finletter 144 – Ebay und Adyen, Werbeverbot für Kryptowährungen, Insurtech

Ebay holt Adyen als Paypal-Nachfolgerin

Die innige Beziehung zwischen Ebay und seinem einstigen Tochterunternehmen Paypal neigt sich dem Ende: Der Online-Auktionär hat Donnerstag angekündigt, eine exklusive Vereinbarung mit Paypal nicht zu verlängern. Der Konzern bleibt der Ebay-Mitteilung zufolge eine Zahlungsoption. Primär sollen Zahlungen aber mit Hilfe von Adyen direkt auf der Plattform abgewickelt werden. Das (noch) nicht börsennotierte holländische Fintech ist zwar deutlich kleiner als Paypal, hat aber bereits gewichtige Kunden wie Facebook oder Uber. Anders als Paypal, das selbst der Payment Service Provider ist, agiert das Unternehmen als Schnittstelle zu diversen Zahlungsdienstleistern weltweit wie Mastercard oder Alipay. Für Ebay bedeutet der Schritt nach eigenen Angaben unter anderem eine bessere User Experience, da Kunden die Seite nicht mehr verlassen müssen, sowie geringere Kosten für Händler und Käufer. Damit wiederum positioniert Ebay sich Branchenkennern zufolge stärker gegen Amazon, wo bereits alle Transaktionen auf der eigenen Plattform stattfinden. Ebay erwartet einen Betriebsgewinn von 500 Millionen Dollar dadurch, dass Zahlungen im eigenen Haus abgewickelt werden. Zudem schwächt Ebay mit diesem Schritt den Marktführer Paypal und hofft durch den stärkeren Wettbewerb im Zahlungssgeschäft zu profitieren. Für Paypal folgte nach dem Bekanntwerden der Nachricht erst einml ein kräftiger Einbruch an der Börse. Dabei ist der Konzern längst nicht mehr so an Ebay gebunden wie noch vor einigen Jahren: Laut „Fortune“-Magazin gehen heute gerade mal 13 Prozent der Paypal-Transaktionen statt früher eines Drittels auf Ebay zurück. Kein Wunder, dass Paypal sich selbst optimistisch gibt und sagt, der Verlust werde „durchaus zu managen sein“. Editorial: Carolin Neumann, Clas Beese

Pressemitteilung, Reuters, Wirtschaftswoche, Fortune, Tagesschau (Paypal-Reaktion)


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– Fintech-News Deutschland –

Werbeverbot für ICOs: Auf Facebook und Instagram darf künftig nicht mehr für Kryptowährungen, ICOs und all jene Finanzprodukte geworben werden, „die häufig mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken in Verbindung gebracht werden“, hat der Konzern bekanntgegeben. Das Unternehmen stellt allerdings in Aussicht, die Regeln wieder zu lockern, sobald es gelernt hat, besser zwischen seriösen und betrügerischen Kampagnen zu unterscheiden. Facebook, Zeit, Techcrunch

Insurtech-Unternehmen aktiver denn je: In Deutschland ist die Zahl der aktiven Insurtechs trotz sinkender Investitionen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Drei Trends sind dabei abzulesen: Erstens geht die allgemeine Entwicklung in Richtung digitale Direktversicherer, zweitens sind Softwarelösungen und digitale Marktplätze unverändert gefragt, drittens steigt die Bedeutung von Gewerbelösungen. IT-Finanzmagazin, Pro Contra

Deutsche Bank macht auf Allfinanzkonzept: Die Deutsche Bank drängt in den Markt der Versicherungsoptimierer. Den Nutzern der hauseigenen Banking-App steht darin von Mitte 2018 an ein „Versicherungs-Manager“ zur Verfügung, über den Kunden ihre Sachversicherungen nicht nur verwalten und optimieren, sondern auch Neuverträge schnell und sicher abschließen können. Mit diesem Modell steht die Deutsche Bank jedoch nicht alleine da. Die italienische Bank Unicredit etwa spricht mit dem Versicherer Generali über den Aufbau einer Bancassurance-Gruppe in Osteuropa. FAZ, Handelsblatt

