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finletter 376 – Aus für Nuri, Sieg für Bunq, Apple bringt Sparkonten

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  • finletter Autor Gunnar Hassel

    Gunnar Hassel ist freier Online-Redakteur und Content-Experte mit Schwerpunkt Finanz-Innovationen und Tech-Start-ups.

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Und jetzt ihr:

Kennt ihr bereits Deutschlands größte und vielseitigste Fintech-Veranstaltung? Die Fintech Week veranstalten wir das nächste Mal vom 26.–30. September 2022.

Endgültiges Aus für Nuri

Zuletzt hatte Insolvenzverwalter Jesko Stark noch von einem regem Interesse an rettenden Investments in das in Schieflage geratene Berliner Krypto-Fintech Nuri gesprochen. Bei den Mitarbeitenden, aber auch bei vielen der 200.000 Kundinnen und Kunden kam dadurch etwas Hoffnung auf. Nun also doch das endgültige Aus. Bis zum 18. Dezember müssen alle Gelder und Kryptowerte abgezogen oder die Accounts auf Antrag zur Banking-App Vivid umgezogen werden. Die verbliebenen 132 Mitarbeitenden werden entlassen.

Ausschlaggebend sei am Ende die Marktlage gewesen, so Stark. Doch was heißt das? Welche Faktoren waren nun doch „too much“? Warum wollten Wagniskapitalgeber die am Ende fehlenden 10 Millionen Euro einfach nicht aufbringen? In Kommentaren wird nun das gesamte Geschäftsmodell in Frage gestellt. Die Investition in Bitcoin sei eben doch nicht so normal wie das Herunterladen einer App. In Zeiten des Hypes seien Erträge – natürlich – da gewesen. In Zeiten der Bitcoin-Talfahrt hätten die Anlegerinnen und Anleger aber komplett das Interesse an Krypto-Invests verloren.

Klar ist: Für den Handel mit Kryptowährungen ist das aktuelle, negative Gesamtpaket aus höheren Leitzinsen, Inflation, Krieg und Energiekrise besonders erdrückend. Bei Nuri spielte auch noch die Pleite des Partners Celsius Network mit rein. Die Einlagen des angebundenen Kryptoverleihers wurden im Jahresverlauf eingefroren. Noch ist unklar, ob Nuri-Kundinnen und Kunden, die die Partnerdienste nutzten, ihr Geld wiedersehen. Gegen ein rettendes Risikoinvestment in Nuri sprach am Ende wohl doch zu viel.

Nuri-CEO Kristina Walcker-Mayer beschreibt die Probleme, die am Ende zum Aus für Nuri geführt haben, in einem „Letter from our CEO Kristina“. Die Mischung aus Erklärung, Entschuldigung und Dankeschön endet in einem Blick nach vorn. So glaube man nach wie vor an innovative Finanztechnologien und sei überzeugt, dass Blockchain, Kryptowährungen und dezentralisierte Finanzen Möglichkeiten bieten werden, die einen echten Mehrwert für das Leben der Menschen schafften. „Die Macht der Technologie und die unendlichen Möglichkeiten des Blockchain-basierten Finanzwesens werden hier nicht enden“, so Walcker-Mayer.

Ob das gesamte Geschäftsmodell also ebenfalls vor dem Aus, zumindest aber in einem dunklen Schatten steht oder die Kryptobörsen und Bitcoin-Fintechs langfristig ihren Weg aus dem Krisen-Konglomerat heraus finden werden, bleibt abzuwarten.

faz.net faz.net financefwd.com businessinsider.de


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– Fintech-News Deutschland –

N26 setzt auf Bitpanda: Bereits im letzten Jahr führte die österreichische Krypto-Plattform eine Whitelabel-Lösung für Investmentangebote ein. Zielgruppe waren neben Fintechs auch etablierte Banken und Online-Plattformen. Nun wird es eine Zusammenarbeit mit der Berliner Challengerbank N26 geben. Kund:innen des Fintech-Einhorns wird so der Zugang zum Kryptohandel ermöglicht. N26 Krypto startet zunächst in Österreich, soll in den kommenden Monaten aber auch auf den weiteren Märkten verfügbar gemacht werden. n26.com blog.bitpanda.com

Trade Republic expandiert: In gleich elf weiteren Ländern aus der Euro-Zone wird der Berliner Neobroker zukünftig aktiv sein. Ziel ist laut Mitgründer Christian Hecker, den Kund:innen an nun 17 europäischen Märkten gerade bei hoher Inflation einen einfachen Zugang zu Investitionen am Kapitalmarkt zu bieten. handelsblatt.com

