About Fintech #9: Oh weh, Mobile Payment…

Auch 2018 wird das wieder nichts mit dem Durchbruch von Mobile Payment in Deutschland. Eine Glaskugel, die mir das definitiv sagt, habe ich zwar nach wie vor nicht, aber die Indizien häufen sich.

Das Thema kommt einfach kaum von der Stelle. Zwar gibt es mittlerweile auch hier in Deutschland das eine oder andere Angebot. Besonders die Lösungen von boon (dahinter steckt Wirecard) und SEQR funktionieren grundsätzlich überall dort, wo kontaktlose Kreditkartenzahlungen möglich sind. Das sind allerdings regelmäßig nur die großen Handelketten, bei vielen kleinen Händlern und Restaurants ist man schon aufgeschmissen.

Außerdem gibt es ja auch noch Payback Pay, das aber nur bei ausgewählten Payback-Partnern funktioniert. Auch Shell versucht sich in diesem Bereich und testet mit seiner App in Hamburg und Berlin derzeit das mobile Bezahlen.

Tobias Baumgarten
Tobias Baumgarten hat auf finletter die aktuellen Fintech-Trends im Blick. Nebenbei bloggt er auf aboutfintech.de und ist Botschafter der Fintech Week Hamburg 2017.

Apple hält sich weiter aus Deutschland fern

Die Rolle des Messias wird – wie so oft bei neuen Technologien – dem iPhone-Hersteller Apple zugeschrieben. ApplePay, so glauben viele, könnte hierzulande der Game-Changer sein und dem Mobile Payment zum Durchbruch verhelfen. Immerhin ist hier keine zusätzliche App nötig, das der Dienst fest in iOS integriert ist.

Doch Apple macht weiterhin einen weiten Bogen um Deutschland. Sehr zur Irritation der meisten Experten, die in seltener Einigkeit fest mit einer Verkündung des Deutschland-Starts auf der Apple-Keynote vergangene Woche gerechnet hatten. Aus jeder Kleinigkeit wurden im Vorfeld vermeintliche Hinweise herausgelesen.

Pustekuchen! Apple hat seinen deutschen Jüngern (mal wieder) den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Apple wird wissen, warum. Reine Boshaftigkeit wird es wohl nicht sein, eher das Wissen darum, dass sich ein Markteintritt in Deutschland derzeit kaum lohnt. Niedriger iOS-Marktanteil, geringe Kreditkartenverbreitung und ein Volk der Bargeldfetischisten. Keine guten Rahmenbedingungen. Daran hat sich seit meiner Einschätzung im Juni 2016 wenig geändert.

Kontaktlos ist ein Mobile Payment-Killer

Nun könnte man Hoffnung schöpfen, weil zumindest Aldi und Lidl seit einiger Zeit Kreditkartenzahlungen akzeptieren – und das auch kontaktlos; Rewe und viele Edeka-Märkte sind nachgezogen. NFC ist nunmal auch die technische Grundlage für ApplePay, AndroidPay und die oben genannten, hierzulande bereits aktiven, Mobile Payment-Verfahren.

Was eigentlich nur als Brückentechnologie gedacht war, könnte sich aber zum Hemmschuh verkehren. Denn kontaktlose Kartenzahlungen werden von den Deutschen überraschend gut angenommen. Dabei ist allerdings ausgerechnet die kontaktlose Girocard vorne dabei. Und die lässt sich erfahrungsgemäß schlecht in internationale Zahlverfahren integrieren.

Außerdem stellt sich weiterhin die Frage nach dem Mehrwert von ApplePay und Co. Denn mit den kontaktlosen Kartenzahlungen sind bereits zwei Trümpfe ausgespielt: die einfachere Handhabung und die schnellere Zahlung dank Verzicht auf die Pin. Einziger Mehrwert von Mobile Payment wäre jetzt nur noch der Verzicht auf die Karte. Die haben die meisten Menschen aber eh stets dabei, schon allein, um am Automaten Bargeld zu ziehen, denn der Deutsche zahlt kleine Beträge nunmal gern in bar.