Comdirect-App erweitert: Mit Bekanntgabe ihrer aktuellen Quartalszahlen stellt die Comdirect nun auch eine Chat-Überweisung per App zur Verfügung. Die Onlinebank hatte im vergangenen Jahr ihr Gewinnziel übertroffen. Vor Steuern kamen 94,9 Millionen Euro heraus. Frankfurter Neue Presse, Hamburger Abendblatt, Handelsblatt (Premium)

N26 gewinnt Kunden in Frankreich: N26 ist erst seit wenigen Monaten auch in Frankreich aktiv. Gegenüber Finanz-Szene verriet Gründer Valentin Stalf nun, dass man im Nachbarland ein Jahr nach Launch bereits mehr als 200.000 Kunden habe gewinnen können – mehr als die Hälfte angeblich ohne weitere Marketing-Kosten. Finanz-Szene

Glückliche Finanzämter: Kryptowährungstransaktionen lassen die Kassen beim deutschen Fiskus klingeln. Schätzungen des Blockchain Center der Frankfurt School (FS) of Finance & Management nach wird der deutsche Staat für 2017 zusätzliche Steuern in Höhe von 726 Millionen Euro einnehmen. BTC-Echo

Wann kommt Apple Pay wirklich? Seit Wochen halten sich die Gerüchte, Apple Pay starte nun endlich auch in Deutschland. Bislang passierte … nichts. Jetzt verdichten sich (mal wieder) die Indizien für ein baldiges „go“. Computerbild, iPhone-Ticker

Scalable Capital: Wann kommt der nächste Meilenstein? Steht der digitale Vermögensverwalter kurz davor, die Milliardengrenze zu durchbrechen? Den Berechnungen des Kollegen von Finanz-Szene müsste es bereits im Frühjahr soweit sein. Einen nicht unerheblichen Anteil daran trüge die Kooperation mit der ING Diba dazu bei. Finanz-Szene

 

– Fintech-News International –

Mehr Geld für Schweizer Start-ups: Fast eine Milliarde Franken flossen im vergangenen Jahr in Schweizer Start-ups, wie der neue Swiss Venture Capital Report zeigt. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg 2017 um zehn Prozent auf 175 an, 30 davon in Fintech-Unternehmen. In Summe waren das für diese Fintechs 76 Millionen Franken – ein Zuwachs von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Netzwoche, Cash

Börsengang für Fintech-Invests: Die Venture-Gruppe Augmentum Capital beantragt dieser Tage einen Börsengang, um bis zu 125 Millionen Pfund für einen neuen Fonds zu beschaffen, der in Frühphasen-Unternehmen der Fintech-Branche in Großbritannien und Europa investiert. Reuters, Financial Times, Finextra

Starbucks und die Blockchain Das US-Kaffeekette Starbucks will die Technologie künftig einsetzen, um digitale Kundenbeziehungen zu vertiefen, heißt es aus dem Unternehmen. Eine eigene Kryptowährung oder Investitionen in Bitcoins ist aber wohl nicht in Planung. Derzeit arbeitet das Unternehmen jedoch mit Kooperationspartnern an einer digitalen Bezahlplattform. Horizont, BTC-Echo

Wer steckt hinter dem KodakCoin? Auch finletter berichtete über den vermeintlich geplanten ICO des Fotokonzerns Kodak. Doch einem Bericht zufolge stecke hinter der Token-Ausgabe jemand anderes, nämlich ein kleines Berliner Startup: die Ryde GmbH. Statt den Aufbau einer eigenen Blockchain samt Krpytowährung in Angriff zu nehmen, verkaufte Kodak stattdessen wohl nur seinen Namen – ein klassischer Lizenzdeal also. Gründerszene

Line-Messenger integriert Kryptobörse: Die japanische Chat-App Line-Messenger hat mit Line Pay eine Bezahlfunktion, mit der jährlich mehr als drei Milliarden Euro umgesetzt werden. Das Unternehmen aus Tokio plane jetzt den Aufbau einer eigenen, direkt in den Messenger integrierte Kryptobörse, die von einer eigens dafür geschaffenen Firmentochter namens Line Financial betreut werden soll. Pressemitteilung, t3n

