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finletter 374 – Check24 schasst Raisin, Tomorrow startet Aktienfonds, Adyen partnert mit Tink

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  • finletter Autor Gunnar Hassel

    Gunnar Hassel ist freier Online-Redakteur und Content-Experte mit Schwerpunkt Finanz-Innovationen und Tech-Start-ups.

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Und jetzt ihr:

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Check24 schasst Raisin: Vom Partner zum Hauptkonkurrenten

So schnell kann es gehen. Aus den Partnern Check24 und Raisin, die bisher gemeinsam am Markt mit der Einlagenvermittlung aktiv waren, werden Hauptkonkurrenten. Durch den Split und das nun folgende eigene Angebot von Check24 endet das durch die Fusion von Raisin und Deposit Solutions Mitte 2021 entstandene Raisin-Monopol in diesem Finanzbereich. Für Kunden, die Vergleichsportale nutzen, um die besten Tages- und Festgeldangebote zu finden, sollte das von Vorteil sein. Denn nun gibt es immerhin wieder ein Duopol. Und auch die Banken, die die Einlagen annehmen, dürften zufrieden sein, wieder mit zwei Konkurrenten über Provisionen verhandeln und diese auch mal drücken zu können.

Spannend ist es also allemal, dass Check24 in diesen Markt einsteigt – oder besser, sich jetzt bei der Vermarktung auf das eigene Angebot beschränkt und die Produkte von Raisin nicht mehr vergleicht und vertreibt. Check24 weiß durch die – nun beendete – Zusammenarbeit, was der Markt hergibt. Die Münchner kennen nicht nur die üblichen Provisionen, sondern auch den Customer Acquisition Cost (CAC), also die Kosten, die bis zu dem Punkt anfallen, an dem aus einem potentiellen Einlage-Kunden ein tatsächlicher wird.

Zunächst überraschend ist das Timing dieses Moves. Zwar ziehen die Zinsen wieder an, allerdings sind auch viele Menschen aufgrund der aktuellen Kostenkrise nicht mehr in der Lage, überhaupt zu sparen (finletter berichtete). Interessant ist auch, dass Check24 mit der Varengold Bank als Partnerbank für das Neugeschäft ins Rennen geht und nicht mit der hauseigenen C24 Bank. Die Beziehung mag gewachsen sein, denn Varengold machte das schon, als es die C24 noch gar nicht gab. Wenn allerdings echtes Geld zu holen gewesen wäre, hätte Check24 die Varengold vielleicht auch ausgebootet.

Die Image-Wirkung bei den eigenen Konsumenten ist für Check24 jedenfalls miserabel. Denn aus Verbraucherschutzsicht heißt es nun: Check24 vergleicht auf seiner Plattform nur eigene Produkte und stellt so den Begriff Vergleich ad absurdum. Schon im Girokontobereich hieß die – bisher aber nur in Aussicht gestellte – Alternative: ein öffentliches, neutrales Vergleichsportal. Hier kann der Einlagenmarkt also gleich mit eingeplant werden. Im B2B-Bereich verspielt der Vergleichskonzern zudem sein Image als verlässlicher Partner für Finanzdienstleister. Erst gemeinsam ausprobieren und Know-how abgreifen und wenn es passt, einfach selber machen – durch diese bereits bekannte Methode werden die Vertrauensverluste immer stärker. Zu sicher sollte sich Check24 allerdings nicht sein. Denn im aktuellen Modell liefert in erster Linie Google die Leads an die Plattform. Und vielleicht übernimmt das Big Tech das Geschäft mit den Vergleichsportalen ja bald selbst, wenn Check24 und Co. zu krumme Ergebnisse bieten und den Nutzern relevante Vergleiche nur vorgaukeln.

financefwd.com


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– Fintech-News Deutschland –

Tomorrow launcht nachhaltigen Aktienfonds: Das Hamburger Fintech Tomorrow steht für Nachhaltigkeit im Banking. Auf eine nachhaltige Geldanlage mussten die Nutzer:innen der Tomorrow App und der Girokonto-Modelle allerdings lange warten. Mit dem Publikumsfonds „Tomorrow Better Future Stocks“ steht ein solches Angebot ab sofort bereit. Zunächst haben Kundinnen und Kunden, die auf der Warteliste stehen, die Chance zu investieren. In Kürze sind dann auch alle anderen Interessierten dran. zebramagazin.de

Check24 beendet Kooperation mit Raisin: Als Einlagen-Broker setzte das Münchner Alles-Vergleichsportal bisher auf eine Zusammenarbeit mit Raisin und vermittelte gegen Provision Tages- und Festgeld-Angebote, die sich auch auf den Raisin-Plattformen Weltsparen und Zinspilot finden. Nun wird aus dem Partner ein gewichtiger Konkurrent: Check24 wird das Angebot direkt übernehmen und über die Partnerbank Varengold eigene Angebote beim Zinsvergleich anzeigen. financefwd.com

