieten zukünftig gemeinsam eine BNPL-Option für Einkäufe bei Drittanbietern an. Bestellungen ab einem Wert von 100 Euro, die mit Amazon Pay bezahlt werden, können dann über einen Zeitraum von 48 Monaten abgezahlt werden. Barclays bietet dafür einen effektiven Jahreszins von 7,69 Prozent an. it-finanzmagazin.de

Re:cap erschließt neue Märkte: Das Berliner Fintech re:cap hat angekündigt, seinen an Unternehmen aus der Subscription Economy gerichteten Service zukünftig auch in den Niederlanden anbieten zu wollen. finextra.com

Auch wichtig:

+++ Immer mehr deutsche Start-ups gelten als Einhörner. Den größten Anteil machen dabei Fintechs aus. der-bank-blog.de +++ Die Bafin ermittelt gegen die Handelsplattform Bitcoin Motion. Offensichtlich hat der Website-Betreiber keine Erlaubnis zur Erbringung von Finanzdienstleistungen. bafin.de +++ Die Umweltbank bekommt ein neues Kernbankensystem. Für die Umsetzung ist die Atruvia AG verantwortlich. Pressemitteilung +++

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ Upvest, ein Investment-as-a-Service-Unternehmen aus Berlin, hat in einer Finanzierungsrunde 42 Millionen Euro eingeworben. Investiert hat der US-Geldgeber Bessemer. financefwd.com +++ Das Berliner Fintech Airbank sammelt in einer Series-A-Finanzierungsrunde 20 Millionen Dollar ein. Angeführt wurde die Runde von Molten Ventures, verschiedene Business Angels haben sich ebenfalls beteiligt. brutkasten.com +++ Pile, das neue B2B-Krypto-Start-up der Penta-Mitgründerin Jessica Holzbach, hat in einer Pre-Seed-Runde 2,8 Millionen Euro eingeworben. Angeführt wurde die Runde vom Female Innovators Lab und Auxxo. Neben bekannten Investoren aus der Fintech-Branche hat auch der Ex-Nationalspieler Mario Götze investiert. businessinsider.de +++ Das Hamburger Fintech Exporo hat sich neues Geld beim Schweizer Family Office Infinitas Capital und bei Altinvestoren besorgt. Die genaue Summe ist nicht bekannt, Exporos Bewertung soll durch die Finanzierungsrunde aber gesunken sein. businessinsider.de +++

 

– Neu auf finletter.de –

Recap zur Money 20 20 von Clas
Money20/20-Recap: Die Money 20/20 ist zurück. Laut, bunt und voll. Im Pandemiejahr 2020 musste Europas größte Veranstaltung zur Digitalisierung der Finanzwirtschaft einmal aussetzen, 2021 fand eine wesentlich kleinere und ruhigere Money 20/20 statt. finletter- und Fintech-Week-Gründer Clas Beese fasst seine Eindrücke aus diesem Jahr zusammen. finletter.de

Kooperation statt Konkurrenz: Die Fintech-Welt bewegt sich rasant: Wöchentlich kommen neue Unternehmen und Entwicklungen hinzu. Insbesondere die Digitalisierung, die durch die Pandemiejahre noch einmal nach vorne katapultiert wurde, führt zu exponentiellem Wachstum. Dennoch verschwinden vor allem Start-ups schnell in der Versenkung, wenn sie keine langfristige Relevanz aufbauen, keine entsprechenden Verbindungen zu Kunden und Partnern knüpfen und ihre Finanzen nicht entsprechend im Blick haben. Mehr dazu im Gastbeitrag von Timo Hoffmann auf finletter.de.

