Cyber, Wetter, Health – und eine Menge Israel

Moritz Finkelnburg schreibt in der Kolumne „Insurtech-Quartett“ auf finletter in regelmäßigen Abständen über die aktuellen Geschehnisse in der Szene. Heute berichtet er über die von ihm selbst mit dem Frankfurter TechQuartier organisierte Global Insurtech Roadshow und schildert seine persönlichen Eindrücke. finletter war Medienpartner des Events.


Bereits 2018 war der vielversprechende Startschuss zu einer für mich sehr besonderen Insurtech-Veranstaltung an der Frankfurter Goethe-Universität gefallen. Trafen sich damals etwa 180 Teilnehmer mit 25 internationalen Start-ups und dem Gastland Singapur zur Global Insurtech Roadshow, so waren es vergangene Woche bei der #GIR19 später deutlich mehr Besucher, Versicherer und Medien, die die Pitches und Expertenpanels verfolgen wollten.

Herzstück der auf Earlystage-Insurtechs spezialisierten Konferenz war der am ersten Konferenztag stattfindende Pitch um den TechQuartier-Insurtech-Award. 21 Start-ups aus neun Ländern mit Schwerpunkten zwischen Health, Data Analysis, Weather oder Cyber kämpften um den Titel. Den von EIOPA-Präsident Gabriel Bernardino überreichten Award erhielt schließlich das israelische Start-up Air Doctor, das die Jury mit seinem Konzept für ein weltweites Ärzte-Netzwerk für Reisende überzeugte.

Erstaunlich war einmal mehr die große Bandbreite an jungen Gründern, die sich auf die Bühne wagten. Einige hatten in Frankfurt ihren ersten Auftritt, andere standen wiederum schon kurz vor der ersten großen A-Finanzierung. „Genau dies“, so Jury-Präsident Sebastian Langrehr (Friendsurance), „macht den besonderen Charakter dieser Veranstaltung mit Hörsaal-Atmosphäre aus“.

Insurtechs mit Gesundheitsschwerpunkt

Thematisch war die starke Zunahme von gesundheitsbezogenen Insurtechs sowie von – häufig auf parametrischen Deckungsstrukturen beruhenden – Wetter-Start-ups verblüffend. Auffällig waren neben Air Doctor beispielsweise Serenus.AI (Automatisierte second opinion vor Operationen oder komplexen Behandlungen) oder Bodylabs aus Deutschland (digitale Präventionsmodelle). Neu auf der NatCat-Seite waren die Wetterhelden aus Hamburg, Floodflash aus London und auch das auf Drohnendaten nach Wetterkathastrophen spezialisierte Bulgarische Start-up Skyglyph. Cyber ist und bleibt ein mehr als aktuelles Thema. Inrteressant hierbei besonders die Ansätze des israelischen Start-ups Gefen Technologies. Weiterhin Mangelware sind leider Ansätze im gewerblichen oder industriellen Kompositgeschäft sowie in der Lebensversicherung.

Israel als Gastland der Global Insurtech Roadshow setzte besondere Akzente. Stark beeinflusst von der militärischen Vergangenheit vieler Gründer bei den Israel Defense Forces wiesen die technischen Modelle der präsentierenden Insurtechs eine hohe technische Reife auf. Schwerpunkte des israelischen Sillicon Valley rund um Tel Aviv sind insbesondere Cyber und Artificial Intelligence. Auch das flexible und unterstützende regulatorische Umfeld – von Chefaufseher Dr. Moshe Bareket in Frankfurt anschaulich beschrieben – hilft den Gründern dort sehr.

Der zweite Veranstaltungtag stand im Zeichen der Technik. Fünf hochkarätig besetzte Experten-Panels diskutierten über Cyber, Blockchain, Artificial Intelligence, Regulatorik und Digitale Strategien. Besondere Highlights hierbei sicherlich das von TempoCap-Gründer Pierre Suhrcke aus London unterhaltsam und kontrovers moderierte Blockchain-Panel („Gibt es hier überhaupt schon echte Use Cases? Wo?“) sowie der „Regulators Talk“, in dem die Chefaufseher der Bafin, Israels und Mazedoniens vom „FAZ“-Versicherungsexperten Philipp Krohn charmant, aber intensiv zu den Rahmenbedingungen für Insurtech-Gründer befragt wurden.

Auf ein Neues

Die Global Insurtech Roadshow wird 2020 unter der Organisation des TechQuartiers zurückkehren und freut sich bereits heute auf zahlreiche neue und kreative Start-ups am Fintech- und Insurtech-Standort Frankfurt sowie auf ein neues, aufregendes Gastland.

Moritz Finkelnburg