 

– Treffpunkte –

Fintech-Stammtisch Berlin: Unter dem Motto Behördengang, Benz und Bankkonto: Digitale Identität (nicht nur) für Finanzdienstleistungen“ trifft sich der kommende FinTech-Stammtisch. Die Gäste beschäftigen sich mit Kundenidentifizierungsprozessen, PFM und der digital vorhandenen Identität, die zum Abschluss verschiedenster Verträge verwendet werden kann. 7. Februar, Berlin. Eventbrite

Blockchain-Summit: In der zweitägigen Veranstaltung, einem Tutorial mit anschließendem Multi-Speaker-Gipfel, werden führende Risikokapitalgeber und Angel-Investoren die aufkommende Blockchain-Technologie und ihre Beiträge zu einem sicheren Online-Abwicklungssystem in verschiedenen Branchen untersuchen. 7./8. März, Zürich. Eventseite

FinTech Meetup: In der Hamburger Volksbank treffen sich wieder alle Fintech-Interessierten zur Paneldiskussion mit Vertretern von Brainalyzed und Penseo. Anschließendes get-together inkludiert. finletter ist wieder Medienpartner. 8. März, Hamburg. Anmeldung über Facebook

Bafin-Tech: Im Blickpunkt der Veranstaltung stehen finanztechnologische Innovationen. Geplant sind Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen. Das Event richtet sich an neue und etablierte Unternehmen der Finanzindustrie. 10. April, Berlin. BaFin

Digital Banking Conference: Auf der Veranstaltung des Bitkom in Berlin versammeln sich Finanzpolitiker, Entscheider aus Banken, Börsen, FinTechs und Technologie-Unternehmen, um über innovative Produkte, neue Geschäftsmodelle und die Rolle des Gesetzgebers zu diskutieren. 16./17. Mai, Berlin. Eventseite

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie im Veranstaltungskalender auf finletter.de.

 

– Wochenendlektüre –

Nachgefragt! PSD2 ist da – was nun? Den inhaltlichen Fragen widmen sich Experten, die damit nun täglich zu tun haben werden und geben Einblick in ihre Erwartungen an die rechtliche Rahmenbedingung für die aktive Nutzung von Daten. Payment and Banking

Schulnoten für die Kryptowährungen: Nur ein C+ (befriedigend) hat die Kryptowährung Bitcoin durch die renommierte US-Rating Agentur Weiss erhalten. Auch andere digitale Währungen wurden unter die Lupe genommen. Ethereum schneidet besser ab. t3n, Heise Online

Die dubiose Spur des Geldes: Die Online-Investmentplattform Bitsequence verspricht Anlegern von Kryptowährungen hohe Rendite und schier unglaubliche Gewinne. Der Spur des vermeintlichen Reichtums ist „Zeit“-Autor Jens Tönnesmann gefolgt und investierte für seine Recherche selbst etwa 25 Euro. Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels über das Schneeball-System und intransparente Transaktionen ging die Website von Bitsequence offline. Zeit Online

Mega-Raub bei Coincheck: Bankenaufseher sind in großer Sorge. Dass Sicherheit und Anonymität im Krypto-Ökosystem nicht immer so funktioniert wie vorhergesehen, zeigen die Angriffe auf Coincheck vom Wochenende. Wirtschaftswoche, FAZ, Wired

 

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war der Artikel über das Misstrauen der Banken und Sparkassen gegenüber dem Bezahldienst Paydirekt. Manager Magazin (Paid)

 

– Das Beste zum Schluss –

Fingernägel, serios? Die Welt ist doch ein verrückter Ort. Katy Perry ist Sängerin und eine der Social-Media-Celebrities überhaupt. Auf Instagram teilte sie nun ein Foto ihrer lackierten Fingernägel, die mit 3D-Bildern von fünf Kryptowährungen verziert sind. Fast 200.000 Likes bekam die Sängerin für ihre „Krypto-Klauen“. Instagram, Cointelegraph

Christina Cassala

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