Blockchain-Kolumne 15: Zwischen ICOs und Cryptokitties

Wie war das Jahr für Blockchain? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich würde sagen: Es kommt darauf an.

Zum Beispiel darauf, aus welcher Perspektive und von welchem Standpunkt aus man sich mit Blockchain beschäftigt. Für alle Menschen, die mit der Aussicht auf schnelles Geld in Bitcoin und die vielen ICOs investiert haben, war es ein gutes Jahr. Bis jetzt zumindest. Zum Beispiel für die Winklevoss-Zwillinge. Genau, das sind die von Facebook, und die sind nun angeblich die ersten Bitcoin-Milliardäre. Wie sagt man: Die Kuh scheißt immer auf den dicksten Haufen.

Aus Sicht der Banken

Boris Janek ist Kolumnist bei finletter - er schreibt über die Technologie Blockchain.
Boris Janek ist Kolumnist bei finletter – er schreibt über die Technologie Blockchain.

Die Bewertung der Banken dürfte man in ein unentschiedenes so lala übersetzen können. Auf der einen Seite scheint es da ein dezentrales Investitions-, Spekulations- und sogar Anlageprodukt zu geben, für welches man nicht mehr gebraucht wird und das man anscheinend auch nicht guten Gewissens seinen – inzwischen danach fragenden Kunden – empfehlen kann. Wobei andere riskante Bankprodukte weiter schamlos verkauft werden.

Andererseits haben die Blockchain-Konsortien, an denen einige Banken beteiligt sind, auch in diesem Jahr weitere Erfahrungen mit der Technologie gesammelt und sind auf der Suche nach sinnvollen Anwendungen ein kleines Stück weiter gekommen. Auch wenn Durchbrüche und wirklich beeindruckende Erfolge noch fehlen. Vielleicht sollte Paydirekt mal in Richtung Blockchain zu forschen beginnen.

Aus Sicht der Angreifer

Alle, die in der Blockchain etwas Disruptives oder gar Revolutionäres sehen, sind froh über die vielen ICOs von guten und werthaltigen Innovationen. Aber auch sie haben sicher ein weinendes Auge. Der Trubel um die sich täglich überbietenden ICO-Rekorde und auch die atemberaubende Bitcoin Ralley, werfen einen Schatten von Unseriösität auf die Szene. Blockchain erscheint als ein Instrument der Gier. Wenn Bitcoin und Blockchain ein Instrument zur finaziellen Inklusion sind, warum scheint die Schere zwischen Arm und Reich  in der Welt der Kryptowährungen dann noch weiter auseinander zu gehen? Offensichtlich besitzen nur 1.000 Menschen auf der Welt 40 Prozent des Bitcoin Marktes.

Außerhalb der Bankenwelt ist Blockchain aber schon lange keine Lösung ohne Problem mehr. Immer mehr Gründer, Organisationen, Institutionen und vor allem auch soziale Innovatoren haben die Möglichkeiten erkannt. Von Städten über weltweite bedeutende Institutionen wie die Uno oder das World Econmomic Forum bis hin zu Nationen (z.B. Vereinigte Arabische Emirate) – sie alle hoffen auf mehr Unabhängigkeit von Plattform-Giganten und Finanzkapitalismus.

Screenshot von cryptokitties.co

Und was sagt der electrouncle, also der Autor dieses Textes? Nun, er hat aktuell wenig Zeit, weil er nur noch Cryptokitties spielt. Das ist so etwas Ähnliches wie Pokeman Go, nur auf Blockchain-Basis.

Während Banken also Kunden, die nach Bitcoin fragen, wieder nach Hause schicken und die Blockchain-Experten denken, sie müssten die Blockchain erst einmal technologisch erklären, erreicht dieses Spiel möglicherweise das, was ich für wesentlich wichtiger halte: Die Menschen müssen verstehen, welche Chancen in einer dezentraleren Welt ohne Mittelsmänner liegen könnten.

In diesem Sinne: Eine schöne Weihnachtszeit und einen gute Rutsch in das neue Jahr!

Boris Janek