Geldautomaten, Filialen, Kwitt – wie weit nähern sich Sparkassen und Volksbanken an?

Porsche gegen Ferrari. Dortmund gegen Schalke. Sparkassen gegen Volksbanken. Alles über Jahrzehnte entstandene und gepflegte Wettbewerbssituationen, an denen nicht zu rütteln ist. Sollte man meinen. Doch zumindest die Sparkassen und Volksbanken haben erkannt, dass es sich lohnen kann, über den eigenen Schatten zu springen und strategische Kooperationen einzugehen.

Schließlich stehen sowohl die knapp 400 Sparkassen als auch die ca. 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken vor ganz ähnlichen Problemen: schrumpfende Zinsmarge, ein sich dramatisch änderndes Kundenverhalten, zunehmende Regulierung, ein dichtes, kostspieliges Filialnetz und hohe Investitionen in Digitalisierung. Von daher haben einige lokale Vorstände den Konkurrenzgedanken beiseitegeschoben und die Vernunft siegen lassen.

So gibt es Regionen, in denen Sparkassen und Volksbanken gemeinsame Geldautomaten betreiben – und damit jährlich sechsstellige Summe einsparen. Woanders werden sogar gemeinsame Filialen unterhalten, ganz pragmatisch: Vormittags haben die Sparkassen-Kunden ihre Ansprechpartner, nachmittags die Volksbank-Kunden. Sogar Fusionen wurden bereits angestrebt. Sie scheiterten jedoch an rechtlichen Hürden und der Politik.

Auch wenn die genannten Kooperationen offiziell als absolute Ausnahme gelten – die Entwicklung hin zu einer Annäherung beider Organisationen wird – und muss – sich fortsetzen. Auch auf Verbandsebene. Ein Beleg dafür ist die jüngste Meldung vom Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und dem Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), nach der sich die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken zusammengetan haben, um das Überweisen per Smartphone unter der gemeinsamen Marke Kwitt anzubieten. Zuvor waren, nach unbefriedigenden Verhandlungen mit dem Kartellamt, die Volksbanken zunächst mit einem Angebot namens „Geld anfordern & senden“ an den Markt gegangen – und die Sparkassen mit Kwitt.

Bei Kwitt aus Paydirekt-Fehlern gelernt

Kwitt Pressebild
Bemerkenswert innovativ, nennt Friedrich-W. Kersting den Zusammenschlag bei Kwitt (Pressebild zur Verfügung gestellt von Kwitt)

Kwitt soll sich aber nicht nur den Volksbanken öffnen, sondern auch weiteren Handy-Zahlverfahren, sowohl von anderen Banken als auch Anbietern außerhalb der Branche. Denn für den Erfolg ist der Kundennutzen entscheidend. Und der ist dann am höchsten, wenn die Kunden über Kwitt mit möglichst vielen ihrer Kontakte Geld über das Smartphone austauschen können – unabhängig von deren Bankverbindung. Ein richtiger und bemerkenswert innovativer Ansatz der Verbände, die nicht immer im Ruf stehen, nah am Kunden und am Puls der Zeit zu sein.

Bemerkenswert ist auch, dass Kwitt schlank geführt wird – mit der kommunikativen Verantwortung beim Deutschen Sparkassen Verlag (DSV). Die Entscheidungswege sind somit kurz und die operative Handlungsgeschwindigkeit schnell. Kwitt kann (fast) wie ein Fintech geführt werden und sogar ungewöhnliche Wege ausprobieren. So wurde auch mit Paypal über eine Kooperation verhandelt, bis das Kartellamt ein Veto einlegte. Offenbar hat man aus den Paydirekt-Fehlern gelernt. Denn da streiten sich die zahlreichen beteiligten Banken als Gesellschafter weiterhin im Kleinklein und arbeiten nicht miteinander, sondern gegeneinander, sehr zur Freude der Konkurrenz.

Business as usual darf keine Option sein!

Diese Problematik besteht gerade bei den Sparkassen auch innerhalb der Organisation: Viele Tochtergesellschaften hegen einen internen Wettbewerb, der letztlich aber nur zu Reibungsverlusten führt. Hier müssen der DSGV und die Regionalverbände optimieren und eine langfristige, konsolidierende Strategie implementieren. Silo-Denken und internes Preisdumping sind zu beseitigen und stattdessen Vertriebskraft und Marktfähigkeit der einzelnen Servicedienstleistungen zu erhöhen! Erste Ansätze sind bereits erkennbar – treibende Kraft ist erneut der umtriebige DSV.

Sich einfach auf der aktuell noch starken Position als „Hausbank“ auszuruhen, darf keine Option sein. Denn die Kundentreue nimmt rapide ab. Es bleibt daher zu hoffen, dass sich die fortschrittlichen Kräfte dauerhaft gegen die nicht wenigen Besitzstandswahrer und Bedenkenträger durchsetzen können. Denn nur wenn die Sparkassen und Volksbanken es schaffen, vor Ort weiter signifikant Kosten zu senken (ohne die eigene Marke zu verwässern), neue Wege zu gehen und innerhalb ihrer Organisation ein kundenzentriertes, kooperatives und unternehmerisches Vorgehen zu etablieren, dürften sie auch zukünftig eine wesentliche Rolle spielen.

Friedrich-W. Kersting

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