Unzer zieht es nach Berlin: Nicht die Bankenmetropole Frankfurt am Main, sondern die deutsche (Fintech-)Hauptstadt Berlin wird der neue Hauptstandort des noch Heidelberger Bezahldienstleisters Unzer (ehemals Heidelpay). Finanz-Szene deutet dies auch als Entscheidung gegen weitere Fintech-Standorte wie Hamburg, München oder Düsseldorf. finanz-szene.de

Auch wichtig:

+++ Jetzt auch offiziell: Solaris wird neuer Partner für die ADAC Kreditkarte. Das Kartenprogramm mit der Landesbank Berlin läuft somit nur noch bis ins zweite Halbjahr 2023 weiter. presseportal.de finanz-szene.de +++ Das Berliner Fintech Trade Republic startet als erster europäischer Broker in den Handel mit Aktienbruchteilen. So wird den Kund:innen des Neobrokers die einfache Investition in jede Aktie und jeden ETF zu einem beliebigen Euro-Betrag ermöglicht. Trade Republic PM +++ Als Fintech mit jahrzehntelanger Erfahrung bezeichnet sich Riverty, der Finanzdienstleister von Bertelsmann nach dem Rebranding. Das zuvor als Arvato Financial Solutions geführte Unternehmen wird auch alle Untermarken wie beispielsweise Paigo, AfterPay oder Aqount ersetzen. presseportal.de+++ Für das insolvente Berliner Fintech Nuri liegen laut Insolvenzverwalter erste Kaufangebote vor. Besonders die digitale Plattform von Nuri mit über 200.000 Kunden und das darum aufgebaute technische Know-how im Fintech-Vertrieb hätten Interesse geweckt. businessinsider.de +++ Aktuell herrschen zwar keine optimalen Startbedingungen, dennoch wagen sich auch weiterhin frische Fintechs auf den Markt. Deutsche Startups hat gleich sieben dieser Frischlinge aufgelistet. deutsche-startups.de +++

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ Das Londoner Embedded Banking Fintech Railsr (vorher Railsbank) hat 46 Millionen US-Dollar durch eine Serie-C-Finanzierungsrunde eingesammelt. Zuletzt hatte das Unternehmen seine Aktivitäten in Südostasien und Australien deutlich reduziert, um sich auf das Geschäft in Großbritannien und Europa zu konzentrieren. techcrunch.com +++ Bereits Anfang dieses Jahres erhielt Solvo 3,5 Millionen US-Dollar über eine Seed-Finanzierungsrunde. Neu ist nun der Launch der eigenen App, die Krypto-Investments vereinfacht. techcrunch.com +++

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ In der aktuellen Folge von zeb Sound of Finance sprechen Jan Kauffmann, Berater bei Findic und Tim Bruenjes, Head of Sales & Strategic Business Development bei Fireblocks, zum Thema Digital Assets und die Zukunft der Finanzindustrie. Die Kernfrage dabei: Wird es Disruption oder eher Opportunität? +++ Ist der Vormarsch der Kryptowährungen eine nachhaltige Entwicklung oder ein kurzfristiges Phänomen? Dieser Frage widmen sich Jan Beckers und Florian Adomeit in der neuen Folge von Beckers Bets. +++ Die Podcast-Reihe How I Got Into Fintech von Payment & Banking widmet sich der Frage „Wie werde ich erfolgreicher Fintech-Gründer?“. In der aktuellen Folge erklärt Christopher Plantener, wie er Unternehmen in Reihe gründete und sein erfolgreiches Fintech Kontist verkaufte. paymentandbanking.com

 

– News International –

Adyen und Tink kooperieren: Gemeinsam launchen die beiden Fintechs laut eigener Einschätzung eine Open-Banking-Lösung der nächsten Generation. Durch die Zusammenarbeit wird die bestehende Beziehung zwischen den Unternehmen um die Zahlungsauslösung erweitert. Tink bietet Adyen-Kunden bereits heute einen Service zur Verifizierung von Kontoinhabern an. adyen.com altfi.com

Williams-Schwestern investieren in Shares: Tennis-Star Serena Williams treibt nach dem Ende ihrer aktiven Sportkarriere die eigenen Start-up-Investitionspläne voran und steigt gemeinsam mit ihrer Schwester Venus beim Pariser Fintech Shares ein. Die Social-Trading-App von Shares stellt den Austausch über Investments in den Vordergrund und ermöglicht den direkten Kauf von Aktien. Bis Ende des Jahres will Shares auch in Deutschland starten. financefwd.com

Starke Zahlen bei Bitpanda: 2021 war das Krypto-Rekordjahr – entsprechend positiv fielen in diesem Zeitraum Umsatz und Gewinn bei der Wiener Kryptoplattform aus. Bei einem Plattform-Handelsvolumen von 17,9 Milliarden Euro wurde ein Umsatz von 477,9 Millionen Euro erzielt. Unterm Strich kam Bitpanda im letzten Jahr auf einen Gewinn von 37,5 Millionen Euro. brutkasten.com

 

Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche

Entlassungen auch bei Meta: Ähnliche Gründe, ähnliche Methoden – wie zuletzt auch die Fintech-Unicorns Klarna oder Solaris baut Marc Zuckerbergs Big Tech weiter Personal ab. Dabei geht Meta offensichtlich auch den Weg der Umstrukturierung. Die Teams werden neu gegliedert und bekommen straffe Ziele, wer sich nicht neu bewirbt oder nicht mitziehen will, ist raus. Im Vergleich zu den jüngsten Personlkürzungen bei deutschen und europäischen Fintechs, wo Vieles über Abfindungen gelöst wurde, liest sich das Prozedere dann doch etwas rigoroser. Als Begründung für die Entlassungen listet der Meta-CEO die angespannte Gesamtwirtschaftslage, aber auch die jüngsten Einschränkungen bei personalisierter Werbung durch Apple auf. t3n.de Meta wird nicht das einzige Big Tech sein, das in naher Zukunft Personal abbaut. Gründerszene+ (hinter Paywall) sieht schon eine Entlassungswelle auf das Silicon Valley zukommen. businessinsider.de

 

– Treffpunkte –

Fintech Germany Award 2022: Noch bis zum 14. Oktober können sich Fintech- und Insurtech-Start-ups aus ganz Deutschland und aus allen Unternehmensphasen um den Fintech Germany Award 2022 bewerben. Dabei werden Gewinner in den folgenden Kategorien gekürt: Seed Stage, Early Stage, Late Stage, Growth Stage und Bestes Ausländisches Start-up in Deutschland. Zudem wird es mehrere Sonderpreise, u.a. für Insurtechs und im Bereich Sustainable Finance geben. Der jährliche Fintech Germany Award findet 2022 bereits zum 7. Mal statt. Die Preisträger werden von einer hochkarätig besetzten Jury ausgewählt. finletter ist Medienpartner des Events

Female StartAperitivo: Die Event-Reihe läuft bis in den Dezember hinein und bietet in Hamburg Masterclasses und Workshops für potentielle Gründerinnen und Female Business Angels an. Das gemeinsame Ziel der Veranstaltungen ist, die Gender Diversity in der Start-up-Branche zu erhöhen. Ab 12. Oktober 2022, Hamburg

Payment Summit: Auf dem Payment Summit erfahren Händler:innen, wie sie ihr Payment im Daily Business perfekt orchestrieren: Welche Payment-Lösungen performen, wie sich die Zahlungsvorlieben der Konsument:innen verändern, warum BNPL derzeit so spannend ist, warum ein smarter Checkout mehr Conversion bringt und natürlich auch, wie effektives Fraud- und Risikomanagement aussehen sollte, damit Konsument:innen gute Kund:innen bleiben. 25. und 26. Oktober 2022, Hamburg

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Fintechs stellen weiter ein: In unserem letzten Finletter war viel von Entlassungen bei Fintechs in Deutschland und auf der Welt zu lesen. Natürlich deshalb, weil genau das gerade häufig passiert. Trotz schlechterer Marktbedingungen tauchen Finanz-Start-ups aber nach wie vor in den Top-Listen der besonders häufig einstellenden Unternehmen auf. Bei TechCrunch wird das sehr anschaulich für den US-Markt erläutert. techcrunch.com

Top-Liste zu Kryptobetrügereien: Diese Wochenendlektüre spricht Kryptogegner und Kryptofans gleichermaßen an! Die einen können sich Punkt eins bis neun der Auflistung mit dem Titel „Krypto-Betrug: 9 Projekte, die nichts als Abzocke waren“ gönnen, um Bestätigung für ihre Ablehnung zu finden. Die anderen finden darin jede Menge Tipps, welche Angebote sie beim Kryptoinvestieren umschiffen sollten. t3n.de

Innovative Potenziale für Privatkunden: Privathaushalte sind gerade im Immobilienbereich für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen von der Politik und Recht immer mehr gefordert. Bausparkassen können hierzu wichtige und innovative Beiträge leisten, die weit über den Immobilienbereich hinaus reichen. der-bank-blog.de [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Es werde X: Elon Musk setzt nun doch auf einen Kauf der Kurznachrichten-Plattform Twitter – zum ursprünglichen Angebotswert. Der Tesla-CEO würde damit 54,20 US-Dollar pro Twitter-Aktie bezahlen, was rund 44 Milliarden US-Dollar entspräche. Wir schauen mal, ob es nun dabei bleibt. Zwischenzeitlich hatte Musk Twitter vorgeworfen, zum Beispiel bei den Angaben zu Fake-Accounts bewusst falsche Zahlen vorgelegt zu haben und war vom Kauf zurückgetreten. Interessanter als das Gefeilsche ist allerdings, was der Paypal-Mitgründer mit Twitter vor hat. Langfristig, so verkündete Musk nun unter anderem per Tweet, solle das Social Network zum Teil einer „Alles-App“ oder einem WeChat für die ganze Welt werden, die er X nennt und über die auch Zahlungen getätigt werden sollen. 1e9.community

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