Vivid übernimmt Nuri-Accounts: Nach dem endgültigen Aus für das Berliner Krypto-Fintech Nuri (siehe Editorial) stehen die App-Türen der Neobank Vivid Bank offen, um Accounts von Nuri zu empfangen. Nuri-Nutzer:innen werden ab sofort an die Vivid-App weitergeleitet und können sich dort ein Konto erstellen und ihr Guthaben direkt übertragen. asscompact.de

Auch wichtig:

+++ Der deutsche Paymentdienstleister Unzer unterstützt den Einzelhandel auf dem Weg zum bargeld- und kontaktlosen Bezahlen. Für den Point-of-Sale steht ab sofort eine Lösung bereit, die Kasse, Kartenleser, Drucker und Scanner vereint und die gängigen Zahlungsmittel enthält. it-finanzmagazin.de +++ Mit sieben Millionen Kunden steht die Super-App Paycell des Mobilfunkanbieters Turkcell in der Türkei gut da. Nun soll der Sprung auf den europäischen Markt folgen. Für Deutschland fielen dabei die Entscheidungen für Partner Solaris und ein Büro in Stuttgart. financefwd.com +++ Die Logistik-Plattform Everstox kooperiert mit dem Fintech Banxware von Miriam Wohlfarth. Online-Händler können so zukünftig auch eine Finanzierung erhalten. +++ Auf Pädagogik in der Finanzbildung wird in der App Bling! großen Wert gelegt. So möchte das Fintech Familien von sich überzeugen und sie durch den Finanzdschungel führen. paymentandbanking.com +++ Binance und die Frankfurt School starten gemeinsame kostenlose Schulungen zu diversen Krypto-Themen. Ziel sei die Schaffung und der Ausbau von kostenlosen Bildungsmöglichkeiten für Studenten zu DLT, DeFi sowie NFT. btc-echo.de +++ Die DKB stellt ihren Robo Advisor ein und beendet damit eine nur einjährige Vertriebszeit. Laut DKB seien externe Faktoren – unter anderem geopolitischer Natur – verantwortlich für die zu schwache Resonanz. finanz-szene.de +++

 

Neue Finanzierungsrunden

+++ 10 Millionen Euro für Ecoligo: Das Berliner Fintech mit Fokus auf Impact-Investments hat seine Series-A-Finanzierung erfolgreich abgeschlossen. Neuer Investor ist FRV-X, Venture Division von Fotowatio Renewable Ventures (FRV), ein Weltmarktführer in der Entwicklung von nachhaltigen Energielösungen. zebramagazin.de +++ 3,8 Millionen für I2 Invest: Das Zuger Fintech sammelt bei mehreren Business Angels, einem Hedge Fund Manager und zwei Family Offices Geld ein. Die Schweizer sind spezialisiert auf die Digitalisierung von Investments in Darlehen. moneycab.com +++ Satte 55 Millionen US-Dollar hat das britische Fintech GoHenry mit seinem Neobank-Angebot für unter 18-Jährige in einer Eigenkapital-Finanzierungsrunde von seinen bisherigen Geldgebern Edison Partners und Revaia sowie über ein strategisches Investition des italienischen Zahlungsunternehmens Nexi, einem neuen Geldgeber, eingesammelt. techcrunch.com +++

 

– Neue Podcast-Folgen –

+++ In der aktuellen Folge des Finance Forward Podcasts spricht Host Caspar Schlenk mit CoIQ-Capital-Gründer Johannes Thomas über deren Geschäftsmodell, aus den Portfolios der Besten im Börsenspiel Informunity einen eigenen Fonds aufzulegen. +++ Bei Finanz-Szene – Der Podcast war diese Woche Jutta Arlt von der Hamburg Commercial Bank (HCOB) zu Gast. Als Head of Cash Management & Trade Finance bei der HCOB gibt sie Einblicke ins Cash Management in Zeiten steigender Zinsen und in die Kontakte ihrer Bank zur Fintech-Szene. finanz-szene-podcast.podigee.io +++ Im Investment-Podcast Beckers Bets dreht sich diesmal alles um die Frage: Absturz nach einem hoffnungsvollen Start – sollten Investoren nun auf Value-Aktien setzen? Mit seinem Gast Florian Adomeit spricht Jan Beckers aber auch über die Erfolgsgeschichte der Toniesbox. beckersbets.podigee.io +++

 

– News International –

Circle will Sprung nach Europa: Bisher fehlt zwar die Zulassung für die eigene Euro-Stablecoin, dennoch scheint der zweitgrößte Stablecoin-Anbieter der Welt die europäische Expansion anzutreiben. Die gerade finalisierte, aber noch nicht gültige Version einer neuen EU-Kryptomarktverordnung nehmen die US-Amerikaner zum Anlass, als Anwärter für den Markteintritt ins Rennen zu gehen. Auch mit Unterstützung eines in Brüssel bestens vernetzten Krypto-Experten. financefwd.com

