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Gastbeitrag von Vilve Vene im finletter

Ist unsere Kategorisierung von Banken noch zeitgemäß?

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Und jetzt Sie:

Von Vilve Vene

Die Entwicklung der Bankenbranche ist zum Teil eine Reaktion auf den Wandel des Alltags der Menschen. So haben Freiberufler andere Banking-Bedürfnisse als Angestellte und die Erwartungen von Kunden der Generation Z treffen nicht so stark auf ältere Generationen zu. Um in der heutigen Bankenwelt erfolgreich zu navigieren, müssen Banken daher einen Weg finden, den unterschiedlichen Anforderungen und Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden. Nur so können sie ihnen ihre Dienstleistungen so komfortabel wie möglich anbieten.

Auch neue Entwicklungen wie Embedded Finance, Open Banking und Super-Apps tragen zu einem tiefgreifenden Wandel in der Finanzbranche bei. Während sich Tech-Giganten wie Apple immer stärker einmischen drängen sich gleichzeitig neue Player auf den Markt. All das sorgt für noch mehr Komplexität der Bankenlandschaft und erhöht die Anzahl und Vielfalt der Akteure. Aus diesem Grund stehen Banken unter Druck, ihren Marktanteil zu halten, und wählen verschiedene Ansätze, um dies zu erreichen.

Eine neue Einordnung könnte sowohl Banken als auch Kunden helfen, sich wieder besser zu orientieren. Denn bewährte Einordnungen reichen heute nicht mehr aus, um das Angebot, die Rolle und Marktposition einer Bank passend zu beschreiben. So gibt es natürlich Challenger-Banken, die – wie der Name schon sagt – den Status-Quo herausfordern und dabei mutigere Strategien als etablierte Banken fahren; doch auch hierfür gibt es bereits Gegenbeispiele.

Gastbeitrag von Vilve Vene im finletter

Die Herausforderung: Neue Kategorien müssen das aktuelle Geschehen abbilden und weit genug fassen, um die zum Teil komplexen Geschäftsmodelle zu berücksichtigen – jetzt und in der Zukunft. Hier ist ein Vorschlag bestehend aus drei Kategorien:

Physische Banken

In Deutschland gelten die großen Banken, die mit ihren Filialen im Stadtbild sichtbar sind, immer noch als die Marktführer und Stützen der Branchen. Dazu zählen zum Beispiel die Deutsche Bank, Commerzbank, Volksbanken und die Sparkassen. Es bleibt abzuwarten, ob ihre (wenn auch reduzierten) persönlichen Bankdienstleistungen und ihr Ruf in der Branche ausreichen werden, um den verschärften Wettbewerb mit den digitalen Gegenspielern zu überstehen. In der Zwischenzeit werden diese Mainstream-Banken genau analysieren, welche Optionen ihnen offenstehen, um ihren Kundenanteil zu halten.

Digitale Banken

Die zukunftsorientierten reinen Online-Banken bieten Bankdienstleistungen an, die die Effizienzvorteile der modernen technologischen Möglichkeiten voll ausschöpfen. Zu den technologisch-führenden Banken dieser Kategorie gehören derzeit zum Beispiel N26, Revolut und die Nubank. Gleichzeitig gibt es hier auch erfolgreiche, etablierte Banken wie comdirect oder die DKB, die überwiegend als digitale Bank fungieren. Abgesehen von diesen größeren, erfolgreichen Anbietern gibt es digitale Banken, die sich auf die Bedürfnisse einer bestimmten Kundengruppe konzentrieren. Dazu gehört zum Beispiel Ruuky, die gezielt junge Erwachsene anspricht, oder Qonto, die sich ausschließlich an Unternehmen richtet.

Vielseitige Banken

Vielseitige Banken haben verschiedenste Einkommensströme. Sie bieten ihren eigenen Endkunden Bankdienstleistungen an und öffnen gleichzeitig ihre Infrastruktur, um die Technologie und die Lizenz für Dritte bereitzustellen.

Ein Paradebeispiel für eine solche Bank ist Goldman Sachs. Sie hat 2016 mit Marcus eine Consumer-Banking-Marke und außerdem ein neues Angebot für Transaction Banking eingeführt. Goldman Sachs stellt dabei die zugrundeliegende Infrastruktur, auf der Marcus und die Transaction-Banking-Einheit aufgebaut wurde, auch externen Drittanbietern wie Stripe oder Apple zur Verfügung. Dadurch, dass das Institut sowohl seine Kompetenz in Sachen Bilanz und Regulierung als auch seine moderne Plattform nutzt, ist es ein attraktiver Embedded-Banking-Partner für große, etablierte Marken.

Fazit

Nur die Zeit wird zeigen, wie die Bankenlandschaft in Zukunft aussehen wird. Klar ist jedoch, dass die traditionellen Einstufungen von Banken überdacht werden müssen. Die Banken müssen selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen wollen, um zu überleben und zu florieren. Jede Bank muss nun die eigenen Stärken und Ambitionen überprüfen und die Strategie neu bewerten, um so einen eigenen Platz in der Branche zu finden.


Vilve VeneVilve Vene ist Mitgründerin von Tuum, einem Fintech aus Estland, das eine moderne, flexible Core-Banking-Plattform anbietet. Seit mehr als 25 Jahren bringt Vilve Vene Technologie in die Finanzwelt. Lange bevor „Fintech“ ein gängiger Begriff wurde, entwickelte sie bereits innovative Finanztechnologie.

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