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finletter 360 – Heymoney-Aus, Stühlerücken bei Finleap Connect, Solarisbank sucht Investoren

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    Thomas Wunder ist freier Journalist mit Fokus auf Finanz- und Wirtschaftsthemen.

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Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Das Heymoney-Aus – Multibanking und der deutsche Markt

Die Allianz stellt ihre Multibanking-App Heymoney ein. 2019 hatte der Versicherungskonzern das Projekt ins Leben gerufen, bekannte Köpfe aus der Start-up-Szene dafür verpflichtet und einen zweistelligen Millionenbetrag als Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt. Mit der App wollte man den Banken Konkurrenz machen, die sich mit eigenen Angeboten schwertaten. Die Nutzerzahlen blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück, sie bewegten sich zuletzt lediglich im fünfstelligen Bereich. Überraschend kommt das Ende nicht, bereits letzten Winter gab es Entlassungen. Um das Projekt zu retten, entfernte man sich vom reinen Multibanking-Ansatz und setzte stattdessen mehr auf Versicherungsvertrieb und -organisation.

Die Allianz ist nicht das erste Unternehmen, das mit einer dedizierten Multibanking-App scheitert: Check24 verfolgte mit Moneytracker ähnliche Pläne, mittlerweile wurde das Projekt beendet, die Funktionalität in die App der hauseigenen C24-Bank integriert. Auch Verivox hatte mit der Übernahme des Multibanking-Fintechs Outbank keinen Erfolg. Treefin ging nach der Übernahme durch Wüstenrot & Württembergische in der Digitaltochter des Finanzkonzerns, Adam Riese, auf. Aufgeholt haben dafür die Banken, die S-App der Sparkassen bietet Multibanking, ebenso Teo, die App der Sparda-Banken, der Postbank Finanzassistent und Deutsche Bank Mobile.

Zunächst waren es fehlende Schnittstellen und mangelnde Kooperationsbereitschaft der Banken, die den Multibanking-Entwicklern das Leben schwermachten. Die Lösung: PSD2. Obwohl es an regulatorischem Rückenwind nicht mangelt, blieb der erwartete Quantensprung aus, Open Banking und Multibanking fristen in Deutschland weiterhin ein Nischendasein. Der britische Open-Banking-Spezialist Konsentus zählt in Deutschland 37 einheimische Unternehmen, die über eine eigene Lizenz zur Nutzung der Konten-APIs verfügen (Stand 29. April 2022). Im Vereinigten Königreich sind es 219, in Schweden, dem EU-Spitzenreiter, 38. Die Niederlande, Belgien und die nordischen Länder holen auf, während Deutschland auf der Stelle tritt. Auch bei der Nutzung, gemessen an monatlichen API-Calls, liegt Deutschland mit 36 Millionen (Stand März 2021) weit hinter Großbritannien (941 Millionen). Hierbei geht es natürlich nicht nur um den Anwendungsfall Multibanking, sondern um die unterschiedlichsten Apps und Dienstleister, die für ihre Funktionen Zugriff auf Konten benötigen.

Reine Multibanking-Apps bieten durchaus Vorteile: einfache Kontrolle über alle Konten, Übersicht über sämtliche Finanzbewegungen und grundsätzlich mehr Sicherheit. Letzteres hängt allerdings stark von der genutzten Software und dem persönlichen Umgang mit Daten und Geräten ab. Ein weiteres Problem wird am Beispiel Outbank deutlich: Monetarisierung. Weder als eigenständiges Unternehmen noch unter dem Dach von Verivox war die App rentabel. Jetzt soll’s ein Abo-Modell richten. Eine kurze Forenrecherche zeigt: Die Bereitschaft, für eine zusätzliche Banking-App Geld auszugeben, ist eher gering. Schließlich sind die bankeigenen Apps kostenlos, mit einem vernünftigen Multibanking-Ansatz graben sie Start-ups und spezialisierten Anbietern das Wasser ab. Von einer echten Rundum-Lösung, in der alle Finanz- und Versicherungsprodukte abgebildet werden – einem sogenannten Financial Home –, sind aber auch die etablierten Anbieter noch weit entfernt. Dabei hätte eine solche Plattformlösung durchaus das Potential zum Kundenmagneten. Noch ist das Rennen offen, sowohl Banken als auch Fintechs haben noch immer die Chance, ein überzeugendes Produkt auf den Markt zu bringen. Oder sind am Ende die Tech-Giganten die lachenden Dritten?

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– Fintech-News Deutschland –

Großes Stühlerücken: Finleap Connect trennt sich von rund zehn Prozent seiner Angestellten. Auch in der Führungsetage gibt es einige Veränderungen. Der bisherige CEO Frank Kebsch wird durch Nicola Breyer ersetzt, den Posten des CFO übernimmt Marco Jostes, zuvor Head of Finance. Ignacio Garcia wechselt von CSO zu COO. paymentandbanking.com

Keine Kryptos bei der Sparkasse: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband empfiehlt den Sparkassen, nicht in den Krypto-Handel einzusteigen. Bindend ist diese Entscheidung nicht, einzelne Institute können dennoch Krptowährungen anbieten. asscompact.de

Nachhaltig in jeder Hinsicht: Banken haben sich beim Thema Nachhaltigkeit bisher hauptsächlich auf ökologische Aspekte konzentriert. Zukünftig wird auch Soziales und die Unternehmensführung bei der Bewertung verstärkt mit einbezogen. zebramagazin.de

