Global Insurtech Roadshow: „Die Aufbruchstimmung tut der Branche gut“

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Vergangenen Monat hat die Goethe Business School das erste Mal die Global InsurTech Roadshow veranstaltet – zwei geballte Tage rund um das Thema Insurtech. finletter war als Medienpartner dabei – und hat mit Organisator Moritz Finkelnburg über das Event gesprochen.


finletter: Was hat Sie motiviert, die Global InsurTech Roadshow auf die Beine zu stellen?

Moritz Finkelnburg: Letztlich war es eine spontane Idee von George Kesselman, dem Gründer von Insurtech Asia in Singapur, und mir. Beseelt von Grüner Sauce und reichlich Äppelwoi erzählte er mir im letzten Sommer von einer Roadshow, die er mit gut 20 Insurtechs durch fünf asiatische Länder veranstaltet hatte. Und schon war der Plan geboren, genau dies auch hier bei uns in Frankfurt zu tun. Dass die Flug-Infrastruktur und die Attraktivität Frankfurts als internationaler Finanzplatz bei dieser Idee hilfreich waren, kann ich nicht leugnen. Und unser wunderschöner Campus war natürlich der perfekte Rahmen.

Teil der zweitägigen Veranstaltung war auch die Präsentation junger Insurtech-Unternehmen. Welches Unternehmen hat Sie am meisten beeindruckt und warum?

Gar nicht einfach zu sagen. Ziel war es, inbesondere „Earlystager“ zu präsentieren, also junge, noch nicht ausgereifte Start-ups, die bisher noch nicht oft zu sehen waren. Am Ende hatten wir 24 Insurtechs im Pitch, die aus vier Kontinenten stammten. Von Neuseeland über San Diego, von Singapur bis Moskau. Spannend waren auch die Trends, die wir beobachten konnten. Zum Beispiel die Vielzahl von Start-ups im Gesundheitsbereich. Auch waren viele Entwicklungen im Bereich Blockchain und Artificial Intelligence zu sehen sowie im Schadenbereich. Ein Start-up brachte sogar seine Drohne in den Hörsaal mit.

Die Start-ups waren, wie Sie sagen, aus ganz unterschiedlichen Ländern angereist. Was sind die Unterschiede bzw. die Gemeinsamkeiten der jungen Unternehmen? Hat jedes Land einen eigenen Blick auf die Szene und wo sind die Innovationen?

Asiatische Insurtechs drängen nur zögerlich nach Europa. Die Marktchancen in Asien – gerade auch in China – sind so unglaublich groß, dass der Sprung zu uns eher unattraktiv ist. Höchstens, um Innovationen zu beobachten. Amerikanische Start-ups profitieren von der Größe des Landes, zum Beispiel beim Einsatz von Drohnenflotten zur Schadensbekämpfung, müssen sich aber andererseits als Insurtech-Versicherer in jedem einzelnen Bundesstaat registrieren lassen. Begeisternd war für mich zu sehen, mit welcher Neugierde und Offenheit die anwesenden Start-ups aufeinander zugingen, Erfahrungen austauschten und sich vernetzten.

Das Gros der Start-ups richtete sich mit seinen digitalen Lösungen eher an Versicherungen, als an den Endkunden. Woran liegt das? Ist B2C eher weniger attraktiv für die Start-ups?

Das stimmt, ist aber einfach zu erklären: Die Skalierbarkeit der Business Modelle ist im B2B- oder auch B2B2C-Bereich unendlich viel größer. Die Kundenakquisitionskosten sind dadurch deutlich niedriger und die Akzeptanz bzw. das Verständnis für innovative Geschäftsideen höher. Die Erfolge stellen sich mit besseren wirtschaftlichen Ergebnissen schneller ein.

Erstmalig wurde der Goethe InsurTech-Award vergeben. Wer gewann und was war die Begründung der Jury?

Es war ein ganz enges Rennen, an dessen Ende das Hamburger Start-up Nect die Nase vorne hatte. Das Team um die beiden Gründer Benny Bennet und Carlo Ulbrich bietet einen single entry point an, ein einziges Internetkennwort, das von allen Portalen, bei denen man sich im Netz ständig anmelden muss, anerkannt wird. Ein Passwort für alles sozusagen – vom Banking-Portal bis zum Amazon-Account. Und dreifach geschützt. Aber auch die Nummer zwei – Prenetics aus Singapur, die sich mit DNA-Analysen und abgeleiteten Verhaltenstipps beschäftigen – sowie das US-Start-up DropIn, das auf dem dritten Platz landete und Live-Streams von Schadenorten über gemietete Smartphones oder Drohnen anbietet, hatten faszinierende Ansätze.

finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über Insuretech
Moritz Finkelnburg ist Initiator der Global Insurtech Roadshow

Wer oder was ist Ihnen rückblickend am meisten in Erinnerung geblieben?

Der Enthusiasmus und Spaß aller Teilnehmer am Ausloten der digitalen Möglichkeiten und am Austausch miteinander. Man merkt, welche Faszination das digitale Zeitalter ausübt und mit welcher Energie und welchem Spirit plötzlich Ideen entwickelt werden. Nicht alle werden erfolgreich, das ist klar und manche werden trotz guter Ideen später im rauhen Wind des Wettbewerbs fortgeweht, aber diese Aufbruchstimmung ist unglaublich fesselnd und wird unserer Branche unendlich gut tun.

Wird es auch in 2019 wieder eine GIR geben?

Ja – und das mit einem riesen Spaß. Wir wollten erstmal abwarten, wie der Auftakt verläuft, aber das Echo war so rundum positiv, dass sich die Frage gar nicht ernsthaft stellt. Also den 19./20. März 2019 bitte schon einmal vormerken!

Christina Cassala