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finletter 373 – Fintech-Entlassungen, Topi erweitert Tech-Team, Mollie vergibt Kredite

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  • finletter Autor Gunnar Hassel

    Gunnar Hassel ist freier Online-Redakteur und Content-Experte mit Schwerpunkt Finanz-Innovationen und Tech-Start-ups.

Mehr vom finletter-Team

Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Fintech-Entlassungen – und kein Ende?

Gefühlt vergeht keine Woche ohne Entlassungen bei deutschen und internationalen Fintechs. Erst letzte Woche sorgte Klarna für Aufregung, weil bereits wenige Monate nach der großen Entlassungswelle im Mai wieder an den Belegschaftszahlen geschraubt werden soll. Zunächst stand dabei eine Zahl von 300 Mitarbeitenden im Raum. Mittlerweile erklärte Klarna, es werde nur etwa 100 Leute betreffen – zudem gäbe es marktübliche Abfindungen und überhaupt hätten die Entlassenen besonders gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Von den Betroffenen der ersten Welle seien mittlerweile 70 Prozent bei anderen Unternehmen untergekommen.

Da ist natürlich etwas dran. Dennoch bestätigt Klarnas zweite Entlassungscharge innerhalb weniger Monate Expert:innen, die schon damals bezweifelten, die Schweden hätten sich ausreichend „gesund geschrumpft“. Die Stimmung dürfte innerhalb vieler der insgesamt etwa 700 Klarna-Einzelteams jedenfalls erstmal im Keller sein. Nicht wenige werden weitere Anpassungen befürchten. Und auch etwas an Vertrauen in das eigene „Buy Now, Pay Later“-Modell oder die Super-App-Ambitionen des Payment-Riesen verlieren. Zur Unsicherheit beitragen dürften auch die krassen Strategiewechsel der letzten Jahre. Die Klarna-Achterbahn fuhr ja in etwa so: Erst Skalierung. Dann Corona. Krise. Verunsicherung. Neu: profitabel werden. Dann wieder Entspannung auf dem Funding-Markt. Jetzt, in 2022: Inflation, Krieg, Rezession. Angepasste Strategie: doch wieder Rentabilität.

Ähnliche Verunsicherung dürfte mittlerweile in den Teams von Solaris auftreten. Das Berliner Fintech-Einhorn mit Vollbanklizenz erklärte in dieser Woche, sich von Teilen der Mitarbeiter:innen trennen zu wollen, um Ende des Jahres auch wirklich – wie zuletzt immer wieder angekündigt – profitabel zu sein. Auf unter zehn Prozent wird der Anteil der von den Umstrukturierungen Betroffenen beziffert. Auch hier soll es durchaus annehmbare Abfindungen geben. Ähnlich sieht es beim Kreditkarten-Fintech und deutschen Hoffnungsträger Moss aus. Hier wurde eine Zahl von 70 genannt, um die das Gesamtteam reduziert werden soll. Unterm Strich bleibt es also volatil und weiter spannend. In bewegten, teilweise besorgniserregenden Zeiten ist das auch kaum anders zu erwarten. Mit einer Umstrukturierungstaktik im Salami-Modus sorgen die Unternehmen am Ende aber sicher nicht für Motivation oder gar Trotze-den-Krisen-Aufbruchsstimmung unter denen, die die Profitabilität erarbeiten sollen.

Klarna (onlinehaendler-news.de) Solaris (businessinsider.de) Moss (financefwd.com)


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– Fintech-News Deutschland –

Entlassungen bei Solaris: Zuletzt hatte das Berliner Fintech mit Banklizenz immer wieder das Ziel formuliert, bis Jahresende profitabel zu werden. Unter anderem soll dies wohl durch zahlreiche Entlassungen unter den aktuell etwa 750 Mitarbeitenden erreicht werden. Auf Rückfrage von Gründerszene wurde zunächst keine konkrete Zahl genannt, betroffen seien laut Solaris weniger als zehn Prozent des Teams. businessinsider.de

Trade Republic erreicht Meilenstein: Mehr als zwei Millionen Kund:innen weist der Berliner Neobroker nun auf. Übrigens schon seit einigen Monaten, wie nun herauskam. Gleichzeitig befindet sich das Fintech noch immer in einer Phase rückläufiger Transakationszahlen und will dem nun unter anderem mit neuen Lizenzen begegnen. financefwd.com

Topi erweitert Tech-Team: Erst im August sicherte sich das Berliner Fintech in einer Finanzierungsrunde 45 Millionen Euro. Dafür, dass dieses Geld nun zielgerichtet eingesetzt wird, sollen unter anderem zwei neue Entwicklerinnen auf Top-Positionen im Tech-Team sorgen. Wer die beiden sind und von welchen Unternehmen sie zu Topi stoßen, weiß financefwd.com.

