Gedanken zu Fintech 2018: Plattformbanken, Kooperationen, Kontexte, Start-ups

Was bringt uns Fintech 2018? Ein ganz persönlicher Blick auf vier Branchenbereiche und was in diesen im neuen Jahr zu erwarten ist. Von Hartmut Giesen


Banking für Nicht-Banken und Kontext Banking

Während alle danach schauen, was die GAFAs (Google, Amazon, Facebook, Apple) in Sachen Banking und Finanzen anstellen, haben in Deutschland die ersten kundenreichen, digitalen Unternehmen damit begonnen, Finanzdienstleistungen anzubieten: Die konkurrierenden Vergleichsportale Check24 und Verivox bieten die ersten Finanzprodukte an und machen sich durch Akquisitionen fit, um weitere Produkte und Services für Millionen von Kunden auszurollen. Die Mobilfunker von O2 und Orange (Frankreich) bieten Quasi-Banken an, hinter denen die Fidor respektive Wirecard mit ihren Banklizenzen stehen.

Der Trend, dass Nicht-Banken mit der Hilfe von Banking-as-a-Service-Plattformen Finanzdienstleistungen anbieten, wird sich im kommenden Jahr fortsetzen und zum reifen Kontext-Banking weiterentwickeln. Banken- und Zahlungsprozesse werden sich als Microservices in Lebenskontexte und Geschäftsprozesse einbetten; als Hintergrundprozesse oder als Angebot, das direkt am Point of Demand zur Verfügung steht.

Hartmut Giesen
Hartmut Giesen ist Business Development Manager bei der Hamburger Sutor Bank und gibt finletter einen exklusiven Ausblick auf Fintech 2018.

Schon länger haben Banken versucht, mit an Lebensphasen angepassten Angeboten Kunden anzuziehen. Jetzt wird klar, dass umgekehrt ein Schuh daraus wird: Banken können nicht darauf warten, dass die Kunden zu ihnen kommen; sie müssen bei den Kunden sein, wenn sie gebraucht werden.

Und natürlich schauen wir auch 2018 weiter auf die GAFAs und diskutieren, was wäre wenn… (Wir könnten an der Stelle auch den Erfolg diskutieren, den asiatische Tech-Companies mit Finanzdienstleistungen haben, aber auch dieses Phänomen wurde schon hinreichend erörtert.)

Welche Fintech-Gründungen sind noch erfolgversprechend?

Welche Art von Fintechs lassen sich 2018 noch erfolgversprechend starten und was müssen ihre Gründer leisten? KI, Blockchain und PSD2 schaffen auf der einen Seite neue Potenziale für Start-ups, machen ihre Gründung auf der anderen Seite technologisch und regulativ anspruchsvoller. Fintech-Gründungen, die lediglich darauf zielen, die Customer Experience mit mobilen Frontends zu steigern, wird es nur noch selten geben.

2018 muss es bei Fintech-Gründungen darum gehen, Kundenprobleme durch Technik und eleganten, aber strengen Umgang mit Regulierung zu lösen und damit echte Mehrwerte über die reine Customer Experience hinaus zu liefern (bzw. dies zum zentralen Kern der Customer Experience zu machen). Tiefes technologisches und regulatives Know-how in Verbindung mit genauen Kenntnissen über die Ineffizienzen im Finanzdienstleistungssektor sind deshalb Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Fintech-Gründungen. Gründer werden also mehr noch als bisher von Branchenexperten, weniger von Quereinsteigern kommen.

Fintechs und Banken – Sandwich-Kooperationen

Dass wir inzwischen vom Fintech versus Banken zum Fintech mit Banken gekommen sind, ist bekannt. Interessant sind die Kooperationskonstellationen, die dabei entstehen. Vor allem im Robo-Advisor-Bereich sehen wir, dass Banken in der Zusammenarbeit mit B2B-Robo-Advisors deren Systeme „End-to-End“ integrieren – inklusive der Bank, mit der das Fintech einst das ursprüngliche B2C-Angebot aufgebaut hat. Die integrierende Bank erspart sich damit die mühsamen Schnittstellen-Entwicklungen zwischen dem Fintech-System und der eigenen Depot-Management-Software.

Der Trend, dass modulare Fintech-Geschäftsmodelle komplett von Banken integriert werden, wird in 2018 zunehmen und zu ähnlichen Sandwich-Beziehungen führen, wie sie im Robo-Advisory zu beobachten sind.

Wo ist die Plattform-Bank?

Eine der spannendsten Fintech-Fragen bleibt, welches Unternehmen die Bankenplattform im engeren Plattform-ökonomischen Sinne bauen wird; also eine „Asset-lose“ Bank, die Konsumenten mit Produzenten verbindet, die zwar Finanzprodukte anbieten, aber nicht selbst Banken sein müssen.

Traditionelle Banken sind eher nicht die Kandidaten dafür, obwohl sie das Henne-Ei-Problem von Plattform-Modellen bereits gelöst haben: Sie haben genug Kunden. Aber ihr Geschäfts- und Erlösmodell erfordert, dass sie diesen Kunden ihre eigenen Produkte und Services anbieten.

Abgesehen von dezidierten Neugründungen, die durch die Notwendigkeit einer Banklizenz erschwert werden, und flexiblen Digitalbanken sind die Vergleichsportale in der besten Ausgangsposition, um Bankenplattformen zu bauen. Sie haben bereits die Kunden und die Produzenten an Bord, die für eine Plattform benötigt werden. Schon heute übernehmen sie für die Anbieter auf den Vergleichsplattformen Teilprozesse der Leistungserstellung, etwa das Onboarding und Scoring von Kunden. Mit einer eigenen Banklizenz, die auch Produzenten ohne eigene Banklizenz nutzen können, könnte das Plattform-Ökosystem im neuen Jahr wesentlich erweitert werden.

Fintech 2018 zusammengefasst

Generell schließe ich mich der Definition von Pascal Bouvier an

Fintech is the act of optimizing or disrupting the financial services industry.

…und frage mich, für welche Unternehmen das Optimieren und Disrupten gefährlich wird. Die Banken werden nicht verschwinden, wie auch viele andere Etablierte nicht verschwinden werden, aber einige – vielleicht auch mehr als einige – werden verschwinden, ebenso wie manche Fintech-Gründungen. Fintech im Sinne von Pascal Bouvier wird – wie die Digitalisierung in anderen Bereichen auch – alle nur mittelexzellenten Unternehmen gefährden, ob dies Banken oder Fintechs sind. Veraltete Geschäftsmodelle, technologische Schläfrigkeit, Schludrigkeit beim Talent-Sourcing, fehlende Agilität etc. werden in exponentiellen Zeiten schneller bestraft als bisher. Das wird Fintech 2018 noch klarer zeigen als bisher.

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