Was die Insurtech-Szene 2019 bewegen wird

Unsere Insurtech-Kolumnisten, die ab diesem Jahr abwechselnd ihre Markt-Beobachtungen auf finletter teilen werden, wagen für uns einen Blick in die Zukunft und verraten uns die aus ihrer Sicht wichtigsten Trends:

Erika Krizsán (Insurance Factory, Managing Director)

Erika KrizsanDie Versicherungsbranche ist heute bereit, neue Wege zu gehen und neue Möglichkeiten auszuprobieren. Das Verständnis „Heute etwas zu machen, um noch in zehn Jahren bestehen zu können“, ist angekommen. Aber der Umsetzungsgrad der digitalen Transformation ist unterschiedlich. Folgende zehn „Hard- und Softtrends“ werden die digitale Transformation 2019 weiterhin stärken:

Fünf „Hard-Technologietrends“ für 2019:

  • Künstliche Intelligenz, um Kundenanforderungen effizienter abbilden und Prozesse automatisieren zu können
  • Internet of Things, um auf Risiken hinzuweisen und darauf basierende Serviceangebote zu kreieren
  • Blockchain-Technologie kontinuierlich erforschen, Netzwerke bilden, um neue Versicherungsangebote auf den Markt zu bringen oder Betrugsmöglichkeiten zu reduzieren
  • Drohnen werden im Bereich Risikoanalyse und Schadenevaluierung getestet
  • Neben bestehenden Geschäftsmodellen wie Peer2Peer(P2P), On-Demand-Versicherung, Mikroversicherung, Usage-Based-Versicherungen werden neue Versicherungsabomodelle auf den Markt gebracht werden

Fünf „Soft-Organisationstrends“ für 2019:

  • Innovationsabteilungen werden gebildet, Chief Innovation Officers und Innovationsmanager ernannt, um den Fokus mehr auf innovative Themen zu lenken.
  • Statt Silo-Organisationen werden immer mehr kundenfokussierte, projektbezogene Strukturen aufgebaut, um Projekte flexibel und effektiver zu gestalten.
  • Mehr Aktivitäten mit Start-ups, um Technologietrends zu erkennen.
  • Eigene Digital-Versicherungen und/oder Venture-Gesellschaften werden von Versicherern gegründet, um bessere Chancen erarbeiten zu können.
  • Kreative, bunte Räumlichkeiten und Innovation Labs werden eingerichtet, um neue Meeting- und Unternehmenskulturen zu schaffen.

Hans-Peter Holl (enowa AG, Vorstand)

Hans-Peter_Holl2019 wird sich einiges am Kräfteverhältnis zwischen Versicherern, Insurtechs und Assekuradeuren bewegen und verändern. Das Angebot an Start-ups ist mittlerweile vielfältig, ja, man kann durchaus schon von einer Flut an neuen Unternehmen sprechen. Und die Anzahl wird dieses Jahr mit Sicherheit noch steigen, da noch sehr viel (Investoren-)Geld im Markt vorhanden ist. Wer davon sich dauerhaft etablieren kann, das werden wir 2019 und in den folgenden Jahren sehen. Denn die überwiegende Zahl der Insurtechs verdient nach wie vor kein Geld, was ein Blick in den Bundesanzeiger bestätigt.

Für Versicherer stellt sich 2019 vor allem die Frage nach den richtigen Partnern. Denn eins ist klar: Sie werden die digitale Transformation nicht allein bewältigen können. Welche der Start-ups und vorhandenen Unternehmen versprechen Innovationen im Sinne von technologischem Fortschritt oder ermöglichen neue Geschäftsmodelle? Das gilt es zu klären und zu prüfen. Versicherer müssen sich auch 2019 weiter vom klassischen Versicherungsgeschäft verabschieden. Mit starken Partnern in versicherungsfremden Märkten müssen sie über Koppelprodukte und B2B2C-Ansätze näher am Point of Sale von Konsum- und Dienstleistungsprodukten aktiv werden.

Moritz Finkelnburg (Global InsurTech Roadshow, Gründer)

finletter-Autor Moritz Finkelnburg schreibt über InsuretechDie letzten Jahre haben bereits massive Veränderungen in der Versicherungslandschaft gebracht. Vielleicht noch keine Disruption, zumindest aber Aufbruch und neue Wege: zunächst durch digitale Versicherungsordner, Broker oder P2P-Anbieter direkt an der Kundenschnittstelle, dann durch die Zulassung verschiedener digitaler Versicherer zunehmend auch auf der Produktseite. Der Kunde ist heute in der Lage, alle seine Verträge jederzeit online – sogar per Smartphone – zu managen und zu verändern. Versicherungen können blitzschnell online abgeschlossen werden (mit Fingerprint-Unterschrift!), Schäden werden in Minuten reguliert. Von dieser Entwicklung brauchen wir noch mehr!

Meine These für 2019: Versicherer werden gezwungen werden, ihre Wertschöpfungskette im Retailgeschäft radikal zu digitalisieren. Schneller – fehlerfreier – günstiger: Diese Folgen kommen auch den Kunden zugute. In Gewerbe- und Industrieversicherung müssen wir langsam die Steinzeit hinter uns lassen. Auch dort ist Digitalisierung möglich, wenn man nur will. Technische Disruption schwappt aus Asien zunehmend zu uns herüber: AI, IoT, Blockchain sind nur einige der Megatrends, die – vielleicht durch Google, Amazon oder Alibaba und Tencent getrieben – uns in Atem halten und die herkömmliche Struktur des Versicherungswesens massiv verändern werden. Ob bereits 2019, bleibt aber abzuwarten.

Sabine Vanderlinden (Tia Technology, Aufsichtsrätin, & Startupbootcamp InsurTech, Geschäftsführerin)

Sabine VanderLindenIch sehe vor allem vier innovationsgetriebene Trends, die inhärent miteinander verbunden sind und 2019 bereits jetzt zu einem faszinierenden Jahr machen:

  1. Hyperpersonalisierung: Versicherungsprodukte werden immer zielgerichteter, relevanter und bedarfsorientierter, um die anspruchsvollen Anforderungen an digitale und nahtlose Erlebnisse zu erfüllen.
  2. Soziales Bewusstsein: Dank digitaler Plattformen werden der Zugang, das Teilen, das Vermieten und der Schutz von Sachen wichtiger als reines Eigentum.
  3. Von reaktiv zu präventiv: Die verstärkte Verwendung von Daten wird Menschen – durch die Bereitstellung individualisierter, vorbeugender Maßnahmen – beim aktiven Gesundheitsmanagement unterstützen.
  4. Humanisierungstechnologie: Die Abstimmung zwischen von Menschen durchgeführten Aktivitäten und kognitiver Intelligenz wird an den Arbeitsplätzen 2019 zu einem immer wichtigeren Thema.
Erika Krizsán
Hans-Peter Holl
Moritz Finkelnburg
Sabine VanderLinden

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