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ Im Podcast von „deutsche startups“ analysieren Alexander Hüsing und Sven Schmidt (OMR-Podcast) unter anderem den OTPP-Deal des Neobrokers Trade Republic. deutsche-startups.de +++ Finanz-Szene – Der Podcast hat Bernd Leukert, den Technologievorstand der Deutschen Bank zu Gast. Er berichtet vom Umbau der Bank-IT. finanz-szene-podcast.podigee.io +++ Jan Beckers spricht in seinem Podcast mit Marcel Oldenkott (BIT Capital) und Florian Adomeit (OMR) über die Zukunft des Kryptomarktes. beckersbets.podigee.io +++

 

– News International –

Revolut erschließt neue Märkte: Die in London ansässige Neobank Revolut will mit einer optimierten Version ihrer Finanz-App fünf neue Länder erobern: Sri Lanka, Chile, Ecuador, Aserbaidschan und Oman. Aktuell sind Überweisungen in 50 Länder und 30 Währungen möglich. finextra.com

Noch mehr Entlassungen: Die Entlassungswelle setzt sich fort. Jetzt trennt sich auch das britische Banking-Unternehmen Curve von einem Teil seiner Belegschaft. Insgesamt werden etwa 70 Angestellte entlassen. Im Geschäftsjahr 2020 hatte Curve mehr als 37 Millionen Pfund Verlust gemacht. fintechfutures.com

KBC gibt eigenen Coin aus: Als erstes europäisches Finanzinstitut bringt die belgische KBC Group einen eigenen blockchain-basierten Coin auf den Markt. Der „Kate Coin“ ist an den Euro gebunden und von KBC komplett abgesichert, sein Nutzen ist auf das KBC-System beschränkt. finextra.com

 

Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche

Finanzen im Metaversum: Die spanische CaixaBank und Microsoft arbeiten gemeinsam an einem KI-Innovationslabor. Hier soll unter anderem untersucht werden, wie KI-Technologien für Finanzdienstleistungen im Metaversum genutzt werden können. finextra.com

 

– Treffpunkte –

Auftaktveranstaltung „Sustainable Award in Finance 2022 | 2023“: Der Sustainable Award in Finance geht in die dritte Runde. Ausgezeichnet werden nachhaltige Produkte in der Finanzbranche. In einer Videopräsentation könnt ihr euch über das neue Konzept informieren. 21. Juni 2022, 10–11:30 Uhr, online. [gesponsert]

PropTech Meetup Hamburg: Die German PropTech Initiative veranstaltet in Hamburg das PropTech Meetup. Die Abendveranstaltung bietet Raum zum Austausch. Außerdem hält Simon Brunke, Gründer und Vorstand von Exporo, einen Impulsvortrag. 7. Juli 2022, Hamburg.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Vielversprechende Krypto-Projekte: Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass es gar nicht so leicht ist, vielversprechende Krypto-Projekte zu finden. Vetter will Investoren die Suche erleichtern. Dafür setzt das Unternehmen auf eine aktive Community, Gamifizierung und künstliche Intelligenz. btc-echo.de

Banken und das Metaversum: Das Metaversum könnte der nächste große Entwicklungsschritt des Internets sein. Wie reagiert die Finanzbranche darauf, welche Banken planen bereits den Umzug in das digitale Universum? finextra.com

Drei Erfolgsfaktoren für nachhaltige Finanzdienstleistungen: Deutsche Verbraucher kaufen zunehmend umweltbewusst ein – auch wenn es um Finanzdienstleistungen geht. Das zeigt eine aktuelle Studie. Für Banken bietet sich hier die Chance, höhere Erträge zu erwirtschaften. Drei Schritte helfen beim Monetarisieren. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Grün, grüner, am grünsten: Nach der DWS sieht sich jetzt auch Goldman Sachs mit Greenwashing-Vorwürfen konfrontiert. Die Investmentbank soll alte Fonds einfach mit wohlklingenden Schlagworten wie „ESG“ versehen haben, ohne die Zusammensetzung zu ändern. US-Medien zufolge befasst sich jetzt die SEC mit den Vorwürfen. tagesschau.de

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