Bunq setzt sich durch: Im Streit mit der niederländischen Zentralbank hat die Neobank Bunq in letzter Instanz eine Grundsatzentscheidung in ihrem Sinne erreicht. Die von dem Fintech initiierte Anklage zielte auf die Nutzung neuer Technologien gegen Geldwäsche ab. Bunq darf nun durch die Entscheidung des niederländischen Trade and Industry Appeals Tribunal (CBb) zum Beispiel Künstliche Intelligenz einsetzen, um Geldwäsche zu erkennen und zu bekämpfen. boersen-zeitung.de altfi.com hollandfintech.com

 

Über den Tellerrand: Tech-Giant-News für die Finanzbranche

Apple bringt Sparkonten auf den Weg: In Kooperation mit Goldman Sachs arbeitet das kalifornische Big-Tech an einem kostenfreien und hochverzinslichen Sparkonto. Nach Apple Pay und der Apple Card wäre das ein weiterer ambitionierter Schritt in den Finanzbereich. Nutzer:innen der Apple Card, die (noch) nur in den USA verfügbar ist, werden bereits in den kommenden Monaten in der Lage sein, ihr Sparkonto über die Wallet-App einzurichten und zu managen. Über ein verknüpftes Bankkonto oder Apple Cash Guthaben kann dann Geld auf das Sparkonto eingezahlt und abgehoben werden. it-finanzmagazin.de

 

– Treffpunkte –

Female StartAperitivo: Die Event-Reihe läuft bis in den Dezember hinein und bietet in Hamburg Masterclasses und Workshops für potentielle Gründerinnen und Female Business Angels an. Das gemeinsame Ziel der Veranstaltungen ist, die Gender Diversity in der Start-up-Branche zu erhöhen. Ab 12. Oktober 2022, Hamburg

Transactions 22: Payment & Banking holt seine Konferenz, die Fintech und Digital Business zusammenbringt, aus der Covid-Pause. 17. November, Offenbach

CryptX: An der Schnittstelle zwischen Krypto- und Finanzbranche hat Payment & Banking 2021 die CryptX aus der Taufe gehoben, die nun in die nächste Runde geht. 18. November, Offenbach

Mehr Veranstaltungen zu Fintech findet ihr im Event-Kalender auf finletter.de. Hier könnt ihr uns Tipps für Events geben.

 

– Wochenendlektüre –

Fintech-Interviews: Von der Gründung, über den Kampf ums Überleben, bis zu ersten Markterfolgen oder sogar einem lohnenden Exit – die Entwicklung von Fintechs lässt sich in Interviews hervorragend miterleben. Das Format eignet sich natürlich auch sehr gut als Wochenendlektüre, deshalb kommen hier gleich zwei Interviewbeiträge: Christian Ritosek vom Berliner Fintech Candis im Gespräch mit deutsche-startups.de und Stephan Stricker, Gründer und CEO von Pair Finance, Deutschlands führendem Fintech für Inkasso, bei startbase.de.

Die heißesten Start-ups Europas: Ob als Inspiration, zur Konkurrenzanalyse oder, weil man Start-ups einfach spannend findet – für die Wochenendlektüre eignet sich diese große Wired-Zusammenstellung der angesagtesten und erfolgversprechendsten frisch gegründeten Unternehmen in Europa. Es lässt sich über Berlin, London, Paris und weitere Hauptstädte einsteigen oder man taucht direkt in die Top 100 für ganz Europa. Eine Menge Fintechs sind natürlich auch dabei. Viel Spaß bei der Recherche! wired.com

Explore new visions in banking. Auf unserer Plattform Banking.Vision präsentieren wir Ihnen regelmäßig aktuelle Themen, Trends und Innovationen der Branche Banking. Kostenlos registrieren und von exklusiven Inhalten profitieren! https://banking.vision/ [gesponsert]

 

– Das Beste zum Schluss –

Endlich Transparenz: Besser gehütet als die Berechnung des Schufa-Scores ist ja eigentlich nur das Rezept von Coca-Cola – doch nun gibt es Einblicke! Im digitalen Schufa-Simulator lassen sich sieben Faktoren justieren, um nachvollziehen zu können, wie groß deren Einflüsse auf den eigenen Schufa-Score sind. Welche das sind und wie man vielleicht doch bald an den nächsten Konsumkredit kommt, lässt sich hier nachlesen: it-finanzmagazin.de

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