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Kommentar: Wem nützt die Treefin-Übernahme?

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    Der gebürtige Berliner studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Barcelona, bevor er im Staatsrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte. In den letzten Jahren war er in verschiedenen Management- und Vorstandspositionen mit den Schwerpunkten Vertrieb, Komposit und Digital tätig. Von 2016 bis 2019 baute Dr. Finkelnburg an der Frankfurter Goethe Business School als Akademischer Direktor den Bereich Versicherungen mit Schwerpunkt Digitalisierung auf. Seit 2019 ist er Mitglied des Vorstandes der BGV-Versicherung AG.

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Und jetzt ihr:

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Die W+W-Gruppe übernimmt Treefin. Das waren Breaking News in der vergangenen Insuretech-Woche. Die Branchenmedien reagieren aufgeregt, fast unruhig. Warum? Und: Wem nützt der Deal?

Klar, für ein Insuretech ist es das große Los: Nach Jahren der Aufbauarbeit und des – auch persönlichen – Investments kommt nun endlich der Zahltag. Der Firmenanteil wird versilbert, vermutlich wird das Team sogar vollständig übernommen, dann gibt es zusätzlich noch Gehalt und Bonus. Goldgräberzeit!

Doch was ist der Preis? Ein Verlust der Unabhängigkeit, vielleicht auch Verzicht auf spätere, noch höhere Gewinne. Und möglicherweise ein klein wenig Frustration, wenn man auf die staubtrockene Welt der „old economy“ stößt und einfach nichts bewegen kann. Meetings, Protokolle, unendliche Kompetenzstreitigkeiten und Abstimmungsprobleme, dazu eine alte Technologie und Denkweise. Wer als Start-up-Gründer damit leben kann, ist bei diesem Deal eindeutig ein Gewinner.

Was bedeutet der Deal für Treefin und W+W?

Wie sieht es umgekehrt aus? Wird W+W das Geschäft nutzen? Nun, zunächst ist das Investment angesichts der Größe der Gruppe und der dank Niedrigzins sehr reduzierten Anlagealternativen überschaubar. Sollte es irgendwann abgeschrieben werden müssen, wird W+W daran vermutlich nicht zu Grunde gehen. Natürlich profitiert das Unternehmen auch vom eingekauften fachlichen Knowhow und den technischen Impulsen, die daraus hervorgehen. Dies allerdings nur, wenn sich die übliche Schwerfälligkeit der IT-Systeme nicht als „show-stopper“ erweist.

finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über Insuretech
finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über die Insuretech-Branche

Die viel spannendere Frage ist, ob durch die Übernahme eines Insuretechs das Unternehmen digital umgestaltet werden kann. Dies setzt voraus, dass das man die neu eingekauften Erfahrungen, Ideen und vor allem Dynamik auch will. Solange die Strukturen und Prozesse nicht auf darauf ausgerichtet sind, wird es schwierig. Viele der langjährigen Mitarbeiter wissen gar nicht, was Digitalisierung konkret bedeutet. Sie sehen darin eher eine Bedrohung ihres bisherigen Arbeitsumfeldes. Die Herausforderung wird darin liegen, die Vorteile im Tagesgeschäft darzustellen, zu konkretisieren und zugleich einen neuen Spirit zu vermitteln.

Wer einmal den Kundenservice eines Insuretechs – bei dem auch nicht immer alles funktioniert – erlebt hat, weiß, wovon ich spreche: ein fröhlicher Chat mit „Viktor“, dessen Bubble mit Foto sofort aufblinkt, wenn ich auf der Website bin, vs. die nüchterne Information des Großunternehmens, dass man „selbstverständlich per Mail, Post oder Telefon kontaktiert werden“ könne. Hier werden die Gegensätze deutlich. Von der einfachen App einmal ganz zu schweigen.

Eine Insuretech-Übernahme ist also dann ein Gewinn, wenn die „old economy“ diesen Pioniergeist nutzt und fest entschlossen ist, diesen vom Vorstand bis zum Sachbearbeiter allen zu vermitteln.

Exit als Teil des Geschäftsmodells

Und jetzt? Werden wir mehr dieser Insuretech-Akquisitionen erleben? Natürlich! Es ist Teil des Geschäftsmodells. Die „old economy“ investiert oft bereits in die Gründung von Insuretechs und hat – wie hier im Fall von W+W und Treefin – ein hohes Interesse, gereifte Start-ups dann aufzukaufen oder zumindest fest an sich zu binden. Und die Jungunternehmen versilbern ihre Anfangsinvestitionen.

Ob dies gut für die Gründerszene ist, ist schwer zu sagen. Meine Antwort ist zumindest kein überzeugtes Ja. Wenn immer mehr Start-ups durch Übernahmen vom Markt verschwinden, geht der Innovationsprozess verloren. Ebenso die Konkurrenzsituation, die jedes Unternehmen dazu treibt, ständig besser zu werden.

Ohne die Aussicht auf Akquisen würde es perspektivisch allerdings keine Gründungen mehr geben. Insofern bleibt zu hoffen, dass sich die Übernahme-Nachrichten im Jahr 2017 in einem gesunden Rahmen halten.

Autor:in

  • Moritz Finkelnburg

    Der gebürtige Berliner studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Barcelona, bevor er im Staatsrecht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte. In den letzten Jahren war er in verschiedenen Management- und Vorstandspositionen mit den Schwerpunkten Vertrieb, Komposit und Digital tätig. Von 2016 bis 2019 baute Dr. Finkelnburg an der Frankfurter Goethe Business School als Akademischer Direktor den Bereich Versicherungen mit Schwerpunkt Digitalisierung auf. Seit 2019 ist er Mitglied des Vorstandes der BGV-Versicherung AG.

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