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Open Banking, Embedded Finance & PSD2 – Lars Markull im Gespräch

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Und jetzt Sie:

Open Banking ist einer der großen Trends in der Fintech-Welt. Deutschland scheint sich mit der Thematik aber noch schwer zu tun. Wir haben Lars Markull, DACH Market Development Director bei Weavr.io, gebeten, uns einige Fragen zu Open Banking, PSD2 und dem Umgang des deutschen Markts damit zu beantworten.

finletter: Open Banking vs. Embedded Finance: Was sind eigentlich die Unterschiede? Was die Gemeinsamkeiten?

Lars Markull: Bei Open Banking sprechen wir davon, dass ein Service, zum Beispiel eine SaaS-Accounting-Lösung für KMU, auf ein bestehendes Konto zugreift. Hier wird also zum Beispiel ein Sparkassen- oder Volksbank-Konto an die entsprechende Lösung angebunden und die Daten, wie Kontoumsätze, und Funktionen, beispielsweise Überweisungen, sind dann in dem Drittservice sichtbar oder können initiiert werden. Bei Embedded Banking hingegen werden komplett neue Bankprodukte erstellt. Das heißt in dem Beispiel von zuvor: Die SaaS-Accounting-Lösung kann den eigenen Kunden ein eigenes Bankkonto mit IBAN und Debit- oder Kreditkarten anbieten. Der Kunde verbindet also nicht ein bestehendes Konto, sondern eröffnet ein neues. Wir sehen teilweise auch Lösungen, die beide Möglichkeiten wahrnehmen – beispielsweise Finanzguru, die mit Open Banking auf bestehende Konten zugreifen, aber auch eigene Bankprodukte wie die FinanzGuru Card anbieten.

finletter: Verwechslungsgefahr PSD2 und Open Banking – Was sind die Unterschiede? 

Lars Markull: PSD2 ist eine Richtlinie der EU, die den Zugriff auf Zahlungsverkehrskonten durch regulierte Anbieter ermöglicht. Open Banking hingegen bezeichnet den allgemeinen Zugriff auf Bankkonten; fernab einer Vorschrift. Also den Trend, dass Bankdaten und -funktionen in Drittdiensten eingesetzt werden – und das weltweit. Man könnte also sagen, PSD2 ist ein Schritt Richtung Open Banking. Der finale Schritt wäre dann Open Finance, wenn alle finanzrelevanten Informationen und Funktionen für Drittdienste zur Verfügung stehen – also zum Beispiel auch für Investmentdepots oder Darlehenskonten.

Lars Markull: Übrigens gibt es auch eine Initiative der britischen Regierung, die “Open Banking” heißt. Hier geht es in der Tat nicht um einen allgemeinen Begriff, sondern eine Vorschrift, die die neun größten Banken des Landes verpflichtet, verschiedene Informationen und Funktionen via API anzubieten. Diese Initiative wurde unabhängig und etwas früher als PSD2 gestartet und beinhaltet zudem auch mehr Funktionen und Datenpunkte.  

finletter: Im Vereinigten Königreich werden die API-Calls erfasst, um die Verbreitung von Open Banking zu ermitteln. Warum wird das in Deutschland nicht gemacht? 

Lars Markull: Ich glaube, das ist in UK speziell ein Thema, weil es hierbei um den Beweis geht, dass die Open Banking Initiative fruchtet. Persönlich würde ich Anzahl der Konten oder Kontoinhaber, die Open Banking verwendet haben, interessanter finden, aber die Anzahl der API-Calls ist eine größere Zahl und daher vermutlich attraktiver.

Lars Markull im Interview mit finletter

finletter: Wie ist deine Einschätzung, Lars? Wie wird das Thema Open Banking in Deutschland aufgenommen? Oder wird es das nicht? 

Lars Markull: Vermutlich hängt das stark davon ab, wen man fragt. Ich glaube, wir sehen mittlerweile schon sehr viele verschiedene Anwendungsfälle und ich bin weiterhin der Meinung, dass Open Banking oder Open Finance ein sehr wichtiger Baustein für unser Finanzsystem der Zukunft ist. Dass Banken jedoch keinen finanziellen Anreiz haben, eine gute Open-Banking-Schnittstelle anzubieten, verlangsamt die Entwicklung doch erheblich. Ich bin aber optimistisch, dass sich dies durch weitere Anwendungsfälle und Kundenbedürfnisse kontinuierlich verbessert – aber es wird dauern.

finletter: Payment und Open Banking ist in den meisten europäischen Ländern ein Thema, warum nicht bei uns in Deutschland? Was ist deine Meinung zu dem Thema?

Lars Markull: Wir hatten mit Sofort – bereits seit einigen Jahren Teil von Klarna – schon lange vor der PSD2 einen Payment-Anbieter, der via Open Banking Online-Händlern eine Zahlungslösung angeboten hat. Diese Lösung war auch sehr beliebt und erfolgreich, was eventuell dazu geführt hat, dass andere Open-Banking-Anbieter sich nicht so stark auf diesen Bereich fokussiert haben. Die Open-Banking-Anbieter, die wir jetzt im Payment-Bereich sehen, bieten – ähnlich wie Sofort – neben der Payment-Funktion weitere hilfreiche Zusatzfunktionen an. Zielgruppe sind dann Online-Händler, aber auch Anbieter von Trading- oder Glücksspiellösungen, welche Kartenzahlung durch Überweisung ersetzen wollen.

finletter: Es gibt API-Programme von der Deutschen Bank und Wallis beispielsweise, damit bieten sie mehr an als vorgeschrieben, nennenswerte Erfolgsgeschichten sind daraus bisher nicht entstanden. Teilst du diese Einschätzung? 

Lars Markull: Im Rahmen dieser Programme wurden sehr viele sehr sinnvolle APIs und Funktionen entwickelt. Das zeigt uns sehr genau, in welche Richtung sich Open Banking und Open Finance weiterentwickeln können. Der Grund, dass wir diese Funktionen selten in der Realität sehen, ist, dass ein Drittservice in der Regel keine Lösung für nur eine Bank baut. Der Drittservice will es den eigenen Nutzern ja ermöglichen, das bestehende Bankkonto an den eigenen Dienst anzubinden und daraus Vorteile zu ziehen. Jedoch kann der Diensteanbieter, beziehungsweise der Aggregator in der Mitte, dies nur wirklich realisieren, wenn eine große Anzahl der Banken diese Funktion anbietet. Zum Beispiel kann über die API der Deutschen Bank verifiziert werden, ob ein Kontoinhaber volljährig ist oder nicht; ohne weitere Details. Dies kann sehr interessant sein. Doch für welchen Drittservice ist diese Funktion relevant, wenn sie nur von der Deutschen Bank angeboten wird? Wenn nicht mindestens 80 bis 90 Prozent der Banken die gleiche Funktion anbieten, dann ist es schwierig, dass diese Funktion wirklich eingesetzt wird.

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