Die Hidden Champions unter den Insurtechs

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Einige Großveranstaltungen der digitalen Szene – Exec, DIA, Digisurance oder Noah – liegen hinter uns. Zeit für eine Bilanz. Die ist zum Teil ernüchternd, bietet aber auch einige überraschende Entwicklungen und interessante Newcomer-Insurtechs.

Das ernüchternde Fazit zuerst: Wirkliche Sensationen waren im Insurtech-Bereich nicht zu vermelden, eher eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Ja, Clark, WeFox, Getsurance oder Friendsurance haben ihre Geschäftsmodelle erweitert, verfeinert und ausgebaut. Ja, neues Geld wurde aufgenommen. Einige Versicherer haben sich an Start-ups beteiligt. Einige Insurtech-Broker beginnen zu kriseln und werden von den hohen Kunden-Akquisitionskosten schier aufgefressen.

Dafür etwas überraschender und durchaus belebend: Während die Insurtech-Broker Konsolidierungstendenzen zeigen, entwickeln sich die Risikoträger erfreulich nach vorne. In den letzten Monaten wurde bereits ausführlich über Ottonova (gerade operativ gestartet), Friday, Nexible und Flypper geschrieben. Inzwischen sind auch die Finleap-Tochter Element und – wie man immer schon ahnte und seit vergangener Woche weiß – der WeFox-Versicherer One an Bord (finletter berichtete). Interessant werden die nächsten ein bis zwei Jahre, in denen sich die Geschäftsmodelle im harten Wettbewerb beweisen müssen.

Neues von umtriebigen Gründern

Spannend ist der Blick hinter die Kulissen. Der Digitalisierungsbedarf der Assekuranz ist hoch und die Service-Provider und „Digi-Techs“, die die notwendigen digitalen Reparaturarbeiten durchführen, lohnen einen Seitenblick. Gleiches gilt für das eine oder andere Fin- oder Proptech, die während der letzten Szene-Events Aufmerksamkeit erregten:

CollectAI, ein Hamburger Start-up mit dem umtriebigen Mirko Krauel an der Spitze, das sich auf die cloudbasierte Organisation von Forderungsmanagement spezialisiert hat. Sensible Kundenansprache über alle Kommunikationskanäle, selbstlernende Software und präventive Kundenansprache sind die Kernelemente des Angebotes, das bisherige Zahlungsausfälle deutlich reduzieren und Kundenbindung erhöhen soll.

finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über Insuretech
finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über Insurtech

Zinsbaustein, Tochter des Company-Builders Finleap (der bereits Clark und Element aufgebaut hat), ist als Proptech bereits seit einigen Jahren am Markt. Personell gerade durch den erfahrenen Immobilienprofi Volker Wohlfahrt als CMO verstärkt, bietet Zinsbaustein privaten Anlegern eine volldigitale Investitionsplattform mit einem Crowdinvesting-Ansatz. Dieser ermöglicht es Privatanlegern, bereits ab einem Anlagevolumen von 500 Euro in ausgewählte Objekte von Projektentwicklern zu investieren, was in der Branche sonst erst ab deutlich größeren Anlagevolumina möglich ist.

Der Gewerbeversicherungsbereich ist das Ziel zahlreicher Digitalisierungsbemühungen. Aufgrund der Komplexität dieses Segmentes haben es bisher aber nur wenige Insurtechs geschafft, hier Fuß zu fassen. Einer der wenigen Newcomer ist die zur Policen-Direkt-Gruppe gehörende Vergleichsplattform GewerbeVersicherung24. Das in Frankfurt ansässige und von Florian Brokamp und Nikolai Dördrechter geleitete Startup bietet Gewerbekunden die Möglichkeit, die für ihre Zwecke passenden Versicherungen aus einer Vielzahl von Anbietern auszuwählen. Und dies alles vollständig digital. Interessant ist, dass das Unternehmen darüber hinaus Maklern anbietet, sie beim Aufbau von Gewerbelösungen und -systemen zu unterstützen.

Disruption im Kleinen

Last not least: Kasko. Der Hamburger Tech-Anbieter ist darauf spezialisiert, digitale Versicherungsprodukte jeder Art in jedem System zu bauen, für Versicherer genauso wie für Makler. Und dies in nur wenigen Wochen. Hinter dem Start-up steckt Nick Sühr, Sohn des Lübecker OCC-Gründers Thomas Sühr, der neben dem elterlichen Betrieb für zwei weitere renommierte Maklerhäuser tätig war, bevor sich in London den letzten Schliff für den Aufbau des eigenen Unternehmens holte. Letztes Projekt des Gründers war die Strukturierung einer Uhrenversicherung für den Schweizer Versicherer Baloise. Der Clou: Das Versicherungsangebot erfolgt volldigital auf Basis eines Handy-Fotos. Marke, Modell und aktueller Wert der Uhr werden – bis auf wenige Ausnahmefälle – automatisch erfasst, taxiert und in ein Angebot umgewandelt, das dem Kunden in Sekundenschnelle zugeht.

Disruption muss nicht immer sofort die gesamte Branche erschüttern. Dies zeigen die Beispiele der „Hidden Champions“ sehr deutlich. Sie fängt oft mit kleinen Details an und entwickelt sich dann systematisch weiter. Insofern kann man mit Spannung und einer gewissen Vorfreude auf die zweite Jahreshälfte und die nächsten großen Branchenevents etwa in Wien und London schauen.

Moritz Finkelnburg

1 Kommentare

  1. Ein netter Beitrag, allerdings ist die versprochene InsurTech- Fokussierung schwer zu finden.. Weder Forderungsmanagement noch eine crowdbasierte Investitionsplattform zählt für mich in diesen Bereich.
    Alles andere kann ich aber unterschreiben :)

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