2018 droht ein weiteres verlorenes Jahr

Für dieses Jahr kann man Mobile Payment also, wie gesagt, getrost abhaken. Selbst ich als SEQR-Nutzer setze im Geschäft oft genug lieber einfach meine Curve-Kreditkarte ein. Die funktioniert zuverlässig an allen kontaktlosen Terminals, während Mobile Payment öfters hakt – besonders an den weit verbreiteten H5000-Terminals von Verifone.

Wenn es hoch kommt, droht auch 2018 ein verlorenes Jahr zu werden. Selbst wenn ApplePay vielleicht den Schritt nach Deutschland endlich wagt. Denn die Frage nach dem echten Mehrwert bleibt weiterhin unbeantwortet. Und vielleicht sind die Deutschen in der Breite auch einfach zufrieden mit der Kombination von Bargeld und physischer Karte.

Tobias Baumgarten

6 Kommentare

  1. Hallo,

    guter Artikel der meine vollste Zustimmung findet Mobile Payment in Form von ApplePay, AndroidPay etc. ist und wird ein Nischen-Service bleiben. Selbst in Apple Hype Ländern wie beispielsweise Italien, wo ApplePay sogar aktiv von Grossbanken wie der UniCredit promotet wird, kommt das Thema nicht wirklich voran. Die meisten nutzen ähnlich wie IN Deutschland auch, das kontaktlose Bezahlen, wie es mitllerweile jede namhafte Bank mit ihren Bancomat Karten anbietet. Mobile Payment = als Revolution angekündigt, hat sich im Grunde selbst beerdigt…..

  2. Nach dem ich Boon, SEQR, LeyPayWallet und PAYPAL getestet habe, bin ich bei bunq gelandet. bunq hat den Vorteil das hierfür Meastro genutzt wird und sogar im Penny funktioniert. Das größte Problem ist wohl und das selbst bei NFC Zahlungen mit der Karte hierzu zu wenig geschrieben wird. Oft auch negativ, als wenn sich NFC Zahlung in Deutschland niemals durchsetzt. Wenn die Banken mal den Anfang machen würden und die Funktion bei der Karte jeden Kunden erklären würde. Hier in Schwerin zahlen fast alle noch mit Pin obwohl deren Karten schon langem NFC können.

    1. Hallo Detlef,

      es ist in der Tat seltsam, dass die Banken hier in Sachen Aufklärungsarbeit so zurückhaltend sind. Allein die Technik auszurollen und zu hoffen, dass sie genutzt wird, funktioniert nicht. Das hat die Vergangenheit wiederholt gezeigt.

      Da kommen Erinnerungen an das Online Payment mit GiroPay hoch, das auch nie beworben oder gar erklärt wurde. Dabei hätte man damit bereits vor 10 Jahren erfolgreich gegen PayPal anstinken können.

      Oder mit Geldkarte / GiroGo – für teuer Geld entwickelt und dann nie offensiv an die Kunden gebracht.

      Allerdings muss man auch ergänzen, dass sich der Handel bisher auch nicht mit Ruhm bekleckert. Gerade der müsste ja ein Interesse am breiten Einsatz der kontaktlosen Zahlungen haben, um die Durchlaufzeiten an den Kassen zu verkürzen, Tap & Go ist ja deutlich schneller als PIN oder Unterschrift.

      1. Der Handel versucht es ja von zentraler Stelle mit Werbung an den Terminals z.B.
        Nur reicht Werbung allein nicht aus wenn die Mitarbeiter nicht geschult sind. Diese sollten da auch aktivierend zur Seite stehen. Das fehlt mir oftmals.

        Was oft aber vergessen wird ist z.b. die Netto-App von Valuephone. Eigentlich echt praktisch. Man muss an der Kasse einen Pin sagen und bezahlt, punktet und löst Gutscheine damit ein. Leider eben auch nicht stark verbreitet.

    1. Ja, es ist in der Tat oftmals die fatale Kombination von fehlender Werbung bei gleichzeitig mangelhafter Schulung der eigenen Mitarbeiter. Und wenn dann noch der Kracher-Mehrwert fehlt, wird es halt richtig schwer.
      Und es ist halt auch nicht so, dass der Schmerz beim Kunden all zu groß wäre. Kartenzahlungen gehen meistens und der Deutsche liebt nunmal eh sein Bargeld.

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