Auch wichtig:

+++ Zuletzt gab es wenig Neues vom deutschen Fintech-Einhorn N26. Nun wurde eine überraschende Personalie bekannt: Laut Finanz-Szene hat Holger Friedrich – Multi-Unternehmer und Kopf der Technologie-Beratung Core SE – im Top-Managemnet der Berliner Challengerbank angeheuert. finanz-szene.de +++ Das Kreditkarten-Fintech Moss trennt sich von rund 70 seiner Mitarbeitenden, was etwa 15 Prozent des aktuellen Teams enstpräche. Mehr dazu auch in unserem Editorial – hier geht’s zur News. +++ Weiter Bewegung beim Business Banking für Freiberufler: Das Berliner Mobile-Banking-Fintech Vivid erweitert sein App-Angebot um diverse Features für die umgarnte Zielgruppe der Selbstständigen. +++ Nicht nur Fintechs haben die junge Generation beim Thema Banking auf dem Schirm – auch die Sparkassen wollen hier punkten. Mit einer klaren Ausrichtung an der jungen Zielgruppe Generation Z eröffnet die Stadtsparkasse Düsseldorf einen eigenen Treffpunkt für junge Kund:innen, den Smoney Hub. paymentandbanking.com +++

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ Mit Mietlösungen für den Elektogerätemarkt wurde Grover zum Unicorn. Nun haben die Berliner weitere 270 Millionen Euro eingesammelt und damit die eigene Milliardenbewertung verteidigt. t3n.de +++ In Ben Tellings, dem ehemaligen Chef der Direktbank ING-Diba (heute ING), hat das Berliner Taschengeld-Fintech Bling einen weiteren prominenten Business Angel von sich überzeugt. Im Raum steht ein Investement im mittleren sechsstelligen Bereich. startbase.de +++ Das italienische Fintech Satispay wird zum Unicorn und kann mit den in einer Serie-D-Finanzierungsrunde eingesammelten 320 Millionen Euro sein unabhängiges Zahlungsnetzwerk ausbauen. Die Italiener ermöglichen es, große Banken und Kreditinstitute zu umgehen, und versprechen ihren Kunden niedrigere Transaktionsgebühren und andere Vorteile wie eine bessere Budgetkontrolle. sifted.eu +++


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– Neue Podcast-Folgen –

+++ In dieser FinanceFWD Podcast-Folge spricht Moss-Gründer Ante Spittler über die jüngsten Entlassungen bei seinem Kreditkarten-Fintech (siehe Editorial und Fintech-News D). Außerdem bewerten Banxware-Gründerin Miriam Wohlfarth und der Scalable-Capital-Gründer Florian Prucker die schwierige Marktlage der Fintech-Startups. financefwd.podigee.io +++ In dieser Folge von Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll dreht sich alles um die Frage: Verspielt Deutschland seine Krypto-Zukunft? Die Hosts sehen diese Gefahr vor allem deshalb, weil die Blockchain-Technologie in der Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung keine Rolle spiele. paymentandbanking.com +++ And another (crypto) one: Alles Coin, Nichts Muss liefert eine Wiesn-Folge und bespricht dabei die Folgen des Ethereum-Merges. Dabei geht es neben dem Umsatz eines Wettgewinns auch um Themen wie Web3, Trading-Analysen und die Mehrwerte der Bitcoin-Technologie. alles-coin-nichts-muss.podigee.io +++

 

– News International –

Mollie expandiert ins Kreditgeschäft: Der Paymentriese startet Mollie Capital und folgt der Konkurrenz aus Stripe und Paypal auf dem Weg zu zusätzlichen Finanzdienstleistungen. In den Niederlanden und Belgien können Unternehmen, die Mollie als Zahlungsdienstleister nutzen, in Kürze einen Händler-Barvorschuss von bis zu 250.000 Euro beantragen. Mit dem Marktstart machen die Niederländer einen weiteren Schritt zu einem vollständig integrierten Unternehmensfinanzierungsdienst. altfi.com

