finletter 172 – Regulatoren-Netzwerk, Deposit Solutions, Wirecard

Regulatoren-Netzwerk plant internationale Sandkiste

Auf Initiative der britischen Finanzaufsicht FCA hat sich ein Netzwerk von Finanzaufsichtsbehörden und weiteren Stakeholdern gegründet. Das Global Financial Innovation Network (GFIN) dient neben dem Austausch auch dazu, eine globale regulatorische Sandkiste zu bauen. So sollen innovative Finanzprodukte getestet werden können, die in mehr als einen regulatorischen Aufsichtsbereich fallen. Gemeint sind zum Beispiel grenzüberschreitende Überweisungen oder ICOs. Dem GFIN gehören neben der FCA die Behörden von elf Ländern, darunter Hong Kong, USA, Australien und Abu Dhabi an. Großbritannien ist der einzige EU-Staat in der Runde. Deutschland ist nicht dabei, denn die Bafin lehnt grundsätzlich regulatorische Ausnahmen für Fintech ab. Man vertrete den Ansatz „Gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regeln“, dem stehe eine regulatorische Sandkiste grundsätzlich entgegen, kommentierte die Aufsichtsbehörde am Donnerstagnachmittag auf finletter-Nachfrage. Man befinde sich „im laufenden engen Kontakt mit internationalen Aufsichtsbehörden wie der FCA“, sagte eine Sprecherin. „Zu spezifischen Einzel-Vorgängen macht die Bafin in der Regel keine Angaben.“ Wettbewerbsnachteile sieht die Aufsicht durch Deutschlands Fehlen in dem neuen Netzwerk nicht. Fragen des Wettbewerbs gehörten nicht in den originären Zuständigkeitsbereich der Bundesanstalt, hieß es.

fca.org.uk, coindesk.com


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– Fintech-News Deutschland –

88 Millionen Euro für Deposit Solutions: Das Hamburger Start-up, bekannt vor allem für die Zinsvermittlung Zinspilot, erhält frisches Kapital von den VCs Vitruvian Partners (Großbritannien) und Kinnevik (Schweden) sowie bestehenden Investoren. Es ist die zweitgrößte Finanzierungsrunde für ein deutsches Fintech überhaupt. Deposit Solutions ist nun mit 500 Millionen US-Dollar bewertet. t3n.de, finanz-szene.de (Finanzierungsrunden)

Wirecard überholt Deutsche Bank: In dieser Woche war die Aktie des Ur-Fintechs Wirecard erstmals mehr wert als die von Deutschlands größter Bank. Im September könnte das Unternehmen sogar in den Dax aufgenommen werden. „Paymentandbanking“ allerdings erinnert daran, dass ein anderer Player viel mehr wert ist: Payment-Riese Paypal wird mit 90 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch bewertet wie alle börsengelisteten klassischen deutschen Banken zusammen. sueddeutsche.de, finance-magazin.de, paymentandbanking.com

Popcorn raus, Investoren-Zwist: Investor Frank Thelen und VC-Experte Sven Schmidt streiten sich öffentlich. Wir versuchen es kurz zusammenzufassen: In einem Podcast verglich Schmidt das Bewerben der Kryptowährung Neumark durch Thelen mit einem Schneeballsystem. Der wehrte sich auf Twitter sowie in diversen Interviews. Der Podcast verschwand, nachdem die beiden offenbar miteinander gesprochen hatten. gruenderszene.de (Verlauf), financefwd.com (längerer Beitrag von Schmidt)

Peter Thiel steigt bei Newcomer Taxfix ein: Das 2017 gegründete Start-up bietet eine mobile Steuer-App an. Nun haben die Berliner umgerechnet 11,4 Millionen Euro unter anderem von Thiels Valar Ventures für Expansion und Produktweiterentwicklung erhalten. deutsche-startups.de, t3n.de,

Fitbit Pay startet in Deutschland: Der Smartwatch-Hersteller bringt zusammen mit Visa sein kontaktloses Bezahlen nach Deutschland. Es funktioniert nur mit bestimmten Uhrmodellen und ist zunächst ausschließlich für Kunden der zur Landesbank Baden-Württemberg gehörenden BW-Bank verfügbar. golem.de, macwelt.de

Berliner Sparda-Banken werden zu Paketshops: Immer weniger Menschen besuchen Bankfilialen? Bei der Sparda-Bank könnte das bald anders aussehen. Sie integriert testweise zunächst in 13 Filialen Paketshops des Versanddienstleisters Hermes. mobiflip.de

 

– Fintech-News International –

Geht Amazon unter die Versicherungsvergleichsportale? Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Amazon für einen solchen Plan im UK die Fühler in Richtung großer Versicherer ausgestreckt. Das Unternehmen hat sich bislang nicht zu den Gerüchten geäußert. reuters.com

Exemplarischer Betrugsfall auf Schweizer Kredit-Plattform: Auf Advanon erhalten Unternehmen Kredite von Investoren, um ausstehende Rechnungen vorzufinanzieren. Ein Betrüger hat nun mit gefälschten Rechnungen insgesamt 2,1 Millionen Euro erbeutet. Advanon zieht die Konsequenzen und lässt nur noch institutionelle Anleger zu, Privatanleger dürfen in das Hoch-Risiko-Geschäft nicht mehr investieren. finews.ch

