Blockchain-Kolumne (16): Immer die gleiche Leier

Gefühlt schreibe ich ja immer über das gleiche Thema. Hoffentlich liegt es daran, dass da draußen auch immer die gleichen Themen diskutiert werden. Immer wenn es um eine neue Technologien geht, dann wird viel nach Regulierung geschrien und darüber geschrieben. Dass bei ICOs eine solche hilfreich wäre, darüber sind sich alle Parteien einig.

Die Einen und die Anderen

Wobei wir wieder bei meiner Lieblingsmethapher der „Einen“ und der „Anderen“ wären. Die alte Welt – also die „Einen“ – möchte eine einschränkende Regulatorik, bei der sie in jedem Fall bevorzugt und vor den neuen Wettbewerbern geschützt wird.

In der Welt der „Anderen“ geht es eher um eine Regulatorik als Ermöglichkeitsraum, in der Neues – unabhängig davon, wer das Neue in die Welt bringt – gedeihen kann, jedoch ohne dass dadurch Schaden für Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft entsteht.

Eher für Menschen als für Unternehmen?

Ein besonderer Vorteil von Digital-Ledger-Technologien und insbesondere der Blockchain besteht darin, dass sie Probleme lösen, die eigentlich erst durch das Internet und die Digitalisierung entstanden sind. Es geht um die Beantwortung von Fragen wie: Wem gehören unsere Daten? Wer entscheidet über den Zugriff? Wer kann diese verwerten? Auf der Basis dezentraler Anwendungen können wir selber darüber bestimmen und könnten mit dem sogenannten digitalen Gold sogar Geld verdienen. Vielleicht reicht es für ein Grundeinkommen.

Kolumnist Boris Janek schreibt auf finletter regelmäßig über Blockchain
Boris Janek schreibt auf finletter über Blockchain

Ähnlich wie man sich bei Banken gelegentlich fragt, wieso wir einem Unternehmen Geld dafür geben sollen, mit unserem Geld zu arbeiten – es fallen ja sogar Gebühren für den Zugriff auf unser Geld an –, ist es beinahe unbegreiflich, wieso Unternehmen wie Facebook mit unseren Daten Gewinne erzielen und diese sogar verkaufen dürfen. Übrigens gibt den Datenkonzernen auch das kostenlose zur Verfügung Stellen einer Leistung nach meinem Gefühl kein Anrecht darauf, mit Informationen nachlässig und missbräuchlich umzugehen.

Eine Blockchain ist nur so stark wie die Werte ihrer Schöpfer

Ebenso unbegreiflich ist mir übrigens, dass wir Nutzer mit unseren Daten so umgehen, als hätten sie weder einen Wert noch eine Wirkung. Möglicherweise lullen herausragende Kundenerlebnisse die Menschen ein oder machen sie sogar dumm. Manche Menschen würden für ein tolles Kundenerlebnis selbst chinesische Payment-Apps von Tencent oder Alibaba nutzen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass die Daten von einem nicht demokratischen Staat dafür genutzt werden, Menschen zu überwachen und zuzurichten. Da wären auf öffentlichen Blockchains basierende Angebote ein Gegenmittel.

Auf der anderen Seite: Eine Technologie trägt immer nur die Werte der Menschen in sich, die sie entwickeln und einsetzen. Eine Blockchain mit chinesischen Werten oder russischen oder inzwischen ja wohl auch amerikanischen wäre dann wohl auch kein Fortschritt für die Menschheit.

Boris Janek

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