Stripe steigert Umsätze außerhalb der USA: Neue Bilanzen der Stripe Payments International Holdings Ltd zeigen, dass der Umsatz des Online-Zahlungsdienstleisters im vergangenen Jahr um fast 900 Millionen US-Dollar gestiegen ist. Das Unternehmen ist die Holdinggesellschaft für die Stripe-Verkäufe in der zusammengefassten Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) sowie im asiatisch-pazifischen Raum (Apac). Auch die Vorsteuerverluste verringerten sich in diesem Bereiche der Stripe-Geschäfte in 2021 um 84 Prozent auf knapp über 22 Millionen US-Dollar. independent.ie

On the run? Anfang der Woche wurde gemeldet, dass sich Terra-Chef Do Kwon auf der Flucht befinde, weil ihn Interpol mit internationalem Haftbefehl suche. Do Kwon ist der Gründer von Terraform Labs, dem Unternehmen, das hinter den algorithmischen Stablecoins terraUSD und luna stand. Zusammen waren die Kryptowährungen rund 60 Milliarden US-Dollar wert, bis sie fast vollständig zusammenbrachen. Kwon weist die Behauptungen mittlerweile zurück und sagt, er mache „keinerlei Anstalten, sich zu verstecken“. t3n.de cnbc.com

 

– Treffpunkte –

ibi-Zahlungsverkehrsforum: Beim diesjährigen ibi-Zahlungsverkehrsforum geht es um den Zahlungsverkehr der Zukunft. Der Fokus liegt auf Themen und Trends wie elektronische Identität, Wallet, Embedded Finance, BNPL, Decentralized Finance (DeFi), In-Car-Payments und digitale Währungen. 6. Oktober 2022, Frankfurt am Main

Payment Summit: Auf dem Payment Summit erfahren Händler:innen, wie sie ihr Payment im Daily Business perfekt orchestrieren. Welche Payment-Lösungen performen, wie sich die Zahlungsvorlieben der Konsument:innen verändern, warum BNPL derzeit so spannend ist, warum ein smarter Checkout mehr Conversion bringt und natürlich auch, wie effektives Fraud- und Risikomanagement aussehen sollte, damit Konsument:innen gute Kund:innen bleiben. 25. und 26. Oktober 2022, Hamburg

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Smart City Index 2022 ist da: Der Branchenverband Bitkom hat sein jährliches Digitalranking für Deutschlands Großstädte veröffentlicht. In der Gesamtwertung landete in diesem Jahr Hamburg vor München und Dresden. Für uns Fintech-Interessierte besonders spannend: Ein wichtiger Indikator des Indexes ist der Bereich Payment. Hier fließen unter anderem die Angebote und Möglichkeiten zu E-Payment bei Online-Services, Bußgeldzahlung online und Kartenzahlung im Bürgeramt ein. Ein Wochenendgestöber durch die Gesamtergebnisse lohnt sich in jedem Fall. bitkom.org

Die Generation Z und das liebe Geld: Fintechs, Banken, Versicherungen – sie alle umgarnen längst die junge Kundenzielgruppe Gen Z. Die in diesem Artikel als Geburtsjahrgänge 1995 bis 2003 eingegrenzte Kohorte zu verstehen und dann auch noch die eigenen (Finanz-)Produkte an „die jungen Leute“ zu bringen, gilt dennoch weiter als Königsdisziplin. Warum das so ist, wird hier schön beschrieben. Paymentandbanking.com

Die Zukunft der Kartenzahlung: Bei „Souveränität“ geht es auch darum, kritische Infrastrukturen der Wirtschaft in einer zunehmend unruhigen Welt zu sichern, um die Pfeiler des eigenen Wirtschaftens weiterhin „in der Hand zu behalten“. Aber was hat das Ganze mit „Karten aus Deutschland“ zu tun? der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Ungetrübter Kryptoglaube: Auch nach dem Sommer-Crash der meisten Kryptowährungen sollte man weiter dranbleiben und investieren. So lautet jedenfalls die Mehrheitsmeinung an dem hier besuchten portugiesischen Krypto-Beach mit eigener Bitcoin-Bar. Die Reportage gibt spannende Einblicke und beschreibt, warum für viele Kryptoanleger nach dem Crash nur vor der nächsten Aufholjagd ist. nytimes.com (hinter Paywall)

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