Weltbank plant Blockchain-basierte Anleihe: 64 Millionen Dollar soll die Anleihe mit dem Namen „Bond-i“ einbringen. Beauftragt wurde die Commonwealth Bank of Australia – Australien gilt als fortschrittlich in Sachen Blockchain-Technologie. sueddeutsche.de

Blockchain-Pilot in chinesischen Behörden: In der Stadt Shenzhen hat das Finanzamt die erste offizielle Rechnung auf Blockchain-Basis verschickt. Das System hierfür wurde zusammen mit dem Internet-Giganten Tencent entwickelt. cointelegraph.com

 

– Treffpunkte –

Blockchance Conference: „Bitcoin war nur der Anfang“, heißt es im Werbevideo zu der Konferenz, die eine breite Palette an Blockchain-zentrierten Themen für Anfänger und Fans gleichermaßen verspricht. 24.-25. August, Hamburg.

Fintech-Revolution: Neue technologische Lösungen und ihre Umsetzung in der Praxis stehen im Fokus dieser Fintech-Konferenz für Banken, Start-ups, Investoren und Berater. 20. September, Frankfurt.

Mehr Veranstaltungen zu Fintech finden Sie in der Event-Liste auf finletter.de.


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comdirect FinanzbarcampKeine festgelegte Agenda, dafür jede Menge Raum für neue Impulse. Das comdirect Finanzbarcamp geht in die nächste Runde. Einen Tag lang diskutieren die Teilnehmer zur Zukunft der Geldanlage. Am Abend wird der comdirect finanzblog award verliehen. community.comdirect.de


– Wochenendlektüre –

Plattformen als Schlüssel zum Erfolg: In einer neuen Folge der Transformations-Kolumne fragt Friedrich-W. Kersting, was Banken tun können, um ihre Geschäftskunden zu halten – und landet bei einem Plattformansatz als Lösung. finletter.de

Der erste seiner Art: Die Europäische Union hat einen lesenswerten Forschungsbericht zu Wettbewerbsregulierung im Fintech-Markt veröffentlicht. Unter anderem geht es um den betrugsanfälligen ICO-Markt und eine Möglichlichkeit, diesen sicherer zu machen. cryptoslate.com

Gesponserter Beitrag: Das Hamburger FinTech FLEXVELOP erfindet B2B Leasing neu und sucht Angel & Investoren, um den verstaubten 300Mrd.€ Leasing-Markt in Europa endlich aufzuwirbeln. EINFACH. SCHNELL. DIGITAL. flexvelop.com

Studienalarm: Deloitte malt ein eher trauriges Bild des Crowdlending. Rund 98 Prozent von 244 befragten KMUs gaben an, noch nie eine der gängigen Crowdfunding- und -lending-Plattformen benutzt zu haben. Für einen Abgesang aufs Crowdlending sei es aber zu früh, schreibt in Bezug auf die Studie Heinz-Roger Dohms. deloitte.com (Studie), finanz-szene.de (Kommenrtar)

Lieblingsspielzeug der Spekulanten: Drogendealer sind nicht länger die größte Nutzergruppe von Bitcoin, sagt eine Ermittlerin der US-amerikanischen Anti-Drogen-Behörde DEA. In den letzten fünf Jahren sei der Anteil krimineller Transaktionen am Gesamtvolumen von 90 auf 10 Prozent gefallen. Nun sind Spekulanten die größte Nutzergruppe. bloomberg.com, wired.de

„Finews“ hat eine These: GAFA, also die großen Tech-Firmen aus den USA, wollen und werden gar nicht richtig ins Banking einsteigen. Die News-Seite zitiert unter anderem Regulatorik und hohe Einstiegshürden als Belege. finews.ch

Bafin über Digitalisierung: Die Finanzaufsicht hat eine Schriftenreihe gestartet unter dem Titel „BaFin Perspektiven“. In der ersten Ausgabe, die man sich als kostenloses PDF herunterladen kann, geht es unter anderem um Aufsicht und Regulierung in Zeiten von Big Data und künstlicher Intelligenz. bafin.de

 

– Meist gelesen in der letzten Woche –

…war die Pressemitteilung von N26 zu der neuen Unterkonten-Funktion „Spaces“. presseportal.de

 

– Das Beste zum Schluss –

#findsatoshi: Es ist das größte Geheimnis der Kryptoszene: Wer steckt hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, dem legendären Erfinder von Bitcoin? Es gibt offenbar genug Neugierige, denen die Antwort Geld wert ist. Auf der russischen Crowdfunding-Plattform Boomstarter läuft eine Kampagne mit dem Ziel von umgerechnet 62.000 Euro, um gemeinsam mit Privatdetektiven aus mehreren Ländern auf die Suche zu gehen. Man müsse sichergehen, dass Bitcoin kein Betrug sei, heißt es in der Kampagne. Man müsse wissen, wer der Mensch ist, der mehr als eine Million Bitcoin besitzt und den Markt jederzeit so gut wie zerstören könnte. btc-echo.de


Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Frankreich sei ebenfalls Teil des Global Financial Innovation Networks. Tatsächlich heißen die Aufsichtsbehörden in Frankreich und der kanadischen Provinz Québec zwar gleich (Autorité des marchés financiers, AMF), im GFIN dabei ist allerdings die kanadische AMF, nicht die französische.

Carolin Neumann
Clas Beese

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