Auch wichtig:

+++ Die Bundesregierung hat ein neues Kapitalmarktgesetz vorgestellt, das den digitalen Handel mit Aktien und den Erwerb von Kryptowährungen erleichtern und regulieren soll. btc-echo.de +++ Der australische Open-Banking-Anbieter Volt wird seinen Authentifizierungsservice künftig auch in Deutschland anbieten. altfi.com +++ Das Frankfurter Fintech Portagon bietet eine White-Label-Lösung für die Finanzanlageberatung an. Die Software soll den Beratungsaufwand verringern und die rechtlichen Risiken minimieren. it-finanzmagazin.de

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ Die Berliner Solarisbank bekommt von Bestandsinvestoren 40 Millionen zugeschossen, ist jedoch weiterhin auf Investorensuche. startbase.de +++ ESG Book (Arabesque) wirbt in einer Series-B-Runde 35 Millionen US-Dollar ein, investiert haben unter anderem Allianz X und Meridiam. boerse-am-sonntag.de +++ Porsche Ventures investiert in den Londoner Fahrradversicherer Laka. Insgesamt wirbt das Insurtech in der Series-A-Finanzierungsrunde 13,5 Millionen US-Dollars ein. cyclingindustry.news+++

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ Die Plaudertaschen haben mit JP Tonyigah (Sparkassen Innovation Hub) über Banking für Gen Z und Gen A diskutiert. open.spotify.com +++ Bei FinanceFWD sprechen Philippe Sahli und Melanie Gabriel (Yokoy) über ihren Marktstart und die aktuelle globale Lage. financefwd.podigee.io +++ Finanz-Szene hat die Commerzbank-Finanzvorständin Bettina Orlopp zu Gast.  finanz-szene-podcast.podigee.io +++ Bei LABS spricht Nils Müller (Trendone) über aktuelle Trends und wie sie das Bankenwesen beeinflussen werden. open.spotify.com +++ Im Deutsche-Startups-Podcast ist unter anderem der erste grüne Fonds des Greentech-Investors Green Generation Fund ein Thema. deutsche-startups.de +++

 

– News International –

Entlassungen nach dem Krypto-Crash: Der Wertverfall von Bitcoin und Co. setzt Unternehmen aus dem Kryptobereich unter Druck. Die österreichische Krypto-Handelsplattform trennt sich von etwa 300 Angestellten – einem Viertel der Belegschaft. businessinsider.de

Noch mehr Entlassungen: Die Entlassungswelle setzt sich auch in den Vereinigten Staaten fort; der Chicagoer Digital-Banking-Anbieter Amount trennt sich von 18 Prozent seines Personals. Das Unternehmen erreichte letztes Jahr den Einhorn-Status. techcrunch.com

Revolut greift Klarna an: Revolut startet mit seinem BNPL-Angebot in Irland und macht damit Klarna Konkurrenz. Bereits jetzt haben 1,9 Millionen Erwachsene in Irland ein Revolut-Konto. Als nächstes ist der Marktstart in Polen und Rumänien geplant. bloomberg.com

 

– Treffpunkte –

Finale Deutscher Startup-Pokal FinTech: Beim Startup-Pokal stellen verschiedene Fintechs ihre Geschäftsmodelle vor, eine Fachjury und das Publikum küren einen Sieger. Begleitet wird die Veranstaltungen von zwei Panels, Themen sind unter anderem innovationsfördernde Infrastruktur und Quantencomputing. 11. Juli 2022, Frankfurt am Main.

CBDC Conference: Auf der englischsprachigen CBDC Conference gibt es an drei Tagen Fach-Panels, Diskussionsrunden und Vorträge zum Thema digitales Zentralbankgeld. In den Pausen bietet die Veranstaltung Raum zum Netzwerken. 29.-31. August 2022, Frankfurt am Main.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Event-Kalender auf finletter.de. Hier können Sie uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Informationen statt Versprechen: Greenwashing-Vorwürfe schaden der Finanzbranche. Da Nachhaltigkeit ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen ein Anlageprodukt ist, empfiehlt Dr. Stefan Wörner (Bain & Company) den Anbietern, stärker auf klare Informationen und Transparenz setzen. der-bank-blog.de

Zentralisiertes Web 3.0: Die nächste Entwicklungsstufe des Internets soll dezentraler und gerechter werden – eigentlich. Jetzt hat Chainalysis herausgefunden, dass DAOs (Decentralized autonomous organizations) deutlich zentralisierter sind als bisher angenommen. blog.chainalysis.com

Welche Aufgaben Banken jetzt dringend angehen sollten: Im Rahmen der Serie #Banking2025 geht es um die drei größten Herausforderungen im Firmenkundengeschäft. Dies war lange der rentabelste Unternehmenszweig vieler Banken. In den nächsten Jahren wird der Wettbewerbsdruck jedoch deutlich zunehmen. Banken müssen daher mittelfristig drei zentrale Herausforderungen bewältigen. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Dinge, die die Welt nicht braucht: Nicht für jede Lösung, die sich Gründer für das Web3 so ausdenken, gab es zuvor auch ein Problem. Wie das in der analogen Welt aussehen würde, beantwortet der Investor Sheel Mohnot auf Twitter mit einem Video. twitter.com

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